Fibromyalgie: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze bei chronischen Muskel-, Sehnen- und Nervenschmerzen

Erschöpfung und chronische Schmerzen im ganzen Körper, insbesondere in Muskeln, Sehnen und Nerven, können auf ein Fibromyalgiesyndrom (FMS) hindeuten. Diese chronische Schmerzerkrankung, auch als „Faser-Muskel-Schmerz“ bekannt, beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsansätze der Fibromyalgie.

Was ist Fibromyalgie?

Die Fibromyalgie, früher auch als Weichteilrheuma bezeichnet, ist ein chronisches Schmerzsyndrom, das durch anhaltende Schmerzen im Bereich der Muskeln und Sehnenansätze gekennzeichnet ist. Der Begriff "Fibromyalgie" bedeutet wörtlich übersetzt Faser-Muskel-Schmerz. Neben den Schmerzen treten häufig Begleitsymptome wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme auf. Betroffene sind in ihren Aktivitäten und den Möglichkeiten eingeschränkt, sich in allen Bereichen ihres Lebens so zu entfalten, wie sie möchten. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichsten Symptome bezeichnen einige Mediziner die Krankheit auch als "Chamäleon".

Man schätzt, dass etwa zwei bis vier Prozent der westlichen Bevölkerung am Fibromyalgie-Syndrom erkrankt sind. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Eine Erkrankung im Kindesalter ist selten.

Ursachen der Fibromyalgie

Bis heute ist nicht geklärt, welche genauen Ursachen der Fibromyalgie zugrunde liegen. Derzeit geht man von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsbild aus, basierend auf einer Störung der Schmerzwahrnehmung. Vermutlich tragen unterschiedliche Faktoren und Auslöser zur Krankheitsentstehung bei.

Mögliche Risikofaktoren

  • Psychische und physische Stressoren am Arbeitsplatz
  • Neigung zu Depressionen
  • Genetische Veranlagung (familiäre Häufung)
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Hormonelle Umbruchphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre
  • Körperliche und seelische Traumata, wie Misshandlung oder sexueller Missbrauch

Neueste Erkenntnisse

Neueste Erkenntnisse zeigen, dass sich bei Betroffenen zahlreiche Unterschiede im Vergleich zu Gesunden nachweisen lassen, z. B. eine veränderte Reizverarbeitung im Gehirn oder Veränderungen im Bereich der schmerzleitenden Nervenfasern. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, ob diese Veränderungen Ursache oder Folge des Fibromyalgiesyndroms sind und ob sie für diese Erkrankung wirklich spezifisch sind.

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Symptome der Fibromyalgie

Das Hauptsymptom bei Fibromyalgie sind anhaltende Schmerzen von wechselnder Intensität und Lokalisation. Der Schmerz ist diffus und tritt vor allem im Bereich der Muskeln und Sehnen auf. Sehr häufig treten die Schmerzen an Armen und Beinen auf sowie am Nacken, Rücken oder Brustkorb. Die Schmerzen können anhaltend oder wiederkehrend sein und an wechselnden Stellen auftreten.

Weitere typische Beschwerden

  • Schlafstörungen (Ein- oder Durchschlafstörungen)
  • Chronische Müdigkeit bzw. das Gefühl, morgens nicht ausgeschlafen zu sein
  • Vermehrte körperliche und geistige Erschöpfung
  • Reizdarmsyndrom
  • Reizblase
  • Herzklopfen
  • Kopfschmerzen
  • Reizüberempfindlichkeit (empfindliche Augen, Berührungs-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit)
  • Nervosität, innere Unruhe
  • Niedergeschlagenheit, Antriebsverlust
  • Konzentrationsprobleme oder Vergesslichkeit ("Fibro-Nebel")

Häufig wird das Fibromyalgiesyndrom auch von seelischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen begleitet.

