Morbus Parkinson, benannt nach James Parkinson, ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen in bestimmten Gehirnbereichen gekennzeichnet ist. Diese Bereiche sind für die unbewusste Steuerung von Bewegungen von Bedeutung. Der resultierende Zelltod führt zu erheblichen Störungen im Bewegungsablauf.
Was ist Morbus Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, die durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen gekennzeichnet ist. Diese Nervenzellen sind dafür verantwortlich, Bewegungsreize vom Gehirn zu den Muskeln weiterzuleiten. Der Untergang dieser Zellen führt zu einem Dopaminmangel, der sich in Symptomen wie verlangsamter Bewegung, Zittern in Ruhe und Muskelsteifigkeit äußert.
Symptome von Morbus Parkinson
Die ersten Anzeichen von Morbus Parkinson können sich Jahre vor den typischen Bewegungsbeschwerden bemerkbar machen. Diese Frühsymptome werden oft nicht als Krankheitszeichen wahrgenommen, sondern dem Alter zugeschrieben.
Das Vollbild der Erkrankung ist durch die drei Hauptsymptome Rigor (Starre), Akinese (Bewegungslosigkeit) und Tremor (Zittern) charakterisiert. Die Ausprägung der Symptome ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen steht die Bewegungsarmut im Vordergrund, andere sind vor allem durch das Zittern beeinträchtigt.
Hauptsymptome
- Akinese (Bewegungsarmut): Betroffene bewegen sich langsamer und können Bewegungen schlechter steuern. Alltagsdinge wie Hemd zuknöpfen oder Geldmünze aufnehmen fallen schwer. Der Gang wird kleinschrittig und schlurfend. Es kann zu Bewegungsblockaden (Freezing) kommen. Die Initiierung von Willkürbewegungen ist erschwert und verzögert. Die Verlangsamung paralleler motorischer Tätigkeiten und schneller sequentieller Bewegungen tritt auf.
- Rigor (Muskelsteifigkeit): Die Muskeln entspannen sich nicht mehr wie gewohnt und werden steif. Die Arme schwingen beim Gehen nicht mehr mit, und es kommt zu einer gebückten Körperhaltung. Der Widerstand bei einem passiven Bewegungsablauf ist immer gleich. Es kommt zur Tonuserhöhung während des gesamten Bewegungsumfanges. Bei Überlagerung mit Tremor entsteht das sogenannte „Zahnradphänomen“.
- Tremor (Zittern): Typischerweise tritt ein Ruhetremor auf, der sich durch gezielte Bewegung bessert. Der Tremor tritt zuerst einseitig an den Händen auf, später beidseitig. Auch Lippen, Kiefer und Beine können betroffen sein. Das Händezittern wird auch als „Pillendrehen“ bezeichnet, da Daumen und Finger aneinander reiben, als würden sie eine Kugel bewegen. Aufregung, Angst oder Stress können den Tremor verschlimmern. Der klassische Parkinsontremor hat eine Frequenz von 4-6 Hz. Die Amplitude nimmt bei Beginn von Willkürbewegungen oder Haltetätigkeiten ab.
- Posturale Instabilität (Körperliche Instabilität): Eine Störung der aufrechten Körperhaltung durch fehlende Halte- und Stellreflexe. Der Körper kann die Balance nicht mehr gut halten, der Gang wird unsicher, und es besteht eine erhöhte Sturzgefahr. Die Haltungsinstabilität tritt meist im mittleren Erkrankungsstadium auf.
Begleitsymptome
Neben den Hauptsymptomen können eine Vielzahl möglicher Begleitsymptome auftreten, die den ganzen Körper betreffen können. Dazu gehören:
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- Reduzierte Mimik: Das Gesicht wirkt wie eine Maske (Amimie).
- Veränderte Handschrift: Sie wird häufig zum Zeilenende hin kleiner.
- Gestörte Augen- und Augenlidbewegungen: Vermindertes Blinzeln.
- Verschwommene Sicht: Probleme, Kontraste wahrzunehmen.
- Probleme mit dem Sprechen: Die Stimme ist leise, die Sprache undeutlich.
- Schluckstörung: Unkontrollierter Speichelfluss.
