Plexus brachialis Eingeklemmt: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Der Plexus brachialis, auch Armnervengeflecht genannt, ist ein Netzwerk von Nerven, das sich vom Rückenmark bis zur Achselhöhle erstreckt und die Muskeln von Schulter und Arm versorgt. Er ist verantwortlich für die Weiterleitung von Schmerz- und Tastsinn in diesen Bereichen. Schädigungen dieses Nervengeflechts können vielfältige Ursachen haben und zu unterschiedlichen Symptomen führen.

Was ist der Plexus brachialis?

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das aus den Nervenwurzeln C5 bis Th1 gebildet wird, die aus dem Rückenmark austreten. Er verlässt die Wirbelsäule auf Höhe der letzten drei Halswirbel und des ersten Brustwirbels. Dieses Nervengeflecht ist für die motorische und sensible Versorgung der Arme und Hände von entscheidender Bedeutung.

Funktion des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis steuert die Muskeln im Arm, in der Schulter und in der Hand und ermöglicht so Bewegungen von der Schulter bis zu den Fingern. Darüber hinaus übermittelt er Gefühlswahrnehmungen wie Tastsinn, Temperatur- und Schmerzempfindungen von der Haut des Arms.

Verlauf des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis verläuft paarig, d.h. auf beiden Seiten des Körpers, von der Wirbelsäule bis zur Achselhöhle. Er ist oberhalb, hinter und unterhalb des Schlüsselbeins angeordnet. Die Nerven, die aus dem Plexus brachialis entspringen, werden in einen vorderen und einen hinteren Abschnitt unterteilt.

Ursachen für einen eingeklemmten Plexus brachialis

Ein eingeklemmter Plexus brachialis kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind es verhärtete Muskeln, die im Bereich des Plexus auf die Nerven drücken und so zu Schmerzen führen. Diese Ursache ist eine der häufigsten, die zu den Beschwerden führen.

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Häufige Ursachen

  • Muskuläre Verspannungen: Verhärtete Muskeln im Schulter- und Nackenbereich können auf den Plexus brachialis drücken.
  • Fehlbelastungen: Falsche Belastungen über längere Zeit, wie schweres Heben oder Tragen, können zu Reizungen und Entzündungen der Nerven führen.
  • Traumatische Verletzungen: Stürze auf die Schulter oder den Arm, insbesondere bei Sportunfällen oder Verkehrsunfällen, können zu einer Schädigung des Plexus brachialis führen.
  • Thoracic-outlet-Syndrom (TOS): Hierbei kommt es zu einer Einengung des Raumes zwischen Hals und Brustkorb, wodurch Nerven und Blutgefäße eingeklemmt werden können.
  • Entzündungen: Entzündungen der Nerven des Plexus brachialis, z.B. durch Überlastung oder Fehlbelastung, können ebenfalls zu Beschwerden führen.
  • Anatomische Variationen: Zusätzliche Bänder, abweichende Muskelansätze oder das Vorhandensein einer zusätzlichen Halsrippe können den Raum für den Plexus brachialis einengen.
  • Narbenbildung: Vernarbungen nach Verletzungen oder Bestrahlungstherapie können ebenfalls zu einer Einklemmung führen.

Seltenere Ursachen

  • Strahlenschäden: Strahlenschäden am Plexus brachialis treten selten auf, können aber nach onkologischen Bestrahlungen im Hals-, Schulter- oder Thoraxbereich auftreten.
  • Parsonage-Turner-Syndrom: Hierbei handelt es sich um ein Schmerzsyndrom, bei dem es im Bereich der Nervenendigungen aus dem Plexus brachialis zu Reizungen und Entzündungen kommt.

Symptome eines eingeklemmten Plexus brachialis

Die Symptome eines eingeklemmten Plexus brachialis können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab.

Typische Symptome

  • Schmerzen: Ziehende, stechende oder brennende Schmerzen im Bereich der Schulter, des Arms oder der Hand. Die Schmerzen können in Ruhe besser sein und sich durch Bewegung verstärken.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" in Arm, Hand oder Fingern.
  • Kraftminderung: Schwäche in den Muskeln des Arms oder der Hand, was zu Problemen bei Bewegungen führen kann.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten, den Arm zu heben, zu drehen oder bestimmte Bewegungen auszuführen.
  • Reflexabschwächung: Abgeschwächte Muskelreflexe wie der Bizepssehnenreflex oder der Trizepssehnenreflex.

Weitere Symptome

  • Kalte Hände: Eine schlechtere Durchblutung kann sich durch kalte Hände äußern.
  • Armschwellung: Eine abgedrückte Armvene kann zu einem Blutaufstau führen, der sich durch eine Schwellung und bläuliche Verfärbung des Armes zeigt.

Diagnose eines eingeklemmten Plexus brachialis

Die Diagnose eines eingeklemmten Plexus brachialis erfordert eine umfassende Untersuchung durch einen Arzt.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Zunächst wird der Arzt die Krankengeschichte des Patienten erheben und nach den genauen Beschwerden fragen. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Beweglichkeit, Kraft, Sensibilität und Reflexe des Arms und der Hand geprüft werden.

Spezielle Tests

  • Provokationstests: Bestimmte Bewegungen oder Positionen des Arms und der Schulter können die Beschwerden auslösen und so Hinweise auf die Ursache geben.
  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Durch Beklopfen bestimmter Hautbereiche rund um das Schlüsselbein können elektrisierende, ausstrahlende Schmerzen ausgelöst werden.

