Vitamin B6, ein essentieller Nährstoff, beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen, darunter Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Nervensystem. Obwohl ein Mangel selten ist, werben Hersteller häufig mit den positiven Effekten von Vitamin B6, insbesondere in Bezug auf Stimmung, Konzentration und Schlaf. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Vitamin B6 im Allgemeinen und speziell im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit, wobei sowohl Nutzen als auch Risiken betrachtet werden.
Die vielseitigen Funktionen von Vitamin B6
Vitamin B6 ist ein Sammelbegriff für verschiedene verwandte Stoffe wie Pyridoxin, Pyridoxamin und Pyridoxal, die als Coenzyme an etwa 100 enzymatischen Reaktionen beteiligt sind. Es reguliert zentrale Abläufe im Körper und ist das wichtigste Coenzym im Aminosäure-Stoffwechsel. Gemeinsam mit Folat und Vitamin B12 spielt es eine wichtige Rolle im Homocystein-Stoffwechsel. Darüber hinaus ist es an der Bildung von Botenstoffen in den Nerven und im Fettstoffwechsel beteiligt, beeinflusst bestimmte Hormonaktivitäten und hat Auswirkungen auf das Immunsystem.
Gesundheitsbezogene Aussagen (Health Claims)
Für Vitamin B6 sind einige gesundheitsbezogene Aussagen zugelassen. So darf beispielsweise damit geworben werden, dass B6 "zu einer normalen psychischen Funktion", "zu einer normalen Funktion des Nervensystems", "zur Verringerung von Müdigkeit und Müdigkeit" oder "zur Regulierung der Hormontätigkeit" beiträgt. Ebenfalls erlaubt ist die Aussage "trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei".
Vitamin B6 und Parkinson: Eine komplexe Beziehung
Die Frage, ob Vitamin B6 eine positive Wirkung bei Parkinson hat, ist komplex und nicht abschließend geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass ein Mangel an B-Vitaminen, einschließlich B6, bei Parkinson-Patienten häufiger vorkommt, insbesondere aufgrund der proteinarmen Ernährung, altersbedingter Malnutrition und der Parkinson-assoziierten Stoffwechsel- und Organtoxizität. Auch die Dopamin-Ersatztherapie kann in der Langzeitbehandlung mit höheren L-Dopa-Dosen zu einem Mangel an Vitaminen, insbesondere der B-Vitamine (B12, B6 und Folsäure), führen.
Vitamin B6 und L-Dopa
Vitamin B6 (Pyridoxin) ist als Pyridoxalphosphat ein Kofaktor der Decarboxylase. In der Zeit, als L-DOPA noch ohne peripheren Decarboxylase-Hemmer gegeben wurde, stellte sich heraus, daß Pyridoxin die Anti-Parkinson-Wirkung von L-DOPA abschwächt. Dies wurde dadurch erklärt, daß die Decarboxylase im Darm durch Pyridoxin aktiviert wird und auf diese Weise die Resorption von DOPA behindert (1). Seit periphere Decarboxylase-Hemmer stets komediziert werden, ist eine begleitende Gabe von B-Vitaminen unproblematisch (2).
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Sehr hohe Dosierungen von Vitamin B6 können die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen, zum Beispiel ist die Wirkung von Levodopa (Arzneimittel bei Parkinson) oder Phenytoin (Arzneimittel bei Epilepsie) vermindert.
Studienlage
Einige Studien deuten darauf hin, dass Parkinson-Patienten ein erhöhtes Risiko für abnormale Vitamin-B6-Spiegel haben, die mit Polyneuropathie und Epilepsie assoziiert sein können. Eine andere Studie zeigte, dass ein Vitamin-B6-Mangel bei Parkinson-Patienten mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden sein kann, da er die GABA-Neurotransmission beeinträchtigt. Daher wird die routinemäßige Bestimmung der Vitamin-B6-Spiegel bei Parkinson-Patienten empfohlen.
