Die Wissenschaft hat noch nicht vollständig entschlüsselt, welche Funktionen der Schlaf für Körper und Geist erfüllt. Bekannt ist jedoch, dass während der verschiedenen Schlafphasen unterschiedliche Prozesse ablaufen. Der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement), auch Traumschlaf genannt, spielt eine wichtige Rolle bei der Verfestigung von Gedächtnisinhalten. Der Tiefschlaf hingegen dient der körperlichen Regeneration. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Schlafstörungen, insbesondere im REM-Schlaf, mit einem erhöhten Risiko für Demenz, insbesondere Alzheimer, in Verbindung stehen könnten.
Tiefschlaf als "Waschgang" für das Gehirn
Eine Studie des Forschungszentrums Jülich unter der Leitung von Dr. Merle Hönig untersuchte die Rolle des Tiefschlafs bei der Vorbeugung von Alzheimer. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Tiefschlafphasen eine entscheidende Rolle bei der Beseitigung schädlicher Substanzen aus dem Gehirn spielen.
Während des Tiefschlafs laufen im Gehirn Reinigungsprozesse ab, bei denen schädliche Substanzen wie Amyloid-beta und Tau-Proteine abtransportiert werden. Diese Proteine gelten als mögliche Ursache für Alzheimer. Bei Menschen mit Alzheimer könnte dieser Reinigungsprozess gestört sein, was zur Anhäufung dieser Proteine und schließlich zum Absterben von Nervenzellen führen könnte.
Im Durchschnitt verbringt ein Mensch etwa 1,5 Stunden pro Nacht im Tiefschlaf, aufgeteilt in vier Phasen. Die Dauer des Tiefschlafs scheint für die Gesundheit des Gehirns entscheidend zu sein. Verkürzte Tiefschlafphasen über einen längeren Zeitraum gelten als Risikofaktor für Alzheimer.
Die Studie verglich die Dauer der Tiefschlafphasen von Menschen im Frühstadium von Alzheimer mit denen einer gesunden Kontrollgruppe. Die Alzheimer-Patienten hatten kürzere Tiefschlafphasen und wachten nachts häufiger auf. Positronen-Emissions-Tomographie (PET)-Scans bestätigten, dass kürzere Tiefschlafphasen mit einer erhöhten Ablagerung von Amyloid-beta- und Tau-Proteinen einhergingen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass kürzere Tiefschlafphasen die Ansammlung von Alzheimer-typischen Proteinen im Gehirn beschleunigen. Es bleibt jedoch unklar, ob die Länge des Tiefschlafs den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung vorhersagen kann und ob andere Schlaffaktoren, wie z. B. die Schlafqualität, die Entstehung von Alzheimer beeinflussen.
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Die Bedeutung des REM-Schlafs für das Gedächtnis
Der REM-Schlaf, auch Traumschlaf genannt, ist wichtig für die Festigung von Gedächtnisinhalten. Wenn der REM-Schlaf ausfällt oder stark verkürzt ist, kann dies langfristig die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. REM-Schlafstörungen gelten daher als potenzieller Risikofaktor für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson.
Melbourne - Eine Beobachtungsstudie von Forschern um Matthew Pase an der Swinburne University ergab, dass Menschen, die im höheren Alter nachts nur wenig REM-Schlaf haben, langfristig ein erhöhtes Demenzrisiko haben könnten. Sie stellten fest, dass eine relative Reduktion der REM-Schlafzeit von einem Prozent das Alzheimerrisiko um neun Prozent steigerte.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) als Frühwarnzeichen
Eine besondere Form der Schlafstörung, die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD), steht in engem Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen. Bei der RBD verlieren die Betroffenen die muskuläre Lähmung im Traumstadium und agieren ihre Träume körperlich aus. Studien zeigen, dass 80 bis 100 Prozent der Menschen mit RBD innerhalb weniger Jahre eine Erkrankung wie Parkinson oder Demenz entwickeln.
