Fatigue, ein Zustand krankhafter Erschöpfung, kann eine Begleiterscheinung von Hirntumoren sein. Es ist wichtig zu verstehen, dass Fatigue keine gewöhnliche Müdigkeit ist, sondern ein komplexes Syndrom, das körperliche, geistige und emotionale Aspekte umfasst. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Fatigue im Zusammenhang mit Hirntumoren.
Einführung
Hirntumoren sind Gewebeveränderungen, die vom Hirngewebe, den Hirnhäuten, den Hirnnerven oder der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgehen. Sie können gutartig oder bösartig sein, wobei eine klare Unterscheidung nicht immer möglich ist, da sich auch zunächst gutartige Hirntumoren verändern und bösartig werden können. Fatigue, oder Müdigkeit, ist ein multifaktorielles Phänomen, zu dessen Entstehung in der Regel viele Ursachen beitragen. Im Zusammenhang mit Hirntumoren kann Fatigue durch den Tumor selbst, die Behandlungen oder begleitende Erkrankungen verursacht werden.
Ursachen von Fatigue bei Hirntumoren
Fatigue gilt als eine multifaktorielle Erkrankung, also ein Phänomen, zu dessen Entstehung in der Regel viele Ursachen beitragen. Der Tumor selbst, aber auch die Therapien greifen in Stoffwechselprozesse und hormonelle Regelkreise ein und schaffen damit die Voraussetzungen für die Entstehung von Fatigue. Hinzu können weitere Faktoren wie eine erbliche Veranlagung, begleitende körperliche oder psychische Erkrankungen sowie verhaltens- und umweltbedingte Zustände kommen. Es fällt oft schwer, die verschiedenen Ursachen voneinander zu trennen, da manche Begleiterkrankungen wiederum auch Folge der Krebserkrankung oder der Krebstherapien sein können. Meist greifen die unterschiedlichen Faktoren ineinander und führen im Endergebnis zu den genannten Beschwerden. Jedoch lassen sich bestimmte Faktoren behandeln, wenn sie bekannt sind, wodurch sich Fatigue-Beschwerden oft wesentlich bessern. Es ist deshalb notwendig, den jeweiligen Ursachen so gut wie möglich auf den Grund zu gehen.
Ein bösartiger Tumor ist nicht einfach „nur“ eine wachsende Geschwulst - er beeinflusst auch den Stoffwechsel, hormonelle Prozesse und das Immunsystem. So werden etwa verstärkt entzündungsvermittelnde Botenstoffe gebildet und hormonelle Regelkreise, zum Beispiel der Schlaf-Wach-Rhythmus (Störung der Melatoninausschüttung), der Katecholamin- und der Serotonin-Stoffwechsel verändert. Dies kann dadurch ausgelöst werden, dass der Tumor direkt in die Stoffwechselprozesse eingreift oder indem spezielle Gene verändert werden, die für die Bildung von Eiweißen verantwortlich sind, welche diese Prozesse steuern. Um eine Tumor-assoziierte Fatigue wirksam behandeln zu können, hilft es, die im jeweiligen Einzelfall zugrundeliegenden Ursachen zu kennen, die unmittelbar auf den Tumor und die Therapien zurückgehen.
Krebstherapien als Auslöser von Fatigue
Bei der Behandlung von Krebserkrankungen kommen Therapien zum Einsatz, die Fatigue auslösen können. Einige Patient*innen vertragen die Krebstherapie gut und fühlen sich nur vorübergehend etwas weniger leistungsfähig.
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Chemotherapie
Verlässliche Zahlen sind nicht bekannt, aber Schätzungen zufolge kann bei bis zu 90 Prozent der Patient*innen, die sich einer Chemotherapie unterziehen, eine Tumor-assoziierte Fatigue auftreten. Auch hier wiederum liegt den Beschwerden nicht eine einzelne Ursache zugrunde, vielmehr greifen verschiedene Faktoren ineinander. So schädigen die bei der Chemotherapie eingesetzten Zytostatika neben den Krebszellen auch gesunde Körperzellen, wodurch Nebenwirkungen wie Blutarmut (Anämie) oder nervale Störungen hervorgerufen werden. Viele Patienten leiden während der Chemotherapie unter Schlafproblemen.