Empfehlungen
Aufgrund der komplexen Wechselwirkungen und der potenziellen Risiken einer Überdosierung sollte die Einnahme von Vitamin B6 bei Parkinson-Patienten immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Eine Ersatztherapie mit B-Vitaminen sollte erst dann erfolgen, wenn durch eine Blutuntersuchung ein Mangel festgestellt wurde. Leichte Mangelzustände an Vitamin-B6 können über die Ernährung ausgeglichen werden. B6 findet sich unter anderem in Hülsenfrüchten, Nüssen, Kräutern und Gewürzen. Eine mediterrane Ernährung ist reich an diesen Antioxidantien und soll vor Parkinson schützen. Für entsprechende NEM konnte bisher jedoch keine solche neuroprotektive Wirksamkeit bei Betroffenen nachgewiesen werden.
Die richtige Dosierung und worauf man achten sollte
Es ist kaum möglich, dass Sie über herkömmliche Nahrungsmittel zu viel Vitamin B6 aufnehmen. Die tolerierbare Tageshöchstmenge (Tolerable Upper Intake Level oder UL) aus allen Quellen (also Lebensmitteln plus Getränke plus angereicherte Lebensmittel plus Nahrungsergänzungsmittel) beträgt 12 Milligramm für Erwachsene, inklusive Schwangere und Stillende. Mengen über 12 Milligramm pro Tag schätzt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA als nicht sicher ein, bei Kindern und Jugendlichen sollten es je nach Körpergewicht maximal 2 bis 11 Milligramm ein.
Größere Mengen Vitamin B6 scheinen nicht akut giftig zu sein. Allerdings besteht bei langfristiger Aufnahme von großen Mengen der Verdacht, dass es zu Nervenstörungen oder Nervenerkrankungen (Neuropathien) der Nerven kommt, die vom Gehirn und Rückenmark abgehen. Beobachtet wurden: Probleme beim Gehen durch Muskelschwäche, eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, Hautausschläge, unangenehmes Kribbeln in Händen oder Füßen, unsicheres Laufen, schmerzhafte Missempfindungen oder Taubheitsgefühle. Nach Absetzen der Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B6 verbesserten sich die Symptome wieder.
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Um das Risiko von Nervenstörungen zu vermeiden erfolgte auf Grundlage einer neuen Bewertung des EFSA-Gremiums für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene (NDA) in 2023 auch die Absenkung des UL.
Vitamin B6 in Lebensmitteln
Vitamin B6 ist in vielen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln enthalten. Die Verfügbarkeit aus tierischen Lebensmitteln ist allerdings deutlich höher als aus pflanzlichen, besonders, wenn deren Ballaststoffgehalt hoch ist. Besonders gute tierische Quellen finden Sie in Fisch, wie Lachs oder Makrele, Fleisch und Leber. Milchprodukte enthalten zwar eher geringere Mengen.
Vitamin B6-Verbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln
Folgende Vitamin B6-Verbindungen sind für in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen (gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 316.03.2025)):
- Pyridoxinhydrochlorid
- Pyridoxin-5′-phosphat
- Pyridoxal-5′-phosphat
Weitere Mikronährstoffe und Ernährungsempfehlungen bei Parkinson
Neben Vitamin B6 spielen auch andere Mikronährstoffe eine wichtige Rolle bei Parkinson. Eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen ist von Vorteil. Gegen den drohenden Muskelabbau (Sarkopenie) scheint neben regelmäßiger Bewegung eine Nahrungsergänzung mit Molkeprotein nützlich, zudem sollte von der über Jahre empfohlenen eiweißarmen Kost Abstand genommen werden.
Antioxidantien
Oxidativer Stress steht im Verdacht, Parkinson zu begünstigen. Menschen mit Parkinson weisen deutlich höhere Marker für oxidativen Stress auf als gesunde Menschen. Auch das Level an Glutathion, ein wichtiges körpereigenes Antioxidans, ist bei Parkinsonpatienten erniedrigt. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidative und nervenschützende Eigenschaften haben. Darüber hinaus scheinen sie auch Ablagerungen des Eiweißes Alpha-Synuclein entgegenwirken zu können.