- Gebückte Körperhaltung: Der Rumpf ist im Stehen und Gehen nach vorn geneigt.
- Geistige (kognitive) Einschränkungen: Konzentrationsschwäche.
- Depression und Angststörungen.
- Schlafprobleme: Starke Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue).
- Probleme mit dem Kreislauf, der Verdauung und der Blasenentleerung.
- Riechstörungen (Hyposmie).
- Missempfindungen oder Schmerzen: Im Nacken, Rücken oder in den Gliedmaßen.
- Hautveränderungen: Bereiche des Gesichts sehen fettig oder ölig aus („Salbengesicht“).
- Veränderungen der Stimmung und des Gefühlslebens: Es kann zu Ängsten, vermehrter Reizbarkeit aber auch Depressionen kommen.
- Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit: Die bis zur Demenz fortschreiten kann.
- Störungen des Sprechens und Schluckens: Die Sprache kann undeutlicher werden, ist typischerweise leise und monoton. Schluckstörungen können die Nahrung und den Speichel betreffen und unter Umständen zu einer Lungenentzündung führen.
- Hautprobleme: Die die Haut im Gesichtsbereich fettig oder ölig als sogenanntes „Salbengesicht“ verändern. Manche Patienten leiden auch unter einer starken Trockenheit der Haut.
- Schlafprobleme: Häufig kommt es nachts zu Unruhe und auch Alpträumen. Die Patienten fühlen sich nicht ausgeschlafen.
Ursachen von Morbus Parkinson
Beim Morbus Parkinson sterben fortschreitend Nervenzellen (Neuronen) in der Substantia nigra ab, einem Gehirnareal, das dazu dient, Bewegungen zu steuern. Diese Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, um Reizsignale vom Gehirn an die Muskeln weiterzuleiten. Durch ihren vermehrten Verlust kommt es zu einem Dopamin-Mangel, der unter anderem zu verlangsamter Bewegung, Zittern und Muskelsteifigkeit führt.
Warum genau die Nervenzellen absterben, ist bislang nicht vollständig erforscht. Mediziner unterscheiden im Wesentlichen fünf Formen der Parkinson-Krankheit:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Hier lässt sich keine Ursache für die Erkrankung finden.
- Symptomatisches Parkinson-Syndrom: Bestimmte Medikamente, Umweltgifte und Erkrankungen wie Gehirnverletzungen oder Gehirntumore können Parkinson auslösen.
- Hereditäres Parkinson-Syndrom: Parkinson kann vererbt werden.
- Sporadische Parkinson-Krankheit: Eine Lewy-Körperchen-Demenz führt zum Parkinson-Syndrom.
- Atypisches Parkinson-Syndrom: Parkinson entsteht durch eine andere neurodegenerative Erkrankung als die Lewy-Körperchen-Demenz.
Diagnose von Morbus Parkinson
Die Diagnose von Morbus Parkinson wird in der Regel von einem Facharzt für Neurologie gestellt. Die Diagnose basiert auf den charakteristischen Symptomen wie Bewegungsarmut, Muskelsteifigkeit, Ruhezittern und körperlicher Instabilität.
Klinische Untersuchung
Der Arzt prüft das Gangverhalten und die Beweglichkeit. Das Maß der Bewegungsarmut lässt sich ermitteln, indem man zum Beispiel schaut, wie schnell, häufig und in welchem Rhythmus die betreffende Person mit den Fingern klopft oder die Hand nach innen und außen dreht. Auch die Art, wie die Arme beim Gehen mitschwingen, gibt Aufschluss. Die Muskelsteifigkeit kann durch passive Bewegung der Gliedmaßen festgestellt werden. Das Zittern lässt sich beurteilen, indem die Patientin oder der Patient die Hände ruhig in den Schoß legt. Die Instabilität des Körpers kann mithilfe eines „Zug-Tests“ geprüft werden.
Bildgebende Diagnostik
Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie die kraniale Magnetresonanztomografie (cMRT) eingesetzt werden. Unter bestimmten Umständen kann der Arzt weitere Verfahren wie eine Ultraschall-Untersuchung von Nervenzellgewebe oder nuklearmedizinische Untersuchungen wie Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder SPECT erwägen.
