Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem motorische Fähigkeiten beeinträchtigt. Die Diagnose im Frühstadium kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome unspezifisch sein können. Es gibt jedoch verschiedene Fragebögen, Tests und Untersuchungen, die bei der Früherkennung und Diagnose helfen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verfügbaren Instrumente und Verfahren zur Beurteilung von Parkinson.
Selbsttests und Fragebögen zur Früherkennung
Parkinson-Selbsttest
Ein einfacher Selbsttest kann erste Hinweise auf eine mögliche Parkinson-Erkrankung geben. Der ärztliche Beirat der Deutschen Parkinson Vereinigung hat eine Liste mit möglichen Frühsymptomen herausgegeben. Wenn Sie bei diesem Selbsttest mehr als drei Fragen mit „ja“ beantworten, könnten dies erste Anzeichen für eine zugrundeliegende Parkinson-Erkrankung sein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ein positiver Selbsttest nicht automatisch bedeutet, dass man Parkinson hat. Die Diagnose muss immer von einem Arzt gestellt werden.
Beispielfragen:
- Kommt es vor, dass die Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
- Ist ein Arm angewinkelt und schwingt beim Gehen nicht mit?
- Hat der Patient eine vornüber gebeugte Haltung?
- Leicht schlurfender Gang oder Bein nachgezogen?
- Ist der Gang kleinschrittig und kommt es häufig vor, dass der Patient stolpert?
- Leidet der Patient an Antriebs- und Initiativmangel?
- Klagt der Patient häufig über Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich?
- Hat der Patient bemerkt, sich von Freunden und Angehörigen zurückzuziehen, meidet Kontakte?
- Bemerken Sie Veränderungen in der Stimme, ist sie monotoner und leiser als früher?
- Hat der Patient eine Verkleinerung seiner Schrift bemerkt?
Parkinson Screening Fragebogen
Dieser Fragebogen soll helfen, festzustellen, ob die aktuelle Therapie mit Tabletten oder Kapseln ausreichend gegen die Parkinson-Beschwerden wirkt. Er basiert auf Kriterien, die von einem internationalen Expertengremium entwickelt wurden, um die Grenzen der oralen Therapie von Parkinson zu erkennen. Der ausgefüllte Selbsttest kann ausgedruckt oder digital abgespeichert werden und als Orientierungshilfe für den nächsten Arztbesuch dienen.
Checkliste zur Erfassung neuropsychiatrischer Störungen (CENS-PE)
Die kurze "Checkliste zur Erfassung neuropsychiatrischer Störungen bei Parkinsonerkrankung" (CENS-PE) dient der Erfassung neuropsychiatrischer Symptome bei Patienten mit der Parkinsonerkrankung. Sie umfasst 12 Items, welche den Störungsbildern Psychotische Symptome, Stimmung/Apathie und Störung der Impulskontrolle zugeteilt sind. Die interne Konsistenz der CENS-PE liegt für alle Subskalen im unteren Bereich (Cronbachs Alpha = .35-.70). Die Konstruktvalidität wurde berechnet (konfirmatorische und exploratische Faktorenanalysen, mittlere Iteminterkorrelationen). Für den Nachweis der konvergenten Validität wurden die Items der Skala Stimmung/Apathie mit ähnlichen Messverfahren korreliert (r > .30). Eine varianzanalytische Prüfung mit drei Stichproben (1) ohne kognitive Einschränkungen, (2) mit Mild Cognitive Impairment (MCI) und (3) mit Demenz ergab, dass der Summenwert der CENS-PE signifikant zwischen den drei Gruppen unterscheidet. Patienten mit einer Demenz weisen einen signifikant höheren Summenwert in der CENS-PE auf als Patienten ohne kognitive Defizite.