Strahlentherapie
Auch während und nach einer Strahlentherapie kommt es oft zu Fatigue-Beschwerden. Schätzungsweise 60 bis 80 Prozent der Patient*innen sind davon betroffen. Meist beginnt Fatigue in den ersten Wochen nach Beginn der Bestrahlung, bleibt dann stabil und geht nach dem Ende der Behandlung zurück.
Immuntherapie
Immuntherapeutika wie Interferon, Interleukin oder die neuartigen Checkpoint-Blocker aktivieren das Immunsystem zu einer Reaktion gegen die Krebszellen, die ähnlich der Abwehrreaktion bei einem grippalen Infekt ist. Die Patienten fühlen sich deshalb bei diesen Therapien oft abgeschlagen, verspüren Muskel- und Knochenschmerzen und können Fieber und Schüttelfrost bekommen. Unter einer Tumor-assoziierten Fatigue leiden etwa 15 bis 40 Prozent von ihnen.
Operation
Nach einer Operation sind die meisten Patienten sehr erschöpft. Der Blutverlust, die Veränderungen des Wasser- und Mineralienhaushalts und die Müdigkeit infolge der Narkose erklären die Abgeschlagenheit in den ersten Tagen nach dem Eingriff. Danach setzen die Wundheilungsprozesse ein, bei denen der Umsatz von Energie und Eiweiß erhöht ist, was ebenfalls eine ausgeprägte Müdigkeit hervorrufen kann. Ihre maximale Intensität erreicht sie im Durchschnitt zehn Tage nach der Operation.
Begleiterkrankungen als Ursache von Fatigue
Bestimmte Erkrankungen sind dafür bekannt, dass sie zu Fatigue-Beschwerden führen.
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Blutarmut (Anämie)
Blutarmut (Anämie) entsteht durch einen Mangel an roten Blutkörperchen. Diese Blutzellen, die im Knochenmark gebildet werden, enthalten roten Blutfarbstoff, das eisenhaltige Hämoglobin. Es bindet den Sauerstoff, der über die Lunge aufgenommen wird, und transportiert ihn im Blutstrom in die Körpergewebe. Sind nicht genügend rote Blutkörperchen vorhanden, fehlt dem Körper Sauerstoff. Die Betroffenen fühlen sich kraftlos und erschöpft, ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab. Hinzu kommen Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Herzrasen, Ohrensausen und ein Schwächegefühl in Armen und Beinen. Chemo- und Strahlentherapie verursachen oft Anämie.
Mangelernährung und Gewichtsverlust
Etwa die Hälfte aller Krebspatient*innen erleidet im Laufe der Erkrankung einen Verlust an Fett- und Muskelmasse und damit an Körpergewicht. Dieses Phänomen wird auch als Tumorkachexie bezeichnet. Bei bestimmten Krebsarten im Kopf-Halsbereich und oberen Magen-Darmtrakt, bei hoch-malignen, also besonders aggressiven Lymphomen und bei kleinzelligem Lungenkrebs sind oft sogar noch mehr Patienten betroffen. Eine Mangelernährung kann praktisch in jedem Erkrankungsstadium auftreten, ist aber häufiger, wenn sich der Tumor bereits weit ausgebreitet hat. Bei vielen Patienten beginnt sie schon vor der Diagnosestellung.
Verschiedene Faktoren spielen bei der Entstehung von Tumorkachexie zusammen. Bösartige Tumoren verursachen chronische Entzündungen und regen den Stoffwechsel an. Botenstoffe des Immunsystems, sogenannte Zytokine, werden aktiv und beeinflussen den Hormonhaushalt und Stoffwechsel, sodass trotz des zunehmenden Verlusts an Fett- und Muskelmasse Appetit-steigernde und Hungergefühl-auslösende Wirkungen ausbleiben. Auch fördern die Zytokine den Abbau der Muskulatur, Eiweiße werden zersetzt, und der Aufbau neuer Eiweiße wird verlangsamt. Es kommt zu einem sogenannten katabolen Zustand, bei dem mehr Muskel- und Fettmasse abgebaut wird, als gleichzeitig neu gebildet werden kann.
