Plexus Brachialis Operation: Wiederherstellung der Armfunktion

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das eine entscheidende Rolle für die Funktion und Sensibilität des Arms spielt. Verletzungen dieses Nervengeflechts können schwerwiegende Folgen haben, die von Sensibilitätsstörungen bis hin zu Lähmungen reichen. Glücklicherweise gibt es verschiedene operative Verfahren, die darauf abzielen, die Funktion des Plexus brachialis wiederherzustellen.

Was ist der Plexus Brachialis?

Der Plexus brachialis ist ein Nervengeflecht, das sich aus den Spinalnerven der letzten vier Hals- und des ersten Brustsegments bildet. Er erstreckt sich vom Rückenmark im Halsbereich über die Schulter bis in den gesamten Arm. Dieser Plexus enthält sowohl sensible Nerven, die Reize wie Sensibilität, Vibration, Wärme, Kälte und Druck weiterleiten, als auch motorische Nerven, die die Muskeln des Arms und der Hand innervieren und somit deren Bewegung steuern.

Ursachen für Plexus Brachialis Verletzungen

Verletzungen des Plexus brachialis entstehen meist durch eine erhebliche Krafteinwirkung von außen. Häufige Ursachen sind:

  • Schwere Verkehrsunfälle: Insbesondere Motorradfahrer sind überdurchschnittlich oft betroffen.
  • Geburtstrauma: Bei Neugeborenen kann es während der Geburt zu Verletzungen kommen, wenn der Arm im Schultergelenk stark überdehnt wird (Schulterdystokie). Auch bei Kaiserschnitten sind solche Verletzungen möglich.
  • Sportunfälle: Besonders Kontaktsportarten und Extremsportarten bergen ein Risiko.
  • Tumore, Kompressionen und Strahlenbehandlungen: Diese können den Plexus brachialis ebenfalls schädigen.
  • Schnitt- oder Schussverletzungen: Diese führen seltener zu offenen Läsionen.

Arten von Plexus Brachialis Verletzungen

Man unterscheidet zwischen offenen und geschlossenen Verletzungen des Plexus brachialis. Offene Verletzungen entstehen meist durch direkte Gewalteinwirkung, wie z.B. Schnitt- oder Schussverletzungen. Geschlossene Verletzungen hingegen entstehen durch indirekte Krafteinwirkung, wie z.B. Zerrungen oder Dehnungen.

Je nach betroffenem Bereich des Plexus brachialis unterscheidet man:

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  • Obere Armplexusläsion (Duchenne-Erb-Läsion): Betrifft die Nervenwurzeln C5 und C6.
  • Untere Armplexusläsion (Déjerine-Klumpke-Läsion): Betrifft die Nervenwurzeln C8 und Th1.
  • Gesamte Armplexusläsion: Betrifft alle Nervenwurzeln des Plexus brachialis.

Zudem unterscheidet man zwischen Verletzungen, bei denen die Nervenwurzel aus dem Rückenmark ausgerissen ist (Ausrissverletzung), und Verletzungen, bei denen Narbengewebe im Nerven entstanden ist (Neurom).

Diagnose von Plexus Brachialis Verletzungen

Die Diagnose einer Plexus brachialis-Verletzung wird in der Regel durch eine umfassende klinische Untersuchung gestellt. Ergänzend dazu werden folgende diagnostische Verfahren eingesetzt:

  • Elektrophysiologische Untersuchungen (EMG, ENG): Diese Messungen der elektrischen Muskelaktivität und Nervenleitgeschwindigkeit helfen, das Ausmaß der Nervenschädigung zu beurteilen.
  • Hochauflösender Ultraschall (Nervensonografie): Ermöglicht die Darstellung der Armnerven und des Plexus brachialis.
  • Neuro-MRT (Magnetresonanztomografie): Liefert detaillierte Bilder der Nervenbahnen und kann Verletzungen oder Kompressionen des Plexus brachialis aufzeigen.
  • Röntgen oder CT: Dient zum Ausschluss von Knochenbrüchen und anderen Begleitverletzungen.

Behandlung von Plexus Brachialis Verletzungen

Die Behandlung einer Plexus brachialis-Verletzung hängt vom Schweregrad der Verletzung, dem Zeitpunkt der Diagnose und dem Alter des Patienten ab. Sie kann konservative und operative Maßnahmen umfassen.

Konservative Behandlung

Bei leichten Verletzungen, bei denen der Plexus nur teilweise beschädigt ist, kann eine spontane Regeneration der Nerven eintreten. In diesen Fällen kann zunächst der Spontanverlauf beobachtet werden. Die konservative Behandlung umfasst:

  • Schmerzmittel: Zur Linderung der Schmerzen, insbesondere neuropathischer Schmerzen.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Zur Erhaltung der Beweglichkeit, Kräftigung der Muskulatur und Verbesserung der Koordination.
  • Elektrotherapie: Zur Verzögerung von Muskelschwund, bis die Nervenregeneration abgeschlossen ist.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Zur Wiederherstellung der Funktionen des Arms und der Hand.

Operative Behandlung

Eine Operation wird in folgenden Fällen empfohlen:

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  • Keine ausreichende Regeneration unter konservativer Behandlung nach 3-6 Monaten.
  • Ausriss der Nervenwurzeln aus dem Rückenmark.
  • Offene Plexusläsion.
  • Hämatome, die das umliegende Gewebe verdrängen.

