Die Parkinson-Erkrankung ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch einen Mangel an Dopamin gekennzeichnet ist und zu typischen Symptomen wie Bewegungsverarmung, Zittern und instabiler Körperhaltung führt. Die Diagnosestellung und Behandlung von Bewegungsstörungen ist einer der Hauptschwerpunkte neurologischer Kliniken. Hierbei spielt die nuklearmedizinische Diagnostik eine zunehmend wichtige Rolle, insbesondere in der Differenzialdiagnostik und zur Abgrenzung gegenüber atypischen Parkinson-Syndromen. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung nuklearmedizinischer Verfahren bei Parkinson im Raum Würzburg, wobei neueste Entwicklungen und Zukunftsperspektiven berücksichtigt werden.
Die Rolle der Nuklearmedizin in der Neurologie
Die Neurologie hat sich zu einem fachübergreifenden medizinischen Spezialgebiet entwickelt. Um Patienten mit neurologischen Problemen wirksam helfen zu können, sind umfassende Fachkenntnisse in allen Bereichen der Neurowissenschaften von großem Vorteil. Neben häufig auftretenden Bewegungsstörungen wie dem Morbus Parkinson gibt es auch seltene Bewegungsstörungen. Viele davon sind erblich bedingt. Im Rahmen des Zentrums für Seltene Bewegungsstörungen arbeiten neurologische Kliniken dabei interdisziplinär mit anderen Abteilungen zusammen.
Die Nuklearmedizin nutzt ionisierende Strahlung oder radioaktive Stoffe in der Diagnostik und Therapie. Durch die Verknüpfung mit einem krankheits- oder organspezifischen Biomolekül werden Radionuklide in der nuklearmedizinischen Diagnostik als Tracer eingesetzt, um Stoffwechselvorgänge im lebenden Organismus sichtbar zu machen. In bildgebenden Systemen ermöglichen sie beispielsweise die Lokalisierung von Tumoren. Labormedizinisch lassen sich mit ihnen niedrig konzentrierte Stoffe auch außerhalb des Körpers nachweisen, etwa in Blutproben. Darüber hinaus nutzt man Radioisotope in höheren Aktivitäten auch therapeutisch zur Behandlung gut- und bösartiger Erkrankungen.
In der Neurologie sind beispielsweise die Differenzialdiagnostik von Morbus Parkinson und die Alzheimerdiagnostik etabliert. Szintigraphische Untersuchungen, vor allem bei Parkinson- und Zittererkrankungen, sind im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin möglich.
Diagnostische Verfahren in Würzburg
In Würzburg steht ein umfassendes und hochmodernes Spektrum diagnostischer Methoden zur Verfügung, das durch die Kooperation mit anderen Fachabteilungen des Universitätsklinikums, insbesondere der Neuroradiologie und der Nuklearmedizin, ergänzt wird. Dazu gehören:
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- Elektrophysiologische Untersuchungen (Neurographie, Elektromyographie, sensibel evozierte Potenziale, MEP, Tremor-Analyse)
- Liquoruntersuchungen zum Ausschluss einer infektiösen Ursache: In unserem Liquorlabor stehen umfangreiche Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung.
- Computertomographie und MRT zur Darstellung von Veränderungen im Gehirn oder Rückenmark: Im Institut für Neuroradiologie im gleichen Hause stehen modernste Geräte wie ein 3-Tesla-Kernspintomograph zur Verfügung.
- Szintigraphische Untersuchungen, vor allem bei Parkinson- und Zittererkrankungen, sind im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin möglich.
- Nuklearmedizinische Untersuchungen (SPECT, PET)
- Genetische Abklärung der erblichen Bewegungsstörungen und Beratung zu Risiken der Vererbung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangenetik
Die neurologische Untersuchung ist ausschlaggebend für die Diagnose. Dabei ist die Erfahrung der Fachärztin oder des Facharztes von großer Bedeutung. Zudem können wir, auch in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, alle erforderlichen diagnostischen Verfahren anbieten.