Hinzu kommen Schwierigkeiten zu essen bzw. die Nährstoffe im Magen-Darmtrakt richtig aufzunehmen und zu verarbeiten. Die Gründe dafür sind vielfältig und können sowohl von der Krebserkrankung selbst als auch von den Therapien herrühren: Übelkeit und Erbrechen, vorzeitiges Sättigungsgefühl bei der Nahrungsaufnahme, Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Mundtrockenheit, schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) und des Zahnfleischs, Pilzinfektionen der Mundschleimhaut (Mundsoor), Darmprobleme wie Verstopfung oder Durchfall, Schluckprobleme und Geruchsstörungen kommen in Frage.
Der entstehende Mangel an Energiestoffen, Vitaminen und Mineralien führt zu einem dauerhaften Energiedefizit, das der Körper auszugleichen versucht. So wird bei einem Eiweißmangel Muskelgewebe abgebaut. Auch fehlende körperliche Bewegung führt zum Rückgang der Muskeln. Viele Krebspatienten reduzieren ihre Aktivitäten, entweder, weil sie akute Beschwerden haben, ihnen Antrieb und Motivation für körperliche Aktivitäten fehlen oder weil sie befürchten, dass sich ihr Zustand durch eine zu hohe Belastung verschlechtern könnte. Dies endet unter Umständen in einem Teufelskreis: Der Körper reagiert auf die fehlende Bewegung mit einem Abbau der Muskulatur, die Leistungsfähigkeit geht zurück, was die Betroffenen veranlasst, sich noch weniger zu bewegen, und der Muskelabbau schreitet fort.
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Psychische Belastungen
Angst, das Leben zu verlieren, Angst vor den Folgen der Therapien, Ängste und Sorgen darum, wie die nächsten Angehörigen die Situation verkraften, der notwendig gewordene Umgang mit einem veränderten körperlichen Aussehen nach Operationen oder Chemotherapie, der Verlust an Autonomie, weil ständige Arztbesuche und Therapien notwendig sind, Angst davor, dass die Krankheit nach der Therapie zurückkehrt - die Liste der seelischen Belastungen, die mit einer Krebserkrankung verbunden sind, ist lang. Mitunter entwickeln sich daraus psychische Folgen, etwa eine Depression oder Anpassungsstörung.
Depressive Patientinnen leiden meist unter einem Gefühl der Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Leere. Sie haben wenig Appetit, können nicht richtig schlafen, verlieren das Interesse an Hobbys, meiden den Kontakt mit anderen Menschen und leiden häufig auch unter Konzentrationsschwäche und Gedächtnisstörungen. Einige der Beschwerden gleichen denen einer Fatigue, weshalb sich Mediziner lange Zeit nicht sicher waren, ob Fatigue eine spezielle Form der Depression sein könnte. Inzwischen gilt es als sicher, dass es sich um zwei verschiedene Erkrankungen handelt. So liegt nur bei etwa einem Drittel der Patientinnen mit Tumor-assoziierter Fatigue gleichzeitig eine depressive Störung im Sinne einer „Major Depression“ vor. Allerdings können Antidepressiva in manchen Fällen die Stimmung bei Fatigue-Patient*innen aufhellen und sogar die körperliche Erschöpfung lindern.
Schlafstörungen
Wer zu wenig oder schlecht schläft, fühlt sich am nächsten Tag müde und ausgelaugt. Je größer das Schlafdefizit wird, desto stärker werden auch die Müdigkeit und Erschöpfung. Die Betroffenen können sich schlechter konzentrieren, sie vergessen schnell. Bei Krebspatient*innen können verschiedene Faktoren für Schlafstörungen sorgen: Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, weil die Melatoninausschüttung gestört ist; aber auch Sorgen und Ängste, die mit der Krankheit verbunden sind, können den Schlaf rauben.
