Restless Legs Syndrom: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Das Restless Legs Syndrom (RLS), auch bekannt als Syndrom der unruhigen Beine, ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang der Beine gekennzeichnet ist, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen. Diese Symptome treten typischerweise in Ruhephasen auf, insbesondere abends und nachts, was zu Schlafstörungen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann. Die Erkrankung ist weit verbreitet und betrifft etwa 3 bis 10 % der Bevölkerung, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Was ist das Restless Legs Syndrom?

Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Es zählt zu den Schlafstörungen und ist durch einen zwanghaften Bewegungsdrang in Verbindung mit Parästhesien gekennzeichnet. Thomas Willis beschrieb bereits 1672 die Symptomatik des Restless Legs Syndroms. Der schwedische Neurologe Karl-Axel Ekbom erkannte 1945, dass es sich beim Restless Legs Syndrom um eine eigenständige Erkrankung handelt.

Symptome des Restless Legs Syndroms

Namensgebend für das RLS ist der zwanghafte Bewegungsdrang der Beine, manchmal auch der Arme und anderer Körperteile. Begleitet wird der Bewegungsdrang meist von Parästhesien. RLS-Patienten beschreiben Missempfindungen wie:

  • Kribbeln
  • Brennen
  • Stechen
  • Klopfen
  • Brodel
  • Spannungs- oder Druckgefühl
  • Schmerzen

Typisch ist, dass sich die Symptomatik in Ruhephasen vor allem nachts vor dem Einschlafen oder während des Schlafs auftritt. Bewegung oder geistige Aktivität lindern die Symptome kurzfristig. Bei einem hochgradigen RLS wird ruhiges Sitzen, Liegen oder Schlafen für den Patienten fast unmöglich. Patienten mit hochgradigem RLS meiden Situationen, die ein langes Stillsitzen erfordern, wie beispielsweise Theaterbesuche, lange Bus- oder Flugreisen, Versammlungen oder Sitzungen. Bei reger geistiger Aktivität, z. B. konzentriertem Arbeiten oder Ansehen eines spannenden Films, wird der Bewegungsdrang als nicht so belastend wahrgenommen.

Die Hauptmerkmale des RLS sind:

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  • Bewegungsdrang: Ein unkontrollierbarer Drang, die Beine zu bewegen, manchmal auch die Arme oder andere Körperteile.
  • Parästhesien: Unangenehme Empfindungen in den Beinen, die als Kribbeln, Brennen, Stechen, Klopfen, Brodeln, Spannungs- oder Druckgefühl beschrieben werden können. Auch Schmerzen können begleitend auftreten.
  • Ruheabhängigkeit: Die Symptome treten oder verstärken sich in Ruhephasen, wie z.B. beim Sitzen oder Liegen.
  • Besserung durch Bewegung: Bewegung, wie z.B. Gehen oder Dehnen, lindert die Symptome kurzfristig.
  • Zirkadiane Variation: Die Symptome sind abends und nachts stärker ausgeprägt.

Die Symptome können nicht nur an den Beinen, sondern selten auch an den Armen und sogar an Rumpf und Kopf auftreten. Der Drang, die Beine zu bewegen, kann willentlich unterdrückt werden, aber letztlich müssen die Beine bewegt werden. Die Missempfindungen können insbesondere beim Einschlafen hinderlich sein und so zu einem Schlafmangel mit starker Tagesmüdigkeit führen.

Folge- und Begleiterscheinungen

Die nächtlichen Anfälle haben erhebliche Ein- und Durchschlafstörungen zur Folge, so dass RLS-Patienten häufig unter Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Leistungseinbußen leiden. Bei Patienten mit RLS treten vermehrt Funktionsstörungen auf, die mit einem erhöhten Unfallrisiko im Haushalt oder Verkehr sowie Einbußen der Arbeitsproduktivität bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes führen können. Die Patienten empfinden ihre Lebensqualität als deutlich eingeschränkt. Depressionen können das RLS begleiten.

