Schmerzen im Großzeh: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Schmerzen im großen Zeh sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft und die Lebensqualität erheblich einschränken kann. Die Ursachen für diese Schmerzen können vielfältig sein, von leichten Verletzungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Eine präzise Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung und dauerhafte Schmerzfreiheit.

Ursachen von Schmerzen im großen Zeh

Die Ursachen für Schmerzen im großen Zeh sind vielfältig und reichen von mechanischen Problemen bis hin zu entzündlichen Erkrankungen. Im Folgenden werden einige der häufigsten Ursachen detailliert erläutert:

Hallux Valgus (Ballenzeh)

Eine häufige Ursache für Gelenkschmerzen im großen Zeh ist der sogenannte Ballenzeh, der in der Fachsprache Hallux valgus genannt wird. Dabei verschiebt sich der erste Mittelfußknochen - der Knochen, welcher den Mittelfuß mit dem großen Zeh verbindet - immer weiter nach außen. Dies führt dazu, dass sich der vordere Teil des Fußes verbreitert, während sich der Fußballen wölbt. Der große Zeh wird in Richtung des benachbarten Zehs gekrümmt. Hallux valgus kann wiederum eine Arthrose im Großzehengelenk begünstigen (Hallux rigidus). Auch andere Fehlstellungen können Gelenkschmerzen im großen Zeh begünstigen, etwa sogenannte Hammerzehen.

Mehrere Einflüsse führen zu einem Ballenzeh. Entgegen häufiger Vermutungen sind enge Schuhe nicht die Hauptauslöser: Sie können das Risiko für einen Hallux valgus zwar erhöhen und Probleme verstärken - vor allem Schuhe mit hohen Absätzen und spitz zulaufendem Vorfußbereich. Aber es gibt auch Menschen, die regelmäßig enge Schuhe tragen, ohne einen Hallux valgus zu bekommen. Umgekehrt kann es Menschen treffen, die meist bequeme und weite Schuhe tragen. Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger für einen Hallux valgus, möglicherweise sind die Sehnen und Bänder im Fuß bei ihnen etwas schwächer. Weitere Risikofaktoren sind Gelenkerkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis. Verkürzte Achillessehnen und Wadenmuskeln können ebenso dazu beitragen, dass ein Hallux valgus entsteht.

Hallux Rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks)

Der Hallux rigidus bezeichnet die Verschleißerscheinung (Arthrose) des Großzehengrundgelenks. Die Knorpelüberzüge der Gelenkflächen verschwinden, der Gelenkspalt verschmälert sich und es kommt zum aneinander reiben der Gelenkflächen bei Bewegung. Dies führt zu starken Schmerzen, Veränderungen der Knochen und am Gelenk und Bewegungseinschränkungen. Das Leitsymptom sind die Schmerzen im Großzehengrundgelenk beim Abrollen, das häufig von einem Reiben, Knacken und plötzliches Stechen begleitet ist, teilweise auch in Ruhe. Der Hallux rigidus tritt oft gemeinsam mit einem Hallux valgus, einer Fehlstellung der Großzehe auf. Eine Fehlstellung der Gelenkflächen kann dazu führen, dass die Gelenkinnenhaut einem erhöhten Druck ausgesetzt ist. Dadurch kann der Gelenkknorpel Schaden nehmen, was zu Schmerzen führt.

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Ursache für einen Hallux rigidus können eine Fehlstellung der Großzehe (Hallux), eine Verletzung im Vorfußbereich oder rheumatische Gelenkentzündungen sein. Durch die verminderte Beweglichkeit des Großzehengrundgelenkes treten vor allem beim Abrollen des Fußes oder beim Tragen weicher Sohlen Schmerzen auf. Beim Versuch, die Schmerzen zu vermeiden, kommt es oft zu Fehlbelastungen des Fußes. Die wiederum führen zur Ausbreitung der Schmerzen vor allem auf den Mittelfußknochen, eine sogenannte Metatarsalgie, aber auch auf Knie - oder Hüftgelenk.