Schweregrade

Je nach Ausprägung der Beschwerden unterscheidet man bei Fibromyalgie unterschiedliche Schweregrade:

  • Leichtere Formen: Neben den chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen treten keine oder wenige andere körperliche oder seelische Beschwerden auf. Die Betroffenen sind im Alltag nicht oder nur wenig eingeschränkt.
  • Schwerere Formen: Die Betroffenen leiden neben den chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen unter zahlreichen und ausgeprägten weiteren körperlichen und seelischen Beschwerden und sind im Alltag mäßig bis deutlich beeinträchtigt.

Fibromyalgie-Schub

Bei manchen Patienten treten die Beschwerden auch in Schüben auf, bei denen sich Phasen mit starken Beschwerden und Phasen mit wenigen oder keinen Symptomen abwechseln. Bei einem starken Fibromyalgie-Schub können Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich eingeschränkt sein.

Diagnose der Fibromyalgie

Es gibt keine wegweisenden Untersuchungen, wie beispielsweise einen besonderen Blutwert, mit dem eine Fibromyalgie diagnostiziert werden kann. Typischerweise sind sogar alle Untersuchungsergebnisse völlig in Ordnung. Um die Diagnose „Fibromyalgie“ stellen zu können, müssen deshalb andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ebenfalls Ursache der Beschwerden sein könnten.

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Anamnese und körperliche Untersuchung

Um sich ein genaues Bild von der Erkrankung zu machen, stellt der Arzt im Rahmen seiner Anamnese verschiedene Fragen zur Vorgeschichte, z. B. zu körperlichen und seelischen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag sowie zu Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten.

Außerdem wird eine vollständige körperliche Untersuchung durchgeführt. Viele Jahre war das Vorliegen einer gewissen Anzahl von schmerzhaften Druckpunkten (so genannte Tender-Points) an bestimmten Körperstellen für die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms nötig. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist diese These überholt und die Tender-Points sind kein Diagnosekriterium mehr für die Fibromyalgie.

Laboruntersuchungen

Mit verschiedenen Laboruntersuchungen werden andere Erkrankungen ausgeschlossen, die zu ähnlichen Symptomen wie das Fibromyalgiesyndrom führen können, beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse.

Liegen die typischen Symptome des Fibromyalgiesyndroms vor und ergeben sich im Verlauf der Untersuchungen keine Hinweise für andere Erkrankungen, sind keine weiteren Untersuchungen, wie Röntgenuntersuchungen, nötig.

Behandlung der Fibromyalgie

Die Fibromyalgie kann nicht vollständig geheilt werden. Mit der Behandlung sollen die Funktionsfähigkeit im Alltag sowie die Lebensqualität erhalten und verbessert werden und die Beschwerden gelindert werden. Es ist wichtig für Patienten mit Fibromyalgiesyndrom zu lernen, mit der Erkrankung und den damit verbundenen Beeinträchtigungen besser zurechtzukommen.

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Da das Fibromyalgiesyndrom die Betroffenen in der Regel lebenslang begleitet, sind regelmäßige Behandlungsverfahren sowie Aktivitäten zur Selbstbehandlung sinnvoll, die von den Patienten eigenständig und regelmäßig durchgeführt werden können. Die Auswahl der Behandlungsmethoden wird dabei auf die Beschwerden und die persönliche Situation des Patienten abgestimmt und hängt auch vom Schweregrad der Erkrankung ab.

Körperbezogene Therapien und regelmäßige Bewegung

Schulmedizinisch behandelt man die Fibromyalgie mit körperlich aktivierenden Therapiemethoden und Bewegung. Besonders wirksam ist ein regelmäßiges, der Leistungsfähigkeit angepasstes Ausdauertraining, z. B. schnelles Spazierengehen, Walking, Aquajogging oder Fahrradfahren. Auch Trocken- und Wassergymnastik, Funktionstraining oder ein niedrig-dosiertes Krafttraining kombiniert mit Dehnungsübungen können hilfreich sein. Außerdem können meditative Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Yoga in Betracht gezogen werden.