Nuklearmedizinische Verfahren bei Parkinson
SPECT und PET
Die Einzelphotonen-Emissionscomputertomografie (SPECT) und die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sind zentrale nuklearmedizinische Verfahren in der Parkinson-Diagnostik. Mit dem PET/CT steht der Nuklearmedizin das derzeit empfindlichste bildgebende Verfahren zur Verfügung, um Tumoren mit hoher Genauigkeit im gesamten Organismus darzustellen. Durch Überlagerung der Bilddaten aus beiden Quellen wird ein Fusionsbild erstellt, bei diesem ergänzen die Informationen aus beiden Verfahren einander hilfreich.
- SPECT: Diese Technik ermöglicht die Darstellung der Dopamin-Transporter im Gehirn. Bei Parkinson-Patienten ist die Anzahl dieser Transporter reduziert, was im SPECT-Bild sichtbar gemacht werden kann. Dies dient der Bestätigung der Diagnose und der Abgrenzung von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen.
- PET: Die PET kann den Stoffwechsel im Gehirn darstellen und somit Veränderungen, die bei Parkinson auftreten, sichtbar machen. Insbesondere die Verwendung von spezifischen Tracern ermöglicht die Beurteilung der Dopaminproduktion und des Dopaminabbaus.
Modernste Hybridgeräte ermöglichen den kombinierten Einsatz der Einzelphotonen-Emissionscomputertomografie (SPECT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT) - und heißen entsprechend SPECT/CT oder PET/MRT. Allen diesen Gerätekombinationen gemeinsam ist die exakte Verknüpfung nuklearmedizinischer Bildgebung. Diese macht die hochempfindlichen Stoffwechselvorgänge sichtbar, hat aber keine gute räumliche Auflösung. Mit radiologischen Verfahren lassen sich die anatomischen Strukturen exakt zuordnen, also krankhafte Befunde zweifelsfrei einem Organ zuweisen.
Anwendungsbeispiele
- Differenzialdiagnostik: Die nuklearmedizinische Bildgebung hilft, Parkinson von anderen Bewegungsstörungen wie essentiellem Tremor oder atypischen Parkinson-Syndromen zu unterscheiden.
- Verlaufsbeurteilung: Durch wiederholte Untersuchungen können Veränderungen im Dopaminsystem im Verlauf der Erkrankung dokumentiert und somit der Therapieerfolg überwacht werden.
- Früherkennung: In Zukunft könnten verbesserte Tracer und Bildgebungstechniken eine frühere Diagnose ermöglichen, was den Beginn einer neuroprotektiven Therapie erlauben würde.
Voraussetzungen für die Anwendung
Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich die Existenz einer leistungsfähigen Nuklearmedizin mit Fachärzten für Nuklearmedizin, eine Medizinphysik und eine leistungsfähige Radiochemie mit entsprechenden Laboren zur Herstellung von Radiopharmaka nach gesetzlichen Maßgaben. Aufgrund ihrer kurzen Halbwertzeit und aus Strahlenschutzgründen werden die meisten Radiopharmaka vor Ort unmittelbar vor der Anwendung am Patienten hergestellt.
Herausforderungen und Perspektiven
Ein großer Nachteil besteht darin, dass Untersuchungen mit PET/CT relativ teuer sind. Zudem werden einige PET/CT-Untersuchungen in Deutschland nicht beziehungsweise nicht vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dies stellt eine finanzielle Belastung für Patienten und PET/CT-Betreiber dar. Wegen der kurzen Halbwertzeit der Radionuklide und aufgrund des technischen und personellen Aufwandes bei der Herstellung von Radiopharmaka stehen einige neuartige PET-Radiopharmaka nur in wenigen Zentren mit einem eigenen Zyklotron und einem GMP-Labor für PET/CT-Untersuchungen zur Verfügung. Ferner können aufgrund noch fehlender Zulassungen neuartige Radionuklidtherapien nur in Zentren mit einem GMP-Labor zur hausinternen Herstellung von Radiotherapeutika angeboten werden.
