Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) ist eine der häufigsten Komplikationen nach einer Gürtelrose (Herpes zoster). Sie äußert sich durch langanhaltende, oft quälende Nervenschmerzen im betroffenen Hautbereich, selbst nachdem der Hautausschlag abgeheilt ist. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Therapieansätze der PZN, wobei ein besonderer Fokus auf lokal wirksamen Betäubungsmitteln liegt.
Was ist Post-Zoster-Neuralgie?
Herpes zoster entsteht als Folge einer Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV), der auch Windpocken verursacht. Nach einer Windpocken-Erkrankung verbleibt das Virus lebenslang in den Nervenzellen des Körpers. Unter bestimmten Umständen, insbesondere bei geschwächtem Immunsystem, kann das Virus reaktiviert werden und eine Gürtelrose auslösen. Diese äußert sich durch einen schmerzhaften Hautausschlag, der in der Regel einseitig und auf einen bestimmten Hautbereich (Dermatom) begrenzt ist.
Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) ist definiert als Schmerz, der länger als drei Monate nach Abheilen der Hautläsionen der Gürtelrose persistiert. Die PZN kann die Patienten im Alltag gravierend belasten und die Lebensqualität stark einschränken.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der PZN sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Reaktivierung des VZV zu einer Schädigung der Nerven führt, die auch nach Abklingen des Hautausschlags bestehen bleibt. Die gefürchtete postherpetische Neuralgie hat ihre Ursache offenbar in Hinterhornatrophien und geht mit Zell-, Axon- und Myelinverlust in den betroffenen sensiblen Ganglien einher.
Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung einer PZN gehören:
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- Höheres Lebensalter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Etwa jeder zweite der über 60-Jährigen ist betroffen; bei den über 70-Jährigen sind es sogar 70%.
- Zoster ophthalmicus: Eine Gürtelrose, die das Auge betrifft (Zoster ophthalmicus)
- Starke Schmerzen während der akuten Zoster-Erkrankung: Moderater bis schwerer prodromaler oder akuter Schmerz.
- Weibliches Geschlecht
- Entwicklung von mehr als 50 Hautläsionen
- Hämorrhagische Läsionen
- Befall des Kopfes oder des Kreuzbeinbereichs
- Immunsuppression: Erkrankungen oder Medikamente, die das Immunsystem schwächen (z. B. maligne Erkrankungen, HIV-Infektion, Organtransplantation, Einnahme von Kortikosteroiden oder anderen Immunsuppressiva).
Symptome
Das Hauptsymptom der PZN sind anhaltende, oft brennende, stechende oder bohrende Schmerzen im Bereich des zuvor betroffenen Dermatoms. Die Schmerzen können konstant sein oder in Form von Attacken auftreten. Zusätzlich können folgende Symptome auftreten:
- Überempfindlichkeit der Haut: Bereits leichte Berührungen können starke Schmerzen auslösen (Allodynie).
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln
- Juckreiz (selten)
Die Schmerzen können so stark sein, dass sie den Schlaf beeinträchtigen, die Stimmung negativ beeinflussen und die Lebensqualität erheblich einschränken.
Diagnose
Die Diagnose der PZN basiert in der Regel auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der körperlichen Untersuchung. Wichtig ist, dass der Patient zuvor eine Gürtelrose hatte und die Schmerzen im gleichen Hautbereich weiterhin bestehen. In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung oder eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden, um andere Ursachen der Schmerzen auszuschließen.
Therapieansätze
Die Behandlung der PZN zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Da die Schmerzen neuropathischen Ursprungs sind, sind herkömmliche Schmerzmittel oft nicht ausreichend wirksam. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
Medikamentöse Therapie
- Lokale Betäubungsmittel: Lidocain- oder Polidocanol-haltige Salben und Auflagen haben eine lokal anästhesierende Wirkung, die genutzt werden kann. Alternativ kann man auch Pflaster mit dem Lokalanästhetikum Lidocain verwenden, welches lokal die Entstehung von pathologischen Nervenerregungen blockiert, es wird täglich für jeweils einen halben Tag aufgesetzt.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin werden häufig zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt. Sie wirken, indem sie die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) können ebenfalls bei neuropathischen Schmerzen helfen. Sie wirken schmerzlindernd, indem sie die Schmerzweiterleitung im Rückenmark beeinflussen.
- Opioide: In schweren Fällen können Opioide wie Tramadol oder Oxycodon eingesetzt werden. Aufgrund des Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur unter strenger ärztlicher Aufsicht und über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist ein Scharfstoff, der in Chilischoten vorkommt. Capsaicin-Pflaster können auf die betroffenen Hautbereiche aufgeklebt werden, um die Schmerzrezeptoren zu desensibilisieren. Die Pflaster werden einmalig für eine halbe bis eine Stunde auf die betroffenen Hautareale aufgeklebt. Eine Anwendung im Gesicht ist nicht möglich. Die erneute Anwendung an anderen Hautarealen ist nach drei Monaten möglich.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Neuraltherapie: Hierbei werden örtliche Betäubungsmittel, sogenannte Lokalanästhetika in Reflexzonen, Narben, Störfelder oder Schmerzbereiche injiziert. Meist wird das Mittel Procain verwendet. Auch Lidocain und andere „-caine“ kommen zum Einsatz, anfangs meist als „Quaddeltherapie“. Ziel ist die Selbstheilung des Organismus über das vegetative Nervensystem.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven gesendet, um die Schmerzweiterleitung zu blockieren.
- Psychotherapie: Chronische Schmerzen können die Psyche stark belasten. Eine Psychotherapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen, Stress abzubauen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Akupunktur: Bei einigen Betroffenen konnte durch Akupunktur eine Besserung der Schmerzen erzielt werden. Dabei werden kleine Nadeln an gezielten Punkten, sogenannten Triggerpunkten, eingebracht und verweilen dort für ca. eine halbe Stunde.
Invasive Verfahren
- Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden durchgeführt werden, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen. Hierbei wird ein Lokalanästhetikum in die Nähe des betroffenen Nervs injiziert. Zur Therapie der Post-Zoster-Neuralgie kommt auch eine Nervenblockade in Frage. Hierbei wird das Nervengeflecht Ganglion stellatum blockiert. Die teils heftigsten Schmerzen können so abgeschwächt werden.
- Rückenmarkstimulation: Bei der Rückenmarkstimulation werden Elektroden in den Rückenmarkkanal implantiert, um elektrische Impulse an das Rückenmark zu senden und die Schmerzweiterleitung zu modulieren.
Vorbeugung
Die beste Möglichkeit, einer PZN vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Gürtelrose. Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Herpes zoster mit dem rekombinanten, adjuvantierten Herpes-zoster-Subunit (HZ/su)-Totimpfstoff Shingrix® als Standardimpfung. Personen ab 18 Jahren, die aufgrund einer gesundheitlichen Gefährdung ein erhöhtes Risiko für Herpes zoster und seine Komplikationen haben, sollten den Impfstoff als Indikationsimpfung erhalten.
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Eine frühzeitige Behandlung der akuten Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann ebenfalls das Risiko einer PZN verringern. Die antivirale Gürtelrose-Therapie beschleunigt die Heilung und verkürzt die Dauer der Schmerzen. Voraussetzung ist, man beginnt frühzeitig damit: Mediziner empfehlen, innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags die antivirale Therapie zu starten.
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