Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen tiefgreifend verändern kann. Jährlich erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Die Folgen eines Schlaganfalls sind vielfältig und individuell verschieden. Sie hängen von der betroffenen Hirnregion, dem Ausmaß der Schädigung und der Art des Schlaganfalls ab. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Probleme, die nach einem Schlaganfall auftreten können, sowie über die Möglichkeiten der Behandlung und Rehabilitation.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird. Dies kann durch einen Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall) oder eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. In beiden Fällen erhalten die Gehirnzellen nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe, was zu Schädigungen und zum Absterben von Nervenzellen führt.
Arten von Schlaganfällen
Ischämischer Schlaganfall: Diese Form des Schlaganfalls wird durch eine Verstopfung eines Blutgefäßes im Gehirn verursacht, meist durch ein Blutgerinnsel.
Hämorrhagischer Schlaganfall: Hierbei kommt es zu einer Blutung im Gehirn, beispielsweise durch den Riss eines Aneurysmas oder aufgrund von Bluthochdruck.
Häufige Folgen eines Schlaganfalls
Die Folgen eines Schlaganfalls sind sehr unterschiedlich. Wenige Betroffene sind nach einigen Tagen wieder fit, bei anderen bleiben schwerste Behinderungen. Die Bandbreite dazwischen ist groß. Welche Folgen ein Schlaganfall mit sich bringt und wie schwer diese ausfallen, hängt vor allem von der betroffenen Hirnregion ab. Zu den häufigsten Folgen gehören halbseitige Lähmungen ebenso wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten.
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Die Folgen sind nicht immer klar voneinander abzugrenzen, lassen sich aber grundsätzlich in drei Bereiche unterteilen:
- Neurologische Folgen (körperliche Auswirkungen/Motorik)
- Neuropsychologische Folgen (Sinneswahrnehmung und kognitive Funktionen)
- Psychische Folgen (Emotionen)
Neurologische Folgen (Körperliche Auswirkungen)
- Halbseitige Lähmung (Hemiparese/Hemiplegie): Betroffene können oft unmittelbar nach dem Ereignis eine Körperhälfte nicht mehr richtig spüren und/oder kontrollieren. Die motorischen Störungen können sich insbesondere auf Gesicht, Arm und Bein auswirken. Dabei können die Betroffenen eine Körperhälfte nicht mehr richtig spüren und kontrollieren. Der Arm und/oder das Bein kann nicht bewegt werden. Die halbseitige Gesichtslähmung führt zu Schwierigkeiten beim Sprechen, Kauen und Schlucken.
- Spastik: Eine Spastik tritt in der Regel erst Wochen oder Monate nach dem Schlaganfall auf. Eine Spastik ist eine erhöhte Eigenspannung der Muskulatur. Es kann zu Krämpfen oder unkontrollierten Muskelzuckungen kommen. Ursache ist die Schädigung des Gehirns infolge eines Schlaganfalls. Der Nervensteuerung zur Aktivierung der Muskeln ist unterbrochen. Die Muskeln verkrampfen und werden steif. Die erhöhte Muskelspannung ist ein dauerhafter Zustand. Je nach Ausprägung kann es zu enormen Einschränkungen der Bewegung und alltäglichen Aktivitäten, zu eingeschränkten Greiffunktionen oder Gehstörungen sowie zu Schmerzen kommen.
- Dysarthrophonie (früher auch Dysarthrie): Eine Dysarthrophonie ist eine Beeinträchtigung der Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen. Die Sprechmotorik, Sprechbewegungen und die Sprechkoordination sind beeinträchtigt. Es kommt zu Problemen bei der Artikulation und zu einer undeutlichen Sprechweise.
- Schluckstörungen (Dysphagie): Auf eine Schluckstörung kann unter anderem eine verlangsamte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, häufiges Verschlucken, Hustenanfälle oder Atemnot hinweisen. Die Betroffenen nehmen Nahrung und Flüssigkeit langsamer auf. Zudem gehören häufiges Verschlucken, Atemnot und Hustenanfälle zu den Symptomen.
- Epileptische Anfälle: Eine epileptischer Anfall entsteht dadurch, dass Nerven im Gehirn zu viele Signale abgeben - also übermäßig aktiv sind.
- Fußheberschwäche: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten mit dem Anheben des Vorderfußes in Richtung des Schienbeins. In diesem Fall kann eine Fußheberorthese helfen.
