Übungen zur Verbesserung der Haltungsstabilität bei Parkinson

Die Parkinson-Krankheit, früher auch als „Schüttellähmung“ bekannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die in Deutschland mehr als 250.000 Menschen betrifft. Typische Symptome sind starke motorische Einschränkungen wie verlangsamte Bewegungen (Akinese), Zittern in Ruhehaltung (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und eine reduzierte Haltungsstabilität, die häufig zu Stürzen und Verletzungen führt. Obwohl die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Neben der medikamentösen Behandlung spielen begleitende Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie eine wichtige Rolle, um die Alltagskompetenz der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

Tai-Chi und Schattenboxen für mehr Stabilität

Eine aktuelle Studie einer amerikanischen Forschergruppe vom Oregon Research Institute hat die positive Wirkung von Tai-Chi-Übungen auf die Haltungsstabilität von Parkinson-Patienten gezeigt. In der Studie wurden 194 Patienten mit leichter oder mittelschwerer Parkinson-Erkrankung über einen Zeitraum von sechs Monaten in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe trainierte zweimal wöchentlich eine Stunde lang Tai-Chi, die zweite Gruppe absolvierte Krafttraining, und die dritte Gruppe führte Dehnungsübungen durch. Die Ergebnisse zeigten, dass Tai-Chi die Haltungssicherheit am besten verbesserte, während Dehnungsübungen keine Besserung brachten. Während der Studiendauer stürzten insgesamt 76 Patienten, am seltensten in der Tai-Chi-Gruppe und am häufigsten in der Stretching-Gruppe.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) betont, dass Parkinson-Patienten seltener stürzen und alltägliche Erledigungen besser bewältigen, wenn sie regelmäßig Tai-Chi oder Schattenboxen üben. Professor Wolfgang Oertel von der DGN berichtet, dass dank maßgeschneiderter Therapien die Patienten heute deutlich länger ihre Selbstständigkeit bewahren können als noch vor 15 Jahren.

Die Parkinson-Komplexbehandlung der Helios Kliniken Mittelweser

Seit über zehn Jahren bietet die Helios Kliniken Mittelweser eine Parkinson-Komplexbehandlung an. Bei dieser multimodalen Behandlung arbeiten Ärzte, Pflegepersonal und Therapeuten zusammen, um eine ganzheitliche Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen zu gewährleisten. Dr. Martin Bästlein, Chefarzt der Neurologie der Helios Kliniken Mittelweser, erklärt, dass bei der Parkinson-Erkrankung durch einen Mangel des Botenstoffs Dopamin die Gehirnzellen, die für die Bewegungen zuständig sind, nach und nach absterben. Dies führt zu einer zunehmenden Einschränkung der Bewegungsfähigkeit, wobei eines der Symptome das Zittern der Hände und Füße im Ruhezustand ist.

Petra Stolte, Parkinson Nurse an den Helios Kliniken Mittelweser, erläutert, dass Patienten mit Verdacht auf Parkinson mehrere Tests durchlaufen, um den Schweregrad der Erkrankung und die spezifischen Schwierigkeiten zu ermitteln. Ein wichtiger Test ist der L-Dopa-Test, bei dem die Wirkung des Medikaments L-Dopa, das den fehlenden Botenstoff Dopamin ersetzt, untersucht wird. Der neue Parkinson-Therapieraum der Klinik bietet die notwendige Ruhe und eine speziell auf Parkinson-Patienten abgestimmte Geräteausstattung für die Tests und die Therapie.

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Neben Physiotherapie und Ergotherapie spielt auch die Logopädie eine wichtige Rolle, da Sprachstörungen eine typische Begleiterscheinung der Parkinson-Erkrankung sind. Angehörige werden von Anfang an in die Behandlung einbezogen, da sich auch ihr Leben durch die Erkrankung grundlegend ändert. Ziel der Komplexbehandlung ist es, die Lebensqualität der Erkrankten zu verbessern und ihnen eine aktivere Teilnahme am Leben zu ermöglichen.

Kompensationsstrategien für Gehbehinderungen

Ein gestörtes Gangbild gehört zu den typischen Symptomen der Parkinson-Krankheit. Verlangsamte Bewegungsabläufe (Akinese) und Störungen der Haltungsstabilität (Posturale Instabilität) sind neben Muskelversteifung (Rigor) und Zittern (Tremor) Hauptkennzeichen des Parkinson-Syndroms. Motorische Probleme wie Gleichgewichtsverlust, Stürze, eine schlurfende oder taumelnde Gangart bis hin zu Bewegungsblockaden (Freezing) erschweren den Betroffenen die Ausführung alltäglicher Aktivitäten und beeinträchtigen die Lebensqualität.

Dänische und britische Forschende haben in einer Studie [1] festgestellt, dass Kraft- und Gleichgewichtsübungen sowie Wassertherapie besonders effektiv zur Verbesserung der Gangdynamik sind. Darüber hinaus stehen sieben verschiedene Kompensationsstrategien zur Verfügung, mit denen Parkinson-Patienten auftretende Gehbehinderungen möglicherweise lindern können. Eine Umfrage niederländischer Forschender [2] unter 4324 Parkinson-Patienten ergab jedoch, dass die wenigsten Betroffenen alle sieben Möglichkeiten kennen. 17 Prozent hatten noch nie von einer dieser Strategien gehört, und fast jeder vierte hatte bisher nur eine einzige Strategie ausprobiert.

Die sieben Kompensationsstrategien sind:

  1. Äußere Anhaltspunkte suchen: Zum Beispiel im Rhythmus eines Metronoms gehen.
  2. Innere Anhaltspunkte suchen: Zum Beispiel beim Gehen im Kopf zählen.
  3. Gleichgewicht verlagern: Zum Beispiel breitere Kurven gehen.
  4. Sich mental konzentrieren: Zum Beispiel mittels Entspannungstechniken.
  5. Sich ein motorisches Vorbild suchen: Zum Beispiel einen anderen Menschen beim Gehen beobachten.
  6. Neue Fortbewegungsformen ausprobieren: Zum Beispiel Rückwärtsgehen oder Springen.
  7. Die Fortbewegungsform der Beine variieren:

Die Mehrheit der Befragten, die schon eine der sieben Kompensationsstrategien ausprobiert hatten, konnte dieser auch einen deutlichen Nutzen zuschreiben. Zum Beispiel fanden 76 Prozent eine Verlagerung ihres Gewichts beim Gehen hilfreich und 74 Prozent profitierten von Entspannungstechniken.

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Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) betont, dass die Wirkung der einzelnen Gehstrategien individuell und von der Tagesform sowie dem jeweiligen Kontext abhängig ist. Es sei von Vorteil, mehrere Strategien zu kennen, um sie je nach Situation anwenden zu können.

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