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) wurde erstmals 1986 von dem amerikanischen Schlafforscher Carlos Schenck beschrieben. Charakteristisch für die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist, dass die sonst im REM-Schlaf blockierte Muskelaktivität teilweise vorhanden ist. Dadurch kann bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung der Traum teilweise in Aktionen umgesetzt (ausagiert) werden. Da die Trauminhalte meist einen aggressiven Charakter haben, bewegen sich die Patientinnen und Patienten zum Teil heftig. Sie wehren sich im Traum, schreien, schlagen um sich oder versuchen zu fliehen. Die Betroffenen sind schnell erweckbar und erinnern sich an die Inhalte des Traumes gut. Aus bisher ungeklärten Gründen wird die RBD hauptsächlich bei Männern diagnostiziert. Um eine Diagnose zu stellen, werden in der Regel spezielle Fragebögen verwendet und die Krankengeschichte einbezogen. Bei eindeutigem Verdacht auf das Vorliegen einer RBD wird eine Schlafuntersuchung im Schlaflabor unter Videokontrolle vereinbart (Polysomnographie mit Video-Aufzeichnung). Hier kann man die „körperlichen“ Ereignisse einem Schlafstadium zuordnen und kann gleichzeitig die Muskelaktivität im REM-Schlaf beurteilen. Eine eindeutige Diagnose ist nur mit Hilfe einer Polysomnographie möglich.
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist gut medikamentös behandelbar. Zum Einsatz kommen beispielsweise das krampflösende und beruhigende Medikament Clonazepam (Handelsname Rivotril) und Melatonin - ein Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. Eine Behandlung mit Clonazepam oder Melatonin verringert allerdings nicht das Risiko im weiteren Verlauf an Parkinson zu erkranken. Daher sind regelmäßige neurologische Kontrollen notwendig. Generell sind körperliche Aktivität und Sport zu empfehlen. Wichtig für Betroffene ist, dass sie sich selbst oder andere bei ihren aktionsgeladenen Träumen nicht verletzen. Spitze oder schwere Gegenstände sollten daher nicht in greifbarer Nähe sein. Nachttische und andere Möbel räumt man besser weg, wenn man sich daran verletzten kann. Hilfreich können auch ein weicher Teppich oder eine Matte vor dem Bett sein, falls man herausfällt. Menschen mit schwerer REM-Schlaf-Verhaltensstörung sollten eventuell alleine schlafen oder zumindest ein größeres Kissen zwischen sich und die andere Bettseite legen.
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Wenn die RBD isoliert auftritt, haben die hiervon Betroffenen ein Risiko von bis zu 80 Prozent, innerhalb von 10-15 Jahren an einer neurodegenerativen Erkrankung wie der Parkinson-Krankheit oder der Lewy-Körper-Demenz zu erkranken. Wer also an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leidet, darüber hinaus eine Riechstörung hat und merkt, dass er vergesslicher wird oder sich nicht mehr so gut orientieren kann wie früher, sollte sich ärztlichen Rat holen. Die richtigen Ansprechpartner sind Neurologinnen und Neurologen, am besten mit einer Spezialisierung im Bereich Schlafstörungen. Hier können Betroffene klären lassen, ob bereits Symptome für die Parkinson-Krankheit oder die Lewy-Körper-Demenz nachweisbar sind.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung – RBD
Die RBD, die zu den sogenannten Parasomnien zählt, kann somit als Symptom eines IMP oder einer LBD gesehen werden, sie kann symptomatisch auch bei weiteren Hirnschädigungen jeglicher Art (Ischämien, Tumoren, MS), durch entzündliche Prozesse oder auch unter der Gabe bestimmter Medikamente (u.a. Antidepressiva) auftreten. Sie ist aber auch als isoliertes Krankheitsbild im Sinne einer idiopathischen RBD (iRBD) beschrieben. Die RBD ist durch eine fehlende Hemmung des physiologisch verminderten Muskeltonus im REM-Schlaf und eine damit einhergehende erhöhte Muskelaktivität charakterisiert. Als Folge treten motorische Bewegungen während des REMSchlafs auf. Dadurch