Rücken-OP zur Nervenfreilegung: Risiken, Verfahren und Patientenerfahrungen

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das Menschen jeden Alters betreffen kann. In manchen Fällen können diese Schmerzen so stark werden, dass sie die Lebensqualität erheblich einschränken. Wenn konservative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, Schmerzmittel oder Injektionen nicht mehr helfen, kann eine Operation zur Nervenfreilegung in Betracht gezogen werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte einer solchen Rücken-OP, einschließlich der Risiken, Verfahren und Patientenerfahrungen.

Ursachen und Diagnose von Nervenkompressionen im Rücken

Nervenkompressionen im Rücken können verschiedene Ursachen haben. Häufige Auslöser sind:

  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Hierbei verschieben sich einzelne Wirbelkörper gegeneinander, was zu einer Einengung des Wirbelkanals und einer Kompression der Nervenwurzeln führen kann. Jane Gonschior erfuhr dies nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, als bei ihr ein Wirbelgleiten mit Bogenschluss-Störung diagnostiziert wurde.
  • Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals, die durch degenerative Veränderungen der Wirbelkörper, Bandscheiben oder Bänder verursacht wird. Dies führt zu Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln.
  • Bandscheibenvorfall: Das Austreten von Bandscheibengewebe kann auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen.
  • Arthrose der Wirbelgelenke (Facettensyndrom): Verschleißbedingte Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke können zu Entzündungen und Schmerzen führen, die auf Nerven ausstrahlen.
  • Narbenbildung nach Operationen (Postlaminektomie-Syndrom): Narbengewebe kann den Wirbelkanal erneut einengen und Nerven komprimieren.

Die Diagnose einer Nervenkompression erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus körperlicher Untersuchung, Anamnese und bildgebenden Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie). Die MRT ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Weichteile, einschließlich der Bandscheiben und Nerven, während die CT knöcherne Strukturen besser beurteilen kann.

Konservative Behandlungsmethoden

Bevor eine Operation in Betracht gezogen wird, sollten alle konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden. Diese umfassen:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Verbesserung der Körperhaltung und Entlastung der Nerven.
  • Injektionen: Kortikosteroide oder Lokalanästhetika können in den Wirbelkanal oder die Wirbelgelenke injiziert werden, um Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. Eine spezielle Methode ist die computertomographisch gesteuerte Schmerztherapie. Infiltrationen an die kleinen Wirbelgelenke können auch Sonografie gesteuert durchgeführt werden.
  • Rückenschule: Erlernen von rückengerechtem Verhalten im Alltag, um Fehlbelastungen zu vermeiden.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten und die Beschwerden verstärken.
  • Elektro-Myo-Stimulation (EMS): Bei Lähmungen bzw. Teillähmungen eines Muskels können schwache Stromimpulse von Elektroden, die auf der Haut liegen, zu einer Kontraktion des Muskels führen, um den Muskel trotz fehlender Nervenversorgung zu trainieren.

Operative Verfahren zur Nervenfreilegung

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation zur Nervenfreilegung in Betracht gezogen werden. Ziel des Eingriffs ist es, den Druck auf die Nerven zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Ursache und Lokalisation der Nervenkompression eingesetzt werden können:

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  • Laminektomie: Entfernung eines Teils oder des gesamten Wirbelbogens, um den Wirbelkanal zu erweitern und die Nerven zu entlasten. Heutzutage lässt sich eine Laminektomie oftmals wirksam durch minimalinvasive Eingriffe wie die mikrochirurgische Dekompression ersetzen.
  • Mikrochirurgische Dekompression: Ein minimalinvasives Verfahren, bei dem durch einen kleinen Hautschnitt mit Hilfe eines Operationsmikroskops Knochen- und Bandgewebe entfernt werden, das auf die Nerven drückt.
  • Foraminotomie: Erweiterung des Nervenaustrittsloch (Foramen intervertebrale), um eingeklemmte Nervenwurzeln zu befreien.
  • Diskektomie: Entfernung des Bandscheibengewebes bei einem Bandscheibenvorfall, um den Druck auf die Nerven zu reduzieren. Bei einem Zugang von vorne nach Präparation der Halsweichteile wird die Bandscheibe entfernt (ventrale Diskektomie), um an den Bandscheibenvorfall zu gelangen. Die Bandscheibe wird dann durch einen Platzhalter aus Titan oder Kunststoff ersetzt.
  • Spondylodese (Wirbelsäulenversteifung): Verbindung von zwei oder mehreren Wirbelkörpern, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und das Wirbelgleiten zu verhindern. Bei diesem Eingriff wird mittels Implantate wie Schrauben, Stäben und Platten das jeweilige Wirbelsäulensegment versteift und somit stabilisiert.
  • Implantation einer künstlichen Bandscheibe: Diese wird im Zwischenraum der Wirbel angebracht und in der Höhe angepasst. Bei geringer knöchernen Degeneration der Halswirbelsäule ist die Implantation einer Bandscheiben Vollprothese eine gute Alternative zum Erhalt der natürlichen Bewegung der HWS.
  • Cage-Implantation: Einsetzen eines Platzhalters (Cage) in das Bandscheibenfach zwischen zwei Wirbelkörpern, um den Wirbelkanal zu erweitern und die Nerven zu entlasten.
  • Interspinöser Spreizer: Einsetzen eines kleinen Metallimplantats zwischen den Dornfortsätzen der Wirbelkörper, um den Wirbelkanal offen zu halten und die Nerven zu entlasten.
  • Endoskopische Denervierung der Facettengelenke: Verödung der kleinen Wirbelgelenke, um Schmerzen zu lindern.

Die Wahl des geeigneten Operationsverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Ursache der Nervenkompression, der Lokalisation, dem Alter und dem Gesundheitszustand des Patienten.

Spondylodese (Wirbelsäulenversteifung):

Die Spondylodese ist ein operatives Verfahren, das zur Wirbelsäulenversteifung dient. Bei der Spondylodese-OP werden einzelne Wirbelkörper und Wirbelgelenke gezielt durch Implantate wie Schrauben, Stäbe und Platten miteinander verbunden, um verschobene Wirbelkörper wieder in ihre Position zu bringen und sie dort zu fixieren. Insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) sowie dem Halswirbelbereich kommt eine Spondylodese zum Einsatz. Nach einer Spondylodese der Wirbelsäule wachsen die Wirbelkörper zusammen und bilden einen stabilen Knochenblock.

Indikation:

Zur Indikation einer Spondylodese müssen etwa bei Rückenschmerzen alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sein, ohne Besserung zu bringen. Haben Patientinnen und Patienten nicht-operative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, multimodale Schmerztherapie, stationäre Wirbelsäulen-Reha und viele andere Therapiemöglichkeiten hinter sich, die die Schmerzen bisher nicht lindern konnten, kann eine OP zur Wirbelsäulenversteifung sinnvoll sein. Wurden die Patientinnen und Patienten jedoch bereits an der Wirbelsäule operiert, sind konservative Therapiemöglichkeiten nicht mehr zielführend.

Ablauf:

Sofern keine schweren Nebenerkrankungen bestehen, wird eine operative Wirbelsäulenversteifung unter Vollnarkose durchgeführt. Der Ablauf einer Spondylodese-OP kann minimal-invasiv oder offen sein. Dabei werden mittels präziser platzierter Systeme aus Schrauben und Stäben zwei oder mehrere Wirbelkörper miteinander verbunden. Während dieses Eingriffs können auch Engstellen im Wirbelkanal oder vorgefallene Teile der Bandscheibe beseitigt werden. Zudem werden die Kleinwirbelgelenke von den entzündeten Kapseln befreit. Zwischen die Wirbelgelenke werden in der Regel körpereigene Knochen eingesetzt, um ein Zusammenwachsen der Gelenke (Wirbelkörperverblockung) zu erreichen. Die dorsale Spondylodese wird bei komplexen Erkrankungen der Wirbelsäule angewandt.