Neuropsychologische Folgen (Sinneswahrnehmung und kognitive Funktionen)
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen: Vorübergehende oder dauerhafte Schwierigkeiten mit der Konzentration und der Aufmerksamkeit sind relativ unabhängig von der betroffenen Hirnregion. Betroffene brauchen deutlich länger für viele Aufgaben als vor dem Schlaganfall. Sie sind schnell abgelenkt oder machen Fehler, wenn sie mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. Vor allem neigen sie dazu, schnell erschöpft zu sein. Daher sind regelmäßige Pausen sehr wichtig, sodass es nicht zur völligen Erschöpfung kommt und lange Regenerationszeiten nötig werden. Laut Schätzung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe leiden bis zu 80 % aller Schlaganfall-Betroffenen insbesondere in der Akutphase unter Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Besonders betroffen ist die Fähigkeit, sich länger zu fokussieren, Ablenkungen zu widerstehen und mehrere Aufgaben zu bewältigen.
- Gedächtnisstörungen: Diese betreffen vor allem das episodische Gedächtnis, also die Erinnerung an persönliche Ereignisse, sowie das prospektive Gedächtnis, das für die Erinnerung an geplante Handlungen zuständig ist.
- Exekutive Dysfunktion: Insbesondere nach frontalen und subkortikalen Läsionen sind exekutive Funktionen wie Handlungsplanung, Flexibilität, Fehlerkontrolle und Zielausrichtung beeinträchtigt. Typische Symptome reichen von starker Antriebsarmut und Apathie bis hin zu Impulsivität, Enthemmung oder Beharrungsneigung.
- Sprachstörungen (Aphasie): Je nach Lokalisation der Schädigung können eine Broca- oder eine Wernicke-Aphasie, eine globale Aphasie oder eine mildere Variante wie eine Wortfindungsstörung auftreten. Obwohl die Intelligenz unverändert bleibt, ist das Sprachvermögen deutlich beeinträchtigt. Wie die Deutsche Hirnstiftung betont, können selbst geringe sprachliche Einschränkungen gravierende Folgen für die Kommunikation, die Selbstständigkeit und die berufliche Wiedereingliederung haben. Diese Defizite werden von Außenstehenden oft unterschätzt. Eine frühzeitige und kontinuierliche Sprachtherapie sowie die Einbeziehung des sozialen Umfelds verbessern die Prognose. Eine Sprachstörung entsteht bei einem Schlaganfall in der linken Hirnhälfte, der sprachdominanten Gehirnhälfte. Es kommt zu Problemen beim Sprechen, Lesen, Schreiben und Verstehen. Oft ist die Aphasie nach einem Hirnschlag vorübergehend und kann durch Training zurückgebildet werden. Die Sprachdefizite sind besonders belastend für die familiäre, soziale und berufliche Kommunikation.
- Neglect: Bei einem Neglect ist die Wahrnehmung der betroffenen Körperseite gestört. Ein Neglect, also das Ausblenden der gegenüberliegenden Raum- oder Körperhälfte, tritt oft nach rechtshemisphärischen Parietalläsionen auf (meist wird die linke Seite ignoriert). Betroffene übersehen dann beispielsweise Gegenstände oder Personen, stoßen sich einseitig an oder essen nur von einer Tellerhälfte. In Folge einer gelähmten oder geschwächten Körperseite ist die Wahrnehmung der betroffenen Körperseite gestört. Dies wirkt sich beispielsweise auf akustische oder optische Reize aus. D.h. die Betroffenen hören und sehen auf einer Seite nur eingeschränkt, obwohl die Sinne funktionieren.
- Apraxie: Bei einer Apraxie sind erlernte Handlungsfolgen nicht mehr korrekt ausführbar, obwohl die Motorik und die Sprache an sich intakt sind. Komplexe Bewegungsabfolgen wie das Zähneputzen oder das Ankleiden geraten durcheinander. Ursache sind in der Regel parietale Läsionen.
- Vaskuläre kognitive Störung/Demenz: Ein Teil der Patientinnen und Patienten entwickelt im Verlauf eine vaskuläre kognitive Störung bis hin zur Demenz, die sich durch kombinierte Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Exekutivdefizite sowie durch emotionale Veränderungen auszeichnet. In Folge eines Schlaganfalls kann eine Demenz entstehen, die zu einem beeinträchtigten Denk- und Urteilsvermögen, Gedächtnisverlust oder Verwirrung führt.
Psychische Folgen (Emotionen)
- Depressionen: Viele Schlaganfall-Betroffene leiden unter Depressionen. Depressive Störungen gehören zu den häufigsten neuropsychiatrischen Folgen eines Schlaganfalls. Sie äußern sich in gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Hoffnungslosigkeit, vermehrtem Grübeln, Schlafstörungen bis hin zu Suizidgedanken.
