Parkinson-Stammzelltherapie: Hoffnung für die Zukunft

Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Obwohl Medikamente einige Symptome lindern können, ist eine Heilung bisher nicht möglich. Die Stammzelltherapie gilt als eine mögliche Hoffnung für Parkinson-Patienten, obwohl sie noch weit von der klinischen Praxis entfernt ist.

Parkinson: Eine fortschreitende neurologische Erkrankung

Im Jahr 2018 erhielt Gunther Wilmes im Alter von 59 Jahren die Diagnose Parkinson. Wie viele andere Betroffene versucht er, aktiv seiner Erkrankung entgegenzuwirken und hofft auf eine zukünftige Heilung. Parkinson ist durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, die Dopamin produzieren, einen Botenstoff, der für die Steuerung von Körperbewegungen unerlässlich ist. Ablagerungen von Eiweißen, insbesondere Alpha-Synuclein, spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Der Mangel an Dopamin führt oft zu unkontrolliertem Zittern (Tremor) der Hand und Muskelsteifigkeit (Rigor). Weitere Symptome sind eingeschränkte Feinmotorik, Tagesmüdigkeit, reduzierte Belastbarkeit, Sprachstörungen und Konzentrationsschwäche bis hin zu Demenz. Männer haben ein 50 Prozent höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken als Frauen, und bei den meisten Betroffenen zeigen sich erste Symptome um das 60. Lebensjahr.

Die Diagnose erfolgt durch neurologische Tests und bildgebende Verfahren, um den Verlauf der Erkrankung zu beurteilen. Neurologin Bettina Müller aus Frankfurt erklärt, dass bei Verschlechterung des Muskeltonus oder Auftreten von Zittern eine Tremor-Analyse durchgeführt werden kann. In Abhängigkeit von den Symptomen kann auch eine SEP-Untersuchung messen, ob unterschiedliche Reize verzögert an das Gehirn weitergeleitet werden.

Aktuelle Behandlungen und ihre Grenzen

Parkinson-Patienten werden in der Regel mit einer Dopamin-Ersatztherapie behandelt, bei der Medikamente mit dem Wirkstoff Levodopa (L-Dopa) und Dopaminagonisten eingesetzt werden. Diese Medikamente gleichen den Dopaminmangel aus und lindern Symptome, können aber das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.

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"Wir versuchen Dopamin, das den Nervenzellen für den Erhalt flüssiger Bewegungen fehlt, von außen zu ersetzen. Und Levodopa gelangt durch die Blut-Hirn-Schranke direkt ins Gehirn", erklärt Dr. Bettina Müller.

Im Laufe der Jahre kann sich die Wirkdauer der Medikamente verkürzen oder die Patienten sprechen nicht mehr so gut darauf an. In solchen Fällen können weitere Medikamente oder eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden. Bewegung, Sport und Koordinationsübungen helfen, die Muskulatur zu erhalten sowie Gleichgewicht und Feinmotorik zu trainieren und zu stabilisieren. Eine angepasste Ernährung, die bestimmte Eiweiße in Fleisch und Milch reduziert und auf wenig Zucker und gesättigte Fettsäuren achtet, kann ebenfalls hilfreich sein. Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen und Angehörigen Austausch, Kontakt und Hilfe für das Leben und den Umgang mit der Parkinson-Erkrankung.

Antikörper-Therapie: Ein enttäuschender Ansatz

Verantwortlich für das Absterben von Nervenzellen ist das Protein Alpha-Synuclein, das sich im Gehirn übermäßig anlagert. In Studien wurde versucht, diese Ablagerungen mit einer zielgerichteten Antikörper-Therapie zu reduzieren. Die Ergebnisse waren jedoch enttäuschend, da die Therapie bei den Studienteilnehmern zu keiner Besserung führte. Einige Experten vermuten, dass der Ansatz, Ablagerungen zu reduzieren, zu kurz greift und der Hebel früher angesetzt werden müsste, damit Ablagerungen im Gehirn gar nicht erst entstehen.

Stammzelltherapie: Hoffnung auf Zellersatz

Ein vielversprechender Ansatz zur Heilung von Parkinson ist die Stammzelltherapie. Seit den 90er Jahren wird vor allem in Schweden, den USA und Kanada versucht, Dopamin produzierende Neuronen aus Stammzellen zu züchten. Ziel ist es, abgestorbene Nervenzellen und deren Dopaminproduktion durch Zelltransplantation zu ersetzen. Erste Ergebnisse sind vielversprechend, aber das Verfahren ist noch nicht in einer Phase, die eine Heilung von Parkinson in Aussicht stellt.

Stammzellen sind einzigartige Zellen, die sich von anderen Zellen im Körper unterscheiden, da sie sowohl die Fähigkeit zur Selbsterneuerung als auch zur Differenzierung besitzen. Das bedeutet, dass Stammzellen identische Kopien von sich selbst erzeugen und sich gleichzeitig in spezialisierte Zellen wie Haut-, Blut- oder Nervenzellen verwandeln können. Es gibt zwei Arten von Stammzellen: pluripotente Stammzellen, die sich zu nahezu jeder beliebigen Körperzelle entwickeln können, und multipotente Stammzellen, die sich nur zu verschiedenen Zelltypen einer bestimmten Linie entwickeln können.

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Die enorme Bedeutung von Stammzellen liegt in ihrem Potenzial für die regenerative Medizin, da sie es ermöglichen, geschädigtes Gewebe zu reparieren oder zu ersetzen.