Bildgebende Verfahren

  • MRT (Magnetresonanztomographie): Im MRT kann man die Ursache der Beschwerden oft feststellen. Durch diese strahlungsfreie Schnittbilddiagnostik kann man alle Gewebe im Bereich der Schulter und des Oberarms sehen, einschließlich Muskeln, Sehnen, Nerven und Blutgefäße.
  • MR-Neurographie: Die MR-Neurographie ist ein besonders schonendes Verfahren, da es zu keiner Strahlenbelastung kommt, meist kein Kontrastmittel notwendig ist und sie ein nicht-invasives Verfahren darstellt. Sie ermöglicht die selektive und gleichzeitige Darstellung aller Durchflechtungsstufen des Plexus brachialis in einer Untersuchungssitzung und die Möglichkeit auch Teilläsionen eines Nervenstranges nachzuweisen.
  • Röntgen: Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule und des Brustkorbs können anatomische Veränderungen von Schlüsselbein, Rippen oder Wirbelkörpern aufzeigen.

Elektrophysiologische Untersuchungen

  • EMG (Elektromyographie): Die EMG misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann Schädigungen der Nerven aufdecken.
  • ENG (Elektroneurographie): Die ENG misst die Nervenleitgeschwindigkeit und kann Schäden der peripheren Nerven nachweisen und ihr Ausmaß beurteilen.

Behandlung eines eingeklemmten Plexus brachialis

Die Behandlung eines eingeklemmten Plexus brachialis richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden.

Konservative Behandlung

  • Physiotherapie: Durch gezielte Übungen können Muskelverspannungen gelöst, die Beweglichkeit verbessert und die Muskulatur gestärkt werden.
  • Ergotherapie: Die Ergotherapie kann helfen, alltägliche Aktivitäten schmerzfreier und leichter auszuführen.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern. Bei neuropathischen Schmerzen können spezielle Medikamente wie Antidepressiva oder Antikonvulsiva eingesetzt werden.
  • Entzündungshemmende Medikamente: NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) können helfen, Entzündungen zu reduzieren.
  • Injektionen: Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden können helfen, Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren.
  • Elektrotherapie: Die Elektrotherapie kann Muskelschwund verzögern, bis die Nervenregeneration abgeschlossen ist.
  • Manuelle Therapie: Manuelle Therapie kann helfen, Blockaden zu lösen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule und der Gelenke zu verbessern.
  • Anpassung der Lebensweise: Vermeidung von Überlastungen, ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes und regelmäßige Pausen können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Operative Behandlung

Eine Operation ist in der Regel nur dann erforderlich, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder wenn eine klare Ursache für die Einklemmung vorliegt, die operativ behoben werden kann.

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  • Dekompression: Bei einer Dekompression wird der Druck auf den Nerv beseitigt, indem störendes Gewebe entfernt wird.
  • Nervenrekonstruktion: Bei schweren Nervenschädigungen kann eine Nervenrekonstruktion erforderlich sein, bei der gesunde Nerven aus anderen Körperregionen mit den geschädigten Plexusnerven verbunden werden.
  • Entfernung einer Halsrippe: Falls eine zusätzliche Halsrippe als Ursache für die Beschwerden festgestellt wird, kann diese entfernt werden.
  • Bypass-Operation: Bei fortgeschrittenen Fällen, in denen es bereits zu einem Verschluss der Arterie gekommen ist, kann eine Bypass-Operation erforderlich sein.

Moderne Handorthesen

Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Sie unterstützen Menschen mit eingeschränkter Hand- und Fingerfunktion dabei, alltägliche Bewegungen wieder auszuführen.

Übungen bei einem eingeklemmten Plexus brachialis

Es gibt verschiedene Übungen, die helfen können, den Platz im Bereich des Plexus brachialis zu weiten und die Muskeln zu stärken.

  • Schulterkreisen: Gerade hinstellen, Arme locker an der Seite halten und die Schultern langsam und kreisend von hinten nach vorne bewegen. Nach ca. 2 Minuten die Richtung wechseln.
  • Schultern nach hinten ziehen: Stehend, mit an der Seite hängenden Armen, die Schultern seitengleich und vorsichtig nach hinten ziehen, bis man auf der Vorderseite einen leichten Zug wahrnimmt. Diese Position einige Sekunden halten.
  • Pendeln: In einer bequemen Position die Arme locker an der Seite hängen lassen und langsam pendelnde Bewegungen mit den Armen durchführen, entweder beidseitig oder gegensinnig.

Vorbeugung eines eingeklemmten Plexus brachialis

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, einem eingeklemmten Plexus brachialis vorzubeugen.

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine korrekte Monitorpositionierung, eine ergonomische Tastatur und Maus und regelmäßige Pausen bei der Arbeit.
  • Bewusste Haltung: Achten Sie beim Sitzen und Stehen auf eine gerade Körperhaltung.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse.
  • Repetitive Bewegungen reduzieren: Vermeiden Sie immer wiederkehrende Bewegungen, die zu einer Überbeanspruchung führen können.
  • Schweres Heben vermeiden: Vermeiden Sie das Heben schwerer Gegenstände über Kopfhöhe.
  • Rauchstopp: Tabakkonsum kann die Blutzirkulation beeinträchtigen und das Risiko für Kompressionssyndrome erhöhen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Dehnübungen können helfen, Muskelverspannungen vorzubeugen.

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