Andere Begleiterkrankungen
Unter Müdigkeit und Erschöpfung leiden auch Patient*innen mit neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson und multipler Sklerose. Erkrankungen der Schilddrüse und der Nebennierenrinde gehen ebenfalls mit einer ausgeprägten Müdigkeit einher. Auch bei Erkrankungen der Niere, des Herzens oder der Lunge ist die Leistungsfähigkeit oft sehr eingeschränkt. Krebspatienten leiden zudem infolge der Therapien oft unter einer erhöhten Infektanfälligkeit, wobei die Reaktionen des Immunsystems an den Energiereserven zehren und die Erschöpfung verstärken.
Symptome von Hirntumoren
Grundsätzlich können alle Hirntumoren zu ähnlichen Symptomen führen; dabei hängen die Symptome davon ab, wo genau sich der Tumor befindet, wie schnell er wächst und wie groß er ist. Ein Hirntumor kann zahlreiche Symptome verursachen, da er Druck auf das Hirngewebe ausüben, in das Hirngewebe hineinwachsen und die Funktion des betroffenen Gewebes beeinträchtigen kann.
Auf diese Weise kann der Tumor Bereiche schädigen oder zerstören, die für das Sehvermögen, die Motorik, das Gleichgewicht, das Sprachvermögen, das Hörvermögen, das Gedächtnis oder auch die Steuerung des Verhaltens verantwortlich sind.
Hirntumore können außerdem Schwellungen im umliegenden Gewebe (Ödeme) hervorrufen, die den Hirndruck erhöhen und die Symptome verstärken. Ödeme im Gehirn können sehr gefährlich sein. Der Grund dafür liegt darin, dass das Gehirn vom harten Hirnschädel (Cranium) umgeben ist. Da sich das Hirngewebe aber wegen des dicht anliegenden Schädelknochens nicht ausdehnen kann, wird bei einem Hirnödem das Hirngewebe wegen der zunehmenden Schwellung komprimiert. Bei entsprechend hohem Druckanstieg wird das gesamte Gehirn in die einzige Richtung gedrückt, in die das geschwollene Gewebe entweichen kann: in die Öffnung an der Unterseite der Schädelgrube (Übergang vom Gehirn zum Rückenmark). Wird das Gehirn in diese Öffnung gedrückt, können Hirnstrukturen, die für Steuerung der Atmung und des Herzschlags wichtig sind, beeinträchtigt werden.
Typische Symptome
- Neu auftretende Kopfschmerzen, vor allem nach dem Aufwachen
- Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
- Ungeklärte Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen in Form von verschleiertem Sehen, Doppelbildern, Verlust des Sehvermögens in einem Gesichtsfeld (ist z. B. das rechte Gesichtsfeld betroffen, ist alles, was rechts vor einem liegt, nicht mehr zu sehen, wenn man geradeaus schaut).
- Allmählicher Verlust der Empfindung oder Bewegungsfähigkeit (Motorik) in einem Arm oder einem Bein
- Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
- Sprachschwierigkeiten
- Hörstörungen
- Müdigkeit bis zur Benommenheit
- Zunehmende Verwirrung
- Veränderungen der Persönlichkeit oder des Verhaltens
- Hormonelle Störungen: Tumoren der Hypophyse, also Tumoren im übergeordneten Hormonzentrum des Gehirns, verursachen hormonelle Veränderungen, wie z. B. das Ausbleiben der Menstruation, Impotenz, Sekretionen aus den Brüsten (Galaktorrhö) oder Wachstumsstörungen.
Kommt es infolge eines Tumors zu einer Hirnblutung, können Störungen des Sehens, Sprechens, Motorik etc. auch ganz plötzlich wie bei einem Schlaganfall auftreten.
