Schlaganfall, Koma, künstliche Beatmung: Umfassende Informationen für Betroffene und Angehörige

Ein Schlaganfall, ein Unfall oder eine schwere Erkrankung können dazu führen, dass ein Mensch auf künstliche Beatmung angewiesen ist. Dies wirft viele Fragen für Betroffene und Angehörige auf. Dieser Artikel bietet Antworten auf häufige Fragen und gibt einen umfassenden Überblick über Schlaganfall, Koma, künstliche Beatmung und die damit verbundenen Aspekte.

Schlaganfall: Ursachen, Symptome und Akutbehandlung

Ein Schlaganfall ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der die Nervenzellen im Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Dies kann zu verschiedenen Ausfällen führen, wie z.B. Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen. In Deutschland erleiden täglich rund 550 Menschen einen Schlaganfall.

Es gibt zwei Hauptformen des Schlaganfalls:

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): In etwa 80 % der Fälle wird der Schlaganfall durch ein verstopftes Blutgefäß im Gehirn verursacht. Ein Blutpfropf blockiert die Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen zum Gehirn.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): In etwa 20 % der Fälle reißt ein Blutgefäß im Gehirn, wodurch Blut in das Hirngewebe austritt und dieses schädigt.

Symptome eines Schlaganfalls:

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Bei folgenden Symptomen sollte sofort der Rettungsdienst unter der 112 kontaktiert werden:

  • Starke Kopfschmerzen
  • Plötzliche einseitige Lähmungserscheinungen (vor allem in Arm oder Bein)
  • Sprachstörungen (Schwierigkeiten beim Sprechen, Wortfindungsstörungen, Verständnisstörungen)
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Sehstörungen (eingeschränkte Sehfähigkeit oder Doppeltsehen)
  • Einseitige Taubheitsgefühle (z. B. herabhängender Mundwinkel)
  • Bewusstlosigkeit

Akutbehandlung:

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto geringer sind die Folgeschäden. Der Rettungsdienst transportiert den Betroffenen in ein Krankenhaus mit einer sogenannten Stroke Unit (Spezialstation für Schlaganfallpatienten). Dort werden bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) eingesetzt, um die Ursache des Schlaganfalls festzustellen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen

Beim ischämischen Schlaganfall wird versucht, den Blutfluss durch eine Thrombolyse (Lyse-Therapie) schnell wiederherzustellen. Dabei wird der Blutpfropf mit Medikamenten aufgelöst. Bei einer Hirnblutung kann eine Operation notwendig sein, um die Blutung zu stoppen.

Künstliche Beatmung nach Schlaganfall oder anderen schweren Erkrankungen

Nach einem Schlaganfall, einem Unfall oder einer schweren Erkrankung kann es notwendig sein, die Betroffenen künstlich zu beatmen. In dieser Zeit wird die natürliche Atmung, die „Spontanatmung“, unterbrochen. Die Atemmuskulatur verliert deswegen an Kraft. Vielen gelingt es nach Beendigung der künstlichen Beatmung schnell, das eigenständige Atmen wieder aufzunehmen. Doch vor allem bei älteren Menschen oder Personen, die aufgrund der Schwere ihrer erworbenen Hirnschädigung über eine lange Zeit künstlich beatmet wurden, reichen die Kraftressourcen manchmal nicht mehr aus, um selbstständig wieder mit der Spontanatmung zu beginnen. Sie müssen weiter invasiv beatmet werden. Diese Menschen sind auf intensive Pflege und Therapie angewiesen, um wieder die nötige Atemmuskulatur für ein Leben ohne Beatmungsgerät aufzubauen. Dies ist ein langwieriger Prozess.

Die Beatmungstherapie kann auf unterschiedliche Weise unterteilt werden. Bei der nicht-invasiven Beatmung wird die Patientin oder der Patient durch eine angepasste Maske beatmet. Über diese Masken unterstützt die Beatmungsmaschine die Atmung der Patient:innen. Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens ist, dass für die Anwendung der nicht-invasiven Beatmung keine Narkose erforderlich ist. Die invasive Beatmung erfolgt nach Platzierung eines Beatmungsschlauchs (Tubus).

Beatmungsentwöhnung (Weaning):

Ziel ist es, die Patienten so schnell wie möglich von der künstlichen Beatmung zu entwöhnen. Dies geschieht durch gezieltes Atemtraining und die schrittweise Reduzierung der Beatmungsunterstützung. In speziellen Weaning-Einheiten werden die Patienten intensivmedizinisch überwacht und von einem interdisziplinären Team betreut.

