Die Neurologie in Tübingen bietet Medizinstudierenden vielfältige Möglichkeiten, praktische Erfahrungen im Rahmen einer Famulatur oder des Praktischen Jahres (PJ) zu sammeln. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte einer solchen Ausbildung, von den angebotenen Inhalten und Zielen bis hin zu Erfahrungsberichten und Rahmenbedingungen.
Das Praktische Jahr (PJ) in Tübingen
Die Wahl der Ausbildungsstelle für das PJ ist entscheidend für ein lehrreiches und faires Jahr. Ethimedis unterstützt bei der Suche nach der optimalen PJ-Stelle, indem einzigartige und detaillierte Informationen zusammengestellt werden, anhand derer man gezielt und objektiv vergleichen kann, welche Kliniken die persönlichen Erwartungen erfüllen.
PJ-Ranking und Kriterien
Ethimedis bietet ein PJ-Ranking, in dem Kliniken aufgelistet sind, an denen man sein PJ absolvieren kann. Die PJ-Bewertungen richten sich dabei nach Kriterien, die unter anderem zusammen mit Petition für ein faires PJ erarbeitet wurden. Zu diesen Kriterien gehören:
- Zeit zum Selbststudium im PJ
- Kleidung und Verpflegung im PJ
- Definierte Aufgabenfelder im PJ
- Mentoring und Lehrveranstaltungen im PJ
- Aufwandsentschädigung im PJ
- Eigener Spind im PJ
- Vergütung im PJ
Durch Klick auf die jeweilige Klinik können Detailinformationen zu den einzelnen Fachabteilungen aufgerufen werden.
Famulatur in der Neurologischen Klinik
Das Marienhospital ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Tübingen. Hier wird Aus- und Weiterbildung groß geschrieben. In der Klinik werden Medizinstudenten und Ärzte intensiv ausgebildet. Neben einem breiten, fachübergreifenden Angebot an Lehrveranstaltungen profitieren Studenten von einem abteilungseigenen Aus- und Weiterbildungsprogramm. Die Klinik ist zudem als „Anerkannte Ausbildungsstätte der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN)“ zertifiziert. Die DGKN vergibt dieses Zertifikat für Kliniken, die aktiv ausbilden und eine hohe Qualität in der Anwendung der Klinischen Neurophysiologie erreichen.
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Möglichkeiten und Voraussetzungen
Die Neurologische Klinik bietet Plätze für eine Famulatur an. Die Famulatur sollte mindestens vier Wochen dauern, in Ausnahmefällen sind auch drei Wochen möglich. Während der vorlesungsfreien Zeit können auch Medizinstudenten anderer medizinischer Fakultäten eine Famulatur absolvieren. Da die Anzahl der Famulaturplätze begrenzt ist, sollte die Anmeldung frühzeitig schriftlich oder telefonisch erfolgen. Als Bewerbungsunterlagen sind eine kurze, formlose Aufstellung des derzeitigen Ausbildungsstands und ein kurzer Lebenslauf erwünscht.
Angebot im Praktischen Jahr
Im Rahmen des PJ in der Neurologie können Medizinstudierende folgende Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben:
- Neurologische Untersuchungstechniken erlernen und anwenden
- Alle elektrophysiologischen und neurosonologischen Zusatzuntersuchungen kennenlernen
- Unter Anleitung Patienten auf der Station betreuen
- An den täglichen Patientenbesprechungen, den neurologisch-radiologischen Konferenzen sowie den neuropathologischen Fallbesprechungen teilnehmen
Unterrichtsveranstaltungen
Die Klinik für Neurologie bietet verschiedene Unterrichtsveranstaltungen an:
- Klinische Lehrvisite
- Fallseminar
- Einführung in die apparativ-diagnostischen Methoden wie EEG, EMG, EP, Doppler- und Duplexsonografie
- Morgenkonferenz mit Fallvorstellung
- Wöchentliche interne wissenschaftliche Fortbildung (Journal-Club)
- Neurologisch-neuroradiologische Konferenz
- Neuropathologische Konferenz
- Interdisziplinäre Tumorkonferenz
Außerdem steht das gesamte Weiterbildungsangebot offen, das regional und überregional angeboten wird. Bei der Organisation einer Unterkunft ist die Klinik behilflich.