Spezifische Symptome bei Hirntumoren
Kopfschmerzen
Neu auftretende Kopfschmerzen, die über einige Tage oder Wochen immer heftiger werden und im Liegen zunehmen, sind ein verdächtiges und typisches Anzeichen, das meist zuerst bei Hirntumoren auftritt. Kopfschmerzen wegen eines Hirntumors äußern sich dadurch, dass sie nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten. Sie bessern sich tagsüber häufig spontan. Schmerzintensität oder Schmerzcharakter beschreiben Betroffene oft als ganz anders im Vergleich zu vorher erlebten Kopfschmerzen. Meistens lassen sich tumorbedingte Kopfschmerzen durch herkömmliche Schmerzmittel nur wenig oder gar nicht lindern, da der Druckanstieg im Schädel durch den wachsenden Tumor die Beschwerden auslöst.
Übelkeit und Erbrechen
Viele Menschen entwickeln bei einem Hirntumor Symptome wie Übelkeit und Erbrechen. Auch diese Beschwerden sind meist die Folge des erhöhten Hirndrucks. Oft ist den Betroffenen in den Morgenstunden übel, obwohl sie nichts gegessen haben. Für morgendliche Übelkeit gibt es aber auch andere Ursachen wie etwa eine gewöhnliche Magen-Darm-Infektion, Schwangerschaft oder Alkoholrausch.
Sehstörungen
Sehen bedeutet, mit dem Auge bestimmte Bilder wahrzunehmen. Dafür fängt die Netzhaut im Auge die Informationen ein und sendet sie über die Sehbahn bis in das Sehzentrum im Hinterkopf. An praktisch jeder Stelle dieses Weges ist es möglich, dass ein Hirntumor Symptome im Sinne von Sehstörungen auslöst. Meistens fällt ein bestimmtes Areal im Gesichtsfeld aus - Betroffene nehmen es einfach als schwarzen Fleck wahr. Mediziner nennen das Gesichtsfeldausfälle. Am Anfang bemerken Erkrankte solche Symptome oft gar nicht, weil das menschliche Gehirn die fehlenden Bildinformationen berechnet und das Bild weitestgehend vervollständigt. Erst bei größeren Arealen gelingt dies nicht mehr und ein schwarzer Fleck entsteht. Sehstörungen zeigen sich mitunter auch dadurch, dass Betroffene Bilder doppelt sehen. Sehstörungen treten besonders oft bei einem Hypophysenadenom auf. Das ist ein gutartiger, in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) wachsender Hirntumor. Ein Anzeichen für diese Art von Geschwulst ist, dass die Sicht wie bei Scheuklappen von außen her eingeschränkt ist.
Weitere neurologische Ausfälle
Neben Sehstörungen deuten auch andere neurologische Ausfälle auf einen Hirntumor hin. Mögliche Symptome im Sinne neurologischer Ausfälle sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle (etwa an einzelnen Gliedmaßen) oder Sprachstörungen. Ebenso typisch sind Zuckungen beispielsweise der Augenlider und plötzliches Kribbeln. Weiterhin sind Schluckstörungen oder eine veränderte Geschmackswahrnehmung mögliche tumorbedingte Symptome. Betroffene leiden oft unter Schwindel und Schwerhörigkeit oder Ohrenpfeifen (Tinnitus).
Krampfanfall
Ein neu auftretender epileptischer Krampfanfall ist vor allem bei Kindern oft eines der allerersten Hirntumor-Symptome, das vorrangig bei primären Hirntumoren auftritt. Die Erkrankten erleiden dabei entweder einen fokalen oder einen generalisierten Krampfanfall. Ein fokaler Anfall schlägt sich in einem bestimmten Organbereich nieder. Beispielsweise zuckt ein Arm oder ein Bein. Dieser Anfallstyp geht mitunter in einen generalisierten Anfall über, bei dem der gesamte Körper betroffen ist. Meistens verlieren Betroffene während eines Krampfanfalls das Bewusstsein.
Hormonelle Störungen
Hirntumor-Symptome treten auch in Form verschiedenster hormoneller Störungen auf. Das ist beispielsweise bei einem Hypophysenadenom der Fall: Die Hypophyse ist eine wichtige Drüse im Gehirn, die Hormone produziert, welche die Funktion anderer Hormondrüsen im Körper regulieren. Ein Tumor der Hypophyse greift hier störend ein. Mögliche Folgen sind Symptome, die etwa den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Körperwachstum oder die Sexualität betreffen. Solche hormonellen Störungen sind aber unspezifische Symptome, da sie auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.
