Der Schlaganfall, die Epilepsie und die Depression sind drei unterschiedliche neurologische bzw. psychische Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome aufweisen und deren Ursachen und Auswirkungen oft miteinander verknüpft sind. Dieser Artikel soll die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge dieser drei Krankheitsbilder beleuchten.
Schlaganfall: Plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns
Ein Schlaganfall (Apoplex, Hirnschlag) ist eine zeitkritische Erkrankung des Gehirns, die durch eine plötzlich auftretende Schädigung von Hirngewebe aufgrund einer Minderdurchblutung (ischämischer Insult) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) entsteht (ICD-10 I63). In Deutschland werden jährlich etwa 270.000 Schlaganfälle diagnostiziert, was einer Inzidenzrate von 260-270 pro 100.000 Einwohnern entspricht. Etwa 70.000 dieser Ereignisse sind Rezidive.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für einen Schlaganfall sind vielfältig. Generell gehen 87 % der Schlaganfälle auf definierte Risikofaktoren zurück. Man unterscheidet zwischen modifizierbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren.
Modifizierbare Risikofaktoren
Zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren gehören:
- Hoher Blutdruck: Er ist der Hauptrisikofaktor und für 55,5 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs verantwortlich.
- Erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bzw. Übergewicht: 24,3 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs
- Diabetes: 20,2 %
- Umwelt- bzw. Luftverschmutzung: 20,1 %
- Rauchen: 17,6 %
- Hoher Salzkonsum: 12,3 %
Weitere Risikofaktoren sind Bewegungsmangel, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern, Stress, Alkoholkonsum, Arteriosklerose, Karotisstenose, Ovulationshemmer und Polyglobulie. Als neuer Risikofaktor wurde Endometriose festgestellt.
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Nicht modifizierbare Risikofaktoren
- Alter und Geschlecht: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Frauen haben ein höheres Risiko als Männer.
- Genetische Prädisposition: Genetische Faktoren haben einen wichtigen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Bis jetzt wurden 89 Schlaganfall-Risikogene ermittelt.
Arten von Schlaganfällen
Es werden zwei Hauptformen unterschieden:
- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Er wird umgangssprachlich als „weißer Schlaganfall“ bezeichnet und macht etwa 87 % aller Schlaganfälle aus. Ursache ist eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns infolge von Stenosen oder Verschlüssen hirnversorgender Arterien.
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Er wird umgangssprachlich als „roter Infarkt“ bezeichnet. Ursache ist eine Einblutung in das Hirngewebe, meist aufgrund eines rupturierten Blutgefäßes.
Symptome
Das klinische Bild eines Schlaganfalls ist äußerst heterogen. Klassische Symptome eines ischämischen Insults sind:
- Plötzlich einsetzende Hemiparesen (Mundwinkel, Gesicht oder eine Körperhälfte)
- Artikulationsstörungen (oft mit verwaschener Sprache)
- Dysphagie
- Aphasie
- Apraxie
- Ataxie
- Sehbeeinträchtigungen (zum Beispiel Diplopie, Hemianopsie, Quadrantenanopsie oder Herdblick)
- Bewusstseinseinschränkungen
Ein hämorrhagischer Insult kann sich beispielsweise durch akute Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackensteifigkeit äußern.
Diagnose und Therapie
Bei Verdacht auf Schlaganfall ist schnelles Handeln entscheidend. Die Diagnose wird mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder einer Angiographie bestätigt. Die Akutbehandlung zielt darauf ab, das Leben der Betroffenen zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten.
Folgen
Die Folgen eines Schlaganfalls hängen von der Schwere, dem Ort und der Ausdehnung der Durchblutungsstörung ab. Häufige Folgen sind:
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- Lähmungen
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Kognitive Störungen
- Affekt- und Antriebsstörungen
Epilepsie: Anfallsleiden durch übermäßige Nervenaktivität
Epilepsie, im Volksmund auch „Fallsucht“ oder „Krampfleiden“ genannt, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige elektrische Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Experten gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Menschen mindestens einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall erleiden. Von einer Epilepsie spricht man erst, wenn sich die Anfälle wiederholen oder die Untersuchungsergebnisse auf ein erhöhtes Risiko schließen lassen.
