Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke Kopfschmerzen auszeichnet und oft von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet wird. Bei Frauen treten Migräneattacken zwei- bis dreimal häufiger auf als bei Männern, und sie ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Hormonelle Veränderungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne, insbesondere im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft und den Wechseljahren. Viele Frauen leiden einige Tage vor der Periode unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS). Etwa jede vierte Frau ist betroffen. Schlafstörungen und ein unruhiger Schlaf stehen an der Tagesordnung, mit der Folge, dass man unausgeschlafen und unproduktiv ist. Kleinigkeiten reizen und man ist nur noch genervt. Diese Symptome sind nicht normal und sollten erst recht nicht als gegeben hingenommen werden. Es gibt Möglichkeiten, den Progesteronmangel wieder in Balance zu bringen und die Beschwerden loszuwerden.
Der weibliche Zyklus und die Rolle von Östrogen und Progesteron
Mit Beginn der Pubertät bis hin zu den Wechseljahren begleitet Frauen der monatliche Zyklus. Mit ihm bereitet sich der Körper jeden Monat aufs Neue auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Bei diesem Vorgang spielen vor allem Progesteron und Östrogen eine wichtige Rolle. Östrogen und Progesteron sind natürliche Gegenspieler. Für das Wohlbefinden der Frau, einen schmerzfreien Zyklus, die Fruchtbarkeit und beschwerdefreie Wechseljahre ist ein Gleichgewicht der beiden Gegenspieler enorm wichtig.
Östrogene (auch Estrogene) sind der Sammelbegriff für verschiedene weibliche Hormone, wie z. B. Östriol und Östradiol. Dabei wird Östradiol auch als weibliches Fruchtbarkeitshormon bezeichnet. Progesteron ist ein Gelbkörperhormon, das v. a. in den Eierstöcken, im sogenannten Gelbkörper (lat. Corpus Luteum), gebildet wird. Ist die Frau schwanger, findet die Hormonbildung in der Plazenta statt. Beide Hormone werden zyklusabhängig gebildet.
Der Zyklus hat einen ca. 28-tägigen Rhythmus. Er beginnt immer mit dem ersten Tag der Menstruation. Der weibliche Zyklus wird in zwei Hälften geteilt, die durch den monatlichen Eisprung getrennt werden.
- Follikelphase: Hier dominieren Östrogene im Körper, die dafür sorgen, dass der Follikel im Eierstock heranreift. Kurz vor dem Eisprung ist die Östrogen-Konzentration am höchsten.
- Eisprung (Ovulation): Die fruchtbare Phase findet etwa in der Mitte des Menstruationszyklus statt.
- Lutealphase (Gelbkörperphase): Hier dominiert Progesteron im Körper. Jetzt entsteht aus dem vorher gebildeten Follikel der Gelbkörper, welcher auch Progesteron genannt wird.
Fand in der zweiten Zyklusphase keine Befruchtung statt, bildet sich der Gelbkörper wieder zurück und ein neuer Zyklus beginnt. Anders ist es, wenn die Eizelle befruchtet wird. Dann bleibt die Konzentration von Östrogen und Progesteron hoch.
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Progesteronmangel: Ursachen und Auswirkungen
Bei einem Progesteronmangel wird vom Gelbkörper (Corpus Luteum) zu wenig Progesteron gebildet. Die Ursachen für einen Progesteronmangel sind vielfältig. Konsultiere daher deine Ärztin bzw. deinen Arzt, wenn du den Verdacht hast, dass eine ernst zu nehmende Ursache dahinterstecken könnte. Ein Progesteronmangel entsteht zum Beispiel in den Wechseljahren, bei einer sogenannten Gelbkörperschwäche oder durch das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Die Folgen können unregelmäßige Blutungen, Unfruchtbarkeit und Stimmungsschwankungen sein.
Mögliche Ursachen und Risikofaktoren für einen Progesteronmangel sind:
- Chronischer Stress und Burnout: Bei dauerhaftem Stress bildet dein Körper extrem viele Stresshormone. Das geht dann zulasten des Progesterons.
- Absetzen der Antibabypille: Gerade nach dem Absetzen der Antibabypille kann es zu einem Progesteronmangel kommen, da sich der Hormonhaushalt erst wieder regenerieren und regulieren muss. Wenn du über Jahre hinweg die Pille genommen hast, hattest du für einen langen Zeitraum keinen natürlichen Zyklus und der monatliche Eisprung wurde unterdrückt.
- Wechseljahre: Vor und während der Wechseljahre nimmt der Progesteronspiegel ebenfalls ab. Meist beginnt die Perimenopause, die Jahre vor der letzten Regelblutung, bei Frauen ab Mitte 40. Das Hormon-Chaos läutet den Beginn der Wechseljahre oftmals durch Symptome, wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und eine abgeschwächte Blutung ein.
