Neue Hoffnung im Kampf gegen Parkinson: Roche Wirkstoff Prasinezumab und COMT-Hemmer

Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die sich durch motorische und nicht-motorische Symptome äußert. Zu den Hauptmerkmalen gehören Schwierigkeiten bei der Muskelsteuerung, was zu Zittern, Steifheit und verlangsamten Bewegungen führt. Die Krankheit entsteht durch den Abbau von Nervenzellen im Gehirn, insbesondere derjenigen, die Dopamin produzieren, einen Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Roche forscht seit Jahren an neuen Therapieansätzen, um die Lebensqualität von Parkinson-Patienten zu verbessern.

Prasinezumab: Ein synthetischer Antikörper als Hoffnungsträger

Ein Forschungsteam um Gennaro Pagano vom Roche Innovation Center in Basel hat einen neuen Wirkstoff namens Prasinezumab entwickelt. Dieser Wirkstoff ist ein synthetischer Antikörper, der gezielt an Aggregate des Proteins Alpha-Synuclein bindet.

Die Rolle von Alpha-Synuclein bei Parkinson

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der sich fehlgefaltete Formen des Proteins Alpha-Synuclein im Gehirn ablagern und zu Nervenschäden führen. Dadurch beeinträchtigt sind auch die Neuronen, die die Muskeln steuern. Im Verlauf der Krankheit entwickeln Betroffene daher oft das charakteristische Ruhezittern und können sich immer weniger gut bewegen.

Wirkmechanismus von Prasinezumab

Der synthetische Antikörper Prasinezumab bindet an die Alpha-Synuclein-Aggregate, wodurch diese vom Immunsystem erkannt und abgebaut werden können. Dieser Mechanismus soll die schädlichen Auswirkungen der Proteinablagerungen reduzieren und so die Nervenzellen schützen.

Klinische Studienergebnisse mit Prasinezumab

In einer klinischen Studie der Phase 2 mit 316 Parkinson-Patienten wurde die Wirksamkeit von Prasinezumab untersucht. Eine erste Auswertung der Daten aller Studienteilnehmer ergab, dass die Erkrankung durch die Behandlung mit dem Antikörper weder geheilt noch merklich aufgehalten wurde.

Lesen Sie auch: Anwendung von Rivastigmin-Pflastern

Differenzierte Betrachtung des Krankheitsverlaufs

Pagano und seine Kollegen unterteilten die Studienteilnehmer daraufhin in Gruppen, je nachdem, wie schnell die Erkrankung bei ihnen voranschritt. Dabei zeigte sich: Bei Patienten mit schnellem Krankheitsfortschritt traten nach einem Jahr Behandlung mit dem Antikörper-Präparat tatsächlich weniger bewegungsbezogene Parkinson-Symptome auf, wie das Team berichtet. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielt, wurde die Krankheit bei diesen Patienten durch Prasinezumab merklich ausgebremst.

Schlussfolgerungen aus der Studie

Die Forschenden schließen daraus, dass Prasinezumab vorerst nur für Patienten mit einem schnellen Parkinson-Typ geeignet ist. Bei diesen Personen kann der Antikörper jedoch bewegungsbezogene Symptome deutlich verhindern. In Folgestudien wollen Pagano und seine Kollegen nun prüfen, ob auch Parkinson-Patienten mit langsamem Krankheitsfortschritt von dem Antikörper profitieren können, wenn sie über einen längeren Zeitraum damit behandelt werden.

COMT-Hemmer: Tolcapon (Tasmar®) als Therapieergänzung

Optimierung des stadienangepaßten Therapieerfolgs, mehr Lebensqualität für den Patienten und besseres Management der schwierig zu handhabenden Parkinson-Erkrankung sind erklärtes Ziel des ersten COMT-Hemmers Tolcapon (Tasmar®, Hoffmann-La Roche).

Die Bedeutung von L-Dopa in der Parkinson-Therapie

Am Anfang jeder Parkinson-Therapie steht die Gabe von L-Dopa, das von hoher Wirksamkeit ist. L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und so den Dopaminmangel ausgleicht.

Wirkmechanismus von COMT-Hemmern

Der enzymatische Abbau von L-Dopa durch das Enzym COMT (Catechol-O-Methyl-Transferase) wird durch Tolcapon gehemmt. Diese Hemmung der Umwandlung von Dopamin in den inaktiven Metaboliten 3-O-Methyldopa erfolgt sowohl in der Peripherie als auch zentral.

Lesen Sie auch: Die verheerenden Folgen von Crystal Meth

Klinische Studien zu Tolcapon

Wie auf dem Einführungssymposium von Tolcapon in Berlin anhand von Phase-II- Studien gezeigt wurde, wird die Plasma-Halbwertszeit von L-Dopa durch Tolcapon annähernd vervierfacht, und damit gelangt auch wesentlich mehr Dopamin in das Gehirn. Insgesamt läßt sich durch Tolcapon auf lange Zeit ein wesentlich ausgeglichenerer Dopamin-Wirkstoffspiegel erzielen.

Tolcapon bei Patienten ohne Fluktuation

Wie Prof. Wolfgang Oertel (Universität Marburg) erläuterte, zeigen auch schon "stabile" Patienten in der Anfangsphase der Erkrankung ohne Fluktuation milde Anzeichen von On- und Off-Phasen - Schwankungen in der motorischen Beweglichkeit -, die sich in den üblichen Tests noch nicht verifizieren lassen, aber vom Patienten subjektiv bereits registriert werden. Dies läßt sich in einer ADL-Skala (Aktivitäten des täglichen Lebens) deutlich ablesen. Unter Tolcapon (dreimal 200 mg beziehungsweise 300 mg pro Tag) wurde in einer Studie gegen Plazebo an rund 300 Patienten ohne Fluktuation nachgewiesen, daß über zwölf Monate eine konstante L-Dopa-Dosierung bei Kombination mit Tolcapon beibehalten werden konnte; die Plazebo-Gruppe hingegen mußte nach und nach ihre L-Dopa-Medikation um bis zu 13 Prozent der Tagesdosis erhöhen, da sich eine typische krankheitsspezifische Verschlechterung der ADL eingestellt hatte.

Tolcapon bei Patienten mit Fluktuation

Langjährige Parkinson-Patienten mit Fluktuation - ihre Inzidenz steigt pro Erkrankungsjahr um bis zu zehn Prozent und erreicht nach zehn Jahren meist die 80-Prozent-Marke - profitieren ebenfalls stark von Tolcapon. Dies erklärte Dr. Horst Baas (Universität Frankfurt/Main) in seinen Darlegungen über eine Multizenter-Studie an 300 fluktuierenden Patienten. Dieser Wirkstoff - einer von zwei zur Zeit intensiv untersuchten COMT-Hemmern - vermag in der empfohlenen Standarddosierung von dreimal 200 mg oder 300 mg täglich die Off-Phasen um bis zu 50 Prozent zu vermindern und die On-Phasen bis zu 20 Prozent zu verlängern. Zugleich ließ sich auch die L-Dopa-Gabe reduzieren und damit dosisbedingten Dyskinesien entgegenwirken. An unerwünschten Wirkungen treten Diarrhöen und Übelkeit auf, die jedoch beherrschbar waren und nur in wenigen Einzelfällen zum Therapieabbruch führten. Die überwiegende Mehrzahl der Patienten verblieb wegen der wesentlich verbesserten Lebensqualität bei der Kombination L-Dopa plus Tolcapon.

Lesen Sie auch: Informationen zu Requip

tags: #roche #wirkstoff #parkinson