Schmerzen nach Hirnblutung: Rehabilitation und Wege zur Verbesserung der Lebensqualität

Nach einer Hirnblutung ist der Weg zurück zu einem möglichst beschwerdefreien und selbstständigen Alltag oft eine Herausforderung. Die neurologische Rehabilitation (Reha) setzt hier an, um neurologische Ausfälle, Lähmungen und Folgeschäden zu behandeln oder zu lindern. Ziel ist die Wiederherstellung von Mobilität, Selbstversorgung und Lebensqualität.

Was ist neurologische Reha?

Die neurologische Reha unterstützt Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen oder Schädigungen des Nervensystems. Neben der Verbesserung motorischer und kognitiver Funktionen steht die Wiederherstellung der Selbstständigkeit im Vordergrund.

Voraussetzungen für eine neurologische Reha:

  • Rehabilitationsbedarf: Einschränkung der Selbstständigkeit, Mobilität oder Alltagsbewältigung.
  • Rehabilitationsfähigkeit: Aktive Teilnahme an Therapien und ausreichende Belastbarkeit.
  • Rehabilitationsprognose: Erwartung einer Verbesserung oder Stabilisierung des Gesundheitszustandes durch gezielte Maßnahmen.
  • Ärztliche Verordnung: Medizinische Einschätzung und Verordnung durch Ärztinnen und Ärzte.
  • Kostenübernahme: Genehmigung durch Krankenkassen, Rentenversicherungsträger oder andere Kostenträger.

Die neurologische Rehabilitation kann als Anschlussrehabilitation nach einem Krankenhausaufenthalt oder als Heilverfahren unabhängig von einer akuten stationären Behandlung erfolgen.

Erkrankungen, die von der Neuro-Reha unterstützt werden

Eine Behandlung in einer neurologischen Klinik oder Rehaklinik wird nach verschiedenen Erkrankungen verordnet. Dazu zählen:

  • Schlaganfall (Apoplex): Plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn.
  • Hirnblutung: Platzen oder Einreißen eines Blutgefäßes im Gehirn.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen des Gehirns durch Unfälle oder andere Einwirkungen.
  • Entzündungen des Nervensystems: Verursacht durch Erreger oder Autoimmunerkrankungen.
  • Hypoxische Hirnschädigung: Unzureichende Sauerstoffversorgung des Gehirns, z. B. infolge eines Herzstillstands.
  • Erkrankungen der Nerven und Muskeln: Z. B. Polyneuropathie oder Muskeldystrophie.

Das Ziel der neurologischen Reha ist es, Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, wieder am öffentlichen und sozialen Leben teilzunehmen und ihren Alltag mit größtmöglicher Selbstständigkeit zu bewältigen.

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Ziele der neurologischen Reha

  • Förderung der Selbstständigkeit: Unterstützung bei der Rückkehr in den Alltag durch Wiederherstellung grundlegender Fähigkeiten.
  • Verbesserung motorischer und kognitiver Funktionen: Therapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit, Koordination und Denkprozessen.
  • Wiedererlangung der Kommunikationsfähigkeit: Behandlung von Sprachstörungen, die z. B. nach einem Schlaganfall auftreten können.
  • Schmerzreduktion und Symptomlinderung: Maßnahmen zur Behandlung von Folgebeschwerden neurologischer Erkrankungen.
  • Individuelle Therapieplanung: Anpassung der Reha-Maßnahmen an die persönlichen Bedürfnisse und Fortschritte.
  • Unterstützung bei der beruflichen und sozialen Wiedereingliederung: Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in das Berufsleben oder soziale Aktivitäten.

Therapien und Behandlungen in der neurologischen Reha

Der Fokus der Therapie liegt auf der Bewältigung alltäglicher Lebenssituationen sowie der Verbesserung der Beweglichkeit, Kommunikationsfähigkeit und Gedächtnisleistung. Der Therapieplan wird individuell auf die neurologische Erkrankung, die Schwere der Schädigung und den Gesundheitszustand abgestimmt.