- Angststörungen: Eine Angststörung kann viele Auslöser haben. Neben depressiven Symptomen leiden viele Betroffene unter Ängsten, beispielsweise vor einem erneuten Insult, vor Abhängigkeit, Kontrollverlust oder sozialer Isolation. Typisch sind anhaltende Sorgen, Vermeidungsverhalten und körperliche Unruhe.
- Apathie: In der Akutphase kann sich beispielsweise eine ausgeprägte Apathie mit Antriebslosigkeit, Initiativmangel und fehlender emotionaler Resonanz entwickeln. Im Unterschied zur Depression werden diese Symptome jedoch nicht von Traurigkeit dominiert.
- Post-Stroke Fatigue: Diese anhaltende Erschöpfung, die sich durch Schlaf bzw. Ruhe nicht verbessern lässt, betrifft die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit gleichermaßen und schränkt das Alltagsleben oft massiv ein. Sie kann eigenständig oder zusammen mit depressiver Stimmung auftreten.
- Affektinkontinenz/Pseudobulbäre Affektstörung: Selten, aber für das Umfeld besonders belastend, ist das Auftreten von Affektinkontinenz bzw. einer pseudobulbären Affektstörung. Dabei zeigen Betroffene unwillkürliche, plötzlich einsetzende Gefühlsausbrüche wie Lachen oder Weinen, die nicht mit der eigentlichen Stimmungslage übereinstimmen.
- Reizbarkeit, Impulsivität, Aggressivität: Manche PatientInnen entwickeln nach einem Schlaganfall auch eine erhöhte Reizbarkeit, Impulsivität und gesteigerte Aggressivität.
Diagnostik neuropsychologischer Störungen
Eine differenzierte Diagnostik neuropsychologischer Störungen nach einem Schlaganfall bildet die Grundlage für eine erfolgreiche, individuelle Rehabilitation. Das Ziel besteht darin, auch unsichtbare Defizite gezielt zu erkennen und zu behandeln, um die Chancen auf eine Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben zu maximieren.
- Screening-Verfahren: Bereits im Akutkrankenhaus werden kurze Screening-Verfahren wie das Montreal Cognitive Assessment (MoCA), der Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder DemTect eingesetzt, um kognitive Störungen rasch zu erfassen.
- Detaillierte Testbatterien: Für die detaillierte Therapieplanung werden anschließend aufeinander abgestimmte Testbatterien eingesetzt, darunter Verfahren für das Gedächtnis (z. B. Wechsler Memory Scale), die Aufmerksamkeit (Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung, TAP), die Exekutivfunktionen (Behavioural Assessment of the Dysexecutive Syndrome, BADS) und die Sprache (z. B.
- Alltagsnahe Beurteilung: Neben den Testverfahren ist die alltagsnahe Beurteilung entscheidend.
- Bildgebung (CT oder MRT): Mittels Bildgebung (CT oder MRT) können Läsionen lokalisiert, alternative Diagnosen ausgeschlossen und das Ausmaß der Schädigung eingeschätzt werden.
- Prüfung der Krankheitseinsicht: Ein besonderer diagnostischer Schwerpunkt liegt auf der Prüfung der Krankheitseinsicht, beispielsweise bei einer Anosognosie. Fehlt den Betroffenen das Bewusstsein für die eigenen Einschränkungen, sinkt oftmals die Motivation zur Mitarbeit.
Prognose und Prädiktoren für den Verlauf
Nach einem Schlaganfall stehen für Betroffene und Angehörige nicht nur die aktuellen Beeinträchtigungen im Vordergrund, sondern vor allem die Frage, wie wahrscheinlich eine Rückkehr in ein selbstständiges und zufriedenes Leben ist. Anhaltende Störungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutiven Funktionen gehören zu den stärksten Prädiktoren für bleibende funktionelle Einschränkungen. Sie erhöhen das Risiko für einen langfristigen Pflegebedarf, wiederholte Krankenhausaufenthalte und eine höhere Sterblichkeit. In vielen Fällen sind diese Effekte sogar deutlicher ausgeprägt als bei motorischen Beeinträchtigungen.
Für die Alltagskompetenz sind besonders jene Fähigkeiten entscheidend, die eine selbstständige Organisation, Prioritätensetzung, Risikoeinschätzung und die Einhaltung von Routinen ermöglichen. Eine ungünstige Prognose droht insbesondere bei schweren exekutiven Defiziten, chronischer Fatigue, persistierender Depression oder fehlender Krankheitseinsicht (Anosognosie).