Gicht

Gicht ist eine weit verbreitete Stoffwechselstörung und gehört zu den häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen (Arthritis) in den Industrieländern. Aufgrund ihres Zusammenhangs mit Ernährung und Lebensstil wird sie auch oft als "Wohlstandskrankheit" bezeichnet. Weltweit sind etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei die Erkrankung meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftritt. Männer haben ein deutlich höheres Risiko, an Gicht zu erkranken - sie sind zehn- bis zwanzigmal häufiger betroffen als Frauen und entwickeln die Krankheit oft früher. Frauen hingegen erkranken in der Regel erst nach den Wechseljahren, da hormonelle Einflüsse auf die Nieren eine schützende Rolle spielen.

Gicht ist eine Erkrankung, bei der sich winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, sogenannte Uratkristalle, in den Gelenken ablagern und dort Entzündungen verursachen. Harnsäure ist ein Abbauprodukt der Purine, welche Bestandteile der Erbsubstanz (DNA und RNA) sind. Diese Purine entstehen, wenn der Körper Zellen abbaut. Normalerweise scheidet der Körper einen Teil der Harnsäure über die Nieren aus. Bei Menschen mit Gicht funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht richtig, sodass die Harnsäurekonzentration im Blut ansteigt. Dies führt zur Bildung von Kristallen, die sich im Körpergewebe ablagern und die typischen Entzündungen und Schmerzen eines Gichtanfalls auslösen. Die Gelenke schwellen innerhalb von wenigen Stunden an und sind sehr schmerzempfindlich. In der Regel klingt die Entzündung jedoch innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab.

Ein Gichtanfall kündigt sich häufig durch eine plötzliche, sehr schmerzhafte Gelenkschwellung an, meist am großen Zeh, auch Podagra genannt. Die Schmerzen treten oft nachts oder in den frühen Morgenstunden auf. Das entzündete Gelenk ist druck- und berührungsempfindlich, überwärmt und gerötet. Die Schwellung erreicht meist nach sechs bis zwölf Stunden meist ihren Höhepunkt und kann bis zu zwei Wochen anhalten, bevor sie abklingt. Während des ersten Gichtanfalls ist oft nur ein Gelenk betroffen, in der Regel das Grundgelenk des großen Zehs. Andere mögliche betroffene Gelenke sind die Mittelfuß- und Sprunggelenke, Knie, Ellbogen sowie Hand- und Fingergelenke. In seltenen Fällen können auch die Schultern oder die Hüfte betroffen sein. Besteht die Gicht bereits länger, können sich sogenannte Gichtknoten bilden, die typischerweise an der Ohrmuschel, der Achillessehne oder in der Unterhaut an Händen und Ellenbogen auftreten.

Formen der Gicht

Es gibt verschiedene Formen der Gicht:

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  • Primäre Gicht: Die primäre Gicht ist die häufigste Form und beruht auf einer angeborenen Stoffwechselstörung, bei der die Nieren Harnsäure nicht ausreichend ausscheiden können. Etwa 90 Prozent der Gichtpatienten sind von dieser Form betroffen. Zusätzliche Risikofaktoren sind eine kalziumarme und purinreiche Ernährung, der Konsum von fruktosehaltigen Getränken und ein hoher Alkoholkonsum.
  • Sekundäre Gicht: Bei der sekundären Gicht, die bei etwa 10 Prozent der Betroffenen auftritt, führen andere Krankheiten oder Medikamente zu einem Harnsäureüberschuss oder einer verminderten Harnsäureausscheidung. Dazu gehören Nierenerkrankungen, entgleister Diabetes mellitus sowie Tumorerkrankungen wie Leukämie oder bestimmte Formen der hämolytischen Anämie, bei der die roten Blutkörperchen schneller abgebaut werden, als sie nachgebildet werden können.
  • Chronische Gicht: Die chronische Gicht ist heute dank besserer Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten selten. Sie entsteht, wenn die Krankheit lange Zeit unbehandelt bleibt. In diesem Stadium sind die Gelenke dauerhaft leicht entzündet und können sich mit der Zeit verformen, was zu Einschränkungen in der Beweglichkeit führt.

