Das vegetative Nervensystem (VNS) ist ein komplexes Netzwerk, das lebenswichtige Körperfunktionen steuert, die wir nicht bewusst steuern können. Dazu gehören Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Das VNS besteht aus zwei Hauptteilen: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Diese beiden Systeme arbeiten oft gegensätzlich, um den Körper im Gleichgewicht zu halten. Der Sympathikus bereitet den Körper auf Stresssituationen vor, während der Parasympathikus für Entspannung und Erholung zuständig ist.
Parasiten sind hochentwickelte Lebewesen, die sich im Organismus eines anderen Lebewesens (Wirt) aufhalten, um sich von diesem zu ernähren. Je nach Ausmaß des Parasitenbefalls kann der Wirtsorganismus unterschiedlich schwer geschädigt werden. Manche Parasiten können schwere Krankheiten auslösen.
Es stellt sich die Frage, wie Parasiten das vegetative Nervensystem beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf den Wirt hat.
Aufbau und Funktion des vegetativen Nervensystems
Um die Wechselwirkungen zwischen Parasiten und dem VNS zu verstehen, ist es wichtig, den Aufbau und die Funktion dieses Systems genauer zu betrachten.
Zentrales und peripheres Nervensystem
Das Nervensystem lässt sich in das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS) unterteilen. Das ZNS besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark, während das PNS alle anderen Nervenbahnen im Körper umfasst.
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Somatisches und autonomes Nervensystem
Eine weitere Unterscheidung beruht auf den Funktionen des Nervensystems. Das willkürliche oder somatische Nervensystem lenkt Vorgänge im Körper, die wir bewusst über unseren Willen beeinflussen, wie Greifen, Laufen, Sprechen oder das Lesen eines Artikels. Das unwillkürliche, auch autonome oder vegetative Nervensystem, ist für Prozesse verantwortlich, die unabhängig von unserem Willen ablaufen. Es kontrolliert Organfunktionen, die wir nicht bewusst steuern, etwa von Leber oder Darm. Damit steuert es lebenswichtige Körperfunktionen wie Verdauung, Stoffwechsel, Herzschlag und Atmung.
Sympathikus und Parasympathikus
Das vegetative Nervensystem lässt sich weiter einteilen in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus). Sympathikus und Parasympathikus werden oft als Gegenspieler bezeichnet. Einfach ausgedrückt: Das sympathische Nervensystem reguliert die Organfunktionen in Stresssituationen oder bei Aktivität und das parasympathische Nervensystem in Entspannungsphasen. Zum vegetativen Nervensystem zählt außerdem noch das enterische Nervensystem, das Nervensystem des Darms. Es besteht aus einem Nervengeflecht in der Darmwand und reguliert den Darm weitgehend unabhängig.
Sympathikus: Aktivierung in Stresssituationen
Der Sympathikus stimuliert den Körper in Stresssituationen. Er erhöht Herzschlag und Atemfrequenz, verbessert die Durchblutung und hemmt gleichzeitig Vorgänge wie die Verdauung, die bei Gefahr nicht hilfreich sind. Die Nervenzellen des Sympathikus entspringen im Brust- und Lendenrückenmark. Ihre Fortsätze münden zum Teil in benachbarte Zellansammlungen, den sogenannten Ganglien. Die Ganglien sind untereinander nach oben und unten verbunden, sodass rechts und links vom Rückenmark ein perlschnurartiges Gebilde entsteht. Der aktivierte Sympathikus setzt in den Ganglien den Neurotransmitter Noradrenalin frei und schickt ihn zu den Zielorganen.
Parasympathikus: Ruhe und Erholung
Der Parasympathikus beruhigt den Körper und fördert die Erholung. Er verlangsamt den Herzschlag, beruhigt die Atmung und fördert die Verdauung. Die Ursprungsneurone des Parasympathikus liegen entweder im Hirnstamm oder im sakralen Rückenmark (das heißt im unteren Bereich der Wirbelsäule). Etwa 75 Prozent aller Nervenfasern des Parasympathikus entspringen im Hirnstamm. Beim Parasympathikus befinden sich die Ganglien in der Nähe oder sogar innerhalb der Organe. Das ankommende Acetylcholin regt die Ganglien wiederum dazu an, ebenfalls Acetylcholin freizusetzen.
Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus
Beim Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus geht es darum, dass immer diejenigen Körperfunktionen Vorrang erhalten, deren Aktivität in einer jeweiligen Situation am sinnvollsten ist. Die beiden Systeme wirken also nicht unbedingt entgegengesetzt, sondern können sich in manchen Funktionen ergänzen. Sie arbeiten zusammen, um den Körper im Gleichgewicht zu halten. Der Sympathikus übernimmt so lange die Führung, wie es nötig ist, um eine Stresssituation zu meistern. Dann schaltet sich das parasympathische Nervensystem ein und führt den Organismus in den „Normalbetrieb“ zurück.