Rund 80 % der RLS-Patienten leiden zusätzlich unter von periodischen Beinbewegungen (engl. Periodic Limb Movement, PLM), die im Schlaf aber auch im Wachzustand auftreten können. Die PLM ist durch repetitives (üblicherweise alle 20-40 s) Zucken oder Strampeln der Extremitäten gekennzeichnet. Bei den PLM treten keine Missempfindungen auf. Wenn die PLM im Schlaf (PLMS) auftreten, wachen die Patienten meist auf, ohne zu wissen warum.

Ursachen des Restless Legs Syndroms

Die Ursachen des RLS sind vielfältig und nicht vollständig geklärt. Grundsätzlich wird zwischen dem idiopathischen (primären) und dem sekundären RLS unterschieden.

Idiopathisches RLS

Die Ursachen für das idiopathische Restless Legs Syndrom sind nicht zufriedenstellend geklärt. Aufgrund des Ansprechens der Patienten auf dopaminerge und opioderge Substanzen geht man davon aus, dass die entsprechenden Neurotransmittersysteme an dem Krankheitsbild beteiligt sind. Möglicherweise liegt dem idiopathischen RLS eine komplexe Störung des zerebralen Eisenspeichers zugrunde, der zu einer Dysregulation des dopaminergen Systems führt. Über 50% der Patienten mit einem idiopathischen RLS haben eine positive Familienanamnese.

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Aufgrund der familiären Häufung wurden genomweite Assoziationsstudien durchgeführt. Dabei wurden genetische Risikovarianten in genomischen Regionen identifiziert, in denen die Gene MEIS1, BTBD9, LBXCOR1, SCOR1/MAP2K5, PTPRD und TOX3 zu finden sind. Bei diesen Genen handelt es sich um häufige genetische Varianten mit Allelfrequenzen bei >10 % der Allgemeinbevölkerung. Ob und welche Funktionen diese annotierten Gene im Zusammenhang mit dem RLS tatsächlich haben, ist bislang unbekannt.

Es wird ein Zusammenhang mit einem gestörten Eisenstoffwechsel in bestimmten Regionen des Gehirns vermutet. Hier kommt es wahrscheinlich zu einer Störung des Stoffwechsels des Botenstoffs Dopamin, was dann die Symptome hervorruft. Der genaue Mechanismus ist bisher nicht bekannt.

Sekundäres RLS

Die häufigste Ursache für ein sekundäres RLS ist die dialysepflichtige Niereninsuffizienz. An zweiter Stelle stehen Eisenmangel mit oder ohne Anämie (Ferritin Wert < 50 µg/l) und Schwangerschaft. Etwa 50% der Schlafstörungen in der Schwangerschaft sollen auf ein RLS zurückzuführen sein. Dopaminantagonisten (z. B. Neuroleptika, Antidepressiva) können ein RLS hervorrufen. Die möglichen Ursachen im Überblick:

  • Niereninsuffizienz (dialysepflichtig)
  • Eisenmangel
  • Schwangerschaft
  • Dopaminantagonisten
  • Polyneuropathien
  • Radikulo- und Myelopathien
  • Syringomyelie
  • Parkinson-Syndrom
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Folsäuremangel
  • Zöliakie
  • Friedreich-Ataxie (Morbus Friedreich)
  • Rheumatoide Arthritis
  • Hyper- oder Hypothyreose
  • seltene Erkrankungen (z. B.

Manchmal tritt das RLS gemeinsam mit einer Blutarmut durch Eisenmangel (Eisenmangelanämie) oder bei Betroffenen mit Nierenfunktionsstörungen auf. Es kann auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen und in der Schwangerschaft auftreten. Manchmal tritt das RLS gemeinsam mit einer Nervenschädigung an den Beinen (Polyneuropathie) auf. Das kann die Symptome verstärken. Bestimmte Medikamente können ein RLS begünstigen. Die Symptome des RLS werden durch Erschöpfung verstärkt. Außerdem besteht eine Tendenz zur Verschlechterung bei warmem Wetter im Sommer. Alkoholkonsum vor dem Schlaf kann die Symptome verstärken.