Gentherapie: Ein weiterer vielversprechender Weg

Ein anderer vielversprechender Weg ist die Gentherapie. Hier werden verschiedene Möglichkeiten geprüft, zum Beispiel Gene für bestimmte Enzyme in das Gehirn zu injizieren, die die Nervenzellen anregen, Dopamin zu produzieren. Ein anderer Ansatz ist, Dopamin produzierende Nervenzellen im Gehirn wieder wachsen zu lassen oder schädliche Abläufe in den Nervenzellen zu stoppen. Noch recht neu ist der Ansatz, lebende Nervenzellen genetisch direkt zu verändern und in Dopamin produzierende Zellen umzuwandeln.

Forschungsergebnisse und Studien

In zwei aktuellen Studien, die in "Nature" veröffentlicht wurden, zeigten Forschende, dass Transplantationen von im Labor gezüchteten Nervenzellen bei Parkinson-Patienten sicher sind und in einigen Fällen sogar messbare Verbesserungen bringen können. Beide Studien setzten auf unterschiedliche Stammzelltypen als Ausgangszellen, kamen aber zu ähnlichen, hoffnungsvollen Ergebnissen.

Eine klinische Phase-1-Studie in den USA testete eine Therapie mit aus Embryonen gewonnenen Stammzellen. Diese wurden im Labor gezielt in eine Vorstufe von Dopamin produzierenden Nervenzellen umgewandelt und in das Gehirn von zwölf Parkinson-Patienten transplantiert. Nach 18 Monaten waren keine schweren Nebenwirkungen zu beobachten und die Zellen überlebten und produzierten Dopamin. Die Beweglichkeit verbesserte sich vor allem in der Hochdosisgruppe.

Ein anderes Forschungsteam aus Japan setzte in einer Phase-2-Studie auf induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die aus Blutzellen eines gesunden Spenders gewonnen wurden. Diese Zellen wurden in einen "Stammzell-Zustand" zurückversetzt und anschließend in Vorläufer von Dopamin produzierenden Nervenzellen umgewandelt. Diese wurden insgesamt sechs Patienten ins Gehirn transplantiert. Auch hier zeigten sich positive Effekte.

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Beide Studien sind nicht auf eine Wirksamkeitsanalyse ausgelegt, sondern beleuchten die Sicherheit und Effektivität der Behandlung. Zudem wurde in beiden Fällen ein offenes Studiendesign gewählt, was das Risiko von Placeboeffekten erhöht.

Expertenmeinungen

Prof. Dr. Alexander Storch von der Universitätsklinik Dresden, ein führender Forscher im Bereich der Gen- und Stammzellentherapie, erklärte auf dem 2. Mittelfränkischen Parkinsontag, dass sich beide Methoden derzeit noch im experimentellen Stadium befinden, aber die Hoffnung besteht, dass dies die Behandlungsmethoden der Zukunft sind.

Dr. Martin Winterholler, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Krankenhaus Rummelsberg, betonte, dass die Veranstaltung Betroffene und Interessierte über die Grundlagen der Parkinsontherapie, besondere psychologische Aspekte der Erkrankung und über die möglichen Heilungschancen der Zukunft informieren sollte.

Dr. Horst Weier, Oberarzt der Neurologischen Klinik am Krankenhaus Rummelsberg, erläuterte die neuesten Erkenntnisse der medikamentösen Therapie und legte seinen Schwerpunkt auf die Ergebnisse der neuesten Behandlungsstudien sowie mögliche Nebenwirkungen und Risiken.

Christoph Schleifer, Psychologe am Krankenhaus Rummelsberg, berichtete über den Einfluss der psychischen Verfassung auf die körperlichen Symptome der Krankheit und betonte, dass Therapie Zeit braucht und es kein Stadium im Leben gibt, das einen daran hindert, sich dem Leben in seiner Gänze anzunehmen.

Ethische Aspekte

Die Verwendung embryonaler Stammzellen in der Forschung ist ethisch umstritten, da die Zelllinien aus einem frühen Embryo gewonnen werden, der für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) erzeugt und dann für die Forschung gespendet wird. In der US-amerikanischen Studie wurde jedoch eine bereits existierende Zelllinie verwendet, sodass keine neuen Zellen gewonnen werden mussten.

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) stellen eine ethisch weniger umstrittene Alternative dar, da sie aus Körperzellen eines Spenders gewonnen werden und nicht die Zerstörung von Embryonen erfordern.

Herausforderungen und Ausblick

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es noch viele Herausforderungen zu bewältigen, bevor die Stammzelltherapie als Standardbehandlung für Parkinson eingesetzt werden kann. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie langfristig zu gewährleisten und die optimalen Bedingungen für die Zelltransplantation zu bestimmen.

Frank Edenhofer von der Universität Innsbruck betont, dass weitere Experimente die Allgemeingültigkeit der aktuellen Ergebnisse erst noch bestätigen müssen. Außerdem muss geklärt werden, inwiefern in Zukunft auf eine Immunsuppression verzichtet werden kann, welche in den aktuellen Studien durchgängig angewendet wurde, um eine Abstoßung der transplantierten Zellen zu minimieren.

Trotz dieser Herausforderungen ist die Forschung auf dem Gebiet der Stammzelltherapie in Bewegung, und es besteht die Hoffnung, dass in Zukunft neue Therapien entwickelt werden können, die eine Heilung von Parkinson ermöglichen oder zumindest die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

Die Rolle der Technologie

Technologische Innovationen, insbesondere künstliche Intelligenz (KI), durchdringen sämtliche Lebensbereiche, so auch die Welt der Medizin. KI fungiert dabei als Schlüsselelement und revolutioniert die traditionellen Ansätze in Diagnose, Therapie und Prävention, indem sie Prozesse präziser, effizienter und individueller gestalten kann. Dadurch können Fehlerquellen reduziert, Fachkräfte entlastet und Patient:innen gezielter und effektiver behandelt werden.

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