Beeinträchtigung des Gedächtnisses
Ein bösartiger Prozess im Kopf verursacht teilweise auch kognitive Symptome. Hirntumor-Erkrankte sind beispielsweise in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt und schlechter in der Lage, sich bestimmte Dinge zu merken. Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit haben aber viele mögliche Ursachen wie zunehmendes Alter und bedeuten nicht zwangsläufig, dass Betroffene einen Hirntumor haben.
Veränderungen der psychischen Gesundheit
Es ist möglich, dass ein Hirntumor die psychische Gesundheit beeinträchtigt. So sind manchmal Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie) und Angst auf die Erkrankung zurückzuführen.
Persönlichkeitsveränderungen
Persönlichkeitsstörungen zählen ebenfalls zu den Symptomen, die möglicherweise auf einen Hirntumor zurückzuführen sind. Meist fällt das den Betroffenen selbst gar nicht auf, wohl aber ihren Mitmenschen. Erkrankte sind zum Beispiel leichter reizbar oder weniger konzentriert und leichter abgelenkt. Manchmal spitzen sich auch bestehende Persönlichkeitsmerkmale zu oder flachen ab. Diese Symptome treten oft schleichend ein und veranlassen Betroffene meistens erst spät, zu einem Arzt zu gehen.
Besonderheit bei Kindern mit Hirntumor
Babys und Kleinkinder, die bereits an einem Hirntumor leiden, haben oft einen vergrößerten Kopf (Hydrozephalus), im Volksmund Wasserkopf genannt. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn und zwischen den Hirnhäuten. Dadurch benötigt das Gehirn mehr Platz und der Schädel vergrößert sich. Kinder mit einem Hydrozephalus sind meist zusätzlich durch Entwicklungsstörungen wie geistige Behinderungen gekennzeichnet. Für einen vergrößerten Kopf kommen aber auch andere Erkrankungen als Ursache infrage.
Diagnose von Hirntumoren
Zunächst können die Symptome und Beschwerden vage und nicht permanent vorhanden sein, was die Diagnosestellung erschwert. Zudem können viele andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen. Wichtig sind die Erfassung etwaiger Symptome und die ärztliche körperliche Untersuchung mit Schwerpunkt auf der Untersuchung des Nervensystems.
Zur weiteren Diagnostik gehören eine CT- oder MRT-Untersuchung des Gehirns oder speziellere Untersuchungen, um die genaue Lokalisation und Ausdehnung des vermuteten Hirntumors zu bestimmen. Weitere bildgebende Verfahren können eine Angiografie (Gefäßdarstellung mit Kontrastmittelgabe) oder eine Positronenemissionstomografie (PET) sein. Auch die Entnahme einer Gewebeprobe, Untersuchungen des Hirnwassers (Liquor), der Hormonspiegel im Blut und ein Elektroenzephalogramm (EEG; Messung der Hirnströme) gehören mit zur Untersuchung.
Die Feststellung, um welchen Typ von Hirntumor es sich handelt, ist wichtig, da es zahlreiche unterschiedliche Arten und Unterarten gibt. Diese sind mit einem verschieden hohen Risiko für ein rasches Wachstum verbunden und benötigen eine unterschiedliche Behandlungsstrategie.
Behandlung von Hirntumoren
Mögliche Maßnahmen sind Operation, Bestrahlung und Chemotherapie.
Operation
Wenn möglich, wird der Tumor vollständig entfernt. Eventuell ist eine Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie notwendig.
Strahlentherapie
Erfolgt meist 2 bis 4 Wochen nach einer Operation, um Gewebe, das operativ nicht vollständig entfernt werden konnte, zu zerstören. Die Dosis ist abhängig von der Strahlenempfindlichkeit des Tumors.
Chemotherapie
Gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Behandlung von Gehirntumoren. Wird vor allem bei Tumoren wie Glioblastomen, anaplastischen Gliomen und ZNS-Lymphomen angewendet.