Diagnose des Restless Legs Syndroms

Die Diagnose Restless Legs Syndrom (RLS) wird anhand der klinischen Symptome gestellt. Vier essenzielle Kriterien müssen für die Diagnose RLS erfüllt sein.

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  • Bewegungsdrang der Beine (u. U. auch der Arme), meist verbunden mit unangenehmen Parästhesien oder Schmerzen
  • Auftreten oder Verstärkung des Bewegungsdrangs in Ruhe und Entspannung
  • Besserung oder Aufhören der Symptomatik bei Bewegung (weitere Strategien zur Linderung Massagen, kalte Duschen, Bürsten oder Reiben)
  • Überwiegen der Beschwerden am Abend und in der Nacht (Differenzialdiagnostisch wichtig zur Abgrenzung des idiopathischen RLS zu sekundären Formen durch Medikamente oder Polyneuropathien)

Die klinische Diagnose RLS basiert dabei auf einer ausführlichen und gezielten Anamnese, die aus mehreren Gründen eine Herausforderung sein kann. So werten Patienten, die das Restless Legs Syndrom nicht kennen, das Symptom Bewegungsdrang häufig nicht als Zeichen einer Erkrankung, sondern als Ausdruck einer persönlichen Eigenart oder allgemeiner Nervosität. Die Patienten beschreiben bei der Erstkonsultation von sich aus häufig nur die Parästhesien und die Schlafstörungen, die aufgrund ihrer Folgeerscheinungen als besonders belastend empfunden werden. Dazu kommt, dass Parästhesien wie Schmerzen für den Patienten im Vordergrund stehen, weil sie für ihn besonders quälend oder beängstigend sind. Bei der Schilderung von Schlafstörungen oder Parästhesien sollte daher aktiv nach Bewegungsdrang nachgefragt werden. Darüber hinaus ist es für viele Patienten sehr schwierig, die Symptome des RLS zu beschreiben, weil sie keine vergleichbaren Beschwerden kennen. Es besteht hier die Möglichkeit, dass RLS ähnliche Symptome („RLS Mimics“) z. B. durch Muskelkrämpfe, venöse Insuffizienz, Beinödeme, Arthritis, lagebedingte Dysästhesien, für Symptome der RLS gehalten werden.

Unterstützende Kriterien

Die aufgrund der Symptomatik gestellte Diagnose RLS wird durch folgende Kriterien unterstützt:

  • positiver L-Dopa-Test
  • positive Familienanamnese
  • periodische Beinbewegungen (PLM) im Schlaf (PLMS) und im Wachen (PLMW)

Die unterstützenden Kriterien müssen nicht zwingend bei jedem RLS-Patienten vorhanden sein. Der L-Dopa-Test zeigt an, ob das Beschwerdebild des Patienten auf dopaminerge Substanzen anspricht. Er hat eine hohe Sensitivität von 80-88% und eine 100%ige Spezifität. Eine positive Familienanamnese besteht je nach Untersuchung bei bis zu zwei Drittel der Patienten.

Diagnostik bei PLM

Da viele Patienten mit RLS auch unter PLM leiden, sollte auch diese Erkrankung diagnostisch abgeklärt werden. Folgende Diagnosekriterien sprechen für ein PLM:

  • Im Polysomnogramm sind periodische Beinbewegungen im Schlaf aufgezeichnet
  • Der PLMS-Index (Anzahl der PLM pro Stunde Schlafzeit) beträgt > 5/h bei Kindern und > 15/h bei Erwachsenen
  • Der Patient hat Schlafstörungen und leidet unter Tagesschläfrigkeit
  • Die PLM können nicht durch andere Erkrankungen, Medikamente oder Substanzmissbrauch erklärt werden

Klinische Untersuchung

Der klinisch-neurologische Befund ist bei Patienten mit idiopathischem RLS meist unauffällig. Differenzialdiagnostisch müssen im Rahmen der neurologischen Untersuchung Polyneuropathien und Radikulopathien ausgeschieden werden. Es gibt Studien, die bei RLS-Patienten von einem erhöhten Neurotizismus-Score, Ängstlichkeit und Depression berichten. Es ist unklar, ob diese Beschwerden direkt auf das RLS oder eher auf die Schlafstörungen zurückzuführen sind. Der psychopathologische Befund ist bei Patienten mit einem RLS in der Regel unauffällig.