Ziele der Ausbildung
Die Ausbildung im PJ zielt darauf ab, dass die Studierenden:
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- Den Umgang mit Patienten lernen
- Die wichtigsten neurologischen Krankheitsbilder gesehen haben
- Die Therapie der wichtigsten neurologischen Erkrankungen beherrschen
- Grundwissen über Indikationen, technische Durchführung und Aussagekraft von Methoden der neurologischen Zusatzdiagnostik erwerben
- Die organisatorischen Abläufe in der Klinik kennenlernen
Weitere Informationen
Es bestehen ärztliche Weiterbildungsermächtigungen zum Facharzt für Neurologie (4 Jahre) und Ausbildungsermächtigungen für die Bereiche Ultraschalldiagnostik hirnversorgender Arterien und Elektromyografie sowie Elektroenzephalografie.
Fachbibliothek
Die Neurologische Klinik ist mit einer eigenen Bibliothek ausgestattet, die die wesentlichen neurologischen Fachzeitschriften auf jeweils aktuellstem Stand führt:
- Aktuelle Neurologie: ab 1999 fortlaufend
- Annals of Neurology: ab No. 1 January 2001, Vol. 49 fortlaufend
- Archives of Neurology: ab 2002 fortlaufend
- Der Nervenarzt: ab 1998 fortlaufend
- Epilepsia: ab No. 1 January 2001, Vol. 42/1 fortlaufend
- Muscle and Nerve: ab No. 1 January 2001 fortlaufend
- Neurology: ab No. 1 January (9, 2001), Vol. 56 fortlaufend
- Stroke: ab No. 9 September 2001, Vol.
Kurzlehrbuch Neurologie als Begleiter
Das Kurzlehrbuch Neurologie von Heinrich Mattle und Urs Fischer hat laut Klappentext den Anspruch, Studierende ohne Vorkenntnisse abzuholen und “innerhalb kurzer Zeit einen vollständigen Überblick über die Neurologie“ zu vermitteln. Das Buch eignet sich für alle Personen, die sich einen halbwegs schnellen Überblick über das Fach Neurologie verschaffen wollen. Dabei bietet es sich wahrscheinlich vor allem im klinischen Studienabschnitt an, um auf die Semesterprüfungen zu lernen. Aber auch in einer Famulatur oder dem PJ-Tertial könnte es als Nachschlagewerk für das Auffrischen auf Basics nützlich sein. Für eine dezidierte Vorbereitung auf die Staatsexamina eignet es sich im Prinzip auch, vor allem für Menschen, die lieber ausformulierte Sätze als Stichworte lesen.
Struktur und Inhalt
Das Kurzlehrbuch ist in 16 Kapitel eingeteilt und behandelt den Kernstoff des Fachgebietes der Neurologie. Es beginnt mit der Anamnese und der körperlichen Untersuchung sowie Zusatzdiagnostik. Dann werden Pathologien des Gehirns, Rückenmarks, peripherer Nerven, Hirnnerven, Muskulatur und vegetativem Nervensystem, sowie Autoimmunerkrankungen, Epilepsien, Schmerzsyndrome und Schlaf behandelt. Damit gibt es eine gute Struktur zum systematischen Durcharbeiten des Stoffes. Zudem erleichtern viele Abbildungen und Schemata das Verständnis. Für den Überblick über einzelne Themen beinhaltet das Kurzlehrbuch auch viele Tabellen. Es gibt zudem Merkkästen, Praxistipps und Key Points.
Relevanz für Tübingen
Da die Lehre der Neurologie in Tübingen recht gut ist, ist das Kurzlehrbuch nicht unbedingt notwendig, kann aber noch einmal eine schöne Wiederholung sein. Die Hauptvorlesung ist teilweise etwas anders gegliedert, sodass man etwas im Buch springen muss, wenn man es parallel zu der Vorlesung bearbeitet, aber im Wesentlichen sich die Inhalte deckungsgleich. Im Buch werden zusätzlich noch Themen abgearbeitet, die in der Vorlesung nicht vorkommen. Auch im Vergleich zu Amboss sind die Inhalte ebenfalls relativ deckungsgleich. Das Kurzlehrbuch bietet eine gute Verschriftlichung der wichtigsten Inhalte und bietet sich vor allem für Studierende an, die mit Bulletpoint nicht viel anfangen können. Dabei wird vor allem der Basisstoff mit Illustrationen aufgearbeitet.
