Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und zu Bewegungsstörungen führt. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Behandlungen helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten, darunter Schauspieler, haben offen über ihren Kampf mit Parkinson gesprochen, um das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und anderen Betroffenen Mut zu machen.
Michael J. Fox: Ein Gesicht des Kampfes gegen Parkinson
Michael J. Fox, der durch die "Zurück in die Zukunft"-Filme weltberühmt wurde, erhielt 1991 im Alter von nur 29 Jahren die Diagnose Parkinson. Anfangs überspielte er seine Krankheit, ging aber später damit an die Öffentlichkeit und wurde zu einem wichtigen Fürsprecher für die Parkinson-Forschung. Fox gründete die Michael J. Fox Foundation, die sich der Suche nach einem Heilmittel für Parkinson widmet.
Trotz der fortschreitenden Symptome seiner Erkrankung lässt sich Michael J. Fox seinen Lebensmut nicht nehmen. Er stand im Mai erstmals wieder vor der Kamera („Shrinking“). Fox sagte der „Sunday Times“: „Es gibt nicht viele Menschen, die seit 35 Jahren an Parkinson leiden. Ich möchte eines Tages einfach nicht mehr aufwachen. Das wäre echt cool. Ich möchte kein Drama. Ich möchte nicht über Möbel stolpern oder mir den Kopf anschlagen.“
Fox hat in Interviews offen über die Herausforderungen gesprochen, mit denen er aufgrund seiner Krankheit konfrontiert ist. Er erwähnte Stürze als eine häufige Todesursache bei Parkinson-Patienten und berichtete von Knochenbrüchen infolge von Stürzen. Trotz dieser Schwierigkeiten bewahrt Fox seinen Optimismus und seine Dankbarkeit. Er betonte, wie wichtig es sei, etwas zu finden, wofür man dankbar sein kann, und sich auf positive Aspekte im Leben zu konzentrieren.
Mitte April meldete die von Fox gegründete Parkinson-Stiftung einen Erfolg bei der Erforschung der bislang unheilbaren Nervenkrankheit. Eine von der Stiftung initiierte und mitfinanzierte Studie hatte gezeigt, dass der Nachweis eines Proteins im Gehirnwasser eine Parkinson-Diagnose lange vor Ausbruch der Krankheit ermöglicht. In dem Interview war zu sehen, dass Fox seine Bewegungen beim Sprechen nur schwer kontrollieren konnte. Er lasse sich aber dennoch nicht unterkriegen. Mit Dankbarkeit könne er den Optimismus aufrechterhalten, sagte Fox in dem Gespräch. »Wenn man etwas finden kann, wofür man dankbar ist, etwas, worauf man sich freuen kann, dann macht man weiter.«
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Für Mitte Mai hat Apple TV einen Dokumentarfilm mit dem Titel »Still« über das Leben von Michael J. Fox angekündigt.
In einem Beitrag der Zeitschrift „Town and Country“ beschreibt Regisseur David Guggenheim, wie er den Schauspieler im Vorfeld der „Still“-Dreharbeiten erlebt haben will. Zu diesem Zeitpunkt lebte Michael J. Fox bereits seit rund 30 Jahren mit seiner Parkinson-Erkrankung - schon allein das ist bemerkenswert, wie in dem Artikel nicht unerwähnt bleibt. Die meisten Patienten sterben demnach innerhalb von 20 Jahren nach der Diagnose. Guggenheim habe Fox ansehen können, dass er krank ist. Er wisse auch, dass dieser auf mehr und mehr Medikamente angewiesen ist, um u. a. die Lähmungserscheinungen in seinem Gesicht zu unterdrücken und somit deutlich sprechen zu können. Noch viel interessanter jedoch: was er damals gesagt haben soll. „Parkinson ist ein Geschenk“, erklärte Fox. Wer die Doku gesehen hat, ahnt vielleicht, wie Michael J. Fox das gemeint haben dürfte. Dort äußert sich der Protagonist sehr selbstkritisch über sein eigenes Verhalten während seiner Karriereanfänge: über ein mitunter rücksichtsloses Gehabe, das ihm - nicht selten auf Kosten anderer - einen Lacher und dadurch Sympathien einbringen sollte. Sein Weggefährte Guggenheim schildert es in dem „Town and Country“-Beitrag ähnlich, wenn auch etwas wohlwollender. Über die Jahre habe sich der Schauspieler vom allseits beliebten TV- und Filmstar, einem „Meister der Possenreißer“ und launige Geschichten erzählenden Talk-Gast zu einer Person mit Tiefe entwickelt. Für ihn sei Fox ein „Philosoph und Vorbild für Mut“. Der Bericht täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass seine Parkinson-Erkrankung für Michael J. Fox einen schweren Schicksalsschlag darstellte. Es wird ein Eingriff an seiner Wirbelsäule angeführt, der zu einer Querschnittslähmung hätte führen können. Zudem sei Fox aufgrund seiner immer weiter eingeschränkten Motorik ständig gestürzt. Er habe sich dabei mal beide Arme, mal eine Hand gebrochen, und blicke gar auf zertrümmerte Augenhöhlenknochen und Wangen zurück. Michael J. Fox selbst spricht von einem „Tsunami an Unglücksfällen“. Und doch behält er sein Lächeln, schildert Guggenheim. Selbstmitleid oder Ängste seien Michal J. Fox fremd, vielmehr trage er seine „Kampfnarben“ mit Stolz.
