Eine Ohnmacht, auch Synkope genannt, ist ein plötzlicher, kurzzeitiger Bewusstseinsverlust, der durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns verursacht wird. Obwohl viele Ohnmachtsanfälle harmlos sind, können sie auch ein Symptom einer ernsteren Erkrankung sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten von Ohnmachtsanfällen, wobei besonderes Augenmerk auf die potenziellen Auswirkungen auf die Gehirnzellen gelegt wird.
Was ist eine Ohnmacht (Synkope)?
Eine Synkope ist ein kurzzeitiger Bewusstseinsverlust, der in der Regel weniger als 20 Sekunden dauert und von selbst endet. Sie entsteht durch eine kurzzeitige Blutleere im Gehirn. Betroffene verlieren ihre Körperspannung und fallen oft um. Obwohl eine Synkope für Umstehende erschreckend sein kann, ist sie in den meisten Fällen harmlos und die Betroffenen sind rasch wieder ansprechbar.
Ursachen einer Synkope
Die Ursachen für eine Synkope sind vielfältig und lassen sich grob in drei Hauptgruppen einteilen:
- Reflexvermittelte Synkopen: Diese entstehen durch eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems. Angst, Stress, Schmerzen oder bestimmte Gerüche können eine Überreaktion des Nervensystems (eine vasovagale Synkope) auslösen, die zu einem plötzlichen Blutdruck- und/oder Pulsabfall führt. Auch langes Stehen kann eine Rolle spielen.
- Orthostatische Synkopen: Diese treten auf, wenn der Blutdruck beim Aufstehen aus einer liegenden oder sitzenden Position zu stark abfällt (orthostatische Hypotonie). Dies kann durch Flüssigkeitsmangel, bestimmte Medikamente (z. B. harntreibende Mittel, Blutdrucksenker) oder chronische Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson begünstigt werden.
- Kardiale Synkopen: Diese werden durch Herzerkrankungen verursacht, die die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigen. Dazu gehören Herzrhythmusstörungen (zu langsamer oder zu schneller Herzschlag), Herzklappenfehler, die koronare Herzkrankheit (KHK) oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
Weitere Formen akuter Bewusstlosigkeit
Neben Synkopen gibt es weitere Formen plötzlicher Bewusstlosigkeit, die andere Ursachen haben:
- Psychisch bedingte Pseudosynkopen: Diese entstehen durch psychische Überforderung oder traumatische Erlebnisse.
- Schlaganfall und andere gefäßbedingte Durchblutungsstörungen: Hierbei erhält das Gehirn aufgrund eines verstopften oder geplatzten Gefäßes zu wenig Sauerstoff.
- Blutzuckerentgleisung bei Diabetes: Eine schwere Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder stark erhöhte Zuckerwerte (diabetisches Koma) können zu Bewusstlosigkeit führen.
- Absencen bei Epilepsie: Manche Formen der Epilepsie äußern sich in kurzen Ohnmachtsanfällen.
Ohnmacht und sterbende Gehirnzellen: Der hypoxische Hirnschaden
Die schwerwiegendste Folge einer Ohnmacht ist der potenzielle Sauerstoffmangel im Gehirn (Hypoxie). Die Nervenzellen des Gehirns, insbesondere die für höhere Funktionen wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen Zellen an der Oberfläche des Großhirns, sind sehr empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel. Wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, können diese Zellen innerhalb weniger Minuten absterben. Da sich diese Nervenzellen nicht wieder nachbilden, kann es zu einem hypoxischen Hirnschaden kommen.
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Hypoxischer Hirnschaden: Ursachen und Folgen
Ein hypoxischer Hirnschaden (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, HIE) entsteht durch einen schweren Sauerstoffmangel im Gehirn. Häufig tritt er nach einem Kreislaufstillstand mit erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation) auf.
Das Ausmaß des hypoxischen Hirnschadens hängt von der Dauer der Unterbrechung der Sauerstoffversorgung ab. Eine kurze Unterversorgung kann zu Koordinations-, Wahrnehmungs- oder Gedächtnisstörungen führen, die sich in der Regel wieder zurückbilden. Eine längere Unterversorgung von mehr als fünf Minuten führt jedoch zu tiefer Bewusstlosigkeit (Koma) und kann irreparable Schäden verursachen.