Oft wird bei einer Fibromyalgie das Ausdauertraining mit Entspannungsverfahren und/oder psychotherapeutischen Verfahren, z. B. einer kognitiven Verhaltenstherapie, kombiniert.

Medikamentöse Therapie

In manchen Fällen ist auch eine zeitlich befristete Behandlung der Fibromyalgie mit Medikamenten sinnvoll. Hier werden besonders Antidepressiva oder Medikamente zur Veränderung der Schmerzwahrnehmung eingesetzt. Die Gabe von entzündungshemmenden oder morphinhaltigen Schmerzmitteln wird dagegen nicht empfohlen, da ein langfristiger schmerzlindernder Effekt nicht belegt ist. Insbesondere wird von der Einnahme von starken Opiaten abgeraten, da diese bei längerer Einnahme zu erheblichen Nebenwirkungen und Gewöhnung führen können.

Patientenschulung

Für Patienten mit Fibromyalgie ist es wichtig, gut über die Erkrankung Bescheid zu wissen und zu lernen, was sie gegen die Beschwerden selbst tun können. All das erfahren sie im Rahmen von Patientenschulungen. Hier beschäftigen sich Betroffene unter professioneller Anleitung und in kleinen Gruppen mit verschiedenen Themen, darunter:

  • Krankheitsbild und -verlauf der Fibromyalgie, Ursachen und Diagnostik
  • Unterschiedliche Therapiemethoden der Fibromyalgie und ihre Wirkung auf die Erkrankung
  • Wie man mit Schmerz und weiteren Beschwerden im Alltag besser zurechtkommt

Komplementärmedizinische Behandlungen

Klassische Naturheilverfahren und die Homöopathie können das Behandlungsspektrum bei Fibromyalgie erweitern. Im Krankenhaus für Naturheilweisen sind komplementäre Behandlungsmethoden deshalb fest in das Therapiekonzept des Fibromyalgiesyndroms integriert. Die Therapie greift auf verschiedenen Ebenen in das Schmerzgeschehen ein. Individuell abgestimmte Behandlungskonzepte nutzen die Synergieeffekte, die aus der Kombination von evidenzbasierter Schulmedizin und Komplementärmedizin entstehen.

Stressbewältigung und gesunde Lebensführung

Die Krankheitsbewältigung und eine gesunde Lebensführung spielen eine große Rolle für das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Patienten mit Fibromyalgiesyndrom. Im Rahmen der Ordnungstherapie werden Patienten dabei unterstützt, ihr physisches und psychisches Gleichgewicht zu finden und sie zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise zu motivieren, u. a. durch Schulung, bewegungstherapeutische Programme mit Anleitung zu regelmäßiger Bewegung und das Einüben von einfachen Entspannungstechniken.

Die Rolle der Atmung

Meine klinische Erfahrung aus den letzten Jahren, die ich durch Messungen der Sauerstoff- und Kohlendioxid Konzentration in der Atemluft untermauern konnte, zeigt vor allem eines: Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine charakteristische Stresserkrankung, die durch eine schwere, ebenfalls stressbedingte Atemstörung ausgelöst und aufrechterhalten wird.

Weitere Faktoren

Viele der weiter oben geschilderten klinischen Symptome des Fibromyalgie- Syndroms lassen sich also zurückführen auf die gerade geschilderten Prozesse im Organismus, die zu einer drastischen Minderung der Energieproduktion und zur Entwicklung von Muskelschmerzen führen.

Selbsthilfe und Eigenübungen

Selbsthilfe und Eigenübungen können Betroffene bei ihrem Ziel unterstützen, die FMS-Symptome zu reduzieren. Viele Menschen mit FMS vermeiden zunächst schmerzhafte Bewegungen - dabei sind die richtige Bewegung und Muskelentspannung essentiell.

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