Psychotherapie nach Hirnblutung: Rehabilitation für mehr Lebensqualität

Eine Hirnblutung ist ein einschneidendes Ereignis, das weitreichende Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen haben kann. Neben den akuten medizinischen Maßnahmen spielt die Rehabilitation eine entscheidende Rolle, um verlorengegangene Funktionen wiederzuerlangen, Kompensationsstrategien zu erlernen und die Lebensqualität langfristig zu verbessern. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Psychotherapie und Rehabilitation nach einer Hirnblutung.

Hirnblutungen: Ursachen, Folgen und die Rolle der Rehabilitation

Hirnblutungen sind Einblutungen im Inneren des Schädels, wobei zwischen intrazerebralen Blutungen (direkt im Gehirn) und extrazerebralen Blutungen (die die Hirnhäute betreffen) unterschieden wird. Sie können spontan auftreten oder durch ein Schädel-Hirn-Trauma verursacht werden. Im Gegensatz zum Schlaganfall, bei dem eine Sauerstoffunterversorgung durch mangelnde Durchblutung vorliegt, handelt es sich bei einer Hirnblutung um eine tatsächliche Einblutung. Eine Hirnblutung kann jedoch auch einen Schlaganfall auslösen und durch ihre raumfordernde Wirkung Gehirnregionen schwer schädigen. Die Unterscheidung zwischen Schlaganfällen und Hirnblutungen ist anhand der äußeren Symptomatik (Lähmungen, Sprachstörungen, Schwindel, Sehstörungen etc.) nicht möglich. Eine Bildgebung durch Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) ist immer erforderlich.

Unabhängig von der Art der Hirnblutung ist eine frühzeitige Einleitung der geeigneten Rehabilitationsbehandlung entscheidend, da dies die Erfolgsaussichten der Therapie verbessert. Der menschliche Körper und das Gehirn besitzen bemerkenswerte Regenerationsfähigkeiten, die durch gezielte Rehabilitationsmaßnahmen aktiviert werden können.

Ziele der Rehabilitation nach Hirnblutung

Das Hauptziel der Rehabilitation ist es, Patienten zu helfen, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten. Dies beinhaltet:

  • Wiederherstellung verlorengegangener Funktionen: Durch gezielte Therapien sollen motorische, sensorische, kognitive und sprachliche Fähigkeiten, die durch die Hirnblutung beeinträchtigt wurden, wiedererlangt werden.
  • Erlernen von Kompensationsstrategien: Wenn eine vollständige Wiederherstellung nicht möglich ist, werden Strategien entwickelt, um Defizite auszugleichen und alternative Wege zu finden, um alltägliche Aufgaben zu bewältigen.
  • Unterstützung bei der Umstellung des Lebensstils: Die Rehabilitation hilft Patienten, notwendige Veränderungen im Lebensstil vorzunehmen, um einen erneuten Schlaganfall zu vermeiden.
  • Förderung der Teilhabe am sozialen Leben: Ein wichtiger Aspekt ist die Wiedereingliederung in das soziale Umfeld und die Ermöglichung einer aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Phasen der Rehabilitation

Die neurologische Rehabilitation ist in verschiedene Phasen unterteilt, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Rehabilitationspotenzial des Patienten richten:

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  • Phase A: Akutbehandlung: Diese Phase findet im Krankenhaus statt, beispielsweise auf einer Stroke Unit oder der Intensivstation.
  • Phase B: Neurologische Frührehabilitation: Diese Phase schließt sich an die Akutbehandlung an und richtet sich an Patienten mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen, die eine intensive medizinische, pflegerische und therapeutische Betreuung benötigen. Patienten können bereits in der Therapie mitarbeiten; hoher medizinischer und pflegerischer Aufwand.
  • Phase C: Weiterführende Rehabilitation: In dieser Phase können die Patienten bereits aktiv an der Therapie mitarbeiten.
  • Phase D: Rehabilitation nach Abschluss der Frühmobilisation: Hier liegt der Fokus auf der weiteren Verbesserung der Funktionen und der Vorbereitung auf die Entlassung.
  • Phase E: Nachgehende Reha-Leistungen, berufliche Rehabilitation: Diese Phase umfasst ambulante Therapien und Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung.
  • Phase F: Dauerhaft unterstützende Leistungen: Diese Phase richtet sich an Patienten, die dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind.

Therapieangebote in der Rehabilitation

Die Rehabilitation nach Hirnblutung umfasst ein breites Spektrum an Therapieangeboten, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten werden. Dazu gehören:

  • Physiotherapie (Krankengymnastik): Ziel ist die Wiederherstellung motorischer Funktionen, die Verbesserung der Bewegungskontrolle und die Förderung der Mobilität. In der Schön Klinik werden Patienten bereits in der Frührehabilitation mobilisiert, wobei ihre Arme und Beine bewegt werden. Durch das passive Ausführen dieser natürlichen Bewegungen „erinnert“ sich das Gehirn eventuell an verloren geglaubte Fähigkeiten und kann sich regenerieren.
  • Ergotherapie: Die Ergotherapie konzentriert sich auf die Wiedererlangung der Alltagskompetenz und die Verbesserung der Selbstständigkeit bei alltäglichen Verrichtungen. Sie schult die Patienten auch im Umgang mit erforderlichen Hilfsmitteln.
  • Logopädie (Sprachtherapie): Die Logopädie behandelt Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Zur Diagnose von Schluckstörungen führt die Logopädie in Zusammenarbeit mit der Radiologie Videofluoroskopien des Schluckaktes durch. Viele Patienten kommen mit schweren Schluck- und Atemstörungen in die Klinik und müssen künstlich beatmet und ernährt werden. Eines der obersten Ziele ist es daher, den Patienten durch die spezielle Schluck- und Sprechtherapie wieder ein selbstständiges Atmen und Schlucken zu ermöglichen.
  • Neuropsychologie: Die Neuropsychologie behandelt kognitive Störungen, wie Konzentrations-, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen. Sie übt die beeinträchtigten Funktionen gezielt und verbessert so die Selbstversorgungsfähigkeit.
  • Psychosoziale Hilfen: Psychologische und pädagogische Angebote helfen, die Krankheitsfolgen zu verarbeiten, die seelische Stabilität zu fördern und die soziale Kompetenz zu stärken.
  • Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für den Genesungsprozess. Die Ernährungsberatung unterstützt Patienten bei der Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten.
  • Aktivierende Pflege: Im Bereich der Rehabilitation für noch hilfebedürftige Patienten ist auch die aktivierende Pflege durch das Pflegepersonal Bestandteil der Therapie.

Moderne Technologien in der Rehabilitation

Moderne Technologien spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Rehabilitation nach Hirnblutung. Dazu gehören:

  • Armroboter: In der Schön Klinik können gelähmte oder funktionseingeschränkte Arme mit speziellen Armrobotern trainiert werden. Dadurch werden Nervenzellen angeregt, der Muskelaufbau gefördert und die Koordination verbessert.
  • Computergestützte Therapie: Computergestützte Übungsprogramme können zur Verbesserung kognitiver Funktionen, der Feinmotorik und der Sprachfähigkeiten eingesetzt werden.
  • Lokomat: Einige Therapiezentren bieten hocheffektives Training am "Lokomat" an, einem robotergestützten Gangtrainer.

Spezielle Aspekte der Rehabilitation bei schweren Bewusstseinsstörungen

Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma mit anfänglichem Koma entwickeln manche Patienten eine bleibende schwere Bewusstseinsstörung, ein sogenanntes „Syndrom reaktionsloser Wachheit“ (früher: apallisches Syndrom oder auch Wachkoma) oder ein „Syndrom minimalen Bewusstseins“ (englisch: minimally conscious syndrome). Ursache ist eine Entkoppelung weitgehend intakter Hirnstammfunktionen vom geschädigten Großhirn. Im Langzeitverlauf erlangen bis zu 50 Prozent der Patienten ihr Bewusstsein wieder zurück.

Bei Patienten mit schweren Bewusstseinsstörungen sind intensive Rehamaßnahmen, wie Physio- und Ergotherapie notwendig, um Komplikationen zu vermeiden. Lange Bettlägerigkeit kann zu Gelenkversteifungen, Osteoporose, einem Rückgang der Herzaktivität, Verdauungsstörungen, Infektionsanfälligkeit und Thrombosen führen. Über gezielte Sinnesreize wird die Wahrnehmung angesprochen. Berührungen, Bewegungen, bestimmte Gerüche oder auch Musik sollen die Patienten animieren und einen Kontakt mit der Umwelt anbahnen. In der Schön Klinik reden Ärzte, Pfleger und Therapeuten mit den Patienten: Wenn sie das Zimmer betreten, grüßen sie die Patienten, und bevor sie sie berühren, weisen sie die Patienten darauf hin. Das Team achtet darauf, die Patienten nicht zu erschrecken und sie nur mit warmen Händen zu berühren. Wichtig sind auch kurze, regelmäßige Besuche durch ein bis zwei Bezugspersonen.

Ambulante Therapie und Nachsorge

Auch nach Abschluss der stationären Rehabilitation ist eineFortsetzung der Therapie sinnvoll, um die erreichten Fortschritte zu festigen und die Lebensqualität langfristig zu erhalten. Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

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  • Ambulante Rehabilitationszentren: Diese Zentren bieten ein breites Spektrum an Therapien an, die Patienten regelmäßig besuchen können, während sie weiterhin zu Hause wohnen.
  • Niedergelassene Therapeuten: Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Neuropsychologen können die Therapie auch in ihren Praxen fortsetzen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wertvolle Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und der Bewältigung des Alltags sein.

Das Behandlungsteam wird zum Ende der Rehabilitation die weitere, ambulante Versorgung mit dem Patienten bzw. seinem Angehörigen besprechen und ggfs. erste Schritte in die Wege leiten. Der Hausarzt erhält einen Bericht über den Verlauf der Rehabilitation.

Die Rolle der Angehörigen

Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozess. Sie können den Patienten unterstützen, indem sie:

  • An den Therapien teilnehmen: Dies ermöglicht es ihnen, die Therapieansätze kennenzulernen und den Patienten zu Hause besser zu unterstützen.
  • Den Patienten motivieren: Ermutigung und positive Verstärkung können dem Patienten helfen, seine Ziele zu erreichen.
  • Eine unterstützende Umgebung schaffen: Eine verständnisvolle und unterstützende Umgebung kann dem Patienten helfen, mit den Folgen der Hirnblutung umzugehen.

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