- Anovulation: Darunter versteht man einen ausbleibenden Eisprung. Das heißt: Es reift zwar ein Eibläschen (Follikel) mit einer Eizelle darin im Eierstock heran, es platzt dann aber nicht auf, um die Eizelle in den Eileiter zu entlassen. In der Folge entsteht auch kein Gelbkörper (aus dem aufgerissenen Follikel), der Progesteron produzieren kann. Anovulatorische Zyklen können also zu niedrigen Progesteronspiegeln führen. Mögliche Ursachen für eine Anovulation sind zum Beispiel das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) und Schilddrüsenstörungen.
- Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz): Dieser Sammelbegriff bezeichnet Funktionsstörungen des Gelbkörpers (Corpus luteum). Er produziert nicht ausreichend Progesteron (Gelbkörperhormon), um die Gebärmutterschleimhaut ausreichend lange aufrechtzuerhalten. Die möglichen Ursachen sind vielfältig und reichen von einer unzureichenden Stimulation des Eierstocks während des Eisprungs bis hin zu anatomischen Fehlbildungen oder Störungen im Hormonsystem.
- Hormonelles Ungleichgewicht: Hormonelle Ungleichgewichte kommen ebenfalls als Ursache von Progesteronmangel in Betracht, hierunter fällt zum Beispiel eine Östrogendominanz. Auch ein niedriger Spiegel des luteinisierenden Hormons (LH) kann einen Progesteronmangel verursachen.
- Unterernährung: Ein Mangel an Nährstoffen wie Zink, Magnesium und Vitamin B6 stört die Progesteronproduktion.
- Bestimmte Medikamente: Arzneien wie orale Verhütungsmittel (etwa die „Pille“), die progesteronähnliche Wirkstoffe enthalten, und einige Antipsychotika wirken sich auf die Progesteronproduktion aus.
Die Auswirkungen eines Progesteronmangels können vielfältig sein:
- Unregelmäßige Periode: Progesteron wird benötigt, um den Menstruationszyklus zu regulieren. Niedrige Werte können zu verkürzten Zyklen, unregelmäßiger oder ausbleibender Periode führen.
- Unfruchtbarkeit: Progesteron sorgt für eine „lockere“ Struktur der Gebärmutterschleimhaut, welche die Einnistung einer befruchteten Eizelle erleichtert, und ist außerdem für den Erhalt der Schwangerschaft notwendig. Ein niedriger Progesteronspiegel zeigt sich auch an einer verkürzten Lutealphase nach dem Eisprung und kann eine Empfängnis erschweren. Bei einem Kinderwunsch spielt das Gelbkörperhormon Progesteron eine wichtige Rolle. Wird nicht genug Progesteron gebildet, kann sich die Gebärmutterschleimhaut nicht gut aufbauen.
- Stimmungsschwankungen: Progesteron hat eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn und trägt zur Regulierung der Stimmung bei. Niedrige Werte können zu Angstzuständen, Depressionen und Stimmungsschwankungen führen.
- Kopfschmerzen und Migräne: Progesteron trägt zur Regulierung der Blutgefäße bei, auch im Gehirn. Niedrige Werte lösen bei manchen Frauen Kopfschmerzen und Migräne aus.
- Brustspannen: Progesteron trägt zur Regulierung des Brustgewebes bei. Ein niedriger Progesteronspiegel erzeugt bei einigen Betroffenen ein Brustspannen.
- Müdigkeit: Progesteron hat eine beruhigende Wirkung und hilft beim Schlafen. Niedrige Werte sind mit Schlafstörungen verbunden. Zu wenig Progesteron verursacht Müdigkeit, Kopfschmerzen (besonders um die Periode) und Haarausfall.
- Komplikationen in der Schwangerschaft: Ein niedriger Progesteronspiegel während der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Komplikationen wie Fehlgeburten oder vorzeitigen Wehen. Hat eine stimmungsaufhellende Wirkung auf die Schwangere. Nach der Entbindung kommt es erneut zu einer Störung des Progesteron-Haushalts, da der Wert nun ziemlich plötzlich wieder abnimmt.
- Gewichtszunahme: Viele Frauen stellen fest, dass sich ein ausbalancierter Progesteronspiegel positiv auf die Gewichtsabnahme auswirkt. Frauen, die ungewollt an Gewicht zunehmen, leiden in der Regel unter anderem an einer Östrogendominanz. Progesteron entwässert und macht schlank, indem es die Funktion der Schilddrüse unterstützt und den Cortisolspiegel ausgleicht.
