Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Die Krankheit führt zu einer Schädigung der Myelinscheiden, die die Nervenfasern umgeben, was die Nervenleitgeschwindigkeit beeinträchtigt. In Deutschland sind etwa 100.000 bis 120.000 Menschen von MS betroffen, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer.
Ursachen und Symptome der Multiplen Sklerose
Die Ursachen der MS sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise in Form von Schüben, bei denen Symptome auftreten, die Wochen bis Monate andauern und sich dann anfänglich vollständig zurückbilden können.
Die Anzeichen von MS sind vielfältig und hängen davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Häufige Symptome sind:
- Sensibilitätsstörungen
- Missempfindungen
- Taubheitsgefühle
- Gangstörungen und Gangunsicherheit
- Sehstörungen
- Blasenstörungen
- Sexualfunktionsstörungen
Die Rolle von Entzündungsmediatoren und Prostaglandinen
Entzündungsmediatoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung vieler Krankheiten, darunter auch neurologische Erkrankungen wie MS und Morbus Alzheimer. Proinflammatorische Prostaglandine, insbesondere Prostaglandin E2 (PGE2), sind Schlüsselmoleküle in physiologischen und pathophysiologischen Prozessen im zentralen Nervensystem.
Prostaglandin E2 (PGE2):
PGE2 wird durch die Enzyme Cyclooxygenase 1 (COX-1) und Cyclooxygenase 2 (COX-2) gebildet. Unter neuropathologischen Bedingungen ist die Konzentration von Prostanoiden, die wichtige Aufgaben wie die Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus und der Körpertemperatur übernehmen, deutlich erhöht. Wissenschaftler haben in der Cerebrospinalflüssigkeit von Alzheimer-Patienten große Mengen verschiedener Prostaglandine gefunden.
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Therapieansätze und aktuelle Entwicklungen
Konventionelle Behandlungsmethoden
Der akute Schub einer MS wird in der Regel mit hochdosierten Kortikosteroiden behandelt. Zur langfristigen Behandlung werden immunmodulierende Substanzen eingesetzt, die fehlgeleitete Immunreaktionen eindämmen sollen. Dazu gehören beispielsweise ß-Interferone und Glatirameracetat.
Neue Medikamente und Forschungsansätze
In den letzten Jahren wurden neue Medikamente entwickelt, die das Einströmen von schädlichen Zellen des Immunsystems in das Gehirn unterdrücken oder bestimmte Untergruppen von Zellen zurückhalten.
Tryptophan-Metaboliten:
Dr. Michael Platten vom Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung der Eberhard-Karls-Universität Tübingen wies darauf hin, dass die essenzielle Aminosäure Tryptophan hauptsächlich durch das Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO) zu Kynureninen abgebaut wird. Dieser Abbauweg scheint ein körpereigener immunsuppressiver Mechanismus zu sein. In der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE), einem Tiermodell für Multiple Sklerose, konnten Kynurenine die Aktivierung von T-Zellen erfolgreich unterdrücken. Synthetische Derivate von Tryptophan-Metaboliten wie 3,4-DAA könnten daher eine neue Klasse antiinflammatorischer Arzneistoffe zur Behandlung von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen wie MS darstellen.
Selektive PGE2-Hemmung:
Dr. Bernd L. Fiebich von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychosomatik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg schlug vor, dass die selektive Hemmung von PGE2 einen vielversprechenden Therapieansatz darstellen könnte. Dies könnte entweder durch die Hemmung des Enzyms PGE2-Synthase oder durch PGE2-Rezeptorblocker erreicht werden.
Alternative Therapieansätze: Weihrauch und Arachidonsäure
Weihrauch:
Weihrauch enthält entzündungshemmende Substanzen, insbesondere Boswelliasäuren, die in Entzündungsreaktionen des Körpers eingreifen. Oliver Werz, Lehrstuhlinhaber für pharmazeutische Chemie der Universität Jena, stellte fest, dass Boswelliasäuren mit verschiedenen Eiweißen zusammenarbeiten, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind, insbesondere mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist. Studien haben gezeigt, dass Weihrauch-Extrakte bei rheumatoider Arthritis, Osteoarthritis, chronischen Gelenkentzündungen, Asthma und entzündlichen Darmerkrankungen wirksam sein können.
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Eine Studie der deutschen Neurologin Klarissa Hanja Stürner am Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung in Hamburg zeigte, dass die Gabe von Weihrauch-Kapseln bei Patienten mit schubförmiger MS die Zahl der Nervenschäden reduzieren und die jährliche Rate von neuen Schüben senken konnte.
Arachidonsäure:
Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, die im Körper als Ausgangsstoff für Eicosanoide dient, darunter Prostaglandine, Leukotriene und Thromboxane. Einige dieser Stoffe fördern Entzündungen, während andere heilungsfördernd wirken. Studien deuten darauf hin, dass der Arachidonsäure-Stoffwechsel bei MS verändert sein könnte. Die gezielte Hemmung von Enzymen, die an der Arachidonsäure-Verarbeitung beteiligt sind, könnte Entzündungen abschwächen.
Weitere Therapieansätze
- Sativex: Ein Medikament zur Behandlung der Spastik bei Multipler Sklerose, für das ein geringer Zusatznutzen gegenüber anderen Medikamenten festgestellt wurde.
- Alemtuzumab (Lemtrada): Ein monoklonaler Antikörper, für den ein Zulassungsantrag gegen schubförmige Multiple Sklerose bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA gestellt wurde.
- Teriflunomid (Aubagio): Eine oral verfügbare Basistherapie zur Behandlung der schubförmigen Multiple Sklerose, die in den USA zugelassen ist.
- Misoprostol: Eine Therapie-Option für MS-Patienten mit Trigeminusneuralgie, die in einer Studie bei 78 Prozent der Patienten zu einer Linderung der Neuralgie führte.
- Radiotherapie (Gamma Knife): Eine weitere Therapiemöglichkeit für Trigeminusneuralgie.
Unterstützung für MS-Patienten
Patienten mit MS erhalten medizinische Betreuung sowie Unterstützung durch Selbsthilfeorganisationen wie die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, die vor Ort verschiedene Angebote von Sozialarbeitern und Psychologen offeriert.
Auswirkungen von MS im Alltag
MS kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Eingeschränkte Mobilität, Störungen der Sinnesfunktionen und Sehstörungen sind häufige Probleme. Ob ein MS-Patient Autofahren kann, hängt vom Grad der Behinderung ab und kann nicht generell beantwortet werden.
Forschung an der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf
Die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf befasst sich schwerpunktmäßig mit Diagnose und Therapie der MS. Zahlreiche Forschungsgruppen und insgesamt fünf Professoren der Klinik widmen sich vornehmlich der Multiplen Sklerose.
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