Tracheotomie (Luftröhrenschnitt):

Bei einer längerfristigen Beatmung oder bei Schwierigkeiten bei der Entwöhnung vom Beatmungsgerät kann ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) notwendig sein. Dabei wird ein Tubus durch einen kleinen Schnitt am Hals in die Luftröhre eingeführt. Die Trachealkanüle am Hals wird in der Regel gut vertragen, normales Essen ist möglich. Die Stelle verheilt innerhalb weniger Tage. Der früher erforderliche Weg in den Operationssaal entfällt.

Lesen Sie auch: Gesundheitliche Rückschläge und politische Leistungen von Lafontaine

Die Tracheotomie erleichtert die Beatmung und ermöglicht es den Patienten, wieder selbstständig zu atmen und zu sprechen. Nahezu jede Tracheotomie kann rückgängig gemacht werden, sobald sich der Zustand der erkrankten Personen bessert. Die Ausnahme bildet die Laryngektomie, bei der der Kehlkopf entfernt wird.

Künstliches Koma: Indikation und Ablauf

In der Medizin stellt das künstliche Koma einen erheblichen Eingriff dar, den der Arzt in der Regel bei einem lebensbedrohlichen Zustand wählt. Wenn Sie mit einem schweren Unfall oder einer größeren Verletzung konfrontiert sind, hilft ihnen diese Maßnahme in Ruhe beim Heilungsprozess. Sie haben die Möglichkeit in einem medizinisch kontrollierten Zustand schmerzfrei gesund zu werden und dabei das Risiko für bleibende Schäden zu verringern.

Ein künstliches Koma ist eine Form der Langzeitnarkose. Ihr Arzt versetzt den Patienten mittels medikamentöser Unterstützung und unter Überwachung von Herz und Kreislauf in ein Koma (altgriechisch = tiefer Schlaf). Um die Narkose zu iniitieren, kommen als Medikamente einerseits Narkosemittel und andererseits Schmerzpräparate zur Anwendung.

Der zentrale Grund für eine kontrollierte Langzeitnarkose ist in der Regel die Entlastung des menschlichen Körpers nach einer schweren Verletzung. Wenn der Körper in Folge eines Unfalls oder einer komplexen Operation auf besondere Schonung und Genesungsressourcen angewiesen ist, bietet ein künstliches Koma unter Umständen wertvolle Hilfe.

Der zeitliche Rahmen, den der Arzt für ein künstliches Koma ansetzt, orientiert sich an der Schwere und Art der Krankheit. Prinzipiell beträgt die Dauer wenige Stunden, aber bei Bedarf auch mehrere Monate. Meist wird der genaue Zeitraum während des Komas selbst entschieden. Er hängt wesentlich vom Verlauf der Genesung und der damit verbundenen Erholung des Körpers ab.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Die Koma-Tiefe ist von der Grunderkrankung und dem individuellen Patientenzustand abhängig. Je tiefer der Arzt die Sedierung vornimmt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines unbeabsichtigten Aufwachsens. Wenn erhebliche Verletzungen vorliegen, beispielsweise ein Schädel-Hirn-Trauma, ist ein eher tiefes Koma sinnvoll.

Wenn eine deutliche gesundheitliche Verbesserung gegeben ist und die ursächliche Erkrankung stabilisiert werden konnte, leitet der Arzt allmählich die Aufwachphase ein. Je nach Dauer und Tiefe der Narkose reduziert er dabei schrittweise die Medikamente. Der zeitliche Verlauf nimmt häufig mehrere Tage in Anspruch.

Rehabilitation nach Schlaganfall, Koma und künstlicher Beatmung

Nach einem Schlaganfall, Koma oder längerer künstlicher Beatmung ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation beginnt idealerweise bereits auf der Intensivstation (Frührehabilitation) und wird in verschiedenen Phasen fortgesetzt.