- Weitere Symptome: Bei einem Progesteronmangel können zahlreiche und verschiedene Symptome auftreten, daher fällt der Verdacht nicht so schnell auf einen Mangel des bedeutenden Hormons. Es ist wichtig, die Beschwerden ernst zu nehmen und sie von einer Ärztin bzw. einem Arzt abklären zu lassen. Am besten bist du hier bei einem Gynäkologen bzw. Hautprobleme (z.B. Wichtig: Es gibt Frauen, die bei einem Hormonungleichgewicht keine spürbaren Symptome wahrnehmen. Andere wiederum leiden unter deutlichen Beschwerden. Ein Progesteronmangel kann zu Übergewicht führen, da Progesteron eine wichtige Rolle im Stoffwechsel und in der Regulierung von Flüssigkeiten im Körper spielt. Wassereinlagerungen: Progesteron hilft normalerweise, überschüssiges Wasser aus dem Körper zu entfernen. Ungleichgewicht der Hormone: Ein niedriger Progesteronspiegel führt oft zu einem relativen Überschuss an Östrogen (Östrogendominanz). Veränderungen im Blutzuckerspiegel: Progesteron hat auch einen Einfluss auf den Blutzucker- und Insulinhaushalt. Verminderte Schilddrüsenfunktion: Progesteron unterstützt die Schilddrüsenfunktion, die den Stoffwechsel reguliert.
Menstruelle Migräne: Ein Zusammenhang mit Hormonschwankungen
Hormonschwankungen zählen zu den häufigsten Auslösern (Triggerfaktoren) von Migräneattacken. Mediziner konnten bei Migränepatientinnen beispielsweise einen Zusammenhang zwischen der Migräne und ihrer Periode entdecken. Der Einfluss der Hormone zeigt sich auch daran, dass Mädchen und Jungen vor der Pubertät relativ gleich häufig von Migräne betroffen sind.
Die Kopfschmerz-Verteilung ist ungerecht: Frauen leiden dreimal häufiger daran als Männer. Manche Frauen werden besonders oft zum Zeitpunkt der Menstruation damit geplagt, oder beim Eintritt in die Wechseljahre. Die Schmerzen entstehen, wenn der Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Blut abfällt.
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Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen. Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt im Verlauf des monatlichen Zyklus, der bei den meisten Frauen durchschnittlich 28 Tagen dauert. Bis etwa zur Hälfte des Menstruationszyklus steigt der Östrogenspiegel kontinuierlich an. Anschließend nimmt er leicht ab, um dann ein paar Tage vor der Periode wieder anzusteigen. Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst. Das Hormon Östrogen erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Wird weniger Östrogen produziert, nimmt in der Folge also auch die Menge des „Glückshormons“ Serotonin ab. Zudem schüttet der Körper während der Periode vermehrt Prostaglandin aus, einen Botenstoff, der für das Schmerzentstehen eine wichtige Rolle spielt.
Aus klinischen und experimentellen Studien ist bekannt, dass im Zusammenhang mit der Menstruation die Migräne durch einen Abfall des Östrogen- und des Progesteronspiegels ausgelöst wird. Entsprechend kann vermutlich der Abfall des Plasmaöstradiolspiegels für die Auslösung der Migräneattacke verantwortlich gemacht werden. Die absoluten Hormonspiegel scheinen dagegen nicht von Bedeutung zu sein.
Migräne in der Schwangerschaft und den Wechseljahren
In der Schwangerschaft und in den Wechseljahren ist der weibliche Hormonhaushalt vielen Veränderungen ausgesetzt. Bei etwa 80 Prozent der Migränepatientinnen bessert sich das Migräneleiden im Laufe der Schwangerschaft und Stillzeit vorübergehend. Grund dafür ist die Veränderung des Hormonhaushalts. Während einer Schwangerschaft ist der Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen konstant hoch. Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken hingegen zunehmen. Die Einnahme von Medikamenten ist während der Schwangerschaft eng mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.
Bis zu den Wechseljahren bestimmen Hormone jeden Monat den Zyklus der Frau und bereiten so eine Eizelle immer wieder auf eine mögliche Befruchtung und die Einnistung in die Gebärmutter vor. Mit zunehmendem Alter bleibt öfter ein Eisprung aus, die Produktion von Östrogen und anderen weiblichen Geschlechtshormonen in den Eierstöcken sinkt. Bis hin zur Menopause (letzte Regelblutung) treten jedoch häufig Zyklusstörungen auf. So kann beispielsweise eine Östrogendominanz entstehen, bei der eine hohe Konzentration des Hormons vorliegt. Ein starker Abfall der Östrogenkonzentration innerhalb weniger Tage kann, neben den bekannten Symptomen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, auch eine hormonelle Migräne mit sich bringen. Deswegen ist eine Verschlechterung der Migräne meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können.
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