Krankheiten der peripheren Nerven sind bei Kindern seltener als bei Erwachsenen, können aber sehr unterschiedliche Ursachen haben. Akute para- sowie postinfektiöse Neuritiden und hereditäre Polyneuropathien machen jeweils etwa 1/3 der Gesamtzahl der Fälle aus. Klinisch manifestieren sich die peripheren Neuropathien mit Muskelschwäche, Verlust der Muskeleigenreflexe und Muskelatrophie. Sensibilitätsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes können hinzutreten, wobei die Funktion der großen sensiblen Fasern (Berührung, Tiefensensibilität) meist mehr betroffen ist als die der kleinen (Schmerz, Temperatur). Im ausgeprägten Fall kann eine neuropathische Ataxie auftreten. Vegetative Funktionsstörungen im Bereich der Haut (Kälte, Hypohidrose), aber auch autonome Regulationsstörungen durch Beeinträchtigung von vegetativen Steuerfunktionen können hinzutreten. Bei Polyneuropathien ist die Symptomatik überwiegend symmetrisch ausgebildet und distal im Bereich vor allem der unteren Extremitäten betont. Mit Fortschreiten der Krankheit werden die oberen Extremitäten und rumpfnahe Muskelgruppen zunehmend einbezogen. Aber auch ein primäres Betroffensein der oberen Extremitäten, der Gliedergürtelmuskulatur oder der Hirnnerven ist möglich. Unter neuropathologischen Gesichtspunkten können Krankheiten mit primärer Schädigung des Axons von solchen mit primären Veränderungen der Myelinscheide unterschieden werden. Letztere manifestieren sich als Hypomyelinisierung oder als segmentale De- und Remyelinisierung mit Ausbildung von sog. Zwiebelschalenformationen, bestehend aus Schwann-Zell-Fortsätzen (klassisch) oder auch nur aus Basalmembranen.
Einführung in die Thematik
Der Begriff „Peoneus Parese“ bezieht sich auf eine Lähmung des Nervus peroneus, eines wichtigen Nervs im Bein, der für die Funktion verschiedener Muskeln im Unterschenkel und Fuß verantwortlich ist. Diese Lähmung kann zu Empfindungsstörungen und einem charakteristischen Gangbild, dem sogenannten Steppergang, führen. In diesem Artikel werden wir die Definition, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Peoneus Parese sowie verwandte Themen wie Missempfindungen und Fußsohlenschmerzen beleuchten.
Peoneus Parese: Definition und Ursachen
Der Nervus peroneus, auch Nervus fibularis genannt, versorgt einige Muskeln am Unterschenkel und am Fuß und vermittelt das Gefühlsempfinden des seitlichen Unterschenkels und Fußrückens. Er entspringt aus dem Ischiasnerv (Nervus ischiadicus). Eine Schädigung dieses Nervs kann zu einer Funktionsstörung führen. Die Peroneuslähmung ist die häufigste Ursache einer Fußheberparese.
Mögliche Ursachen der Peroneuslähmung sind:
- Häufiges Übereinanderschlagen der Beine, besonders bei schlanken Personen
- Langes Knien oder Hocken
- Unangemessene Lagerung in Narkose
- Schlecht gepolsterte Gipsverbände
- Starke Gewichtsreduktion (z. B. nach Magen-Bypass-Operation)
- Erkrankungen der Knochen oder Weichteile (z. B. Ganglion)
- Verletzungen bzw. Knochenbrüche (Frakturen)
- Komplikationen einer Operation
Der Nerv kann durch langes Knien oder Übereinanderschlagen der Beine geschädigt werden. In diesen Körperhaltungen kann Druck den Nerv einengen (Kompression), und zwar besonders auf Höhe des oberen Endes des Wadenbeins. Dieses verdickte Knochenstück heißt Fibulaköpfchen. Hier kann der Nerv durch Druck von außen beschädigt werden (Druckläsion). Manchmal ist der Auslöser in diesem Bereich auch eine flüssigkeitsgefüllte Kapsel an einer Sehnenscheide oder einer Gelenkkapsel (Ganglion) oder ein meist gutartiger Tumor (Neurofibrom). Weniger häufig erleidet der Nerv eine Schädigung im Kniebereich. Eine seltene Ursache ist das vordere Tarsaltunnelsyndrom. In diesem Fall lastet Druck auf dem Nervus peroneus profundus im Bereich des Sprunggelenks.