Plötzlicher Herztod und hypoxischer Hirnschaden
Ein plötzlicher Herztod, definiert als ein akut und unerwartet eingetretener Tod aufgrund einer Herzerkrankung, kann ebenfalls zu einem hypoxischen Hirnschaden führen. Beim plötzlichen Herzstillstand kommt es zu einer Herzrhythmusstörung, die dazu führt, dass das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpt. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel im Gehirn führt zu Bewusstseinsverlust und kann, wenn er nicht schnell behoben wird, zu einem hypoxischen Hirnschaden führen.
Symptome eines hypoxischen Hirnschadens
Die Symptome eines hypoxischen Hirnschadens sind vielfältig und hängen vom Ausmaß der Schädigung ab. Sie können sein:
- Koordinationsstörungen
- Wahrnehmungsstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Bewusstlosigkeit (Koma)
- Neurologische Störungen
- Wachkoma
Diagnose eines hypoxischen Hirnschadens
Die Diagnose eines hypoxischen Hirnschadens erfordert eine umfassende Untersuchung durch ein interdisziplinäres Team aus Spezialisten verschiedener Fachrichtungen. Insbesondere bei unbekannter Vorgeschichte müssen andere mögliche Ursachen für Gehirnfunktionsstörungen (Enzephalopathien) ausgeschlossen werden, die beispielsweise durch eine Blutvergiftung (Sepsis), Medikamente oder Stoffwechselstörungen (metabolisch) verursacht sein können.
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Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören:
- Ausführliches Anamnesegespräch mit dem Patienten und/oder Angehörigen
- Neurologische Untersuchungen
- Bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Dopplersonografie), Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT)
Behandlung und Vorbeugung von Ohnmachtsanfällen
Die Behandlung von Ohnmachtsanfällen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei harmlosen, reflexvermittelten Ohnmachtsanfällen können folgende Maßnahmen helfen:
- Auslösende Faktoren vermeiden: Dazu gehören langes Stehen, Aufenthalte in warmen und stickigen Räumen, Stress und Alkohol.
- Regelmäßiger Ausdauersport und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme: Dies stabilisiert den Kreislauf.
- Wechselbäder nach Kneipp: Diese kurbeln den Kreislauf an.
- Kompressionsstrümpfe: Diese unterstützen den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen.
- Isometrische Muskelübungen: Diese können eine drohende Ohnmacht oft noch verhindern.
- Bei Vorboten einer Ohnmacht: Rasch hinlegen und Beine hochlagern.
Bei orthostatischen Synkopen ist es wichtig, ausreichend zu trinken und gegebenenfalls Kompressionsstrümpfe zu tragen. Medikamente, die den Blutdruck senken, sollten gegebenenfalls angepasst werden.
Kardiale Synkopen erfordern eine spezifische Behandlung der zugrunde liegenden Herzerkrankung. Dies kann die Einnahme von Medikamenten, die Implantation eines Herzschrittmachers oder Defibrillators oder eine Katheterablation umfassen.
Vorbeugung eines plötzlichen Herztodes
Da der plötzliche Herztod oft durch Herzerkrankungen wie die KHK verursacht wird, ist es ratsam, die Risikofaktoren zu reduzieren, um die Herzkranzgefäße zu schützen. Dazu gehören:
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- Gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung
- Verzicht auf Rauchen und Alkohol
- Regelmäßige Bewegung
- Stress vermeiden oder reduzieren
- Bei Diabetes oder Bluthochdruck: Medikamentöse Einstellung
Erste Hilfe bei Ohnmacht
Wenn jemand in Ihrer Nähe ohnmächtig wird, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:
- Ruhig bleiben und prüfen, ob die Person atmet und ansprechbar ist.
- Notruf wählen (112).
- Bei regelmäßiger Atmung: Person in die stabile Seitenlage bringen.
- Bei Atemstillstand: Herzmassage durchführen (30-mal senkrecht in der Mitte der Brust drücken).
In öffentlichen Räumen sollte ein Defibrillator (AED) herbeigeholt werden, falls vorhanden.
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