Rheumatoide Arthritis

Einer von 100 Erwachsenen in Deutschland leidet an einer rheumatoiden Arthritis. Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Gelenke. Zu Beginn der Erkrankung bemerken betroffene Personen vor allem Gelenkschmerzen in den Fingern und Zehen. Meist sind zu Beginn mehrere kleine Gelenke gleichzeitig betroffen. Die Gelenke sind geschwollen und lassen sich insbesondere morgens nur schwer bewegen. Im weiteren Verlauf sind meist auch weitere Gelenke von der Entzündung betroffen.

Nagelbettentzündung

Auch die Entzündung des Nagelbetts der großen Zehe kann zu Schmerzen führen, die sich meist dumpf im Bereich des gesamten Nagelbetts ausbreiten. Das Nagelbett ist der Bereich des Zehs, auf dem der Nagel den Fingern- oder Zehen-Endgliedern aufliegt. Durch Mikroverletzungen der Haut oder Risse der Nagelhaut kann es zum Eintritt von Krankheitserregern, meist Bakterien, kommen die dann eine Entzündung des Nagelbetts hervorrufen. Schmerzen, Rötung, Schwellung und Überwärmung, sowie sichtbare Eiteransammlungen unter dem Nagel sind möglich. Leitsymptom sind klopfende, pulssynchrone Schmerzen im großen Zeh im Ruhezustand besonders im großen Zeh vorne und der großer Zeh tut weh beim draufdrücken. Meistens wird die Entzündung mit desinfizierenden, beruhigenden Fußbädern und Salben konservativ behandelt, selten sind Antibiotika notwendig.

Knochenbruch

Auch ein Knochenbruch ist eine häufige Ursache für plötzliche Schmerzen im großen Zeh. Knochenbrüche der Zehen entstehen meistens durch Anpralltraumen, bei denen es aus Versehen zum Anstoßen an Stuhl- oder Tischbeine kommt. Meist ist der kleine Zeh aufgrund seiner Randlage betroffen, jedoch können auch Knochenbrüche der großen Zehe zustande kommen. Auch herabfallende Gegenstände können zu Knochenbrüchen der Zehen führen.

Kapselriss oder Zerrung

Gelenke werden von einer Kapsel umgeben, die durch Bänder stabilisiert wird und so die Bewegungsrichtung des Gelenks vorgibt. Innerhalb der Kapsel befindet sich die Gelenkflüssigkeit. Durch Zugbelastung an den Bändern kann es zu Zerrung zum Riss der Gelenkkapsel kommen. Am großen Zeh kann das vor allem beim Stolpern oder beim Aufkommen nach einem Sprung vor. Der Austritt von Gelenkflüssigkeit nach einem Kapselriss ist sehr schmerzhaft und führt ebenso wie die Zerrung zu einer deutlichen Schwellung des umliegenden Gewebes, besonders vorne im Zeh. Die Therapie erfolgt in der Regel konservativ mittels Ruhigstellung.

Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für Schmerzen im großen Zeh sind:

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  • Rheumatische Erkrankungen
  • Diabetische Neuropathie
  • Durchblutungsstörungen
  • Sehnenentzündungen (besonders der Strecksehne am großen Zeh)
  • Sesamoiditis (Entzündung der Sesambeine)
  • Eingewachsene Nägel

Begleitende Symptome

Es gibt eine Reihe begleitender Symptome, die gemeinschaftlich mit Schmerzen der großen Zehe auftreten können und Hinweise auf die zugrundeliegende Ursache geben können.