kommt es u.a. zum Ausagieren von Trauminhalten bis zu fremd- oder selbstschädigendem Verhalten. Beim Wecken berichten die Patienten häufig über Trauminhalte, die mit den beobachteten Bewegungen übereinstimmen. Ursache der fehlenden Hemmung ist als Hauptläsionsort der pontine Coeruleus- Subcoeruleus-Komplex, indem durch die Läsion der inhibitorische Input auf die Muskelaktivität wegfällt. Zusätzliche Schlafprobleme treten bei RBD lediglich im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf und sind durch eine signifikant verminderte Gesamtschlafzeit charakterisiert. Sowohl die NREM-Stadien als auch der REM-Schlaf scheinen nicht wesentlich verändert zu sein. Darüber hinaus treten kognitive Defizite v.a. auf der Ebene des deklarativen Gedächtnisses und der Visuokonstruktion, aber auch in Teilbereichen der exekutiven Funktionen auf. Bisher ist jedoch nicht geklärt, welche Patienten mit RBD eine der o.g. Krankheiten entwickeln und wie diese Patienten sich von denen mit einer idiopathischen RBD unterscheiden lassen. Forschungsergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass sich RBD-Patienten, die im weiteren Krankheitsverlauf eine Alpha-Synuklein-bedingte Erkrankung entwickeln, im Vergleich zu iRBD-Patienten in einigen Symptomen signifikant unterscheiden. So geht eine RBD bei Patienten, die eine Beeinträchtigung im Farbensehen haben, signifikant häufiger in eine Alpha-Synukleinopathie über und geht – wie das Symptom der Hyposmie – der Entwicklung einer Alpha-Synukleinopathie um ca. 5 Jahre voraus. Da die RBD wie oben beschrieben in einen IMP und eine LBD übergehen kann, sollten die betroffenen Patienten immer gut in Hinblick auf die Entwicklung motorischer wie auch kognitiver Störungen untersucht werden.
Schlafstörungen bei Lewy-Körper-Demenz und Morbus Parkinson
Patienten mit Lewy-Körper-Demenz weisen neben dem Auftreten einer RBD weitere Veränderungen des Schlafs auf. Die Schlafeffizienz ist vermindert, der Wachanteil nach Schlafbeginn ist erhöht mit vermehrten Arousal- Reaktionen, zudem kommt es mit zunehmendem Alter zu einer Reduktion des REM-Schlafs und einer Verlangsamung der Frequenzen im REM-Schlaf. Die Verlangsamung der REM-Schlaf-Frequenz bei RBD-Patienten ist mit dem Auftreten von kognitiver Verschlechterung verbunden. Zudem muss bei diesen Patienten auch auf das Vorliegen weiterer primärer Schlafstörungen wie schlafbezogener Atemstörungen und Restless Legs oder auch periodischer Beinbewegungen während des Schlafs („periodic limb movement during sleep“, PLMS) geachtet werden.
Neben dem möglichen Vorliegen einer RBD hängen die bei Patienten mit IMP auftretenden Schlafstörungen sowohl von der Dauer als auch der Ausprägung und Progredienz der Krankheit ab. Dabei tritt neben einer Reduktion der Schlafeffizienz bzw. der Gesamtschlafzeit auch eine Störung der Schlafarchitektur auf. Auf kognitiver Ebene entwickeln IMP-Patienten regelmäßig Defizite in Teilen der exekutiven Funktionen, des Arbeitsgedächtnisses wie auch des deklarativen Gedächtnisses. Bei bis zu 50 % der Patienten entwickelt sich im Verlauf der Erkrankung eine Demenz. Schlafstörungen gehören zu den häufigsten nicht motorischen Symptomen beim IMP, nahezu jeder Patient mit IMP leidet im Verlauf der Erkrankung darunter. Am häufigsten sind Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, nächtliche Akinese und REM-Schlaf-Verhaltensstörung („REM sleep behaviour disorder“, RBD) mit nächtlichen Vokalisationen und komplexen Bewegungen. Diese Schlafstörungen nehmen mit Progression der Krankheit zu, ebenso die Tagesschläfrigkeit. Schwere Schlafunterbrechungen sind besonders häufig bei älteren Patienten mit On-off-Phänomen oder Halluzinationen. Plötzliches Einschlafen während des Tages tritt etwa 7-mal häufiger bei Parkinsonpatienten als bei gesunden Älteren auf, abhängig von der Dauer der Erkrankung und in Zusammenhang mit der Gabe von L-Dopa.