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Die Verfügbarkeit/Distribution weiterer wichtiger Radiopharmaka wie 68Ga- oder F-18-PSMA, 68Ga-DOTATATE, F-18-FET und aller C-11-Radiopharmaka bleiben einigen Zentren mit eigenem Zyklotron und einer Radiochemie vorbehalten.
Aktuell wird sowohl an innovativen Radiopharmaka zur Diagnostik und Therapie, also Theranostika, insbesondere des Prostatakarzinoms und hämatologischer Tumoren geforscht. Daneben arbeiten Forscher an der Entwicklung und Etablierung neuer Radiopharmaka zur Therapiebeurteilung. Auch die Verbesserung von Radiomarkierungstechniken und die Etablierung der Hybridbildgebung in der Neurologie und bei Entzündungsprozessen, insbesondere in der Kardiologie und Neurologie, stehen aktuell an.
Behandlungsmöglichkeiten in Würzburg
Unser Ziel ist es, im Einzelfall ein ganzheitliches und individuell angepasstes Behandlungskonzept zu entwickeln und umzusetzen.
Die Diagnostik und Behandlung des Morbus Parkinson gehört zu den Schwerpunkten unserer Klinik. Neben der Diagnosestellung inklusive der Abgrenzung gegenüber atypischen oder symptomatischen Parkinson-Syndromen bieten wir alle gängigen Therapieverfahren an, von der ambulanten medikamentösen Therapieanpassung über eine stationäre Parkinson-Komplexbehandlung bis hin zur Apomorphin- oder DuoDopa-Pumpeneinstellung und Tiefen Hirnstimulation.
Die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Erkrankung besteht vor allem im Ausgleich des Dopaminmangels durch Gabe von sogenannten Dopaminagonisten oder L-Dopa. In fortgeschrittenen Erkrankungsstadien kann auch der Einsatz von Pumpentherapien (Duodopa-Pumpe, Apomorphin-Pumpe) oder der Tiefen Hirnstimulation sinnvoll sein. Neben Medikamenten sind Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie wichtige Bestandteile der Behandlung, die in früheren Erkrankungsstadien oft vernachlässigt werden. Wir bieten in unserer Klinik eine Parkinson-Komplexbehandlung an, die auch Patientinnen und Patienten mit atypischem Parkinson-Syndrom offensteht.
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Tiefe Hirnstimulation
Je nach Krankheitsbild können physio- und ergotherapeutische Verfahren, Medikamente, Botulinumtoxin-Therapie sowie operative Behandlungsmethoden wie die Tiefe Hirnstimulation zum Einsatz kommen.
Seltene Formen und atypische Parkinson-Syndrome
Wir behandeln auch seltene genetische Varianten der Parkinson-Krankheit sowie atypische Parkinson-Syndrome inklusive Multisystematrophie (MSA-P, MSA-C), progressive supranukleäre Blickparese (PSP) und corticobasale Degeneration (CBD).
Die Rolle der MTA
Die Nuklearmedizin ist ohne MTA nicht vorstellbar. Diese wichtige Berufsgruppe sollte mit dieser Entwicklung selbstverständlich mitgehen. MTA müssen heute sowohl mit der modernen Hybridbildgebung, PET- und SPECT/CT, als auch mit der Bildverarbeitung und Digitalisierung umgehen können. Da MTA täglich mit Radioaktivität und Röntgenstrahlung konfrontiert werden, sollten sie ein fundiertes Wissen im Strahlenschutz und in der Radiochemie beziehungsweise Radiopharmazie besitzen, um sich selbst, die Patienten und die Umwelt besser schützen zu können. Dieses Wissen soll im Rahmen interner und externer Fortbildungen stets erweitert werden.
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