  • Schwellungen: Beim Auftreten von Schmerzen im großen Zeh kommt es begleitend oft zu Schwellungen desselbigen. Diese können je nach Ursache Zehen, den Vorfuß oder sogar den gesamten Fuß betreffen. Auch Einblutungen ins Gewebe (Hämatom), wie sie häufig beim Kapselriss vorkommen, gehen meist mit einer deutlich blau-violett verfärbten Schwellung einher. Schwellungen können aber auch im Rahmen einer entzündlichen Mitreaktionen des umgebenden Weichgewebes entstehen, die durch eine für Wassermoleküle erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße zu Wassereinlagerungen im Gewebe führen.
  • Rötungen: Auch Rötungen als Anzeichen eines Reizzustands mit gesteigerter Durchblutung können in der Umgebung der schmerzenden großen Zehe auftreten. Rötungen können bei vielen Ursachen für Reizzustände wie Entzündungen (z.B. Gicht, Nagelbettentzündung), Knochenbrüche, mechanische Reizung (Schleimbeutelentzündung) entstehen, müssen es aber nicht. Auch ein gemeinsames Vorkommen mit Schwellungen ist möglich, jedoch nicht zwingend erforderlich.
  • Knacken und Reiben: Die genaue Ursache vom Knacken in Gelenken bei deren Bewegung ist bisher nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass das schmerzlose Knacken von Gelenken schädlich sein kann oder als Hinweis auf vorhandene Krankheiten zu verstehen ist. Als Erklärung kommen unter Anderem im Gelenk entstandene, platzende Gasbläschen und veränderte, reibende Gelenkoberflächen in Betracht. Sollte das Knacken und Reiben jedoch in Verbindung mit Schmerzen auftreten, sollte an einen Hallux rigidus oder Arthrose der Sesambeine gedacht werden. Auch Entzündungen der Sehnen kann ein plötzliches Knacken und Reiben auslösen.
  • Schmerzen im Ballen: Der Ballen ist ein Teil der Fußsohle im Bereich der Zehengrundgelenke. Er ist im Alltag stark beansprucht und trägt gerade im Bereich der Großzehe einen erheblichen Teil des Körpergewichts. Bei Überlastung und Fehlbelastung durch falsches, zu hohes, enges Schuhwerk kommt es zu Schmerzen. Häufig sind für Schmerzen im Bereich des Großzehenballens Probleme des Großzehengrundgelenks, wie beispielsweise Hallux valgus, Hallux rigidus , Metatarsalgie oder Gicht verantwortlich. In selteneren Fällen können jedoch auch rheumatische Erkrankungen, Durchblutungsstörungen oder Erkrankungen der Nerven (z.B. Polyneuropathie) diese Schmerzen auslösen. Die Schmerzen treten meist unter Belastung auf, können im Verlauf aber auch in Zehenschmerzen im Ruhezustand übergehen.
  • Schmerzen am Nagel: Entzündungen und Einblutungen im Nagelbett nach Verletzungen, Nagelpilz oder eingewachsene Nägel können zu Schmerzen im Bereich des Nagels führen. In den meisten Fällen müssen Schmerzen am Nagel behandelt werden, um langwierige Komplikationen zu verhindern. Der eingewachsene Zehennagel entsteht meist durch falschen Schnitt der Nägel und sollte durch eine medizinische Fußpflege behandelt werden. Nagelbettentzündung, Nagelpilz und Einblutungen des Nagelbettes durch Verletzungen (meist durch herabfallende Gegenstände verursacht) sollten von einem Arzt inspiziert und wenn erforderlich behandelt werden. Bei eitrigen Nagelbettentzündungen und massiven Einblutungen ist es zur Schmerzreduktion und zum Erhalt des Nagels meist erforderlich den Nagel einzustechen, um die Flüssigkeit abfließen zu lassen.
  • Schmerzen beim Abrollen: Schmerzen im großen Zeh beim Abrollen sind häufig, da das Großzehengrundgelenk einer der wesentlichen Pfeiler des Fußgewölbes darstellt und so einen Auflagepunkt beim Abrollvorgang darstellt. Durch Arthrose im Großzeh, Fehlstellungen und Deformitäten von Fuß und Zehen kann es zu einem in der Großzehe schmerzhaften Abrollvorgang kommen. Auch nach Unfällen und Verletzungen von Gelenkkapsel, Bändern oder Knochen kann es beim Abrollen zu Schmerzen der Großzehe kommen. Weiterhin ist an Probleme mit den Sesambeinen zu denken. Die Sesambeine sind kleine Knochen unter dem Großzeh, die als eine Art Kniescheiben fungieren. Sesambein können brechen (Sesambeinbruch) und so Schmerzen beim Abrollen auf der Unterseite des großen Zehs verursachen oder auch eine Durchblutungsstörung entwickeln (M. Renander). Auch können überdehnte Sehnen am Großzeh Schmerzen beim Abrollen verursachen.
  • Nächtliche Schmerzen: Nächtlich einsetzende Schmerzen in der großen Zehe kommen häufig beim Auftreten eines akuten Gicht- Anfalls auf. Bei der Gicht handelt es sich um eine Erkrankung, die durch Stoffwechselstörungen zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken führt. Besonders häufig betroffen ist das Großzehengrundgelenk. Die oftmals sehr starken Schmerzen setzen nachts plötzlich ein und halten einige Tage an. Stechende Schmerzen im großen Zeh im Ruhezustand sind typisch.