Restless-Legs-Diagnose-Index

Der Restless-Legs-Diagnose-Index (RLS-DI) enthält zehn Kriterien und eignet sich, um die Diagnose eines RLS zu stellen und um Differenzialdiagnosen auszuschließen. Der RLS-DI beruht auf der gezielten Anamnese und objektiven Informationen wie dem Ansprechen auf dopaminerge Therapien (L-Dopa-Test oder Vorbehandlungen), einer Untersuchung im Schlaflabor sowie den Befunde einer neurologischen Untersuchung zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Schweregrad Bestimmung

Der Schweregrad des RLS kann anhand der International RLS Severity Scale (IRLS) quantifiziert werden. Diese Schweregrad-Skala wurde von der International Restless Legs Syndrome Study Group validiert. Der IRLS-Beurteilungsbogen ist verschiedenen Sprachen verfasst. Darüber hinaus gibt es auch noch das Restless Legs Syndrome-6 Scale (RLS-6) zur Beurteilung des RLS Schweregrads und ein Messverfahren zur Messung der Lebensqualität von RLS-Patienten (QoL-RLS).

Zusatzuntersuchungen

Zusatzuntersuchungen dienen dem Ausschluss von Differenzialdiagnosen, RLS-Mimics, der Diagnose der Ursachen für einen sekundären RLS (s. o.) und von Begleiterkrankungen. Folgende Untersuchungen sollten im Verdachtsfall durchgeführt werden:

  • Elektromyografie und Elektroneurografie (z. B. Ausschluss von Polyneuropathien)
  • Labordiagnostische Abklärung von Polyneuropathien
  • Bestimmung von Ferritin (Eisenmangel)
  • Nierenwerte zur Feststellung einer Urämie
  • Abklärung von Hyperthyreose und Hypothyreose
  • Polysomnografie zur Feststellung der Schlafstörungen bzw. zur Abklärung weiterer Ursachen für die Schlafstörung
  • Fuß-Aktigrafie erfasst die Beinbewegungen aber nicht ihren Bezug zum Schlaf
  • Immobilisationstests
  • L-Dopa-Test sensitiver und spezifischer Test, ein negativer Testbefund schließt das RLS aber nicht aus

Differenzialdiagnosen

Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen zählen die Polyneuropathien, die jedoch auch selbst RLS hervorrufen können. Darüber hinaus müssen die Ursachen (s.

Behandlung des Restless Legs Syndroms

Die Behandlung des RLS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Therapie umfasst sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöseAnsätze.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Gute Schlafgewohnheiten: Regelmäßige Bettzeiten und ausreichend Schlaf sind wichtig.
  • Bewegung: Alles, was die Durchblutung anregt, gilt als positiv. Das können zum Beispiel Wechselduschen sein, Fußbäder sowie kalte und warme Wickel. Es kann auch helfen, unruhige Beine zu massieren und zu bürsten. Bewegung trägt beim Restless-Legs-Syndrom dazu bei, die Beschwerden zu lindern, etwa Spaziergänge, Fahrradfahren, Kniebeugen und Dehnübungen.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Vermeiden Sie Zigarettenrauchen. Verzichten Sie auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke vor allem in den Mittags- oder Abendstunden. Das verbessert bei manchen Patienten und Patientinnen die RLS-Symptome. Vermeiden Sie so gut es geht Stress, vor allem vor der Schlafenszeit.
  • Eisen-Supplementierung: Bei Ferritinwerten unter 50 µg/l wird eine Eisensubstitution empfohlen. Auch regelmäßige eisenreiche Mahlzeiten werden zur ganzheitlichen Behandlung ebenso empfohlen wie Bewegung und Entspannung.

