Der Zusammenhang zwischen Cortisol, Stress und Parkinson: Ein umfassender Überblick

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die genauen Ursachen von Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Stress, insbesondere chronischer Stress, wird zunehmend als ein Faktor erkannt, der den Verlauf von Parkinson beeinflussen kann. Dieser Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen Cortisol, Stress und Parkinson und beleuchtet die Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen.

Einführung

Stress ist ein allgegenwärtiger Bestandteil des modernen Lebens. Während kurzfristiger Stress eine adaptive Reaktion sein kann, kann chronischer Stress negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, insbesondere auf das Nervensystem. Studien haben gezeigt, dass chronischer Stress neurologische Symptome bei verschiedenen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Migräne und eben auch Parkinson verschlimmern kann.

Die Rolle von Cortisol bei Stress

Bei Stress schüttet der Körper Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Cortisol, ein Glucocorticoid, wird von der Nebennierenrinde als Reaktion auf Stress freigesetzt und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Stoffwechsels, des Immunsystems und der Entzündungsreaktionen. Eine erhöhte Cortisolkonzentration im Blut über einen längeren Zeitraum kann jedoch negative Auswirkungen haben.

Cortisol und das Immunsystem

Eine dauerhaft erhöhte Cortisolkonzentration kann Immunzellen aktivieren, die dann ins Gehirn gelangen und Entzündungen im Nervengewebe auslösen können. Dieser Prozess, bekannt als Neuroinflammation, kann die Symptome von neurologischen Erkrankungen wie Parkinson verstärken.

Cortisol und die HPA-Achse

Ein weiteres wichtiges Effektorsystem der Regulation von Entzündungen ist die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Glucocorticoide, wie sie von der Nebennierenrinde freigesetzt werden, aktivieren den Glucocorticoidrezeptor (GR). Dieser vermittelt die Deaktivierung der ersten Stufen der HPA-Achse und reguliert Entzündungen sowohl durch direkte Transkriptionswirkung auf Zielgene als auch durch indirekte Hemmung der Transkriptionsaktivitäten von Transkriptionsfaktoren wie NF-κB, AP-1 oder Interferon-Regulationsfaktoren. Bei Parkinson ist die HPA-Achse oft im Ungleichgewicht, und die Cortisolwerte sind deutlich erhöht, was auf eine Deregulierung der GR-Funktion in Immunzellen hindeutet.

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Wie Stress Parkinson beeinflusst

Beschleunigung des Nervenzellsterbens

Bei Parkinson sterben Nervenzellen im Gehirn ab, insbesondere dopaminerge Nervenzellen in der Substantia nigra und im ventralen tegmentalen Areal (VTA). Stress kann diesen Prozess beschleunigen und Symptome wie Zittern oder steife Bewegungen verschlimmern. Als plausibelste Ursache von Parkinson gilt oxidativer Stress, der zu einer Funktionsstörung der dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra führt. Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) können die Caspase-Kaskade in den Mitochondrien aktivieren, was zum Tod der Zelle führt. Der Dopaminstoffwechsel ist eng mit oxidativem Stress verbunden.

Verstärkung von Entzündungen

Chronische Entzündungen sind ein charakteristisches Merkmal von Parkinson. Dopaminerge Neuronen sind besonders anfällig für aktivierte Glia, die toxische Faktoren freisetzen. Mikroglia, Astrozyten und infiltrierende T-Zellen vermitteln chronische Entzündungen. Eine Störung der Glucocorticoid-Wirkung kann die Infiltration zytotoxischer Moleküle beeinflussen, was zu einer erhöhten Anfälligkeit der Dopamin-Neuronen bei Parkinson führt.

Auswirkungen auf die Blut-Hirn-Schranke

Glucocorticoide regulieren weiterhin die Blutgefäße des menschlichen Gehirns sowie die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke (BHS). Eine Störung der Glucocorticoid-Wirkung kann die Infiltration zytotoxischer Moleküle beeinflussen, was zu einer erhöhten Anfälligkeit der Dopamin-Neuronen bei Parkinson führt.