Symptome der Peoneus Parese
Betroffene Personen leiden zunächst oft unter Schmerzen. Diese können vom seitlichen Knie bis zum Fuß- und Zehenrücken reichen. Die Schmerzen lassen sich oft auslösen, indem man den Fuß in Richtung der Fußsohle beugt (Flexion) oder das Fußgelenk nach innen knickt (Supination). Auch ein Taubheitsgefühl und Missempfindungen sind möglich.
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Da der Peroneusnerv auch Muskeln versorgt, kann neben diesen Beschwerden auch eine Lähmung auftreten. Man spricht von einer Parese. Die Parese kann die Muskeln betreffen, die den Fuß oder die Zehen nach oben anheben. Diese Muskeln nennt man Fußextensoren und Zehenextensoren. Auch die Muskeln, die den Fuß zur Seite kippen (Pronatoren), können betroffen sein. Das hat Auswirkungen auf das Gangbild: Zunächst ist der Hackengang (Fersengang) eingeschränkt. Bei einer höhergradigen Parese kommt es dann zum charakteristischen „Steppergang”: Das Bein wird beim Gehen hoch angehoben und mit hängender Fußspitze wieder aufgesetzt.
Diagnose der Peoneus Parese
In der Hausarztpraxis werden Sie gefragt, ob Ihnen mögliche Auslöser bekannt sind. Sie werden untersucht und gebeten, einige Schritte zu gehen. Ein Steppergang ist ein charakteristischer Hinweis auf eine Peroneuslähmung. Außerdem wird die Empfindungsfähigkeit Ihrer Haut im vom Peroneusnerv versorgten Gebiet überprüft. In manchen Fällen lässt sich ein Schmerz durch Fingerdruck auf die Nervenkompression auslösen (Hoffman-Tinel-Zeichen).
Bei anhaltenden Beschwerden erhalten Sie eine Überweisung an eine Facharztpraxis für Neurologie. Zu den möglichen weiterführenden Untersuchungen zählen:
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurografie, ENG)
- Messung der Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG)
- Ultraschalluntersuchung (hochauflösende Nervensonografie)
- Bildgebung der Kniekehle
Behandlung der Peoneus Parese
Bei einer Druckläsion sollte man zunächst häufig den Spontanverlauf beobachten. Nach einer Woche ist eine deutliche Erholung zu erwarten.
Hilfsmittel und Trainingstherapie:
- Peroneus-Schiene (Orthese): Bei ausbleibender spontaner Besserung wird in der Regel eine Peroneus-Schiene (Orthese) verwendet. Sie kann allerdings Druckstellen verursachen und zu einem unnatürlichen Gangbild führen.
- Trainingstherapie bzw. Physiotherapie: Wer von einer Fußheberparese betroffen ist, kann ein gezieltes Training durchführen. Das Training soll zwei Dinge verhindern: Einen Muskelschwund (Muskelatrophie) und ein Zusammenziehen (Kontraktur) der Muskeln. Zusätzlich soll die Beweglichkeit im Sprunggelenk erhalten bleiben. Ein weiteres Ziel ist die Wiederherstellung der Nervenversorgung (Reinnervation).
Operation:
Operiert wird bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden, andauernden Schmerzen und einer fehlenden Besserung einer Druckläsion. In diesen Fällen wird der Nerv druckentlastet (Dekompression). Auch bei einer Kompression durch ein Ganglion kann operiert werden. Falls der Nerv durchtrennt wurde, kann eine Operation durchgeführt und die Nervenstümpfe aneinandergenäht werden.
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Wenn dauerhaft keine Besserung eintritt, gibt es eine weitere Möglichkeit, die Fußhebung wiederherzustellen: Dazu versetzt man ein Sehnenstück des Musculus tibialis posterior, in den Bereich des Fußrückens (Musculus-tibialis-posterior-Transfer).
Prognose der Peoneus Parese
Eine vorübergehende Druckschädigung heilt meist von allein vollständig ab. Die Beschwerden lassen dann oft schon nach einer Woche deutlich nach. Beschädigte Nervenzellen können, solange sie noch einen Zellkern besitzen, neue Zellfortsätze (Axone) bilden. Dieser Prozess kann aber bis zu 6 Monate dauern. Nach der Entfernung eines Ganglions kann später erneut ein Ganglion im betroffenen Bereich entstehen.