Ziele der Rehabilitation:

  • Wiederherstellung von körperlichen Funktionen (z. B. Beweglichkeit, Kraft, Koordination)
  • Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten (z. B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration)
  • Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen
  • Psychische Stabilisierung und Krankheitsbewältigung
  • Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag und Beruf

Therapiemöglichkeiten:

  • Physiotherapie (Krankengymnastik): Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination, z. B. durch spezielle Übungen nach Bobath oder Vojta.
  • Ergotherapie (Beschäftigungstherapie): Wiedererlangung von Alltagskompetenzen, z. B. Anziehen, Essen, Körperpflege.
  • Logopädie (Sprachtherapie): Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Training von kognitiven Fähigkeiten, z. B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration.
  • Physikalische Therapie: Maßnahmen zur Schmerzlinderung, Elektrotherapie, Verbesserung von spastischen Bewegungsstörungen.
  • Psychotherapie: Krankheitsverarbeitung, Stressbewältigung, Einzeltherapie.

Phasen der Rehabilitation:

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall oder Koma erfolgt in verschiedenen Phasen, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Zustand des Patienten richten:

  • Phase A (Frührehabilitation): Intensivmedizinische Betreuung und erste therapeutische Maßnahmen auf der Intensivstation.
  • Phase B (Neurologische Frührehabilitation): Stabilisierung des Gesundheitszustandes und intensive therapeutische Behandlung in einer spezialisierten Klinik.
  • Phase C (Neurologische Rehabilitation): Weiterführende Rehabilitation zur Verbesserung von Funktionen und Fähigkeiten.
  • Phase D (Anschlussrehabilitation): Festigung der erreichten Fortschritte und Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag.
  • Phase E (Rehabilitation zur Teilhabe): Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Wiedereingliederung.
  • Phase F (Langzeitrehabilitation): Langfristige Betreuung und Unterstützung bei bleibenden Einschränkungen.

Wichtige Aspekte für eine erfolgreiche Rehabilitation:

  • Frühzeitiger Beginn der Rehabilitation
  • Individuelle Therapieplanung
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Aktive Mitarbeit des Patienten
  • Einbeziehung der Angehörigen
  • Regelmäßiges Training und Üben
  • Geduld und Ausdauer

Leben mit Tracheostoma: Pflege und Alltag

Wenn Betroffene nach einem Schlaganfall, Koma oder anderen schweren Erkrankungen dauerhaft beatmet werden müssen, kann ein Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) notwendig sein.

Pflege des Tracheostomas:

Die Pflege des Tracheostomas umfasst folgende Maßnahmen:

  • Reinigung des Tracheostomas: Regelmäßige Reinigung der Eintrittsstelle mit sterilen Kompressen und Desinfektionsmittel.
  • Absaugen von Sekret: Entfernung von Schleim und Sekret aus der Luftröhre mit einem Absaugkatheter.
  • Befeuchtung der Atemwege: Befeuchtung der Atemluft mit einem Vernebler oder einer "künstlichen Nase".
  • Wechsel der Trachealkanüle: Regelmäßiger Wechsel der Trachealkanüle durch medizinisches Fachpersonal.
  • Kontrolle der Haut: Beobachtung der Haut um das Tracheostoma auf Rötungen, Schwellungen oder Infektionen.

Alltag mit Tracheostoma:

Menschen mit Tracheostoma können ein weitgehend normales Leben führen. Es gibt jedoch einige Dinge zu beachten:

  • Sprechen: Mit einer speziellen Sprechkanüle oder einem Sprechventil ist das Sprechen möglich.
  • Essen und Trinken: In der Regel ist normales Essen und Trinken möglich, jedoch kann es anfangs zu Schluckbeschwerden kommen.
  • Hygiene: Auf eine gute Hygiene ist besonders zu achten, um Infektionen zu vermeiden.
  • Aktivitäten: Viele sportliche Aktivitäten sind möglich, jedoch sollte man sich vorab mit dem Arzt abstimmen.
  • Reisen: Reisen ist in der Regel problemlos möglich, jedoch sollte man sich vorab über die medizinische Versorgung am Zielort informieren.

Unterstützung und Beratung für Betroffene und Angehörige

Ein Schlaganfall, Koma oder die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung stellen Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen. Es gibt jedoch zahlreiche Angebote zur Unterstützung und Beratung:

  • Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken: Bieten umfassende Informationen und Beratung zu Behandlungsmöglichkeiten, Rehabilitation und Pflege.
  • Pflegestützpunkte: Informieren über Leistungen der Pflegeversicherung und vermitteln Kontakte zu ambulanten Pflegediensten und anderen Hilfsangeboten.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
  • Patientenorganisationen: Setzen sich für die Interessen von Patienten ein und bieten Informationen und Beratung.
  • Sozialdienste: Unterstützen bei der Organisation der Pflege und der Beantragung von Leistungen.

tags: #schlaganfall #koma #kunstliche #beatmung