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Vitamin D
Unabhängig davon, ob Vitamin D den Verlauf der Erkrankung beeinflussen kann, sollten Menschen mit Parkinson auf eine gute Versorgung mit Vitamin D achten. Denn Vitamin D hat viele wichtige Funktionen im Körper und stärkt auch die Knochen. Dies ist angesichts der hohen Sturzgefahr bei Parkinson von großer Bedeutung. Zudem ist ein Vitamin-D-Mangel weit verbreitet und ältere Menschen haben ein besonders hohes Risiko.
Coenzym Q10
Coenzym Q10 ist ein wichtiges Antioxidans des Körpers, das er selbst herstellen kann. Allerdings lässt die Produktion im Alter stark nach. Erste Studien deuten an, dass die Einnahme von Coenzym Q10 das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen kann.
Ernährungsempfehlungen
Eine ausgewogene Ernährung, idealerweise eine mediterrane Ernährung, ist für Parkinson-Patienten empfehlenswert. Diese zeichnet sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln aus, die schonend zubereitet werden, um Geschmack, Farbe und wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten. Probiotika und Vitamine können in Einzelfällen jedoch sinnvoll und erforderlich sein.
Wichtige Hinweise zur Ernährung bei Parkinson
Mangelernährung, verzögerte Magenentleerung, Appetitlosigkeit, Völlegefühl nach dem Essen, Einschränkungen bei Geruch und Geschmack, Verstopfung, Schluckstörungen, Störungen der Feinmotorik und Depression sind häufige Probleme bei der Parkinson-Erkrankung und mit hohem Risiko für eine Mangelernährung verbunden. Eine Mangelernährung zeigt sich unter anderem durch einen Verlust von Gewicht, Kraft und Antrieb. Hierdurch wird die Lebensqualität beeinträchtigt aber auch das Risiko für einen schwereren Verlauf der Parkinson-Erkrankung und Komplikationen steigt deutlich. Gerade bei älteren Betroffenen, die aufgrund des Alters bereits ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung haben, sollte der Ernährungszustand besonders gut beobachtet werden.
Medikamenteneinnahme und Ernährung
Parkinson-Medikamente, insbesondere das häufig eingesetzte Präparat L-Dopa sollen idealerweise auf nüchternen Magen und mind. 30 Minuten vor der nächsten Mahlzeit eingenommen werden. L-Dopa und Eiweiß sind sich in ihrer chemischen Struktur so ähnlich, dass sie an der gleichen Stelle im Dünndarm ins Blut übertreten. Kommt also L-Dopa gleichzeitig mit einer großen, eiweißreichen Mahlzeit im Dünndarm an, verzögert sich der Übertritt von L-Dopa ins Blut und die Wirkung auf die Parkinson-Symptome tritt dann erst verzögert oder gar nicht ein. Bei sonst unerklärlichen Schwankungen der Medikamentenwirkung oder ausbleibender Wirkung der Tabletten zu bestimmten Tageszeiten sollten die Mahlzeiten immer als mögliche Einflussfaktoren in Betracht gezogen werden.
Unabhängig von der Einnahmezeit ist zu beachten, dass L-Dopa auch nicht mit eiweißhaltigen Getränken (z. B. Molke, Kefir, Buttermilch) eingenommen werden sollte und dass auch einige vermeintlich „unverdächtige“ Nahrungsmittel hohe Mengen an Eiweiß enthalten können.
Verdauung
Bei den Themen Ernährung und Essen darf natürlich auch die Verdauung nicht vergessen werden. Dies gilt für die Parkinson-Erkrankung in ganz besonderem Maße, da etwa 90 % aller Betroffenen im Erkrankungsverlauf an Verstopfung leiden.
Kochen als Therapie
Von der Auswahl der Speisen über Einkauf, Vor- und Zubereitung bis zum gemeinsamen Genuss des fertigen Gerichts im Familien- oder Freundeskreis kann sich jeder Schritt des Kochens positiv auf die Parkinson-Erkrankung und ihre Symptome auswirken - und dabei sogar noch Spaß machen. Verwenden Sie ausreichend Zeit und Sorgfalt auf die Zubereitung der Speisen, essen Sie bewusst, vermeiden Sie Hektik und Ablenkung beim Essen und vor allem: genießen Sie Ihre Mahlzeiten und den Spaß beim Kochen.