Der Zeitpunkt der Operation hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Bei ausgerissenen Nervenwurzeln sollte möglichst frühzeitig, idealerweise innerhalb von 6-8 Wochen, operiert werden. Bei anderen Verletzungen kann die Operation nach 3-6 Monaten erfolgen, um den Spontanverlauf abzuwarten.

Operationsverfahren

Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung von Plexus brachialis-Verletzungen:

  • Dekompression (Neurolyse): Befreiung des Nerven von Narbengewebe, das ihn einengt.
  • Nerveninterponat (Nerventransplantation): Überbrückung eines irreversibel geschädigten Nervenabschnitts mit einem Spendernerv, z.B. aus dem Unterschenkel (Nervus suralis).
  • Nerventransfer: Verlagerung von Teilen funktionierender Nachbarnerven zum Ersatz zerstörter Nerven. Dies kann aus der unmittelbaren Nachbarschaft (Nerventransfer) oder von der Gegenseite (kontralateraler C7-Transfer) erfolgen.
  • Interfaszikuläre Nerventransplantation: Ein Teil des Plexus brachialis wird entfernt und durch eine Transplantation mit einem Nerv aus einem anderen Körperbereich ersetzt.
  • Muskelersatzplastiken: Kompensation des Ausfalls wichtiger Muskeln durch Verlagerung anderer Muskeln.
  • Mikrochirurgische Nervenrekonstruktion: Komplexer Eingriff zur Wiederherstellung der Kontinuität von Nervenverletzungen, oft unter Verwendung eines Operationsmikroskops.

Anästhesieverfahren bei Plexus Brachialis Operationen

Bei Operationen am Plexus brachialis kommen verschiedene Anästhesieverfahren zum Einsatz, um eine optimale Schmerzkontrolle und Komfort für den Patienten zu gewährleisten. Häufig werden Regionalanästhesien in Kombination mit einer Vollnarkose verwendet.

Armplexusanästhesie (Plexus brachialis Blockade)

Die Armplexusanästhesie ist eine Regionalanästhesie, bei der gezielt einzelne Nerven oder das gesamte Nervengeflecht (Plexus brachialis) blockiert werden, das den Arm versorgt. Dies ermöglicht eine schmerzfreie Operation und eine gute postoperative Schmerzkontrolle.

Je nach Operationsgebiet kann der Plexus brachialis an verschiedenen Stellen blockiert werden:

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  • Axilläre Blockade: Geeignet für Operationen am Unterarm und der Hand. Das Lokalanästhetikum wird in der Achselhöhle verabreicht.
  • Infraklavikuläre Blockade: Geeignet für Operationen am unteren Oberarm und am Ellenbogen. Die Einstichstelle befindet sich unterhalb des Schlüsselbeins.
  • Interskalenäre Blockade: Geeignet für Operationen an der Schulter und am Oberarm. Der Schmerzkatheter wird seitlich am Hals gelegt. Dieses Verfahren wird in der Regel mit einer Vollnarkose kombiniert.

Bei der Durchführung der Armplexusanästhesie wird der Nerv mit Hilfe eines Nervenstimulators oder unter Ultraschallkontrolle identifiziert. Nach eindeutiger Identifizierung wird das Lokalanästhetikum verabreicht.

Vorteile der Armplexusanästhesie

  • Gezielte Schmerzausschaltung im Operationsgebiet.
  • Reduzierter Bedarf an Narkosemitteln.
  • Verkürzung der Aufwachzeit.
  • Schmerzfreie Zeit direkt nach der Operation.
  • Möglichkeit der postoperativen Schmerztherapie durch einen Katheter.

Mögliche Komplikationen der Armplexusanästhesie

  • Blutergüsse und Infektionen im Bereich der Einstichstelle.
  • In seltenen Fällen Befindlichkeitsstörungen.

Vor der Operation erfolgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch über mögliche Risiken und Nebenwirkungen.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Nach der Operation ist eine intensive Nachbehandlung und Rehabilitation entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Diese umfasst:

  • Ruhigstellung des Arms für einige Tage.
  • Frühzeitige passive Bewegungstherapie.
  • Muskelstimulation der denervierten Muskeln.
  • Physiotherapie und Ergotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.

Die Nervenregeneration kann mehrere Monate bis Jahre dauern. Während dieser Zeit ist eine kontinuierliche Betreuung durch ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten und anderem medizinischen Fachpersonal erforderlich.

Prognose

Die Prognose nach einer Plexus brachialis-Verletzung hängt vom Schweregrad der Verletzung, dem Zeitpunkt der Behandlung und der individuellen Regenerationsfähigkeit des Patienten ab. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung können jedoch gute Ergebnisse erzielt werden. Viele Patienten können ihre Arm- und Handfunktion zumindest teilweise wiederherstellen.

Prävention

Um Plexus brachialis-Verletzungen vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Tragen einer Schutzausrüstung bei Aktivitäten mit erhöhtem Verletzungsrisiko (z.B. Motorradfahren, Extremsportarten).
  • Sichere Geburtstechniken zur Vermeidung von Schulterdystokie.
  • Vermeidung von Unfällen durch umsichtiges Verhalten im Straßenverkehr und beim Sport.

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