Ergebnisse und Risiken:

In der Regel liefert eine Spondylodese-Operation gute Ergebnisse. Im Laufe der Jahre kann sich jedoch wieder eine Instabilität bilden, die durch gelockerte oder ausgebrochene Stäbe, Schrauben oder Platten entsteht. Außerdem kann es nach Ablauf einer Spondylodese-OP zu neuen Rückenschmerzen kommen. Die benachbarten Wirbelsegmente neben dem versteiften Bereich werden strapaziert und verursachen neue Beschwerden. Eine vollständige Beschwerdefreiheit kann jedoch nicht erreicht werden. So wie bei jeder Operation, ist auch diese mit Risiken und Komplikationen verbunden. Bei etwa einem Prozent der Fälle kann sich die Wunde infizieren. Eine Behandlung erfolgt mittels Wundspülung und Antibiotika. In einigen Fällen müssen bei Patientinnen und Patienten während der Operation Nerven freigelegt werden. Bei weniger als einem Prozent werden sie verletzt oder beeinträchtigt.

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Operation der Halswirbelsäule

Für eine Operation an der Halswirbelsäule gibt es mehrere Möglichkeiten. Es gibt verschiedene Risiken bei der offenen Operation an der Halswirbelsäule. Diese sind jedoch als gering einzustufen und in der Regel vorübergehender Natur. Die Schwierigkeit der Operation hängt von der Art und dem Umfang der Operation ab. Es bestehen allgemeine OP-Risiken, wie Infektion, Blutung sowie spezielle Risiken wie Taubheitsgefühl bis hin zu Lähmungen.

Ablauf:

Die Operation an der Halswirbelsäule findet meist unter Vollnarkose statt. Der Schnitt erfolgt entweder querverlaufend an der Vorderseite des Halses oder längsverlaufend am Nacken, Ziel ist es stets so schonend wie möglich zur Halswirbelsäule zu gelangen. Bei der Operation von vorne wird in der Regel unter mikroskopischer Sicht die komplette Bandscheibe plus Vorfall oder Knochenkanten entfernt und anschließend entweder eine künstliche Bandscheibe oder ein Abstandshalter eingesezt. Bei der Operation von hinten wird nur der freie Anteil des Vorfalls entfernt oder über einen Aufklappmechanismus der Wirbelbögen indirekt Nerv und Rückenmark entlastet. Ein Spezialverfahren ist die perkutane endoskopische Vorfallentfernung von vorne. Bei diesem Verfahren wird der Vorfall über ein Endoskop, welches von vorne unter Ultraschallsicht und radiologischer Kontrolle eingebracht wird, entfernt. Dies erfolgt meist in Teilnarkose.

Nachbehandlung:

Die Nachbehandlung ist abhängig vom Op-Verfahren. In der Regel bleibt der Patient 3-5 Tage in der Klinik, anschließend geht er nach Hause und beginnt zwischen 2-4 Wochen nach der Operation mit Physiotherapie, zusätzliche Kräftigungstherapie in der Regel nach 6 Wochen. Die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten ist auch abhängig vom Fitnesszusatnd des Patienten vor der Operation und von der Sportart.

Risiken und Komplikationen

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei einer Rücken-OP zur Nervenfreilegung bestimmte Risiken und Komplikationen, die auftreten können:

  • Infektionen: Wundinfektionen oder Entzündungen des Knochengewebes (Osteomyelitis).
  • Nervenschädigungen: Verletzung von Nervenwurzeln oder des Rückenmarks, was zu Gefühlsstörungen, Lähmungen oder Blasen- und Darmfunktionsstörungen führen kann.
  • Blutungen: Nachblutungen oder die Bildung von Blutergüssen (Hämatomen).
  • Wundheilungsstörungen: Verzögerte Wundheilung oder Narbenbildung.
  • Instabilität der Wirbelsäule: Insbesondere nach einer Laminektomie kann es zu einer Instabilität der Wirbelsäule kommen, die eine zusätzliche Stabilisierungsoperation (Spondylodese) erforderlich macht.
  • Thrombose und Embolie: Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen, die sich lösen und in die Lunge gelangen können (Lungenembolie).
  • Postlaminektomie-Syndrom: Erneute Verengung des Wirbelkanals aufgrund von Narbenbildung.
  • Liquorleck: Austritt von Hirnwasser (Liquor) aus derOperationswunde.
  • Allergische Reaktionen: Auf Narkosemittel oder andere Medikamente.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Komplikationen von verschiedenen Faktoren abhängt, wie dem Alter und dem Gesundheitszustand des Patienten, der Art der Operation und der Erfahrung des Operateurs. Moderne, minimalinvasive Verfahren und navigationsgestützte Schraubenplatzierung tragen dazu bei, die Komplikationsrate zu minimieren.

