Parkinson-Krankheit und Beruf: Ein umfassender Leitfaden

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich auf verschiedene Lebensbereiche auswirkt, einschließlich des Berufslebens. Viele Betroffene können im Frühstadium ein selbstständiges und aktives Leben führen, aber im Laufe der Zeit können Beschwerden und Zukunftsängste belasten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Parkinson-Krankheit im Zusammenhang mit dem Beruf, von den ersten Anzeichen und Diagnose bis hin zu Bewältigungsstrategien und Unterstützungsmöglichkeiten.

Einführung in die Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der bestimmte Nervenzellen im Gehirn langsam absterben. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Die Erkrankung beginnt meist schleichend und schreitet im Laufe der Zeit fort. Die Symptome können individuell variieren, werden jedoch im Allgemeinen im Verlauf stärker und besser erkennbar.

Viele Menschen spüren lange keine Beschwerden oder führen die Symptome auf andere Ursachen wie den normalen Alterungsprozess zurück. Manchmal fällt nahestehenden Menschen zuerst auf, dass etwas nicht stimmt. Vom Auftreten der ersten Beschwerden und Einschränkungen bis zur endgültigen Diagnose können Jahre vergehen.

Symptome im Frühstadium

Bei einer beginnenden Parkinson-Krankheit ist der Alltag oft kaum oder gar nicht eingeschränkt, vor allem, wenn man wirksame Medikamente nimmt. Viele Menschen bemerken ihre Erkrankung zuerst an einer schlechteren Feinmotorik. Dann wird es beispielsweise schwieriger, Schuhe zuzubinden oder Hemden zuzuknöpfen. Zittern ist ein typisches erstes Anzeichen, ebenso Steifheitsgefühle, verlangsamtes Gehen oder Schmerzen in Schultern oder der Hüfte. Manchmal stehen auch Beschwerden im Vordergrund, die man nicht unbedingt mit der Parkinson-Krankheit verbindet. Manche Menschen können sich in den ersten Jahren vielleicht normal bewegen und zittern auch nicht - dafür schlafen sie schlecht oder haben häufig Verstopfung.

Zu den häufigsten Symptomen im Frühstadium gehören:

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  • Zittern (Tremor): Oft ein Ruhetremor, der auftritt, wenn die Muskulatur entspannt ist.
  • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Bewegungen erscheinen stockender und gehemmter.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Schmerzhafte Verspannungen, oft in den Oberarmen oder der Schulter.
  • Gangbildveränderungen: Kleinschrittiger Gang, vornübergebeugte Haltung.
  • Weitere Symptome: Veränderte Mimik, chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Kreislaufprobleme.

Diagnose und erste Schritte

Wie bei vielen anderen ernsthaften Erkrankungen ist die Diagnose oft zunächst ein Schock. Zugleich kann es erleichternd sein, wenn es endlich eine Erklärung für die Beschwerden gibt und eine Behandlung begonnen werden kann. Die Beschwerden im Frühstadium lassen sich meist wirksam behandeln. So ist in der Regel Zeit, sich auf den Krankheitsverlauf einzustellen und den Umgang mit späteren Parkinson-Folgen vorzubereiten. Bis die Selbstständigkeit stark eingeschränkt wird, vergehen meist einige Jahre.

Nach der Diagnose ist es wichtig, sich ausführlich über die Erkrankung zu informieren und eine gute ärztliche Begleitung zu suchen. Die Behandlung übernimmt in der Regel ein niedergelassener Neurologe oder eine niedergelassene Neurologin. Weitere Unterstützung ist ebenfalls sehr wertvoll. Gerade in der ersten Zeit nach der Diagnose kann es helfen, mit anderen über die eigenen Sorgen zu sprechen und Rat zu medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Fragen einzuholen. Gute Anlaufstellen können zum Beispiel Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen sein.

Umgang mit der Erkrankung im Alltag

Die Parkinson-Krankheit und die damit verbundenen Zukunftsängste können schon im Frühstadium seelisch belasten. Manche Menschen erleben Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Beschwerden. Einige ziehen sich zurück, besonders wenn die Symptome für andere sichtbar werden, und sprechen nicht offen über die Krankheit. Sie reagieren manchmal sehr empfindlich und sorgen sich, was andere über sie und ihre Erkrankung denken könnten.