Behandlung und Rehabilitation
Die Behandlung neuropsychologischer Störungen ist ein zentraler Bestandteil der modernen Schlaganfallrehabilitation. Ziel ist es nicht nur, einzelne Defizite zu lindern, sondern die Lebensqualität, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe insgesamt bestmöglich wiederherzustellen. Zusätzlich können medikamentöse Interventionen - zum Beispiel zur Förderung von Aufmerksamkeit oder Stimmung - sowie psychotherapeutische Angebote zur Bewältigung emotionaler Belastungen zum Einsatz kommen.
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Entscheidend ist, dass die im Klinikalltag erreichten Fortschritte in den realen Alltag übertragen werden. Dies betrifft sowohl die Selbstversorgung und Mobilität als auch die berufliche und soziale Wiedereingliederung. Hierbei spielt die enge Abstimmung zwischen den beteiligten Disziplinen - Neurologie, Neuropsychologie, Logopädie, Ergo- und Physiotherapie sowie Sozialberatung - eine Schlüsselrolle.
Frühzeitige Erkennung und Behandlung
Eine erfolgreiche Rehabilitation nach einem Schlaganfall hängt entscheidend von der frühzeitigen Erkennung und kontinuierlichen Behandlung neuropsychologischer Störungen ab. Da sich kognitive und emotionale Einschränkungen oft schleichend entwickeln, können sie leicht übersehen werden. In modernen Schlaganfallzentren beginnt die Prävention bereits während der Akutbehandlung. Neben der medizinischen Stabilisierung sollten alle Patientinnen und Patienten routinemäßig auf kognitive und emotionale Störungen untersucht werden. Bewährte Kurztests, wie der MoCA oder Screenings für Neglect und Aphasie, ermöglichen die frühzeitige Identifizierung auch leichter Defizite.
Ambulante neuropsychologische Therapie
Seit 2012 ist die ambulante neuropsychologische Therapie eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung, sofern eine klare Indikation vorliegt und die Behandlung durch entsprechend qualifizierte Therapeutinnen oder Therapeuten erfolgt. Das Angebot reicht von Einzel- und Gruppentherapien bis zu computergestützten Trainings. Ziel ist die alltagsnahe Förderung kognitiver Fähigkeiten und die Unterstützung bei Teilhabeproblemen, etwa im Beruf. Die Zuweisung erfolgt in der Regel durch Haus- oder Fachärzte.
Multiprofessionelle Zusammenarbeit
Die bestmögliche Versorgung erfordert die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. NeurologInnen, NeuropsychologInnen, PsychiaterInnen, LogopädInnen, ErgotherapeutInnen, PhysiotherapeutInnen, Sozialdienste und Reha-BeraterInnen sollten gemeinsam Versorgungspfade gestalten. Regionale Schlaganfallzentren, spezialisierte Rehakliniken und ambulante Netzwerke erleichtern den nahtlosen Übergang zwischen Klinik, Rehabilitation und häuslicher Versorgung.
Rehabilitationstherapien
- Physiotherapie: Mit Hilfe von Krankengymnasten, Sprachtherapeuten und Ergotherapeuten sollen die Patienten die verlorengegangenen alltäglichen Fähigkeiten wie z. B. Sprechen, Schlucken, Gehen und Ankleiden wieder erlernen.
- Ergotherapie
- Bewegungstherapie
- Kunsttherapie
- Logopädie: Sprachtherapie in der Akutklinik und Rehaklinik, dauerhafte logopädische Therapie zuhause, Sprachheilbehandlung sowie das Training der Schluckfunktion, Sprachtraining per App, Online-Videos etc.
- Sozialdienst
Hilfsmittel
Es gibt zahlreiche orthopädische Hilfsmittel, die zur Unterstützung nach einem Schlaganfall empfohlen und ärztlich verordnet werden. Erfahre hier mehr darüber, welche Hilfsmittel helfen können, wieder besser und selbständiger zu gehen.
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Selbsthilfegruppen
Die Zusammenkunft mit Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, hilft bei der seelischen Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung. Als Betroffener bietet sich die Möglichkeit, sich innerhalb einer Selbsthilfegruppe gegenseitig zu unterstützen und zu motivieren. In Deutschland gibt es über 400 Schlaganfall- Selbsthilfegruppen.
Spezielle Patientengruppen
Je nach Patientengruppe können sich neuropsychologische Störungen nach einem Schlaganfall in Form, Schwere und Verlauf deutlich unterscheiden.