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Ergänzende Studienangebote: Der Physician Assistant
Neben dem klassischen Medizinstudium bietet die Hochschule Neu-Ulm den Studiengang Physician Assistant an. Dieser Studiengang ist medizin- und praxisnah. Viele Lehrveranstaltungen finden im fakultätseigenen Labor DocLab statt, in dem praktisch geübt wird. Dieser Studiengang eignet sich sowohl für Abiturienten als auch als akademische Weiterbildung für Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Gesundheitswesen.
Berufsbild und Aufgaben
Physician Assistants sind Teil des ärztlichen Teams und führen anspruchsvolle Tätigkeiten aus. Damit ist dieser Studiengang eine echte Alternative zum Medizinstudium. Der deutsche Abschluss ist im Ausland anerkannt und dieser Beruf kann damit auch im Ausland ausgeübt werden. Physician Assistant werden heute bereits eingesetzt in den Feldern:
- Patientenbetreuung: Anamnese, Statuserhebung, Erstellung der Diagnose und des Behandlungsplans
- Visiten
- Diagnostik (z. B. Endoskopie, Sonografie, …)
- Wundversorgung, Notfallbehandlungen
- Assistenz bei Operationen
- Management von Prozessen, Stationsabläufen, Organisation von Aufnahmen und Entlassung, Erstellen von Reha-, AHB-Anträgen, Einsatz im OP-Management
- Koordination von therapeutischen Teams
- Kommunikation
- Dokumentation und Zertifizierung
Studienverlauf
Die Regelstudienzeit beträgt 8 Semester, davon entfallen die letzten beiden Semester auf das praktische Jahr. Studierende mit einer Ausbildung im Gesundheitssystem können eine Verkürzung des praktischen Jahres auf 6 Monate beantragen. Die Studienzeit verkürzt sich dann auf 7 Semester.
Der Studiengang ist sehr praxisnah ausgerichtet. Viele Lehrveranstaltungen finden unter Laborbeteiligung statt, so dass gleich von Anfang an praktische Fähigkeiten geübt und trainiert werden können. Bereits im 3. Semester ist ein erstes medizinisches Praktikum, die Famulatur Innere Medizin, vorgesehen. Dieses wird semesterbegleitend in einem Krankenhaus abgeleistet. So werden Studierende früh in die klinische Patientenversorgung eingebunden. Ein weiteres medizinisches Praktikum, die Famulatur Chirurgie, wird im 4. Semester erbracht.
Das 7. und 8. Semester sind als praktisches Jahr vorgegeben. Diese werden in einer medizinischen Versorgungseinrichtung wie einem Krankenhaus erbracht. Studierende, die bereits eine Berufsausbildung im Gesundheitswesen erbracht haben, können eine Verkürzung der Praxisphase auf 6 Monate beantragen.
Duales Studium
In einem dualen Studium ergänzt man theoretisch erlernte Inhalte aus der Vorlesung mit praktischer Fachkompetenz. Schon während des Studiums sammelt man wertvolle Praxiserfahrung in einem Unternehmen.
Voraussetzungen und Bewerbung
- Mindestens Fachhochschulreife (gültig in Bayern)
- Mit mindestens 3 Jahren Berufserfahrung nach Abschluss der Ausbildung ist auch ein "Studium ohne Abi" möglich
- Für internationale Bewerberinnen und Bewerber: Deutsch C1
- Der Studiengang ist örtlich zulassungsbeschränkt, u.U. ergibt sich also ein Numerus Clausus
Spezialisierung in der Neurochirurgie für Kinder
Da Kinder nie „kleine Erwachsene“, sondern auch in ihren Erkrankungen besonders sind, bedürfen sie einer sehr spezifischen Therapie. Deshalb wird heutzutage die neurochirurgische Behandlung von auf Kindern spezialisierten Neurochirurgen vorgenommen. In Tübingen wird auch in diesem Bereich Lehre & Ausbildung angeboten, mit dem Ziel ein möglichst praxisnahes, patientenzentriertes Studium zu ermöglichen. Es gibt ein neurochirurgisch-anatomisches Trainingsprogramm, unterstützt durch moderne Bild-und Videotechnik der klinischen Anatomie, Anatomisches Institut.
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