Strategien zur Stressbewältigung bei Parkinson

Menschen mit Parkinson sollten versuchen, nicht zu viel Stress zu haben. Hier sind einige Strategien zur Stressbewältigung, die helfen können:

Regelmäßiger Ausdauersport

Regelmäßiger Ausdauersport senkt die Stresshormone und hilft, Entzündungen im Nervensystem zu verringern. Außerdem schütten die Nerven beim Sport schützende Stoffe aus. Sport reduziert die Neuroinflammation, denn er senkt die Stresshormonspiegel und führt zur Ausschüttung sog. neurotropher Faktoren, die auch einen nervenschützenden Effekt haben.

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Achtsamkeit und Entspannungstechniken

Strategien der Achtsamkeit und Stressreduktion, wie Yoga, Meditation oder Atemübungen, können ebenfalls helfen, Stress abzubauen und die Stressresistenz zu erhöhen.

Musiktherapie und Rhythmus

Musik und Rhythmus können bei einigen Parkinson-Patienten kleine Wunder vollbringen. Flüssigere und schnellere Bewegungen sind möglich. Die Neurowissenschaftlerin Jessica Grahn von der University of Western Ontario erforscht den Zusammenhang zwischen Gehirn und Musik. Rhythmische Bewegungen synchron zum gehörten Grundschlag gelingen nur, wenn wir den Grundschlag, den Beat, erfassen. Hören wir einen Rhythmus oder ein Musikstück zum ersten Mal und entdecken den Beat, schwingen Teile unseres Gehirns mit ein, die Schlagfrequenz wird quasi verinnerlicht. Wir können wegen der Regelmäßigkeit weitere Beats voraussagen, bevor sie überhaupt zu hören sind und den Körper dazu bewegen.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann helfen, den Körper vor oxidativem Stress zu schützen. Es wird auch diskutiert, die Nutzung von ROS-Antioxidanten zu fördern.

Schlafhygiene

Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Stressbewältigung. Gelingt es Ihnen nicht, die ganze Nacht durchzuschlafen, versuchen Sie es dann mit einem oder einigen Nickerchen am Tage.

Parkinson und das Dopaminsystem

Parkinson ist wie ADHS von einer Störung des Dopaminsystems gekennzeichnet, die jedoch andere neurophysiologische Ursachen hat und anders behandelt werden muss als ADHS. Einige der Parkinsonsymptome treten auch bei ADHS auf, darunter Hypokinese, erhöhte Muskelspannung, posturale Instabilität, nicht-motorische neurologische Symptome und kognitive Symptome.

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Behandlung von Parkinson

Die Behandlung von Parkinson umfasst verschiedene Medikamente wie Dopaminagonisten, L-Dopa, COMT-Hemmer, MAO-B-Hemmer, Amantadin, Anticholinergika, Budipin und Stimulanzien. L-Dopa ist ein Prodrug von Dopamin und wird in der Regel mit Decarboxylasehemmern kombiniert.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Studien berichten von einer beeinträchtigten visuellen Emotionserkennung und -verarbeitung bei Parkinson, insbesondere der negativen Emotionen Angst, Trauer, Ärger, Ekel und Überraschung, wobei die bisherigen Untersuchungsergebnisse sehr unterschiedlich sind. Als Einflussfaktor werden an dieser Stelle mitunter geschlechtsspezifische Unterschiede vermutet, die bislang kaum untersucht wurden.

Die Rolle des Darmmikrobioms

Die menschliche intestinale Mikrobiota, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen des Darms, hat nachweisbar großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Forscher haben herausgefunden, dass Darm und Gehirn kommunizieren können. Dadurch kann unsere Darmmikrobiota Einfluss auf unseren Gemütszustand nehmen. Mikroorganismen im Darm produzieren z. B. Neurotransmitter, die durch das verzweigte Nervensystem im Darm ins Gehirn gelangen und andersherum (Darm-Hirn-Achse). Ist das Darmmikrobiom aus dem Gleichgewicht und pathogene Keime vermehren sich (=Dysbiose), kann dies zu neurologischen Erkrankungen oder psychischen Störungen beitragen.

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