Parkinson Disease Sleep Scale
Die Parkinson Disease Sleep Scale ist ein Fragebogen zur Beurteilung der Schlafqualität bei Parkinson-Patienten. Sie erfasst verschiedene Aspekte des Schlafs, wie Einschlafschwierigkeiten, Durchschlafschwierigkeiten, Unruhe in den Beinen und Armen, quälende Träume und Sinnestäuschungen, nächtliches Aufstehen zur Toilette, Unwohlsein durch Unbeweglichkeit, Schmerzen in Armen oder Beinen, Muskelkrämpfe, frühes Aufwachen, Zittern beim Aufwachen sowie Müdigkeit und Schläfrigkeit am Morgen.
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Beispielfragen:
- Haben Sie während der letzten Woche insgesamt gut geschlafen?
- Fiel es Ihnen schwer, nachts einzuschlafen?
- Fiel es Ihnen schwer, durchzuschlafen?
- Sind Sie wegen Unruhe in Beinen und Armen nachts aufgewacht?
- War ihr Schlaf gestört durch einen Drang, Ihre Beine oder Arme bewegen zu müssen?
- Haben Sie nachts unter quälenden Träumen gelitten?
- Haben Sie nachts unter quälenden Sinnestäuschungen gelitten (Sie haben Dinge gesehen oder gehört, von denen Ihnen gesagt wurde, dass es sie nicht gibt)?
- Sind Sie nachts aufgestanden, weil sie zur Toilette mussten?
- Haben Sie sich in der Nacht unwohl gefühlt, weil sie unbeweglich waren und sich deshalb nicht im Bett umdrehen oder bewegen konnten?
- Haben Sie Schmerzen in Ihren Armen oder Beinen gespürt, von denen Sie nachts aufgewacht sind?
- Hatten Sie nachts Muskelkrämpfe im Schlaf in Ihren Armen oder Beinen, von denen Sie aufgewacht sind?
- Sind Sie früh am Morgen aufgewacht, weil die Körperlage Ihrer Arme und Beine Schmerzen verursacht hat?
- Hatten Sie Zittern (Tremor) beim Aufwachen?
- Fühlten Sie sich müde und schläfrig nach dem Aufwachen am Morgen?
Parkinson`s Disease Questionnaire
Der "Parkinson`s Disease Questionnaire" ist ein Patientenfragebogen zur Beurteilung der Lebensqualität der Parkinson-Patienten. Sie werden dabei gebeten, 39 Fragen mittels Ankreuzen zu beantworten. Ihr behandelnder Arzt kann damit zusätzliche Informationen darüber erhalten, welchen Einfluss die Erkrankung auf Ihren Alltag hat und somit ggf.
Ärztliche Untersuchungen und Tests
Anamnese und körperliche Untersuchung
Die Parkinson-Diagnostik beginnt mit einem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem die medizinische Vorgeschichte und die aktuellen Symptome erfasst werden. Anschließend führt der Arzt eine umfassende körperliche Untersuchung durch, um typische Parkinson-Symptome zu erkennen.
UPDRS (Unified Parkinson Disease Rating Scale)
Der UPDRS (Unified Parkinson Disease Rating Scale) ist ein komplexes Testverfahren, das verschiedene Aspekte der Parkinsonerkrankung bewertet. Meist wird der Teil 3 verwendet, der motorische Symptome der Erkrankung quantifiziert.
L-Dopa-Test
Dieser Test dient dazu herauszufinden, ob sich Symptome der Parkinsonerkrankung oder Symptome, die den Verdacht auf das Vorliegen der Parkinsonerkrankung begründen, durch die Gabe einer Testdosis L-Dopa verbessern. Vor der Gabe sollte über drei Tage das Medikament Domperidon eingenommen werden, um die sonst bei dieser L-Dopa-Dosis möglicherweise auftretende Übelkeit zu vermeiden. Vor der L-Dopa-Gabe und ca. 60 Minuten danach wird die Beweglichkeit mittels des UPDRS Teil III quantifiziert. Die Zwischenzeit können Sie im Wartezimmer überbrücken. Wenn sich die Symptome um mindestens 30 Prozent verbessert haben, deutet dies auf ein idiopathisches Parkinson-Syndrom hin. Wichtig ist allerdings, dass das alleinige Testergebnis noch keine gesicherte Parkinson-Diagnose bedeutet.