Diagnose

Zu Beginn der Diagnostik bei Schmerzen im großen Zeh führt der Arzt eine Krankenbefragung (Anamnese) durch. Er fragt nach Art, Stärke, Dauer und auslösenden Faktoren des Schmerzes. Anschließend wird der Fuß untersucht. Zunächst betrachtet und betastet der Arzt den Fuß, dann bewegt er ihn passiv durch. Eine Röntgenaufnahme in verschiedenen Ebenen wird zur Beurteilung der knöchernen Strukturen angefertigt.

Weitere diagnostische Verfahren können sein:

  • Blutuntersuchung: Zur Bestimmung des Harnsäurespiegels und anderer Entzündungswerte.
  • Urintest: Zur Überprüfung der Harnsäureausscheidung.
  • Gelenkpunktion: Bei Verdacht auf eine Infektion oder Gicht, um Gelenkflüssigkeit zu entnehmen und zu untersuchen.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT oder CT, um den Zustand der Knochen, Knorpel und Weichteile zu beurteilen.
  • Fußdruckmessung (Podometrie): Um Fehlstellungen und Belastungsstörungen zu erkennen.
  • Laufbandanalyse: Um das Abrollverhalten des Fußes zu beurteilen und Fehlbelastungen zu identifizieren.

Behandlung

Die Behandlung von Schmerzen der großen Zehe richtet sich vor allem nach der vorliegenden Diagnose. Nur wenn die Ursache diagnostiziert wurde, ist eine effiziente Therapie und dauerhafte Schmerzfreiheit möglich.

Konservative Behandlung

Viele Ursachen von Schmerzen im großen Zeh können konservativ behandelt werden. Dazu gehören:

  • Schuhe mit ausreichend Platz für den großen Zeh: Enge Schuhe oder Schuhe mit wenig Zehenfreiheit können Schmerzen verstärken.
  • Kühlung mit Kältepack: Ein Kältepack, angewendet für 10-15 Minuten (mit einem Tuch zwischen Haut und Kühlpack), kann Schwellungen und Entzündungen lindern.
  • Schmerzlindernde Salben: Topische Schmerzsalben mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, Schmerzen direkt am Zeh zu lindern.
  • Kamillen- oder Epsom-Salz-Fußbäder: Ein warmes Fußbad mit Kamille oder Epsom-Salz kann entspannend wirken und hilft bei einer Nagelbettentzündung oder gereizten Gelenken.
  • Belastung anpassen: Vermeiden Sie langes Stehen oder Gehen, vor allem auf harten Untergründen.
  • Sanftes Anheben des Nagels: Ein Wattebäuschchen unter den Nagelrand kann helfen, den eingewachsenen Nagel leicht anzuheben und so den Druck auf das umgebende Gewebe zu verringern.
  • Regelmäßige Desinfektion: Bei einer Entzündung des Nagelbetts (Paronychie) ist die regelmäßige Reinigung und Desinfektion wichtig, um eine Infektion zu verhindern.
  • Trainingstherapie nach vorheriger Laufanalyse: Überlastungen, insbesondere bei Sportlern, entstehen oft durch ungünstige Lauftechnik.
  • Einlagen: Langfristig entlasten oft spezielle Einlagen oder Schuhe mit steifer Sohle im Vorfußbereich, die das Großzehengrundgelenk beim Abrollen des Fußes schonen. Die Schuheinlage ErgoPad redux hallux integriert für die Entlastung ein Versteifungselement, das Auslenkung des Gelenks reduziert. Auf diese Weise kann die Einlage Schmerzen minimieren. Das Versteifungselement wirkt Fehlbelastungen des Fußes entgegen, so lassen sich schmerzhafte Bewegungen vermeiden.
  • Physikalische Therapie: Bei der sogenannten Balneotherapie werden etwa Schwefelbäder gegen Entzündungen und Abnutzungserscheinungen des Gelenks eingesetzt. Die Elektrotherapie steigert über die Anwendung von elektrischem Strom die Durchblutung im behandelten Bereich, was oft zur Schmerzlinderung führt.