Viele Betroffene machen jedoch die Erfahrung, dass sie umso besser mit der Erkrankung zurechtkommen, je selbstverständlicher sie damit umgehen. Oft haben andere Menschen mehr Verständnis als zunächst angenommen. Falls nicht, sind sie vielleicht auch nur unsicher, wie sie mit der Erkrankung umgehen sollen, was sie sagen oder wie sie helfen könnten. Offen über die Erkrankung zu sprechen, kann Unsicherheiten auf beiden Seiten nehmen.

Unterstützungsmöglichkeiten

  • Selbsthilfegruppen: Erfahrungsaustausch und Unterstützung durch andere Betroffene.
  • Online-Foren und soziale Netzwerke: Austausch über den Umgang mit der Krankheit.
  • Psychologische Beratung und Begleitung: Hilfe für Erkrankte und Angehörige.
  • Sprachtherapie: Verbesserung der Verständlichkeit und des Selbstbewusstseins.

Aktivitäten und Lebensstil

  • Bewegung und Sport: Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität. Geeignete Aktivitäten sind Wandern, Radfahren, Yoga oder Tai Chi.
  • Geistige Aktivität: Kartenspiele, Rätselspiele, Kino- und Theaterbesuche zur Förderung der Konzentrationsfähigkeit.
  • Reisen: Planung von Reisen in Absprache mit dem Arzt, um eine ausreichende Versorgung mit Medikamenten sicherzustellen.
  • Ernährung: Ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Vorbeugung von Verstopfung.

Parkinson und Berufstätigkeit

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung fallen bestimmte Aktivitäten allmählich schwerer oder sind irgendwann gar nicht mehr möglich. Berufstätige Menschen mit Parkinson machen sich meist Sorgen, wie lange sie noch ihrer Arbeit nachgehen können. Einige sind unsicher, ob sie dem Kollegenkreis und dem Arbeitgeber von der Erkrankung erzählen sollen.

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Wie lange ein Beruf ausgeübt werden kann, hängt sehr von der Tätigkeit und dem Verlauf der Erkrankung ab. Bei körperlich belastenden oder feinmotorisch anspruchsvollen Tätigkeiten kann man früher an Grenzen stoßen als beispielsweise bei Büroarbeiten. Mit der Diagnose ist das Berufsleben aber auf keinen Fall vorbei. Es gibt viele Menschen mit Parkinson, die aktiv im Beruf stehen. Entscheidend ist, die eigenen Einschränkungen zu erkennen und die Tätigkeiten anzupassen, wenn sie zu schwerfallen. Es gibt in vielen Bereichen die Möglichkeit, Hilfsmittel zu beantragen oder den Arbeitsplatz technisch umzugestalten.

Offenheit am Arbeitsplatz

Ob und wann man die Erkrankung anderen mitteilt, ist eine persönliche Entscheidung. Jedoch kann Offenheit anderen gegenüber auch Verständnis wecken. Erst wenn andere davon wissen, lässt sich gemeinsam überlegen, wie die Arbeit auch künftig angemessen gestaltet werden kann. Zudem kann es den Druck nehmen, die Krankheit verbergen zu wollen. In größeren Firmen können der Betriebsrat oder eine Schwerbehindertenvertretung unterstützen.

Unterstützung am Arbeitsplatz

  • Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM): Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit.
  • Technische Hilfsmittel: Anpassung des Arbeitsplatzes an die individuellen Bedürfnisse.
  • Schwerbehindertenausweis: Anspruch auf verschiedene Schutz-, Hilfs- und Fördermöglichkeiten, z.B. einen verbesserten Kündigungsschutz.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Verringerung oder Beseitigung krankheitsbedingter Einschränkungen im Berufsleben.
  • Weiterbildung und berufliche Rehabilitation: Übernahme der Kosten für Maßnahmen zur beruflichen Anpassung.

Beispiele aus der Praxis

Die medizinische Fachangestellte Sabine Born arbeitet trotz ihrer Parkinson-Erkrankung weiter in der Radiologie. Sie wurde von ihrer Kollegin und dem Betriebsrat unterstützt, ihren Arbeitsplatz anzupassen und ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Auch Sabine Wegner, eine Juristin, konnte ihre berufliche Tätigkeit dank flexibler Arbeitszeiten und Homeoffice lange fortsetzen.

Berufsunfähigkeit

Die Diagnose Parkinson allein genügt nicht, um automatisch als berufsunfähig im Sinne der Berufsunfähigkeitsversicherung zu gelten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung verlangt in der Regel eine detaillierte Darstellung der beruflichen Tätigkeit vor Eintritt der Erkrankung. Wenn Sie an Parkinson erkrankt sind und merken, dass Ihre berufliche Leistungsfähigkeit abnimmt, empfehlen wir: Warten Sie nicht zu lange.

