Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Ein umfassender Überblick

Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen drastisch verändern. Neben den körperlichen Einschränkungen können auch psychische und kognitive Probleme auftreten. Die Neurorehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung verlorener Funktionen und der Verbesserung der Lebensqualität nach einem Schlaganfall. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Neurorehabilitation, basierend auf aktuellen Erkenntnissen und bewährten Methoden.

Was ist ein Schlaganfall? Ursachen, Symptome und Prävention

Einleitend ist es wichtig, die Ursachen, typischen Symptome und Risikofaktoren eines Schlaganfalls zu verstehen. Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, entweder durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall).

Typische Symptome sind im FAST-Schnelltest zusammengefasst:

  • Face (Gesicht): Herabhängender Mundwinkel?
  • Arms (Arme): Kann der Betroffene beide Arme heben?
  • Speech (Sprache): Ist die Sprache verwaschen oder undeutlich?
  • Time (Zeit): Jede Minute zählt! Sofort den Notruf wählen!

Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind unter anderem hoher Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Vorhofflimmern. Präventive Maßnahmen umfassen eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum sowie die Behandlung von Risikofaktoren.

Die Bedeutung der Neurorehabilitation

Die Neurorehabilitation ist ein multidisziplinärer Ansatz, der darauf abzielt, die neurologischen Funktionen nach einer Schädigung des Nervensystems, wie beispielsweise einem Schlaganfall, wiederherzustellen oder zu verbessern. Sie umfasst verschiedene Therapieformen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und psychologische Betreuung. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu fördern.

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Physiotherapeutisches Bewegungstraining

Ein zentraler Bestandteil der Neurorehabilitation ist das physiotherapeutische Bewegungstraining. Dieses zielt darauf ab, die motorischen Fähigkeiten, die Kraft, die Koordination und das Gleichgewicht der Patienten zu verbessern. Durch gezielte Übungen werden Bewegungsabläufe neu erlernt und kompensatorische Strategien entwickelt. Das Übungsbuch „Schlaganfall“ von Cornelia Cox aus der TRIAS-Reihe des Thieme Verlags bietet hierfür einen hervorragenden, handlichen Ratgeber für Angehörige und Betreuende von Schlaganfallpatienten.

Behandlung von Wahrnehmungsstörungen

Viele Schlaganfallpatienten leiden unter Wahrnehmungsstörungen, wie beispielsweise dem Neglect (Halbseitenvernachlässigung), dem Pusher-Syndrom oder der Hemianopsie (Halbseitenblindheit). Diese Störungen können die Rehabilitation erheblich erschweren. Durch spezielle Übungen und therapeutische Maßnahmen wird versucht, die Wahrnehmung zu verbessern und den Patienten zu helfen, sich in ihrer Umgebung besser zu orientieren.

Therapie von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen

Schluck-, Sprach- und Sprechstörungen (Aphasie, Dysarthrie, Dysphagie) sind häufige Folgen eines Schlaganfalls. Die Logopädie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung dieser Störungen. Durch gezielte Übungen werden die Sprachproduktion, das Sprachverständnis, die Artikulation und die Schluckfunktion verbessert. Im Anhang des Übungsbuches finden sich nützliche Adressen und Kontaktdaten sowie vorgeschlagene Apps für Übungen bei Aphasie und weiterführende Literatur.

Kognitives Training

Auch kognitive Störungen wie Gedächtnisprobleme, Aufmerksamkeitsdefizite oder Exekutivfunktionsstörungen können nach einem Schlaganfall auftreten. Das kognitive Training zielt darauf ab, diese Defizite zu reduzieren und die kognitiven Fähigkeiten der Patienten zu verbessern. Dies kann durch spezielle Übungen, Computerprogramme oder neuropsychologische Therapien erreicht werden.

Psychologische Betreuung

Ein Schlaganfall kann erhebliche psychische Belastungen verursachen. Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen sind häufige Begleiterkrankungen. Die psychologische Betreuung ist daher ein wichtiger Bestandteil der Neurorehabilitation. Durch Gesprächstherapie, Entspannungsverfahren und andere psychologische Interventionen werden die Patienten unterstützt, ihre psychischen Probleme zu bewältigen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Abschließende Tipps für den Alltag im Hinblick auf Stressbewältigung für betroffene Angehörige runden die Darstellung ab.

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Neue evidenzbasierte Methoden in der Neurorehabilitation

In der Neurorehabilitation gibt es einen Paradigmenwechsel hin zu neuen evidenzbasierten Methoden. Basiswissen über motorisches Lernen bildet genauso die Grundlage, wie das Wissen über die Wirkmechanismen neuer Behandlungsansätze. Es wird gezeigt, wie Rehabilitation effektiv wird, so dass sie wirkliche Erfolge zeigt und von welchen Faktoren dies abhängig ist.

IOT. Impairment-Oriented Training

IOT (Impairment-Oriented Training) ist ein spezifischer Ansatz in der Neurorehabilitation, der sich auf die Behandlung der zugrunde liegenden Beeinträchtigungen konzentriert. Dieser Kurs stellt neue Entwicklungen in der Neurorehabilitation vor und fasst krankheitsspezifische Weiterentwicklungen der Neurorehabilitation bei Hemiplegie, Parkinson, Multipler Sklerose und weiteren fundiert zusammen.

Gangrehabilitation

Neue Erkenntnisse der Gangrehabilitation werden vorgestellt. Dabei wird therapeutisches symptom-orientiertes Vorgehen unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse in der Neurorehabilitation (Spezifisches Vorgehen z.B. bei Spastik und Ataxie) vermittelt.

Rehabilitation der oberen Extremitäten

Auch in der Rehabilitation der oberen Extremitäten gibt es neue Erkenntnisse. Praktische Patientendemonstrationen und Patientenbehandlungen anhand von Videobeispielen veranschaulichen die Anwendung der neuen Methoden.

Hilfsmittel und Alltagstipps

Neben den therapeutischen Maßnahmen spielen auch Hilfsmittel und Alltagstipps eine wichtige Rolle bei der Neurorehabilitation. Angehörige und Betreuende erhalten Informationen zu Lagerungstechniken, Transfers (Wechsel der Lage oder Sitzgelegenheit) sowie zu Hilfsmitteln im Alltag und unterstützenden Maßnahmen.

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Unterschiede zwischen den Einrichtungen

Die Qualität und der Umfang der Neurorehabilitation können je nach Einrichtung variieren. Unterschiede gibt es beispielsweise in der Personalausstattung, den angebotenen Therapieformen und der Spezialisierung auf bestimmte neurologische Erkrankungen. Psychologisches Wissen und die Psychologen-Patienten-Relationen unterschieden sich stark zwischen den Reha-Zentren. Daher ist es wichtig, sich vor der Wahl einer Rehabilitationseinrichtung umfassend zu informieren und die eigenen Bedürfnisse und Ziele zu berücksichtigen.

Die Rolle der Angehörigen

Angehörige spielen eine entscheidende Rolle bei der Neurorehabilitation. Sie können die Patienten unterstützen, motivieren und bei der Umsetzung der Therapieempfehlungen im Alltag helfen. Es ist wichtig, dass Angehörige selbst auch Unterstützung und Entlastung erhalten, um ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden nicht zu vernachlässigen. Die abschließenden Tipps für den Alltag im Hinblick auf Lagerung, Transfers (Wechsel der Lage oder Sitzgelegenheit) sowie zu Hilfsmitteln im Alltag und unterstützenden Maßnahmen sowie nicht zuletzt zur Stressbewältigung für betroffene Angehörige runden die Darstellung ab.

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