Medikamentöse Behandlung

Je nach Ursache der Schmerzen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
  • Kortikosteroide: In schwereren Fällen können Kortisonpräparate als Tablette eingenommen oder direkt in das betroffene Gelenk injiziert werden. Der Einsatz von Kortison ist jedoch meist auf kurze Zeit beschränkt, da es bei längerfristiger Anwendung zu Nebenwirkungen wie Bluthochdruck oder einem Anstieg des Blutzuckerspiegels kommen kann.
  • Colchicin: In seltenen Fällen kommt auch das aus der Pflanze der Herbstzeitlose hergestellte Gichtmedikament Colchicin zum Einsatz.
  • Harnsäuresenkende Medikamente: Bei Gicht werden Medikamente wie Allopurinol eingesetzt, um den Harnsäurespiegel im Blut zu senken und Gichtanfälle zu verhindern.

Operative Behandlung

Bei einigen Ursachen von Schmerzen im großen Zeh, insbesondere wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation erforderlich sein. Mögliche operative Eingriffe sind:

  • Cheilektomie: Bei Hallux rigidus kann das operative Abtragen der knöchernen Anbauten, die sogenannte Cheilektomie, sinnvoll sein. Die OP nimmt den Druck vom Gelenk und lindert den Schmerz. Der Zeh wird wieder beweglich, auch Abrollen ist wieder möglich. Die Cheilektomie stoppt den Verschleiß zwar nicht, sie schiebt die fortschreitende Zerstörung des Gelenkes und die starken Beschwerden aber ein paar Jahre hinaus.
  • Gelenkversteifung (Arthrodese): Bei weit fortgeschrittener Arthrose im Großzehengrundgelenk kann eine Versteifung des Gelenks (Arthrodese) in Betracht gezogen werden. Bei der Gelenkversteifung werden die zerstörten Gelenkflächen entfernt, überschüssiger Knochen abgetragen und die benachbarten Knochen mit Schrauben, einer Platte oder mit Draht aneinandergefügt, bis sie zusammengewachsen sind. Auf diese Weise sind die Schmerzen dauerhaft beseitigt, das Gelenk ist allerdings nicht mehr beweglich.
  • Hallux Valgus Operation: Bei einem Hallux valgus gibt es verschiedene operative Verfahren, um die Fehlstellung zu korrigieren und die Schmerzen zu lindern.
  • Implantation von Kunstgelenken: Bei weiter fortgeschrittener Arthrose kann ein Kunstgelenk als Ersatz des verlorengegangenen Knorpels eingesetzt werden. Dieses verhindert, dass Knochen auf Knochen reibt. Auch wenn die Implantate bei vielen Patienten Linderung und neue Beweglichkeit bringen, sind deren Standzeiten nicht vergleichbar mit Hüft- oder Kniegelenkersatz und im jeweiligen Einzelfall kritisch zu prüfen.

Hausmittel

Ergänzend zur medikamentösen Therapie können entzündungshemmende Hausmittel wie Ingwer, Kurkuma oder Teufelskralle eingesetzt werden. Tees aus Brennnessel oder Kamille unterstützen die Ausscheidung von Harnsäure, während Quarkwickel oder Kühlpads bei akuten Schmerzen Linderung verschaffen können.