Zusätzlich oder als alleinige Therapie kann es auch einen Versuch wert sein, andere Verfahren auszuprobieren.

  • Wärme- oder Kältetherapie: Wärme, etwa in Form eines Heizkissens oder Heißluft, wird eingesetzt, um Muskeln zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Durch Kältebehandlungen wie Eisbeutel oder Kaltluft setzt der Körper Botenstoffe frei, die bei Restless-Legs-Beschwerden helfen sollen.
  • Bewegungstrainings wie Krafttraining oder Iyengar-Yoga: Bei dieser Yogarichtung übt man spezielle Körperhaltungen (Asanas) und Atemtechniken. Das soll unter anderem zur Muskelentspannung beitragen.
  • Niedrigfrequenz-Elektrostimulation: Auf die Beine werden Elektroden geklebt, die schwache elektrische Impulse übertragen. Sie sollen schmerzlindernde Hormone freisetzen und die Schmerzweiterleitung an das Gehirn verringern.
  • Spinale Gleichstrom-Stimulation: Dabei werden Elektroden in Höhe der Brustwirbel auf den Rücken aufgeklebt, die einen schwachen elektrischen Strom übertragen. Dadurch soll die Durchblutung gefördert und die Schmerzempfindung unterdrückt werden.
  • Nahinfrarotlicht-Therapie: Spezielle Punkte an den Beinen und Füßen werden mit einer Infrarot-Lampe bestrahlt und so erwärmt. Dadurch werden sie besser durchblutet.
  • Pneumatische Kompression: An den Beinen werden Manschetten angelegt. Über sie wird kurzzeitiger Druck ausgeübt, um die Beine besser durchbluten.
  • Vibrationsboard: Um für eine bessere Durchblutung der Beine zu sorgen, stellt man sich auf eine vibrierende Platte.
  • Counterstrain-Manipulation: Bei dieser osteopathischen Technik wird Druck auf bestimmte Schmerzpunkte ausgeübt. Das soll Spannungen lösen und Schmerzen lindern.
  • Akupunktur: Bei dieser Therapiemethode aus der traditionellen chinesischen Medizin werden an speziellen Punkten feine Nadeln in die Haut gestochen. Dadurch sollen Blockaden an sogenannten Energiebahnen („Meridianen“) gelöst werden.

Medikamentöse Behandlung

Beim RLS ist die Behandlung mit dopaminergen Substanzen die Therapie der ersten Wahl. Sie haben eine längere Halbwertszeit als das klassische Therapeutikum Levodopa. Levodopa kommt in der Kombination Benserazid bei der Behandlung des intermittierenden oder leichten RLS zum Einsatz. Folgende dopaminerge Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen:

  • Pramipexol
  • Ropinirol
  • Rotigotin (transdermales Wirkstoffpflaster)

Die Dopaminagonisten werden bei RLS deutlich niedriger dosiert als zur Parkinsontherapie.

Weitere Medikamente, die zur Behandlung des RLS eingesetzt werden können, sind:

  • Eisen als Tabletten oder Infusionen
  • Gabapentinoide
  • Opioide

Die zur Behandlung von RLS in Deutschland zugelassenen Non-Ergot-Dopaminagonisten Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin sind die Medikation erster Wahl. Die Behandlung mit L-DOPA ist wegen der hohen Augmentationsraten nicht mehr zeitgemäß. Augmentation bedeutet ein im Tagesverlauf früheres Auftreten der RLS-Symptome, eine Zunahme der Intensität der RLS-Symptome tagsüber oder eine Ausweitung der RLS-Symptome unter der Medikation.

