Die ophthalmische Migräne, auch bekannt als Augenmigräne, ist eine spezielle Form der Migräne mit Aura, die sich hauptsächlich durch Sehstörungen äußert. Obwohl ihre Symptome oft beunruhigend sind, ist die ophthalmische Migräne in den meisten Fällen harmlos. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die ophthalmische Migräne, einschließlich ihrer Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen.
Was ist ophthalmische Migräne?
Die ophthalmische Migräne, medizinisch auch als ophthalmologische Migräne bezeichnet, ist eine Migräneform, die durch verschiedene Sehstörungen gekennzeichnet ist. Diese Sehstörungen werden auch als Flimmerskotom bezeichnet. Im Gegensatz zu anderen Migräneformen treten Kopfschmerzen nicht immer auf, was die Diagnose erschweren kann, da Betroffene die Symptome fälschlicherweise als Augenerkrankung interpretieren könnten.
Eine seltene Variante ist die retinale Migräne, die die Netzhaut (Retina) betrifft. Hierbei kommt es ebenfalls zu vorübergehenden Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfällen oder in seltenen Fällen zu einer vorübergehenden Erblindung. Diese Symptome treten jedoch nur auf einem Auge auf. Man vermutet, dass eine mangelnde Durchblutung der Netzhaut oder des Sehnervs für diese Beschwerden verantwortlich ist.
Die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10 listet Migräne unter G43.- und schließt allgemeine Kopfschmerzen aus, die unter R51 registriert sind. G43.- gehört zu den episodischen und paroxysmalen Krankheiten des Nervensystems. Innerhalb des ICD-10 Codes werden neun verschiedene Migränetypen unterschieden, wobei der anfallartige, oft sehr starke Kopfschmerz, meist halbseitig (Hemikranie), das Leitsymptom ist.
Symptome der ophthalmischen Migräne
Die Symptome der ophthalmischen Migräne betreffen hauptsächlich das Sehvermögen und können stark beeinträchtigend sein. Sie treten in der Regel plötzlich auf und dauern nur wenige Minuten an, können aber in seltenen Fällen bis zu einer Stunde andauern. Zu den typischen Symptomen gehören:
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- Visuelle Störungen: Flimmern, Lichtblitze, Zickzacklinien, Tunnelblick.
- Gesichtsfeldausfälle (Skotome): Teilweiser oder vollständiger Ausfall von Bereichen im Gesichtsfeld.
- Flimmerskotom: Gesichtsfeldausfälle, begleitet von Flimmern oder Blitzen.
- Szintillationen: Flimmererscheinungen, die auch bei geschlossenen Augen auftreten können.
- Farbige Girlanden: Fadenartige, farbige Linien, die sich durch das Sichtfeld ziehen.
- Vorübergehende Blindheit: In seltenen Fällen kann es zu einem vorübergehenden Sehverlust auf einem Auge kommen.
- Begleitende Beschwerden: Übelkeit und Schwindel können ebenfalls auftreten.
Die Aura, ein neurologischer Symptomkomplex, tritt typischerweise vor den Kopfschmerzen auf, kann aber auch während der Kopfschmerzphase einsetzen oder sich bis in diese hinein fortsetzen. Die visuelle Aura ist der häufigste Auratyp, der bei über 90 % der Patienten mit Migräne mit Aura auftritt.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome der ophthalmischen Migräne denen anderer Migräneformen ähneln können. Eine genaue Diagnose durch einen Arzt ist daher entscheidend.
Ursachen der ophthalmischen Migräne
Die genauen Ursachen der ophthalmischen Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass eine kurzzeitige Durchblutungsstörung in der Sehrinde des Gehirns eine Rolle spielt. Diese Störung führt zu einer verminderten Blut- und Sauerstoffversorgung, was die visuellen Reize beeinträchtigt und zu den typischen Sehstörungen führt.
Weitere mögliche Ursachen und Auslöser sind:
- Durchblutungsstörungen: Eine mangelnde Durchblutung des Sehnervs kann ebenfalls zu visuellen Störungen führen.
- Genetische Faktoren: Eine familiäre Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen.
- Triggerfaktoren: Bestimmte Faktoren können Migräneanfälle auslösen oder verstärken. Dazu gehören Stress, bestimmte Lebensmittel (z.B. Käse, Nüsse, Natriumglutamat), Schlafmangel, hormonelle Veränderungen, Wetterwechsel und übermäßiger Alkoholkonsum.