Jüngere Schlaganfallpatienten
Die Häufigkeit von Schlaganfällen bei Menschen unter 60 Jahren nimmt zu. Für diese meist noch im Berufs- und Familienleben stehende Gruppe bedeutet ein Schlaganfall häufig einen tiefgreifenden Einschnitt in den Lebensverlauf. Selbst leichte kognitive Einschränkungen können die Arbeitsfähigkeit, das Familienleben und die soziale Integration spürbar beeinträchtigen. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für sekundäre psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Anpassungsstörungen, da der abrupte Übergang von Selbstständigkeit zu Abhängigkeit als besonders belastend erlebt wird.
Patienten mit Vorerkrankungen
Bei Patientinnen und Patienten, die bereits unter kognitiven Störungen oder affektiven Erkrankungen leiden, fallen die Folgen eines Schlaganfalls meist stärker aus und halten länger an. Die kumulative Belastung durch die Vorerkrankung reduziert die vorhandenen Ressourcen und erschwert die Kompensation. In solchen Fällen ist eine besonders frühzeitige und umfassende Diagnostik notwendig, gefolgt von einer Therapie, die an den vorhandenen Fähigkeiten ansetzt und gezielt Ressourcen schont.
Patienten nach Mehrfachschlaganfällen
Nach mehreren oder beidseitigen Schlaganfällen sind die neuropsychologischen Störungsbilder oft besonders komplex. Oft bestehen Einschränkungen in Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen, Motivation und Emotionsregulation gleichzeitig. Diese Patientengruppe benötigt in der Regel eine langfristige, multiprofessionelle Begleitung. Technische Alltagshilfen, wie beispielsweise Erinnerungs-Apps oder elektronische Orientierungssysteme, können die Selbstständigkeit fördern.
Somit benötigen spezielle Patientengruppen eine maßgeschneiderte, flexible und oft längerfristige Versorgung.
Forschung und Zukunftsperspektiven
Die Forschung zu neuropsychologischen Störungen nach einem Schlaganfall entwickelt sich dynamisch weiter. Fortschritte in der Bildgebung und bei molekularen Markern, wie etwa funktionelle MRT-Verfahren, Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) oder genetische Analysen, ermöglichen es zunehmend, bereits früh subtile Störungen neuronaler Netzwerke zu erkennen. Auch individuelle Risikoprofile für einen ungünstigen Verlauf oder eine besonders hohe Plastizität lassen sich damit besser abschätzen. Durch Digitalisierung und Telemedizin ergeben sich neue Möglichkeiten für die Schlaganfall-Früherkennung wird natürlich auch viel an der Genetik des Schlaganfalls geforscht. Warum treten Schlaganfälle zum Beispiel in manchen Familien häufiger auf als in anderen? Woran kann man eine Art Veranlagung erkennen? An diese und ähnlichen Fragen wird stark geforscht. Zuletzt gibt es auch viele Forschungsprojekte zur Verbesserung der Regeneration und Rehabilitation nach Schlaganfall. Ein Bereich der Forschung dreht sich aktuell um die Verbesserung der Akuttherapie. Da haben wir ja mit der Thrombektomie eine sensationell wirksame neue Therapiemethode hinzugewonnen.
Prävention
Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.
Die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck und das sogenannte Vorhofflimmern. Andere Schlaganfall-Risikofaktoren, die weniger stark, aber dennoch relevant sind, sind Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörung. Wie ich schon sagte, steigt das Risiko für einen Schlaganfall mit dem Alter an. Wenn jemand älter als 70 Jahre ist, ist sein Risiko höher als bei einer Person mit 60 Jahren. Mit 80 Jahren ist das Risiko wiederum größer als mit 70 und so weiter.
Leben mit den Folgen eines Schlaganfalls
Ein Schlaganfall kann bleibende Schäden hinterlassen und das Leben von Betroffenen und Angehörigen stark beeinflussen. Was im Alltag hilft.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung sowie eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse können das Risiko für einen weiteren Schlaganfall senken. Betroffene sollten weitgehend auf Lebensmittel verzichten, die viel Cholesterin, Salz oder tierische Fette enthalten. Diese fördern Arteriosklerose und Bluthochdruck, die wiederum das Schlaganfallrisiko erhöhen.
- Soziale Kontakte: Gemeinsame Aktivitäten, Unterhaltung, Abwechslung sind unschätzbar wichtig für eine stabile psychische und physische Verfassung. Das familiäre und soziale Umfeld kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten, das emotionale Gleichgewicht wiederzuerlangen.
- Unterstützungsangebote: Es gibt eine Reihe von Unterstützungsangeboten wie Selbsthilfegruppen oder Beratungsangebote der Kliniken und Gemeinden.