Missempfindungen im Zusammenhang mit Nervenschädigungen
Missempfindungen, wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen, können im Zusammenhang mit Nervenschädigungen auftreten. Diese können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, wie z.B. Druck auf einen Nerv, Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen. Die Symptome können je nach betroffenem Nerv und Ursache variieren.
Fußsohlenschmerzen: Ursachen und Behandlung
Fußschmerzen an der Fußsohle können viele verschiedene Ursachen haben, deshalb ist es unabdinglich, diesen auf den Grund zu gehen, um so einen speziellen Behandlungsplan auszuarbeiten.
Häufige Ursachen für Fußsohlenschmerzen:
- Überlastung: Chronische Überlastung durch zu langes Stehen oder Gehen kann zu einer übermäßigen Reizung der Muskeln, Sehnen, Nerven und Bänder im Bereich der Fußsohle führen.
- Fehlbelastung: Unphysiologische Durchführung normaler Bewegungen kann zu Reizungen der Sehnen, Muskeln und Bänder führen.
- Mechanische Ursachen: Zu kleine oder enge Schuhe oder knöcherne Anbauten im Bereich der Fersen können Schmerzen verursachen.
- Trauma (Unfall): Ein Trauma kann zu einem Hämatom (Bluterguss) in der Fußsohle führen.
- Fersensporn: Ein knöcherner Anbau im Bereich der Ferse, der durch übermäßige Reibung entsteht, kann Schmerzen verursachen.
- Plantarfasziitis: Eine durch lange Überlastung ausgelöste Reizung und Entzündung der Sehnen und Muskeln, die die Plantafaszie bilden, kann Schmerzen verursachen.
- Knochenhautentzündung (Osteitis): Chronische Überlastung oder Fehlbelastung kann zu einer Entzündung der Knochenhaut führen. Auch infektiöse Ursachen können eine Knochenhautentzündung auslösen.
- Ermüdungsbruch: Chronische Überlastung oder Fehlbelastung kann zu einer Fraktur der Knochen des Fußes führen.
- Sehnenentzündung: Chronische Überlastung kann zu einer Verdickung der Sehnen führen, was dann dazu führt, dass die Sehnen nur noch gegen einen Widerstand bewegt werden können.
- Fremdkörperverletzungen: Holzsplitter oder Glasscherben können in die Haut der Fußsohle eindringen und Schmerzen verursachen.
- Morbus Ledderhose: Eine Bindegewebserkrankung, bei der unkontrolliert bindegewebige Strukturen und Geschwulste wuchern können, kann Schmerzen verursachen.
- Metatarsalgie: Schmerzen des Mittelfußes, die sowohl den Bereich der Mittelfußknochen als auch den der Zehen umfassen, können auftreten.
- Abbau des Fettposters: Durch eine dauerhafte Überlastung des Fettposters unter der Ferse und den Metatarsalköpfchen des Fußes kommt es zu einem Abbau des Spezialfettgewebes (Baufett) unter der Fußsohle, was das Problem der mangelhaften Dämpfung erhöht.
- Mittelfußarthrose: Eine Spätfolge von Fehl- und Überbelastungen des Mittelfußes, die meist mit der Fußfehlstellung eines Spreizfußes assoziiert ist, kann zu Schmerzen an der Fußsohle führen.
Begleitende Symptome von Fußsohlenschmerzen:
- Rötungen
- Schwellungen
- Brennen in der Fußsohle
- Schmerzhafte Knoten oder Knubbeln und Verhärtungen
- Schmerzen an der Ferse
- Schmerzen im Bereich des Ballens
- Schmerzen an der Außenseite des Fußes
Diagnose von Fußsohlenschmerzen:
- Krankenbefragung
- Untersuchung der betroffenen Fußsohle (Betastung, Beurteilung von Schwellungen und Rötungen, Prüfung der Bewegungseinschränkung)
- Ultraschall
- Röntgenbild
- MRT (in bestimmten Fällen)
- Laufbandanalyse
Behandlung von Fußsohlenschmerzen:
Die Behandlung hängt von der Ursache der Schmerzen ab.