Therapie der idiopathischen RBD sowie der RBD bei IMP und LBD
Erstes Ziel bei der Behandlung der RBD muss die Sicherheit des Betroffenen und des Bettnachbarn wegen der erhöhten Verletzungsgefahr beim Ausagieren der Träume sein. Die Schlafumgebung sollte so eingerichtet sein, dass ein maximaler Schutz für den Betroffenen besteht. In einem nächsten Schritt sollte die Medikation im Hinblick auf mögliche auslösende oder verstärkende Effekte auf eine RBD überprüft und ggf. eine Umstellung der Medikation vorgenommen werden.
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Die Behandlung der IMP- und LBDassoziierten RBD und der iRBD unterscheiden sich prinzipiell nicht. Pharmakologisch stehen für die Behandlung der RBD hauptsächlich Clonazepam und Melatonin zur Verfügung, wobei die Evidenzlage für beide Substanzen gering ist. Durch Clonazepam wird die phasische REM-Schlaf- Aktivität reduziert, eine Wirkung auf die tonische REM-Aktivität liegt nicht vor (Einnahme 30min vor dem Zubettgehen, Dosierung 0,25 bis 2mg). Eine Alternative ist Melatonin in einer Dosierung von 3–12mg ca. 2 Stunden vor dem Zubettgehen. Weitere Medikamente, die beschrieben wurden, sind Rivastigmin, Imipramin, Gabapentin, Carbamazepin, Clonidin, Clozapin, Quetiapin, Pramipexol. Es kann auch ein Behandlungsversuch mit REMSchlaf unterdrückenden Antidepressiva (v.a. SSRI, SNRI) vorgenommen werden.
Unter der ursächlichen Behandlung mit Dopamin-agonistischen Substanzen bei IMP oder Cholinesterasehemmern bei LBD kann es – durch die dadurch induzierte Zunahme des REM-Schlafs – auch zu einer Verschlechterung der RBD kommen, wenngleich für Donepezil auch ein positiver Effekt beschrieben ist. Daher ist beim Einsatz von Cholinesterasehemmern und dopaminergen Substanzen auf eine mögliche Entwicklung oder Intensivierung einer RBD zu achten und ggf. die Medikation anzupassen.
In jedem Fall sollten bei beiden Erkrankungen eine möglichst optimale Einstellung und Behandlung der Grunderkrankung vorgenommen werden.
Schlafprobleme ernst nehmen und frühzeitig handeln
Schlafprobleme sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wer längere Zeit unter Schlafstörungen leidet, sollte ärztlichen Rat einholen. Regelmäßiger, erholsamer Schlaf kann dazu beitragen, das Risiko einer Demenz zu senken. Guter Schlaf schützt die kognitive Funktion und kann neurodegenerativen Erkrankungen entgegenwirken. Er ist damit ein relevanter Lebensstilfaktor zur Prävention. Wer seine Schlafqualität verbessert, kann demnach aktiv sein Demenzrisiko senken. Eine hochwertige Luftkernmatratze kann dazu beitragen den Schlaf zu verbessern. Auch kann die Ernährung oder Sport helfen keine Demenz zu entwickeln, die Ernährung sollte mediterran sein. Bedeutet reich an Obst, Gemüse, Fisch und Vollkornprodukten.
Veränderungen im Schlafmuster können subtile Anzeichen für Demenz sein und oft lange vor einer offiziellen Diagnose auftreten. Die optimale Schlafdauer für ältere Menschen liegt laut Experten bei sieben bis acht Stunden pro Nacht. Neben der Gesamtdauer des Schlafes ist auch die Qualität entscheidend. Schlafstörungen oder eine fragmentierte Schlafarchitektur mit verkürztem REM-Schlaf gelten als kritisch.
Da es derzeit keine Therapie gibt, die Demenz heilen kann, kommt der Prävention besondere Bedeutung zu. Empfehlungen beinhalten regelmäßige Schlafzeiten, körperliche Aktivität, Schlafhygiene sowie ärztliche Abklärung bei auffälligem Schlafverhalten.