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Genetische Untersuchung
Bei Verdacht auf eine erbliche Form von Parkinson kann ein Gentest angeboten werden.
L-Dopa-Test
Ein weiteres Indiz für Morbus Parkinson ist, wenn eine Therapie mit Parkinson-Medikamenten zu einer Besserung der Symptome führt. Ein L-Dopa-Test kann durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern.
Behandlung von Morbus Parkinson
Die Behandlung von Morbus Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Eine Heilung der Parkinson-Krankheit ist bis heute nicht möglich.
Medikamentöse Behandlung
Verschiedene Medikamente kommen zum Einsatz, um die Botenstoffe im Gehirn ins Gleichgewicht zu bringen und so die Bewegung zu verbessern. Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffen zählen Levodopa (L-Dopa), Dopamin-Agonisten und Monoaminoxidase-B-Inhibitoren (MAO-B-Hemmer).
- Substanzen, die zu einer Erhöhung von Dopamin im Gehirn führen: L-Dopa (Nacom®, Madopar®), Bromocriptin, Selegilin oder Amantadin. Diese Stoffe werden in den Nervenzellen zu Dopamin verstoffwechselt, wirken wie Dopamin an spezifischen Bindungsstellen, oder hemmen den Dopamin-Abbau.
- Medikamente, die die Wirkung des Signalstoffes Acetylcholin hemmen.
Es ist wichtig zu wissen, dass fast jedes Medikament, das zur Behandlung des Parkinson eingesetzt wird, in zu hoher Dosierung zu Verwirrtheit und Erregungszuständen bis hin zu Psychosen sowie zu Dyskinesien (ungewollte Bewegungen) insbesondere im Gesichts- und Halsbereich führen kann.
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Nicht medikamentöse Behandlungen
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei diesem Eingriff werden dauerhaft kleine Elektroden in das Gehirn eingesetzt, die elektrische Impulse an Nervenzellen abgeben, die bestimmte Bewegungen steuern.
- Bewegungstherapie: Physiotherapie, Kraftübungen und sportliches Training tragen dazu bei, die Beweglichkeit, die Balance und den Gang zu verbessern.
- Ergotherapie: Unterstützt dabei, möglichst lange selbstständig den Alltag bewältigen und dem Beruf nachgehen zu können.
- Logopädische Maßnahmen: Helfen, ein beeinträchtigtes Sprech- und Schluckvermögen zu verbessern.
- Psychotherapeutische Betreuung: Wenn die Erkrankung emotional stark belastet, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.
Weitere Therapien
- Krankengymnastik und Sprachtherapie: Sind neben der medikamentösen Therapie von großer Bedeutung. Viele Patienten lernen durch „Tricks“, z. B. Armlehnen nutzen. Das Sitzpolster sollte vergleichsweise hart sein. Ggf. ein Keilkissen auflegen. aus einem Stuhl an. Sie soll die Arme auf den Seitenlehnen ablegen. unter der Sitzfläche.
- Pallidotomie: Bei diesem Eingriff wird die Hirnregion zerstört, die die Bewegungen kontrolliert. Ärzte und Ärztinnen können ihn als Alternative zu Medikamenten erwägen, wenn die THS nicht möglich ist.
Was hilft Menschen mit Parkinson im Alltag?
Um bestmöglich mit der Erkrankung zu leben, ist eine enge ärztliche Betreuung und der Austausch mit anderen Menschen wichtig. Neben Gesprächen mit nahestehenden Personen hilft es, mit Menschen zu reden, die in einer ähnlichen Situation stecken. Eine gute Anlaufstelle dafür sind Selbsthilfegruppen. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die es ermöglichen, den Alltag selbstständig zu bestreiten, wie z.B. Gehhilfen.
Parkinson und Pflegebedürftigkeit
Morbus Parkinson schreitet in der Regel langsam voran und ermöglicht lange Zeit ein selbstständiges Leben. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind allerdings viele Menschen auf Hilfe anderer Personen angewiesen und werden pflegebedürftig. Es ist ratsam, sich frühzeitig Gedanken darüber zu machen, wie man sich die Pflege - sollte sie notwendig werden - vorstellt.
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