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Neurotransmitter: Die chemischen Botenstoffe
Um Signale übertragen zu können und die Organe zu verstärkter oder verminderter Aktivität anzuregen, sind chemische Botenstoffe notwendig: sogenannte Neurotransmitter. Die wichtigsten Transmitter bei der Kommunikation von Sympathikus, Parasympathikus und Organen sind Acetylcholin und Noradrenalin. Letzteres wirkt stimulierend und Acetylcholin überwiegend hemmend. Acetylcholin spielt bei der parasympathischen Signalübertragung die Hauptrolle. Es kommt zwar auch bei der Kommunikation in den sympathischen Ganglien zum Einsatz, für die Signalübertragung an die Organe setzen aber die meisten sympathischen Fasern Noradrenalin frei.
Enterisches Nervensystem: Das "Bauchhirn"
Das enterische Nervensystem ist ein kompliziertes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Wird zum Beispiel ein Teil des Darms durch den Darminhalt gedehnt, nimmt das enterische Nervensystem diese Informationen auf. Anschließend leitet es die Signale an die Muskulatur des Darms weiter, der sich daraufhin abwechselnd zusammenzieht und wieder entspannt. Durch diese Darmbewegungen wird der Speisebrei durchmischt und weiterbefördert. Das enterische Nervensystem reguliert sich zwar unabhängig von äußeren Einflüssen - der Sympathikus und der Parasympathikus können es allerdings beeinflussen.
Wie Parasiten das vegetative Nervensystem beeinflussen können
Parasiten können das vegetative Nervensystem auf verschiedene Weise beeinflussen:
Direkte Beeinflussung durch Neurotransmitter
Einige Parasiten können Neurotransmitter freisetzen oder die Freisetzung von Neurotransmittern im Wirt beeinflussen. Dies kann zu einer Störung des Gleichgewichts zwischen Sympathikus und Parasympathikus führen.
Indirekte Beeinflussung durch Entzündungen
Parasiten können im Wirt Entzündungen auslösen. Entzündungsmediatoren können das vegetative Nervensystem beeinflussen und zu einer Störung seiner Funktion führen.
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Beeinflussung des enterischen Nervensystems
Da das enterische Nervensystem eng mit dem Gehirn verbunden ist, können Parasiten, die den Darm besiedeln, auch das Gehirn und somit das gesamte vegetative Nervensystem beeinflussen.
Verhaltensänderungen des Wirts
Einige Parasiten können das Verhalten ihres Wirts so manipulieren, dass es für die Parasiten von Vorteil ist. Dies kann auch das vegetative Nervensystem beeinflussen.
Auswirkungen der Beeinflussung des VNS durch Parasiten
Die Beeinflussung des vegetativen Nervensystems durch Parasiten kann eine Vielzahl von Auswirkungen auf den Wirt haben:
Verdauungsstörungen
Parasiten können die Verdauung beeinträchtigen, indem sie die Darmmotilität verändern oder die Freisetzung von Verdauungsenzymen beeinflussen.
Herz-Kreislauf-Probleme
Einige Parasiten können Herz-Kreislauf-Probleme verursachen, indem sie den Herzschlag oder den Blutdruck beeinflussen.
Atemwegsbeschwerden
Parasiten können die Atemwege beeinträchtigen, indem sie Entzündungen verursachen oder die Atemmuskulatur beeinflussen.
Verhaltensänderungen
Einige Parasiten können das Verhalten des Wirts verändern, indem sie das Gehirn beeinflussen. Dies kann zu Angstzuständen, Depressionen oder anderen psychischen Problemen führen.
Chronisches Müdigkeitssyndrom (ME/CFS)
Jüngste Studien weisen auf autoimmune Prozesse und eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems sowie des zellulären Energiestoffwechsels bei ME/CFS hin. Verschiedene Erreger sind mittlerweile als Auslöser bekannt, darunter Herpesviren wie das Epstein-Barr-Virus, Dengue- oder Influenza-Viren.
Diagnose und Behandlung von parasitenbedingten Störungen des VNS
Die Diagnose von parasitenbedingten Störungen des vegetativen Nervensystems kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind. Wichtig ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen.
Die Behandlung von parasitenbedingten Störungen des VNS zielt in erster Linie auf die Beseitigung des Parasiten ab. Zusätzlich können symptomatische Maßnahmen eingesetzt werden, um die Beschwerden des Patienten zu lindern.
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