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- Schonung und Kühlung: Bei einer Fasziitis plantaris z.B. wäre eine Schonung und auch eine Kühlung des Fußes angezeigt. Der Fuß sollte mehrmals am Tag für ca. 10 Minuten mit einem Eispack gekühlt und der Fuss immer mal wieder hochgelagert werden.
- Bandagen: Bandagen mit einem leichten und noch angenehmen Druck auf die Fußsohle können zu einer schnellen Besserung der Beschwerden führen.
- Entzündungshemmende Gele und Salben: Diese können auf die Fußsohle aufgetragen werden.
- Abpolsterung des Schuhs: Ist ein Fersensporn die Ursache für die Schmerzen, sollte zunächst mit einer Abpolsterung des Schuhs begonnen werden, damit der mechanische Druck, der durch den Fersensporn ausgelöst wird, minimiert wird.
- Röntgenbestrahlung: Helfen diese Massnahmen nicht, kann mit einer Röntgenbestrahlung versucht werden den Fersensporn zu verkleinern.
- Stoßwellentherapie: Mit einer Art Stift werden hör- und spürbare Stoßwellen über die Haut an der schmerzenden Stelle ins Gewebe eingebracht.
- Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.
Es sollte aber bei langfristig bestehenden Schmerzen stets eine Abklärung der Ursache erfolgen, um Folgeschäden durch Veränderungen der Statik an Knien, Hüfte und Wirbelsäule zu vermeiden. Zudem können viele Erkrankungen in einem frühen Stadium gut konservativ behandelt werden.
Polyneuropathie und Fußsohlenschmerzen
Zu Beginn einer Polyneuropathie treten meist Taubheitsgefühle und teils schmerzhafte Missempfindungen auf. Diese beginnen meist gleichzeitig an beiden Füßen und breiten sich dann aufsteigend entlang der Unter- und Oberschenkel in Richtung Rumpf aus. Betroffene Patienten klagen z.B. über ein strumpfförmiges Pelzigkeitsgefühl oder dem Gefühl, wie auf Watte zu laufen. Es kann ein Verlust des Berührungs-, Schmerz- und Hitzeempfindens hinzutreten, wodurch es ggf. zu Verbrennungen oder unbemerkten Verletzungen kommen kann. Die häufigste Ursache einer Polyneuropathie ist der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), insbesondere nach langjährigem Verlauf oder bei schlecht eingestellten Blutzuckerwerten. Unzählige weitere Ursachen können zu einer Polyneuropathie führen wie z.B. chronischer Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel (v.a. Vitamin B12, Folsäure), autoimmunologische Erkrankungen wie z.B.
Die MR-Neurographie wird zur Abklärung von Polyneuropathien erst seit relativ kurzer Zeit eingesetzt. Erste Ergebnisse zeigen jedoch, dass sich die durch eine Polyneuropathie hervorgerufenen Nervenschäden sehr gut mit der MR-Neurographie nachweisen lassen. Gerade zu Beginn der Beschwerden müssen andere, die Symptomatik verursachende Erkrankungen, wie z.B. lokale Druckschädigungen, Raumforderungen, Entzündungen oder muskuläre Erkrankungen (sog.
Eine Polyneuropathie führt in der MR-Neurographie typischerweise zu langstreckigen Signalanhebungen und Schwellungen der peripheren Nerven, insbesondere des Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) sowie des Nervus peroneus (Wadenbeinnerv) und Nervus tibialis (Schienenbeinnerv). Diese sind je nach Erkrankungsschwere und in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache unterschiedlich stark ausgeprägt. Ist es bereits zu einer Beteiligung der Muskulatur gekommen (z.B.
Die empfohlene, möglichst ursachenspezifische, teils aber auch symptomatische Therapie einer Polyneuropathie hängt von der zugrundeliegenden Grunderkrankung ab und kann von Patient zu Patient sehr stark variieren. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung bei noch milden Symptomen, kann die MR-Neurographie zur Diagnosefindung und damit zu einer frühzeitigen Behandlung beitragen. Des Weiteren hilft die MR-Neurographie dabei, andere Erkrankungen der peripheren Nerven oder der Muskulatur auszuschließen. Bei dem Verdacht auf eine Muskelerkrankung kann so z.B. festgestellt werden, welche Muskelgruppen besonders betroffen sind, so dass sich eine zielgerichtete weitere Diagnostik (z.B.
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