Ernährung bei Gicht

Eine purinreiche Ernährung und ein ungesunder Lebensstil sind wesentliche Faktoren, die Gichtanfälle auslösen können. Lebensmittel mit einem Purin-Gehalt von mehr als 150 Milligramm pro 100 Gramm sollten, gemieden werden. Dazu gehören Fisch wie Hering, Fleisch wie Leber oder Niere, Meeresfrüchte und Hülsenfrüchte. Wenn diese Lebensmittel in größeren Mengen verzehrt werden, erhöhen sie das Risiko für einen Gichtanfall maßgeblich. Ideal ist dagegen eine Ernährung mit viel Gemüse, Ei- und Milchprodukten. Vermeiden Sie fettreiche Lebensmittel wie fettige Wurst, Schmalz oder Mayonnaise. Alkohol fördert die Bildung von Harnsäure und hemmt gleichzeitig deren Abbau. Die Folge: unsere Nieren scheiden weniger Harnsäure aus. Viele Studien belegen, dass gerade Bier und hochprozentiger Alkohol Gicht begünstigen. Getränke mit viel (Frucht)zucker, vor allem gezuckerte Getränke wie Cola, Fruchtsäfte oder süßstoffhaltige Limonaden verstärken die Purinbildung und hemmen zeitgleich die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Obst enthält zwar weniger Purin, hat jedoch beim Abbau der Fruktose eine ähnliche Wirkung.

Vorbeugung

Um Schmerzen in der großen Zehe dauerhaft vorzubeugen, kann die Durchführung einer Laufbandanalyse sinnvoll sein. Diese kann einen entscheidenden Beitrag zur Auswahl geeigneten Schuhwerks leisten. Das ist wichtig, um Fehl- und Überbelastungen des Fußes im Alltag und beim Sport zu vermeiden und Fehlstellungen am Fortschreiten zu hindern oder dieses zumindest zu verlangsamen. Des Weiteren kann der Untersucher Tipps zur Verbesserung und Ökonomisierung des Laufstils geben, sollte dies erforderlich sein. Die Analyse gliedert sich in Stand- Gang- und Laufanalyse, in denen das Laufverhalten per Drucksensoren in der Bodenplatte und Aufzeichnungen von Videokameras aus verschiedenen Blickrichtungen beobachtet wird. Besonders entscheidend ist das Verhalten des Fußes beim Aufsetzen auf den Boden, da in diesem Moment auftretende Fehlbelastungen meist gut mit speziellen Schuhen ausgeglichen werden können.

Um einem Hallux valgus zu vermeiden, empfehlen Fachleute, bequemes und flaches Schuhwerk zu tragen. Wenn man dem Vorfuß im Schuh ausreichend Platz lässt, verringert sich der seitliche Druck auf die Zehen und den Fußballen. Zudem wird geraten, viel barfuß zu laufen, um die Fußmuskulatur zu stärken und die natürliche Stellung des Fußes und der Zehen zu fördern.

Auch wenn man die familiäre, genetische Neigung zur Arthrose oder das Auftreten einer Arthrose nach Unfällen und Verletzungen nicht immer ganz vermeiden kann, gibt es doch einige Maßnahmen zur Vorbeugung. Die Arthrose ist häufig eine Folge von Fehl- oder Überbelastungen des Fußes, der Sie entgegenwirken können. So können Sie dem Hallux rigidus vorbeugen: Das Tragen von zu kleinen oder sehr hohen Schuhen vermeiden - stattdessen lieber flache, bequeme Schuhe mit ausreichend Platz für die Zehen wählen. Mit Fehlstellungen wie Plattfuß oder Ballenfuß rechtzeitig zum Arzt gehen. Starkes Übergewicht vermeiden. In Bewegung bleiben, ohne den Fuß zu überlasten. Verletzungen auskurieren und einen Arzt aufsuchen.

Dauer von Schmerzen am großen Zeh

Die Dauer von Schmerzen am großen Zeh kann nicht pauschal vorhergesagt werden. Sie hängt von der Ursache und Therapie der Schmerzen maßgeblich ab. Auch individuelle Heilungsverläufe, das Befolgen von Handlungsanweisungen und das selbständige Durchführen von Training zur Stärkung der Muskulatur spielen wesentliche Rollen.

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