Apomorphin-Test
Ein weiterer Test zur Beantwortung der Frage, ob auf die Symptome der Parkinsonerkrankung auf Medikamentengabe ansprechen, ist der sogenannte Apomorphin-Test. Dabei erhalten Sie eine geringe Dosis des Medikaments Apomorphin unter die Haut injiziert. Schon nach einigen Minuten kann eine Aussage über die Wirkung getroffen werden. Im Rahmen des Tests wird die injizierte Dosis langsam gesteigert.
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PANDA (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment)
Der Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment ist ein bildungsunabhängiger Test, der die Besonderheiten der Parkinson-Demenz besonders berücksichtigt. Maximal 30 Punkte können erzielt werden, bei weniger als 14 Punkten in der PANDA-Kognition ist eine Demenz wahrscheinlich. Der Test dauert etwa 10 Minuten. Es werden verschiedene Kompetenzen getestet.
DAT-Scan
Die DAT-Scan Untersuchung, auch bekannt als Dopamintransporter-Scan, ist eine spezielle bildgebende Untersuchung, die in der Diagnose von Parkinson und anderen Bewegungsstörungen verwendet wird. Ein DAT-Scan wird typischerweise durchgeführt, um die Diagnose von Parkinson zu bestätigen. Am verbreitetsten ist der DAT-Scan bei dem die Dopamin-Transportermoleküle dargestellt werden.
Differentialdiagnose
Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie zum Beispiel einen Schlaganfall, Medikamentennebenwirkungen oder andere neurodegenerative Erkrankungen.
Essentieller Tremor (ET)
Bei manchen Parkinsonpatienten steht der Tremor ganz im Vordergrund. Differentialdiagnostisch ist hier insbesondere der essentielle Tremor (ET) abzugrenzen, eine spezifische neurologische Bewegungsstörung noch ungeklärter Ursache. Im Gegensatz zum Parkinsontremor ist der essentielle Tremor ein Aktionstremor. Das bedeutet, dass das Zittern auftritt, wenn die betroffene Person eine Tätigkeit aktiv ausführt, zum Beispiel beim Halten von Gegenständen wie einer Tasse Kaffee oder einer Wasserflasche oder dem Durchführen feinmotorischer Arbeiten. Der essentielle Tremor tritt typischerweise an beiden Armen auf und verstärkt sich typischerweise erheblich unter Stress. Die Erkrankung nimmt in der Regel nach dem 40. Lebensjahr langsam zu, es entwickeln sich jedoch über das Zittern hinaus keine anderen Symptome. Behandelt wird der essentielle Tremor meist mit niedrig einschleichend dosierte Beta-Blocker.
Sekundäre Parkinson-Syndrome
Sekundäre Parkinsonsyndrome durch Traumata nach Enzephalitis durch Tumor oder Intoxikation spielen in der Praxis nur selten eine Rolle. Auch Medikamente können Parkinson-Symptome auslösen, wie zum Beispiel Neuroleptika, aber auch manche Antikonvulsiva (Valproat und Lamotrigin).
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Normaldruck-Hydrozephalus (NPH)
Der Normaldruck-Hydrozephalus ist klinisch durch eine Trias aus Gangstörung, Harninkontinenz und dementieller Entwicklung gekennzeichnet. Im MRT zeigen sich erweiterte Seitenventrikel mit diskrepant engen Furchen an der Mantelkante.
Frühsymptome und Warnzeichen
Die Frühsymptome der Parkinson Krankheit sind meist unspezifisch. Es wird von Beschwerden im Nacken- und Lendenwirbelbereich, aber auch von diffusen Rückenschmerzen berichtet. Bei einigen Patienten fällt auf, dass die Schrift immer kleiner und die Sprache leiser wird. Die Betroffenen klagen teilweise über Gehbeschwerden und schnelle Ermüdbarkeit. Den körperlichen Parkinson Symptomen können Depressionen häufig jahrelang vorausgehen.