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Nachbehandlung und Rehabilitation

Nach einer Rücken-OP zur Nervenfreilegung ist eine sorgfältige Nachbehandlung und Rehabilitation entscheidend für den Erfolg des Eingriffs. Die Nachbehandlung umfasst in der Regel:

  • Schmerzmanagement: Einnahme von Schmerzmitteln zur Linderung von postoperativen Schmerzen.
  • Wundversorgung: Regelmäßige Kontrolle und Reinigung der Operationswunde.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Wiederherstellung derFunktionsfähigkeit.
  • Ergotherapie: Anpassung des Arbeitsplatzes und derAlltagsaktivitäten, um die Wirbelsäule zu entlasten.
  • Tragen eines Stützmieders: In den ersten Wochen nach der Operation kann das Tragen eines Stützmieders helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren.
  • Vermeidung von Belastungen: In den ersten Wochen nach der Operation sollten schwere körperliche Belastungen vermieden werden.
  • Rehabilitation: Eine stationäre oder ambulante Rehabilitation kann helfen, dieFunktionsfähigkeit wiederherzustellen und den Alltag besser zu bewältigen. Eine Reha wird meist etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Spondylodese-OP begonnen und hat eine Dauer von drei bis sechs Wochen.

Die Dauer der Rehabilitation hängt von der Art der Operation und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes und des Physiotherapeuten genau zu befolgen, um den Heilungsprozess zu unterstützen und Komplikationen zu vermeiden.

Patientenerfahrungen und Erfolgsaussichten

Die Erfahrungen von Patienten nach einer Rücken-OP zur Nervenfreilegung sind sehr unterschiedlich. Viele Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer Verbesserung ihrer Lebensqualität. Jane Gonschior beispielsweise konnte nach einer Wirbelsäulenversteifung unter der Leitung von Dr. Sebastian Katscher ihre Lebensqualität zurückgewinnen und ist wieder in der Lage, schmerzfrei zu arbeiten und ihre Freizeit zu genießen.

Die Erfolgsaussichten einer Rücken-OP zur Nervenfreilegung hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie der Ursache der Nervenkompression, dem Alter und dem Gesundheitszustand des Patienten, der Art der Operation und der Erfahrung des Operateurs. In der Regel können jedoch gute Ergebnisse erzielt werden, insbesondere wenn die Operation rechtzeitig durchgeführt wird und die Nachbehandlung sorgfältig erfolgt.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben den konservativen und operativen Behandlungsmethoden gibt es auch einige alternative Behandlungsmethoden, die bei Rückenschmerzen eingesetzt werden können. Dazu gehören:

  • Akupunktur: Eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um Schmerzen zu lindern.
  • Chiropraktik: Eine manuelle Behandlungsmethode, bei der Wirbelblockaden gelöst werden, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern.
  • Osteopathie: Eine ganzheitliche Behandlungsmethode, bei der Funktionsstörungen des Körpers manuell behandelt werden.
  • Yoga und Pilates: Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Verbesserung der Körperhaltung und Entspannung.
  • Meditation und Entspannungstechniken: Können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu lindern.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser alternativen Behandlungsmethoden wissenschaftlich nicht immer eindeutig belegt ist. Patienten sollten sich daher vor der Anwendung von alternativen Behandlungsmethoden von ihrem Arzt beraten lassen.

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