Morbus Parkinson: Häufigkeit, Ursachen und Herausforderungen

Morbus Parkinson, auch bekannt als Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Die Erkrankung ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, insbesondere in der Substantia nigra, die für die Produktion des Neurotransmitters Dopamin verantwortlich ist. Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, und sein Mangel führt zu den typischen Symptomen von Parkinson, wie Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsproblemen.

Prävalenz und Inzidenz von Morbus Parkinson

Weltweit ist Morbus Parkinson die am schnellsten zunehmende neurologische Erkrankung. Schätzungsweise 11,9 Millionen Menschen waren im Jahr 2021 betroffen. Prognosen zufolge könnte sich die Zahl bis 2050 auf 25,2 Millionen erhöhen. In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an Parkinson, wobei jährlich etwa 15.000 Neuerkrankungen hinzukommen. Die meisten Patienten erkranken zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Eine Analyse von Diagnosedaten aus Deutschland hat jedoch gezeigt, dass die altersstandardisierte Parkinsonprävalenz zwischen 2017 und 2022 abgenommen hat. Im Jahr 2022 waren etwa 0,35 % der Bevölkerung (ca. 295.000 Menschen) von Parkinson betroffen, wobei die Prävalenz bei Männern (0,36 %) etwas höher war als bei Frauen (0,34 %). Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu früheren Studien, die einen Anstieg der Prävalenz im Zeitraum von 1990 bis 2016 festgestellt hatten. Die Gründe für den Rückgang sind noch nicht abschließend geklärt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen von Morbus Parkinson sind noch unbekannt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Veranlagung: Etwa 15 % der Parkinson-Patienten haben eine familiäre Vorbelastung.
  • Umweltfaktoren: Pestizide, Herbizide und andere Umweltgifte werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.
  • Frühere Erkrankungen: Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Spanischen Grippe von 1918/20 und einem späteren Anstieg der Parkinson-Erkrankungen hin.

Symptome und Diagnose

Die Symptome von Morbus Parkinson können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Ruhetremor: Zittern, das vor allem in Ruhe auftritt.
  • Bradykinesie: Verlangsamung der Bewegungen.
  • Rigor: Muskelsteifheit.
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsprobleme und erhöhte Sturzgefahr.
  • Nicht-motorische Symptome: Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, Geruchsverlust und kognitive Beeinträchtigungen.

Die Diagnose von Morbus Parkinson basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung und der Beurteilung der Symptome. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können eingesetzt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen. Ein DaTscan, eine spezielle Art der SPECT-Untersuchung, kann helfen, den Dopaminmangel im Gehirn nachzuweisen.

Behandlung und Therapie

Morbus Parkinson ist derzeit nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

  • Medikamente: Levodopa, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer können helfen, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die motorischen Symptome zu verbessern.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Hirnaktivität zu modulieren und die Symptome zu reduzieren.
  • Physiotherapie: Kann helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Kann helfen, die Alltagsaktivitäten zu erleichtern und die Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Logopädie: Kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
  • Weitere Therapien: Tanztherapie, Virtual-Reality-Therapie und Spielkonsolen können ebenfalls zur Behandlung von Parkinson-Symptomen eingesetzt werden.

Herausforderungen und Bewusstseinsbildung

Morbus Parkinson stellt Betroffene und ihre Familien vor zahlreiche Herausforderungen. Die Erkrankung kann die Alltagsaktivitäten erheblich beeinträchtigen und zu sozialer Isolation führen. Es besteht ein großer Bedarf an Aufklärung und Sensibilisierung, um das Verständnis für die Krankheit zu verbessern und die Stigmatisierung von Parkinson-Patienten zu reduzieren.

Die Europäische Parkinson-Vereinigung (EPDA) hat eine "Bewusstseinskampagne" unter dem Motto "Parkinson ist sichtbar, macht es lebenswert" gestartet, um Menschen in Europa über die Krankheit aufzuklären, die täglichen Herausforderungen der Parkinson-Patienten ins Bild zu setzen sowie für Verständnis zu werben.

Forschung und Zukunftsperspektiven

Die Parkinson-Forschung ist ein aktives Feld, und es gibt viele vielversprechende Ansätze für neue Therapien und Behandlungsmethoden. Dazu gehören:

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  • Gentherapie: Um den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen.
  • Stammzelltherapie: Um beschädigte Nervenzellen zu ersetzen.
  • Immuntherapie: Um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren.
  • Neuroprotektive Medikamente: Um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Es ist wichtig, die Forschung weiter voranzutreiben, um neue und wirksamere Behandlungsmöglichkeiten für Morbus Parkinson zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Die Rolle der Ärzte und des Gesundheitssystems

95 Prozent der Parkinson-Patienten werden durch Hausärzte versorgt. Dies bestätigt die „Schlüsselrolle“ der Allgemeinmedizin. Zugenommen hat allerdings im Untersuchungszeitraum der Versorgungsanteil durch Neurologen. Ebenso gestiegen ist seit 2010 die Inanspruchnahme von Labordiagnostik. Betrachtet man vertragsärztliche Versorgungstypen, dann ist insbesondere die zunehmende (fachärztliche) Versorgung von Parkinson-Patienten in Medizinischen Versorgungszentren augenfällig.

Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) beklagt, dass es bei großen Therapiestudien noch Luft nach oben gibt, was unter anderem mit Datenschutzvorgaben und mit einer „manchmal überbordenden Bürokratie“ zusammenhängt.

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