Es gibt aber einige Anzeichen und Symptome, die als Vorboten der Parkinson-Krankheit gelten können. Diese frühen Warnzeichen sind oft sehr unspezifisch. Ein Beispiel ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung, eine Schlafstörung, bei der Personen im REM-Schlaf äußerst lebhaft träumen, indem sie sprechen, um sich treten oder schlagen.
Symptome der Parkinson-Krankheit
Parkinson-Symptome sind vielfältig und lassen sich grundsätzlich in motorische und nicht-motorische Symptome unterteilen. Motorische Symptome beziehen sich auf Bewegungen und Bewegungsabläufe, die von den Muskeln und dem Nervensystem gesteuert werden. Vor allem die motorischen Symptome sind typisch für Parkinson. Allen voran die Bradykinese. Hierbei erleben Betroffene eine spürbare Verlangsamung ihrer körperlichen Bewegungen. Das Hauptkriterium für die Diagnose eines Parkinson-Syndroms ist eine Bradykinese, also verlangsamte Bewegungen, die mit mindestens einem der weiteren Parkinson-typischen Symptome kombiniert ist: Muskelsteifheit, Zittern und/oder Haltungsstörung. Mögliche Frühsymptome bei Parkinson sind unter anderem spezielle Schlafstörungen, Blasen- und Darmstörungen, Riechstörungen und Stimmungsänderungen.
Die Verlangsamung der Bewegungen fällt oftmals nahen Angehörigen oder Freunden als erstes auf. Während Betroffene früher Bewegungen flüssig ausführen konnten, erscheinen sie bei Parkinson allmählich immer stockender und gehemmter. Auch dieses Symptom einer Parkinson-Krankheit lässt sich im Parkinson-Frühstadium noch kaschieren. In einem Großteil der Fälle handelt es sich dabei um einen Ruhetremor. Bei einem Ruhetremor tritt das Zittern auf, wenn die Muskulatur vollkommen entspannt ist - also zum Beispiel, wenn die Hand im Schoß liegt. Die Muskelsteifheit wird zu Anfang oft fehldiagnostiziert. Gerade zu Beginn zeigen sich schmerzhafte Verspannungen in den Oberarmen oder der Schulter. Wenn aber eines der Parkinson-Syndrome vorliegt, schlagen Schmerzmittel nicht an und können den Rigor nicht mildern. Das auffälligste Anzeichen eines Parkinson-Syndroms ist das Gangbild. In einem späten Stadium des Parkinson-Syndroms kommt es Betroffenen so vor, als würden die eigenen Beine versagen und die Füße am Boden festkleben. Aufgrund der Geh- und Haltungsstörungen kommt es zu einem unsicheren Gang, der in Kombination mit Gleichgewichtsproblemen zu einer erhöhten Sturzgefahr führt. Auch Treppen oder unebenes Gelände stellen Menschen mit Parkinson vor große Herausforderungen, da sie Entfernungen nicht richtig abschätzen können, was zu Trittunsicherheiten führt. Bewegungsübungen können einzelne Parkinson-Symptome lindern und bei der Therapie unterstützen. Neben den motorischen Symptomen können bei Parkinson eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auftreten.
Was tun nach der Diagnose?
Nach der Diagnose Parkinson ist es wichtig, sich umfassend über die Erkrankung und die verfügbaren Therapien zu informieren. Der Arzt wird einen individuellen Behandlungsplan erstellen, der auf die spezifischen Bedürfnisse und Symptome des Patienten abgestimmt ist. Es gibt verschiedene Hilfen und Angebote, die nach der Diagnose Parkinson relevant sein können.
Behandlung von Begleiterscheinungen
Viele Parkinsonpatienten leiden unter Blasenstörungen. Diese können gut behandelt werden. Bei einer überaktiven Blase können Medikamente wie Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten in Kombination mit Tamsolusin behandelt werden. Bei einer orthostatischen Hypotonie, also einem niedrigen Blutdruck beim Aufstehen, kann versucht werden, die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen und Kompressionsstrümpfe zu tragen. Ergänzend kann eine medikamentöse Behandlung mit einem Sympatomimetikum wie zum Beispiel Midodrin erfolgen.
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