Nach der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie (1985-1990) befand sich Michael J. Fox auf der Höhe seiner Hollywood-Karriere. Dann bemerkte der Schauspieler dieses Zucken in seinem kleinen Finger. Das habe ihn dazu veranlasst, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Das erzählte er 1999 im Interview mit dem Klatsch-Magazin „People“ - rund ein Jahr, nachdem er seine Diagnose öffentlich gemacht hatte. Erhalten hatte er sie 1991, Fox war damals 30 Jahre alt. Michael J. In den folgenden Jahren schritt die Krankheit voran, weitere Parkinson-Symptome kamen hinzu. Michael J. Fox‘ gesamte linke Seite wurde steif, außerdem stellte sich das berühmte Parkinson-Zittern ein. „Und ich spreche von starkem Zittern“, betonte der Schauspieler 1999. Er nahm es jedoch mit einer ordentlichen Portion Humor. Nach und nach wurde seine Hüfte steif, ein Arm oder beide Arme zitterten dauerhaft und er verspürte den ständigen Drang, mit einem Fuß auf den Boden zu klopfen. An manchen Tagen waren seine Hände und Handgelenke so steif, dass er kaum eine Fernbedienung halten konnte. Durch die Behandlung mit Medikamenten konnte Michael J. Fox diese Symptome aber weitestgehend in den Griff bekommen, sodass sie ihn nicht ständig in seinem Alltag beeinträchtigen. Allerdings: Verheimlichen ließen sie sich auch nicht mehr. Zwei Ex-Kollegen von Michael J. „Ich kann zittrig sein“, erklärte Michael J. Fox 2012 im Gespräch mit dem „AARP Magazine“. „Ich kann morgens mit Festination (schlurfender Gang; Anm. d. Mit seinen motorischen Einschränkungen musste der heute 62-Jährige erst lernen, umzugehen. Außerdem musste er sich nach und nach eingestehen, dass seine Gedächtnisleistung nachließ. Die Zeiten, in denen er wie noch in den 1980er-Jahren ohne Probleme 70 Drehbuchseiten an Dialogen auswendig lernen konnte, sind vorbei. Trotz seiner Parkinson-Krankheit kann Michael J. Fox, wie er weiter schildert, ein erfülltes Leben führen. Dabei helfen ihm seine Medikamente - Unternehmungen und öffentliche Auftritte müssen stets rund um deren Einnahme geplant werden. Die Symptome werden demnach immer mehr bzw. schlimmer und so auch die Menge und Dosis seiner Arzneien.
Ottfried Fischer: Humor und Lebensfreude trotz Parkinson
Auch der deutsche Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer, bekannt aus der Serie "Der Bulle von Tölz", lebt seit vielen Jahren mit Parkinson. Die ersten Symptome traten Ende der 1990er Jahre auf, und 2008 erhielt er die Diagnose. Fischer hat seine Erkrankung öffentlich gemacht und spricht offen über die Herausforderungen, mit denen er konfrontiert ist.
Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen lässt sich Ottfried Fischer seinen Lebensmut nicht nehmen. Er ist auf einen Rollstuhl oder Krücken angewiesen und hat Mühe beim Sprechen, aber sein Humor und seine Lebensfreude sind ungebrochen. Fischer witzelte anlässlich seines 71. Geburtstages gegenüber "Bild": "Im Großen und Ganzen habe ich eine Krankheit gewählt, die erträglich ist." Und fügte hinzu: "Schmerzen habe ich keine. Das ist ja schon mal die halbe Miete."
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Fischers Frau, Simone Brandlmeier, ist seine größte Stütze. Die beiden sind seit 20 Jahren ein Paar und seit Juli 2020 verheiratet. Simone Brandlmeier erklärt: "Parkinson ist inzwischen auch meine Krankheit, mein Leben geworden." Zusammen würden die beiden aber das Beste daraus machen. "Aufgeben kommt für uns nicht infrage", sagt Simone mit Nachdruck.