Medikamente
Kortison
Wirkt abschwellend auf das Gewebe, das den Tumor umgibt, und bessert so Symptome, die durch erhöhten Hirndruck entstehen können. Wird auch oft vor einer Operation eingesetzt.
Sonstige
- Infusionen mit Mannitol gegen Gewebeschwellungen (Ödeme)
- Gabe von Medikamenten gegen Epilepsie, wenn der Tumor Krampfanfälle auslöst.
Verlaufskontrollen
Es sollten regelmäßige Verlaufskontrollen bei den behandelnden Neurolog*innen vorgenommen werden.
Behandlung von Fatigue
Die Behandlung Tumor-assoziierter Fatigue muss möglichst frühzeitig beginnen, um zu verhindern, dass sich chronische Beschwerden entwickeln. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Fatigue in Schach zu halten oder zumindest einzudämmen. Zum einem gibt es unterstützende Psychotherapie während und nach der akuten Therapiephase. Auch eine Selbsthilfegruppe kann hilfreich sein. Es stehen zudem verschiedene Medikamente zur Verfügung, die je nach Ursache der Fatigue eingesetzt werden können, beispielsweise bei einer (durch Chemotherapie bedingten) Blutarmut. Jenseits dieser Therapiemaßnahmen hat man es auch selbst in der Hand, etwas gegen die Fatigue zu unternehmen.
Sport, Bewegung und körperliche Aktivität
Schon kurze und einfache Bewegungseinheiten wie Spazierengehen oder Nordic Walking können bei einer Fatigue helfen. Das belegen zahlreiche hochwertige Studien. Die Studien zeigen auch, dass körperliche Aktivität die allgemeine Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert.
Psychologische Unterstützung
Bei Fatigue kann auch psychologische Unterstützung hilfreich sein. Dazu gehören Gespräche mit erfahrenen Beraterinnen und Beratern oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Auch Gruppenangebote können - wenn verfügbar - beim Umgang mit Fatigue-Symptomen helfen. Sie ermöglichen zudem den Austausch mit anderen Betroffenen. Ein wichtiger Schwerpunkt kann dabei beispielsweise die Stärkung des Selbstmanagements sein: Ziel ist es vor allem, zu erkennen, was die Fatigue fördert oder lindert. Darauf basierend können passende Bewältigungs- oder Verarbeitungsstrategien für den Alltag entwickelt werden.
Yoga, Qigong, Tai-Chi und andere komplementäre Therapien
Werden Yoga oder Tai-Chi/Qigong von erfahrenem Fachpersonal begleitet, das auf die Betreuung von Krebspatientinnen und -patienten spezialisiert ist, sind sie grundsätzlich sicher. Fachleute bewerten die Studienlage zumindest so, dass ihre Wirksamkeit gegen Fatigue wahrscheinlich ist und sie mit keinen wesentlichen Risiken verbunden sind.
Wichtig ist aber: Patientinnen oder Patienten sollten ihr Vorhaben stets mit Ihrem behandelnden Ärzteteam vorab besprechen. Denn nicht alles ist für jede Erkrankungssituation geeignet.
Fatigue-Tagebuch
In einem Fatigue-Tagebuch können Sie tages- und Aktivitäten-abhängige Schwankungen der Fatigue festhalten. So erhalten Sie einen Überblick, welche Faktoren Ihre Erschöpfung verstärken, welche Einschränkungen im Alltag damit verbunden sind oder welche Faktoren dagegen Ihre Erschöpfung bessern.
Lebenserwartung und Prognose
Die Art des Tumors ist am entscheidendsten für die Prognose. Das Alter, der klinische Zustand der Patient*innen und die Lokalisation des Tumors sind ebenfalls wichtig.
Allgemeine Lebenserwartung
Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten für Fälle, die in der Zeit von 2007-2011 diagnostiziert wurden sind:
- gutartige Tumore: Männer 93,4 % und Frauen 95,6 %
- bösartige Tumore: Männern 30,3 % und Frauen 33,1 %.
Bei bösartigen Tumoren liegt das mediane Sterbealter bei 67 Jahren (Männer) bzw.
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