Augmentation

Die bedeutendste Nebenwirkung bei der RLS-Therapie mit Levodopa und Dopaminagonisten ist die Augmentation. Augmentation bedeutet eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes im Verlauf der Therapie, z. B. ein früheres Auftreten der Symptome im Tagesverlauf oder eine Zunahme ihrer Intensität oder ihre Ausweitung auf andere Körperteile (Arme). Sie soll infolge der Überstimulation der Rezeptoren durch zu hohe Dosierungen auftreten. Das größte Risiko für eine Augmentation besteht für Levodopa in Dosierungen > 200 mg/d (30-60% der Patienten). In Langzeitstudien führten Pramipexol und Ropinirol in etwa 8% und das Rotigotin-Pflaster in etwa 5% der Fälle zur Augmentation. Bei einer Abschwächung der Wirksamkeit des Medikaments können Patienten dazu neigen selbstständig die Dosis zu erhöhen und verschlimmern dadurch die Augmentation. Daher müssen die Patienten sorgfältig über die Nebenwirkung-Augmentation aufgeklärt werden.

Beim Auftreten einer Augmentation muss die Dosis des eingesetzten Präparats reduziert werden. Levodopa sollte durch ein länger wirksames Präparat ersetzt werden. Auch bei den anderen Wirkstoffen kann ein Absetzen des ursprünglichen Präparats nötig werden.

Behandlung bei Schmerz

Schmerzen werden neben den Missempfindungen in den Gliedmaßen, Schlafstörungen und Bewegungsdrang von RLS-PatientINNen an vierter Stelle der am meisten beeinträchtigenden Symptome genannt. Die Behandlung von Schmerzen hat daher einen hohen Stellenwert. Es sollte bei PatientINNen mit chronischem Schmerz auch an ein RLS als mögliche Ursache des Schmerzes gedacht werden.

Schmerzen, die nicht frühzeitig mitbehandelt werden, können im Rahmen einer zunehmenden Sensibilisierung von am Schmerz beteiligten Nerven auch zu einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit (Herabsetzung der Schmerzschwelle) führen. Wichtig ist es daher, die Schmerztherapie frühzeitig einzusetzen, bevor es zur Ausbildung von chronifizierten Schmerzen kommt. Zu einer guten und wirksamen Schmerztherapie beim RLS gehört ein umfassendes Konzept, das neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Therapien berücksichtigt. Schmerzmediziner sprechen hier von einer „multimodalen“ Schmerztherapie. Sollte es unter nicht-opiathaltigen Schmerzmitteln zu keiner deutlichen Linderung kommen, können bei einzelnen PatientINNen, nach strenger Abwägung, auch Opioide eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen einer Opioidbehandlung sind ein Schlafapnoesyndrom (Atemaussetzer), Tagesschläfrigkeit, Entzugssymptome und eine sogenannte opioid-induzierte Schmerzüberempfindlichkeit (Hyperalgesie) möglich.

Medikamentöse Einschränkungen

Medikamente wie Antidepressiva, Neuroleptika, Antihistaminika und Metoclopramid (Magenmittel) müssen, sofern medizinisch vertretbar, abgesetzt werden, da diese ggf. ein RLS auslösen oder verstärken können. Gerade weil in der Schmerztherapie häufig zur Schmerzdistanzierung Antidepressiva eingesetzt werden, sollte dies mit dem behandelnden Arzt vorher geklärt werden.

Leben mit dem Restless Legs Syndrom

Das Restless Legs Syndrom kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren und Strategien zu entwickeln, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann ebenfalls hilfreich sein.

RLS-Selbsthilfegruppen

Die RLS e.V. Deutsche Restless Legs Vereinigung ist Ansprechparnter für alle Betroffene sowie Interessierte, Ärzte, Ärztinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Viele RLS-PatientINNen haben einen langen Leidensweg hinter sich, deshalb bilden gerade die heimatnahen Selbsthilfegruppen von der Deutschen Restless Legs Vereinigung (RLS e.V.) ein gutes Forum, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

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