Alan Alda: Mut zur Offenheit
US-Schauspieler Alan Alda (82) ist ebenfalls an der Nervenkrankheit Parkinson erkrankt. Drei Jahre hat US-Schauspieler Alan Alda (82) sein Geheimnis bewahrt. Nun enthüllte die Hollywood-Größe aus Serien wie "M.A.S.H.", "The West Wing" oder Blockbustern wie "Aviator" in der US-Show "CBS This Morning" , dass er bereits seit dreieinhalb Jahren an der Parkinson-Krankheit leide. "Ich war in den vergangenen Wochen oft im Fernsehen, um über meinen neuen Podcast zu reden", so Alda. "In manchen Einstellungen sah ich meinen Daumen zittern und dann dachte ich mir, dass es wohl nur noch eine Frage der Zeit sei, bis jemand darüber eine traurige Geschichte schreibt." Mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit wolle er aber Entwarnung geben und seine Fans beruhigen. Vor allem aber wolle er mit seinem Schritt anderen Patienten Mut machen. Alda setzt sich seit langer Zeit dafür ein, dass der wissenschaftliche Fortschritt weiter vorangetrieben wird. Das tat er unter anderem in einer Fernsehshow namens "Scientific American Frontiers", die er von 1993 bis 2005 moderierte.
Weitere prominente Persönlichkeiten mit Parkinson
Neben Michael J. Fox, Ottfried Fischer und Alan Alda gibt es weitere prominente Persönlichkeiten, die an Parkinson erkrankt sind oder waren:
- Frank Elstner: Der Moderator und "Wetten, dass..?"-Erfinder bestätigte seine Parkinson-Erkrankung im April 2019. Drei Jahre später wurde er mit dem "Muhammad Ali Gedächtnispreis" der Deutschen Parkinson Hilfe ausgezeichnet.
- Ute Freudenberg: Die Schlagersängerin machte ihre Erkrankung erst vor Kurzem in einer MDR-Talkshow öffentlich. Die Diagnose Parkinson erhielt sie 2018.
- Ozzy Osbourne: Der britische Rockmusiker machte seine Parkinson-Erkrankung 2020 öffentlich. Die Diagnose hatte er im Jahr zuvor erhalten.
- Markus Maria Profitlich: Der Komiker machte im April 2018 öffentlich, dass er an Parkinson leidet. Die Diagnose hatte er am 19. Hochzeitstag mit seiner Frau erhalten. Davon handelt auch sein Buch "Einmal alles auf den Kopf gestellt".
- Linda Ronstadt: Die amerikanische Countrymusikerin beendete 2013 nach ihrer Parkinson-Diagnose ihre Karriere.
- Ursula Staack: Die Schauspielerin, die auch aus der Sendung "Löwenzahn" bekannt ist, erhielt 2018 die Diagnose Parkinson.
- Neil Diamond: Der US-amerikanischer Sänger und Songwriter gab im Januar 2018 öffentlich bekannt, dass er an Parkinson leidet.
- Sir Ian Holm: Der britische Schauspieler und "Herr der Ringe"-Star hatte jahrelang gegen die Krankheit gekämpft, bevor er 2020 an den Folgen von Parkinson starb.
- Glenn Tipton: Den Gitarristen der Band Judas Priest traf 2018 ein Schicksalsschlag. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung konnte er an der "Firepower"-Tournee der Rocker nicht mehr teilnehmen.
- Robin Williams: Der Schauspieler starb am 11. August 2014. Wie seine Witwe Susan Schneider später enthüllte, litt er unter anderem an der Parkinson-Krankheit in einem frühen Stadium.
- Papst Johannes Paul II.: Bei dem einstigen Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche traten erste Symptome einige Jahre vor seinem Tod 2005 auf.
- Muhammad Ali: Die verstorbene Box-Legende Cassius Clay bekam Mitte der Achtzigerjahre die Diagnose Parkinson, machte sie aber erst 1998 öffentlich.
- Udo Lattek: Die Fußballlegende starb am 31. Januar 2015, zwei Jahre nach der Parkinson-Diagnose.
- Jeremy Bulloch: Der Tod des "Boba Fett"-Darstellers im Dezember 2020 erschütterte "Star Wars"-Fans weltweit.
Leben mit Parkinson: Herausforderungen und Perspektiven
Die Parkinson-Krankheit kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen. Die fortschreitenden Symptome können zu Schwierigkeiten bei der Bewegung, Sprache und anderen alltäglichen Aktivitäten führen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern und den Alltag besser zu bewältigen.
- Medikamentöse Behandlung: Medikamente können helfen, die Symptome zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu erhalten.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und Hilfsmittel zu nutzen.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, die Sprach- und Schluckfunktionen zu verbessern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Krankheit umzugehen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
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