Parkinson, im deutschsprachigen Raum auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das Nervensystem betrifft. Die Diagnose Parkinson ist für Betroffene oft ein Schock, doch es gibt Möglichkeiten, die Lebensqualität langfristig zu bewahren. Eine passgenaue Therapie, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist, ist dabei von entscheidender Bedeutung.
Was ist Parkinson?
Bei der Parkinson-Krankheit kommt es zu Veränderungen im Nervensystem. Nervenzellen, die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzieren, sterben frühzeitig ab. Es kommt zu Parkinson-Symptomen. Bislang gibt es keine eindeutige Erklärung dafür, warum diese Nervenzellen absterben.
Man unterscheidet zwischen dem Parkinson-Syndrom mit ungeklärter Ursache (Morbus Parkinson) sowie dem symptomatischen Parkinson-Syndrom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dazu gehören Hirndurchblutungsprobleme („Gefäßverkalkung“), Tumore, Vergiftungen, Traumata sowie stoffwechselbedingte Krankheiten. Daneben gibt es Parkinsonsyndrome im Rahmen anderer Erkrankungen. Wichtig sind hier die atypischen Parkinsonsyndrome, auch als „Parkinson plus“ bezeichnet.
Ursachen von Parkinson
Auslöser einer Parkinson-Erkrankung ist eine Schädigung von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dadurch kommt es zu einem Dopamin-Mangel. Dieser Botenstoff ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt: Er überträgt Signale aus dem Gehirn auf andere Nervenzellen, die Bewegungen aktivieren oder hemmen. Bei den meisten Parkinson-Erkrankten ist die Ursache für die Zellschädigung im Gehirn unbekannt. Ein Merkmal der Erkrankung ist, dass in den betroffenen Zellen sogenannte Lewy-Körperchen auftreten. Dabei handelt es sich um Ablagerungen, die einen Eiweißstoff namens Alpha-Synuclein enthalten.
Der Großteil der Betroffenen erkrankt um das sechzigste Lebensjahr - dann tritt die Krankheit ohne erkennbaren Auslöser auf, was man als idiopathisch oder sporadisch bezeichnet. Neben der idiopathischen Form der Parkinson-Erkrankung, für die sich bislang keine konkreten Ursachen ausmachen lassen, existieren auch genetische Formen: Zehn Prozent der Parkinson-Erkrankungen sind genetisch, d.h. durch Vererbung bedingt. Hier sind Mutationen, also Veränderungen der Erbinformation, Ursache der Erkrankung. Patienten mit genetischer - man sagt auch familiärer- Parkinson sind im Schnitt etwas jünger, wenn sich Symptome zeigen: oft treten erbliche Formen schon vor dem 50. Lebensjahr auf. Beim sogenannten sekundären Parkinson-Syndrom ähneln die Symptome denen der „echten“ Parkinson-Erkrankung, ohne dass es sich um Morbus Parkinson handelt: Hier werden die Symptome nicht durch Parkinson und damit durch Zellsterben in der Substantia Nigra verursacht.
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Risikofaktoren
Das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung steigt mit dem Lebensalter: Nur etwa vier Prozent der Betroffenen sind jünger als 51 Jahre. In der Altersgruppe über 65 Jahren leiden dagegen etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung daran. Wie entscheidend der Risikofaktor Alter ist, zeigt sich daran, dass bei Menschen über 50 Jahren das Risiko, an Parkinson zu erkranken, mit jedem Jahr um neun Prozent wächst. Bei bis zu 30 Prozent der Parkinsonkranken spielt eine genetische, also familiäre Vorbelastung eine Rolle.
Symptome von Parkinson
Parkinson entwickelt sich langsam und schleichend, und die Symptome treten zu Beginn meist nur auf einer Körperseite auf. Zu den Hauptsymptomen gehören:
- Muskelstarre (Rigor): Die Muskeln sind dauerhaft angespannt, auch im Ruhezustand. Dies führt zu Symptomen wie einem Ziehen im betroffenen Bereich oder dem Gefühl, bei jeder Bewegung gegen einen zähen Widerstand anzukämpfen. Hauptsächlich betroffen sind die Nacken- und Schultermuskeln.
- Bradykinese: Parkinson-Patienten bewegen sich langsamer. Sie gehen langsam und in kleinen Schritten und häufig nach vorne gebeugt. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung überhaupt zu starten. Auch Gestik und Mimik verändern sich bei der Bradykinese, das Gesicht wirkt maskenhaft. Die Betroffenen sprechen leise, monoton und undeutlich. Feinmotorische Fähigkeiten nehmen ab, so wird beispielsweise die Handschrift kleiner und unleserlich. Mit fortschreitender Krankheit kann es zu einer Akinese kommen, bei der die Bewegungen extrem verlangsamt sind oder der Betroffene teilweise völlig bewegungslos ist.
- Parkinson-Tremor (Muskelzittern): Typisch für die Parkinson-Krankheit ist das Zittern, das in Ruhe-Situationen auftritt (Ruhe-Tremor). Meist fängt es in den Armen und Händen an, im späteren Verlauf zittern auch die Beine und Füße.