Um herauszufinden, welche Trigger für einen Migräneanfall verantwortlich sind, empfiehlt es sich, ein Tagebuch zu führen und die Lebensgewohnheiten sowie äußeren Umstände bei einem Anfall zu dokumentieren.
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Diagnose der ophthalmischen Migräne
Wer Sehstörungen oder andere Symptome einer Augenmigräne erlebt, sollte sich ärztliche Hilfe suchen. Da visuelle Störungen wie Lichtblitze oder Gesichtsfeldausfälle auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können, sollte die Ursache augenärztlich untersucht und Differenzialdiagnosen wie eine Netzhautablösung oder ein Schlaganfall ausgeschlossen werden.
Die Diagnose der ophthalmischen Migräne umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die vorliegenden Beschwerden, mögliche Vorerkrankungen, Lebensgewohnheiten und die Einnahme von Medikamenten.
- Augenärztliche Untersuchung: Mit einer Spaltlampe wird der Augenhintergrund untersucht, um Schäden an der Netzhaut und Ausfälle des Gesichtsfeldes festzustellen.
- Neurologische Untersuchung: Bei Bedarf erfolgt eine Überweisung an einen Neurologen, um andere Ursachen auszuschließen.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) sinnvoll sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Es ist wichtig, dem Arzt die Symptome genau zu beschreiben und den zeitlichen Ablauf der Beschwerden zu dokumentieren.
Behandlung der ophthalmischen Migräne
In den meisten Fällen ist die ophthalmische Migräne nicht gefährlich und ein Anfall vergeht innerhalb weniger Minuten von selbst. Eine spezielle Behandlung ist daher nicht immer erforderlich. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die Betroffene ergreifen können, um die Symptome zu lindern:
- Ruhe und Dunkelheit: Sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückziehen und sich ausruhen.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen, Stress abzubauen und die Beschwerden zu lindern.
- Kühle Kompressen: Ein mit kaltem Wasser getränktes Tuch auf den Augen oder der Stirn kann als wohltuend empfunden werden.
- Schmerzmittel: Bei begleitenden Kopfschmerzen können Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen helfen. Es ist jedoch ratsam, vorher ärztliche Rücksprache zu halten, um die richtige Dosierung zu finden.
Eine medikamentöse Behandlung mit beispielsweise Ergotamin, Triptanen, Betablockern oder Amitriptylin ist meistens nicht erforderlich.
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Prävention der ophthalmischen Migräne
Um Attacken von Augenmigräne vorzubeugen, können folgende Maßnahmen helfen:
- Auslöser identifizieren und vermeiden: Die individuellen Trigger erkennen und meiden. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen, Faktoren wie Ernährung, Stresslevel, Schlafqualität, Alkoholkonsum und Medikamenteneinnahme zu dokumentieren.
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Anfälle zu verhindern.
- Ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann Augenmigräne begünstigen, daher ist auf eine gute Schlafhygiene zu achten.
- Magnesium: Nach Rücksprache mit einem Arzt können Magnesiumpräparate in Betracht gezogen werden, da ein Magnesiummangel mit Augenmigräne in Verbindung stehen könnte.
- Gesunder Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und das Vermeiden von übermäßigem Alkoholkonsum sind ebenfalls Maßnahmen zur Prävention.
Differentialdiagnosen
Es ist wichtig, die ophthalmische Migräne von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Dazu gehören:
- Retinale Migräne: Im Gegensatz zur ophthalmischen Migräne treten die Symptome hier nur auf einem Auge auf.
- Netzhautablösung: Eine Netzhautablösung kann ebenfalls zu plötzlichen Sehstörungen führen und muss umgehend behandelt werden.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann ähnliche neurologische Ausfälle verursachen wie eine Migräne mit Aura.
- CADASIL: Eine seltene, erblich bedingte Erkrankung, die migräneartige Kopfschmerzen und neurologische Symptome verursachen kann.
- Sinusvenenthrombose: Eine Thrombose der Hirnvenen kann zu zunehmenden Kopfschmerzen und neurologischen Defiziten führen.
Migräne in besonderen Lebenslagen
Migräne in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft kann sich die Migräne bei vielen Frauen verbessern. Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Paracetamol eingenommen werden. Im dritten Trimenon sollten NSAR wie Ibuprofen vermieden werden.
Migräne bei Kindern
Bei Kindern unter zwölf Jahren werden Ibuprofen oder Paracetamol zur Behandlung von Migräne eingesetzt. Triptane sollten nur mit Vorsicht angewendet werden.
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