Weitere Aspekte der Parkinson-Krankheit

Fahrtüchtigkeit

Viele Menschen mit Parkinson fragen sich, wie lange sie noch Auto fahren können. Entscheidend ist auch hier, die eigenen Grenzen wahrzunehmen. Das heißt zum Beispiel: zu prüfen, ob man in kritischen Situationen noch schnell genug reagiert, ob man Lenkrad, Kupplung und Bremsen noch flüssig bedienen und den Kopf weit genug drehen kann, um über die Schulter schauen zu können. Hinzu kommt, dass Parkinson-Medikamente müde machen und deshalb die Fahrtüchtigkeit herabsetzen können. Wenn man Einschränkungen spürt, ist es sinnvoll, in einer Fahrschule einen Test auf Fahrtauglichkeit zu machen. Es gibt technische Hilfsmittel, die das Autofahren erleichtern können.

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Partnerschaft und Sexualität

Die Erkrankung kann die Partnerschaft beeinflussen - positiv wie negativ. Sie kann einerseits zu mehr Nähe führen, da man stärker aufeinander angewiesen ist und die Zeit vielleicht bewusster miteinander erlebt. Auf der anderen Seite können auftretende Probleme zu Spannungen führen. Nicht immer hat die Partnerin oder der Partner Geduld, wenn Dinge langsamer als vorher ablaufen und Gespräche schwieriger werden, weil Sprachprobleme zunehmen. Wenn sich aber Streitigkeiten und Konflikte häufen, kann eine Paarberatung sinnvoll sein, um einen neuen, gemeinsamen Weg zu finden.

Viele Menschen mit Parkinson berichten, dass sich ihre Sexualität verändert. Wenn die sexuelle Lust abnimmt, kann das zum einen mit der zunehmenden Unbeweglichkeit zusammenhängen - aber auch mit dem Gefühl, nicht mehr attraktiv zu sein. Oder einfach damit, dass der Kopf nicht frei ist, weil die Erkrankung zu viele Sorgen bereitet. Mangelnde Lust kann auch eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein. Ein größeres Problem ist aber bei vielen, dass Parkinson-Medikamente die Lust auf Sex stark steigern können. Wenn dies die Beziehung belastet, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.

Medikamenteneinnahme

Bei der Parkinson-Krankheit ist es besonders wichtig, die Medikamente nach einem festgelegten Zeitschema einzunehmen. Dies soll gewährleisten, dass die Mittel eine gleichmäßige Wirkung entfalten. Die tägliche Einnahme gehört für viele Erkrankte zur Routine, fällt aber nicht immer leicht. Es gibt verschiedene Tipps, wie es gelingen kann, Medikamente über einen langen Zeitraum einzunehmen: die Medikamenteneinnahme regelmäßig mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen, den Einnahmeplan einfach zu halten, Verpackungen oder Pillendosen zu benutzen, bei denen man sofort sieht, wenn man eine Dosis vergessen hat und automatische Erinnerungen einzurichten, zum Beispiel per Smartphone. Die regelmäßige Einnahme gelingt zudem besser, wenn man gut über die Medikamente informiert ist und eine feste Routine entwickelt.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Vielleicht ist es trotz Parkinson-Erkrankung möglich, noch bis zum Lebensende eigene Entscheidungen zu treffen. Es kann aber auch sein, dass die Folgen der Krankheit dies nicht oder nur eingeschränkt zulassen. Deshalb ist es meist sinnvoll, schon im Frühstadium eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. In einer Patientenverfügung wird festgelegt, wie man ärztlich behandelt werden möchte, falls eine Situation eintritt, in der man sich nicht mehr selbst dazu äußern kann. Eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung dient dazu, zu bestimmen, wer wichtige Angelegenheiten für einen regeln soll, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage sein sollte.

Berufskrankheit durch Pestizide

Die Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit kommt bei Personen in Betracht, die Herbizide, Fungizide oder Insektizide langjährig und häufig im beruflichen Kontext angewendet haben. Studien haben ergeben, dass Menschen, die beruflich mit Pestiziden in Kontakt kommen, ein höheres Risiko haben, an Parkinson zu erkranken. Wird eine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt, erhalten Versicherte Leistungen der Unfallversicherung.

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