Ursachen
Die Ursachen für Epilepsie können vielfältig sein, unter anderem:
- Genetische Vorbelastung
- Schlaganfall
- Stoffwechselstörungen
- Kopfverletzungen
- Tumore
- Hirnhautentzündungen
Oft ist die genaue Ursache jedoch unbekannt.
Anfallsformen
Die Häufigkeit, die Stärke und die Art der Anfälle sind sehr unterschiedlich. Es gibt verschiedene Anfallsformen, die sich in ihren Symptomen und Auswirkungen unterscheiden:
- Generalisierte Anfälle: Hierbei ist das gesamte Gehirn betroffen. Beispiele sind Absencen (kurze Bewusstseinsaussetzer), myoklonische Anfälle (Muskelzuckungen) und tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle).
- Fokale Anfälle: Diese Anfälle gehen von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Die Symptome richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn.
Diagnose
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf der Anamnese, der Beobachtung der Anfälle und den Ergebnissen von Untersuchungen wie Elektroenzephalogramm (EEG) und bildgebenden Verfahren.
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Therapie
Es gibt vor allem drei Behandlungsmöglichkeiten:
- Medikamente (Anfallssuppressiva)
- Neurostimulation (Nerven-Stimulation mit niedrigen Stromstärken)
- Chirurgischer Eingriff (unter bestimmten Bedingungen)
Folgen
Bei schweren Anfällen kann es zu Verletzungen durch Stürze kommen. Ein Schlaganfall erhöht das Risiko für eine Epilepsie.
Depression: Psychische Störung mit vielfältigen Symptomen
Depressionen sind psychische Erkrankungen, die durch eine anhaltende gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebslosigkeit gekennzeichnet sind. Sie können sich aber auch in körperlichen Beschwerden äußern. Nach einem Schlaganfall leidet jeder dritte Patient daran.
Ursachen
Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig und können biologische, psychologische und soziale Faktoren umfassen. Im Gehirn der Betroffenen herrscht oft ein relativer Mangel an Serotonin, einem Neurotransmitter, der auf Grund seiner Wirkung auf die Stimmungslage oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird.
Symptome
Die Symptome von Depressionen sind vielfältig und können sich von Person zu Person unterscheiden. Häufige Symptome sind:
- Anhaltende Traurigkeit, Leere oder Hoffnungslosigkeit
- Verlust von Interesse oder Freude an Aktivitäten
- Schlafstörungen
- Veränderungen des Appetits oder des Gewichts
- Müdigkeit oder Energieverlust
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Gefühle der Wertlosigkeit oder Schuld
- Gedanken an Tod oder Selbstmord
Diagnose
Die Diagnose von Depressionen wird in der Regel von einem Arzt oder Psychotherapeuten gestellt, basierend auf den Symptomen und einer umfassenden Untersuchung.
Therapie
Die Therapie von Depressionen kann Medikamente (Antidepressiva), Psychotherapie oder eine Kombination aus beidem umfassen. Bei schweren, therapieresistenten Depressionen kann auch die Elektrokrampftherapie eingesetzt werden.
Folgen
Depressionen können das soziale Leben, die Arbeitsfähigkeit und die allgemeine Lebensqualität beeinträchtigen.
Zusammenhänge und Unterschiede
Obwohl Schlaganfall, Epilepsie und Depression unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es einige Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten:
- Gemeinsame Risikofaktoren: Einige Risikofaktoren, wie beispielsweise hoher Blutdruck, Diabetes und Rauchen, erhöhen das Risiko für alle drei Erkrankungen.
- Schlaganfall als Ursache: Ein Schlaganfall kann sowohl Epilepsie als auch Depressionen auslösen.
- Psychische Auswirkungen: Alle drei Erkrankungen können erhebliche psychische Auswirkungen haben. Schlaganfall-Patienten und Epileptiker leiden häufiger unter Depressionen als die Allgemeinbevölkerung.
- Ähnliche Symptome: Einige Symptome, wie beispielsweise Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen, können bei allen drei Erkrankungen auftreten.
Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Schlaganfall eine akute, plötzliche Schädigung des Gehirns ist, während Epilepsie eine chronische Erkrankung mit wiederholten Anfällen ist und Depression eine psychische Störung mit anhaltenden Stimmungsschwankungen.
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