- Instabile Körperhaltung mit Neigung zu Stürzen: Betroffenen fällt es schwer, sich stabil aufrecht zu halten. Sie sind unsicher beim Gehen und stürzen leichter.
Neben den sichtbaren Anzeichen treten normalerweise auch nicht-sichtbare Parkinson-Symptome auf. Diese werden in vier Gruppen zusammengefasst:
- Neuropsychiatrische Störungen: Antriebsarmut, Depressive Verstimmungen, Störungen der Impulskontrolle, des Denkens (etwa eine Verlangsamung) und der Gedanken (beispielsweise inhaltliche Einschränkungen, quälendes Grübeln)
- Schlafstörungen: Häufiges Erwachen, oft als Folge erhöhter Müdigkeit während des Tages
- Autonome Funktionsstörungen: Dadurch kann der Blutdruck schwanken oder die Patient*innen verlieren die Kontrolle über ihre Blase und den Darm.
- Sinnesstörungen: Etwa eine verminderte Fähigkeit, zu riechen und Farben wahrzunehmen, sowie Schmerzen
Diagnose von Parkinson
Um die Diagnose Parkinson zu stellen, betrachtet der Arzt die klassischen erkennbaren Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln und Gleichgewichtsstörungen. Verschiedene Untersuchungen können bereits in der frühen Phase der Erkrankung dazu beitragen, die Diagnose zu sichern. Dazu zählt insbesondere das bildgebende Verfahren DAT-Scan. Damit lassen sich Störungen im Dopamin-Stoffwechsel zeigen.
Weiterführende Untersuchungen sind:
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- Geruchstest
- Ergänzende neuropsychologische Untersuchungen wie Hirnleistungstests
- Schlafdiagnostik
- Elektrophysiologische Messungen der Nervenfunktion
- Laboruntersuchungen
- Zusätzliche bildgebende Verfahren
- L-Dopa-Test: Dabei erhält der Patient versuchsweise das Medikament L-Dopa, das den Botenstoff Dopamin ersetzt.
Neben den sichtbaren Anzeichen muss der Arzt auch die nicht-sichtbaren Symptome im Blick haben, um die Diagnose Parkinson zu stellen - also Geruchsstörungen, Stimmungsprobleme, gestörtes Farbensehen und ein verändertes Schlafverhalten. Eine wichtige Rolle spielt bei der Diagnostik die Feststellung einer möglichen Depression, die in Verbindung mit einer Parkinson-Erkrankung auftreten kann.
Therapie von Parkinson
Bislang ist die Parkinson-Krankheit nicht grundsätzlich heilbar. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können aber den Krankheitsverlauf beeinflussen. Bei der Therapie unterscheidet man zwischen den motorischen Symptomen, also der Anzeichen, welche die Bewegung betreffen und den nicht-motorischen Symptomen.
Behandlung der Bewegungsstörungen
Die motorischen Symptome lassen sich vor allem mit Medikamenten beeinflussen. Dabei wird der Dopaminmangel im Gehirn ausgeglichen. Dazu setzt man fünf Substanzgruppen ein:
- Levodopa (kurz L-Dopa) (ersetzt den Botenstoff Dopamin)
- COMT-Hemmer (hemmen das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase und damit den Abbau von Dopamin)
- MAO-Hemmer (hemmen das Enzym Monoamin-Oxidase und verlangsamen damit den Abbau von Dopamin)
- NMDA-Antagonisten (blockieren sogenannte NMDA-Rezeptoren und beeinflussen so die Beweglichkeit)
- Dopamin-Agonisten (wirken wie Dopamin)
Man verwendet diese Wirkstoffe meist kombiniert. Der Patient muss die Medikamente zu festgelegten Uhrzeiten einnehmen, damit diese richtig wirken können. Dabei ist es wichtig, dass die Einnahme zusammen mit dem Arzt auf die tageszeitliche Ausprägung der Symptome abgestimmt ist. Man spricht dabei von Chronotherapie, einer Behandlung, die an die innere Uhr angepasst ist.
In den letzten Jahren wird neben der medikamentösen Behandlung immer häufiger ein operatives Therapieverfahren namens Tiefe Hirnstimulation eingesetzt. Hierbei regt man drei ausgewählte Hirnregionen über Elektroden an. Dazu kommt ein Schrittmacher, der unter die Haut implantiert wird und den der Patient von außen steuern kann. Die Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson zeigt eine gute bis sehr gute Wirksamkeit mit vertretbaren Nebenwirkungen (neben den typischen Begleiterscheinungen eines chirurgischen Eingriffs). Die Tiefe Hirnstimulation eignet sich für Parkinson-Patienten, die bereits längere Zeit behandelt werden und bei denen die Therapie Komplikationen hervorruft, die sich nicht ausreichend mit Medikamenten verbessern lassen.
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Behandlung von nicht-motorischen Symptomen
Neben den Bewegungsstörungen behandelt der Arzt auch Symptome, die nicht die Beweglichkeit betreffen. Dabei stehen neuropsychiatrische Funktionsstörungen, welche die Psyche und das Verhalten beeinträchtigen, sowie Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit (kognitive Symptome) im Vordergrund. Diese Symptome können bereits zurückgehen, wenn man die Wirkung der Parkinson-Medikamente sorgfältig kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls anpasst. Zusätzlich lassen sich einzelne Symptome, etwa Stimmungs-, Schlaf-, Denk- und Impulskontroll-Störungen, mit entsprechenden Arzneimitteln behandeln. Auch Störungen der autonomen Funktionen, wie Blutdruckschwankungen oder Blasen- und Darmfunktionsstörungen, können medikamentös behandelt werden.
Weitere Behandlungselemente
Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten sind Krankengymnastik und Physiotherapie die wichtigsten Bestandteile der Parkinson-Behandlung. Dabei sollen Beschwerden gelindert werden, die Bewegungsverhalten und die Haltung der Betroffenen beeinträchtigen wie Steifheit (Rigor) Zittern (Tremor) Bewegungsarmut (Hypokinese). Ergotherapie unterstützt Parkinson-Patienten dabei, Alltagsfunktionen zu erhalten und zu verbessern. Ergotherapeuten beraten Betroffene auch in Bezug auf ihr Wohn- und Arbeitsumfeld und überdenken zusammen mit den Patient*innen tägliche Abläufe neu.
Lebenserwartung bei Parkinson
Auch wenn Parkinson nicht heilbar ist, können geeignete Therapien zu einer hohen Lebensqualität auch im Alter beitragen. Mit einer optimalen Behandlung haben Parkinson-Patienten heute annähernd die gleiche Lebenserwartung wie nicht-erkrankte Personen. Die Parkinson-Krankheit selbst ist also in der Regel nicht tödlich. Die gestiegene Lebenserwartung beim Parkinson-Syndrom kommt dadurch zustande, dass die modernen Medikamente die wesentlichen Beschwerden der Betroffenen weitgehend beheben.
Geschwollene Füße bei Parkinson: Ein möglicher Zusammenhang
Einige Studien deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Parkinson und dem Auftreten von geschwollenen Füßen (Ödemen) geben könnte. Eine retrospektive Auswertung ergab, dass 16% der Patienten, die aufgrund einer Parkinson-Erkrankung mit Pramipexol behandelt wurden, ein Fußödem entwickelten. Pramipexol ist ein Dopaminagonist, der häufig in der Parkinson-Therapie eingesetzt wird.
Ursachen für geschwollene Füße bei Parkinson
Die Ursachen für das Auftreten von Fußödemen bei Parkinson-Patienten können vielfältig sein:
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Dopaminagonisten wie Pramipexol können als Nebenwirkung Fußödeme verursachen. Es wird vermutet, dass dies auf einen Klasseneffekt zurückzuführen ist, da diese Nebenwirkung auch bei anderen Dopaminagonisten beobachtet wurde.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Eine koronare Herzkrankheit oder Diabetes mellitus können das Risiko für Fußödeme erhöhen.
- Idiopathische Parkinson-Erkrankung: Das Vorliegen einer idiopathischen Parkinson-Erkrankung scheint ebenfalls ein Risikofaktor für die Entwicklung von Fußödemen zu sein.
- Verminderte Beweglichkeit: Parkinson-Patienten bewegen sich oft weniger, was zu einer schlechteren Durchblutung der Beine und Füße führen kann. Dies kann die Entstehung von Ödemen begünstigen.
- Autonome Funktionsstörungen: Störungen des autonomen Nervensystems, die bei Parkinson auftreten können, können ebenfalls zu Durchblutungsstörungen und Ödemen führen.
Was tun bei geschwollenen Füßen?
Wenn Sie als Parkinson-Patient unter geschwollenen Füßen leiden, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Er kann die Ursache der Ödeme abklären und eine geeignete Behandlung einleiten.
Mögliche Maßnahmen bei geschwollenen Füßen sind:
- Überprüfung der Medikation: Ihr Arzt kann prüfen, ob Ihre Medikamente für die Ödeme verantwortlich sein könnten und gegebenenfalls die Dosis anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus vorliegen, sollten diese optimal behandelt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen können die Durchblutung der Beine und Füße verbessern und die Entstehung von Ödemen reduzieren.
- Kompressionsstrümpfe: Das Tragen von Kompressionsstrümpfen kann den Rückfluss des Blutes aus den Beinen fördern und die Ödeme reduzieren.
- Hochlagerung der Beine: Lagern Sie Ihre Beine mehrmals täglich hoch, um den Rückfluss des Blutes zu erleichtern.
- Ausreichende Bewegung: Versuchen Sie, sich trotz Ihrer Parkinson-Erkrankung ausreichend zu bewegen, um die Durchblutung der Beine und Füße zu fördern.
- Salzarme Ernährung: Eine salzarme Ernährung kann helfen, die Wassereinlagerungen im Körper zu reduzieren.
Wichtiger Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Wenn Sie unter geschwollenen Füßen leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abklären und eine geeignete Behandlung einleiten zu lassen.
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