Therapieangebote:

  • Physiotherapie: Wiederherstellung der motorischen Funktionen, Verbesserung von Kraft, Koordination und Gleichgewicht, Förderung der Mobilität.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Wiedererlangung der Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten, wie Ankleiden, Essen und persönliche Hygiene.
  • Logopädie: Wiederherstellung und Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit, Training von Sprache, Sprechmotorik und Stimmfunktion, Förderung des sicheren Schluckens.
  • Psychologische Betreuung: Unterstützung bei der Verarbeitung der Erkrankung und ihren Folgen, Stabilisierung der psychischen Gesundheit.

Phasen der neurologischen Rehabilitation

Die neurologische Rehabilitation ist in mehrere Phasen unterteilt, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem individuellen Rehabilitationsbedarf richten:

  • Phase A - Akutbehandlung: Erste medizinische Versorgung im Krankenhaus oder auf einer Intensivstation zur Stabilisierung lebensbedrohlicher Zustände.
  • Phase B - Frührehabilitation: Intensive medizinische und therapeutische Betreuung für schwer betroffene Patientinnen und Patienten, die noch auf umfassende Unterstützung angewiesen sind.
  • Phase C - Weiterführende Rehabilitation: Patientinnen und Patienten können aktiv an Therapien teilnehmen, um ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen.
  • Phase D - Medizinische Rehabilitation: Fokus auf die Rückkehr in den Alltag oder ins Berufsleben durch gezielte Therapieprogramme.
  • Phase E - Nachsorge und berufliche Wiedereingliederung: Ambulante oder teilstationäre Maßnahmen zur langfristigen Stabilisierung und Integration.
  • Phase F - Aktivierende, zustandserhaltende Langzeitpflege: Betreuung von Patientinnen und Patienten, die langfristig auf Pflege und therapeutische Maßnahmen angewiesen sind.

Patientinnen und Patienten wechseln in der Regel direkt von der neurologischen Frühreha (Phase B) in die Phase C. Ein Aufenthalt in der Frührehabilitation dauert durchschnittlich etwa 25 Tage. Während einige Patientinnen und Patienten nach drei bis sechs Wochen bereits deutliche Verbesserungen erzielen, kann die Therapie in schwereren Fällen über einen längeren Zeitraum erforderlich sein. Ambulante oder teilstationäre Reha-Maßnahmen in Phase E können sich über mehrere Monate erstrecken.

Frührehabilitation nach Hirnblutung: Schritte zum Erfolg

Die Frührehabilitation nach einer Hirnblutung ist ein komplexer und mehrstufiger Prozess, der idealerweise bereits während des Aufenthalts auf der Intensivstation beginnt und sich in spezialisierten Einrichtungen fortsetzt.

Medizinische Stabilisierung

Unmittelbar nach einer Hirnblutung steht die medizinische Stabilisierung im Vordergrund. In dieser Phase sind die Überwachung der Vitalfunktionen, die Kontrolle des Drucks innerhalb des Schädels (intrakranieller Druck) und die Vermeidung von Sekundärschäden entscheidend. Die Entwöhnung von der Beatmungsmaschine ist dann oftmals das erste Rehabilitationsziel.

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Interdisziplinäres Team

Von Beginn an arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen und Neuropsycholog:innen eng und vertrauensvoll zusammen. Bei Aufnahme in die Frührehabilitation werden viele der Patient:innen noch maschinell beatmet. Das erste Therapieziel besteht häufig in der Entwöhnung vom Beatmungsgerät. Trachealkanülen werden oftmals als Beatmungszugang bei langfristiger Beatmung angelegt. Auch nach einer erfolgreichen Entwöhnung vom Beatmungsgerät können die Ärzt:innen einliegende Trachealkanülen nur in den seltensten Fällen sofort entfernen, denn die Kanülen schützen vor dem sogenannten Einatmungssog (Aspirationen), der zu einer Lungenentzündung führen kann.

Schluckstörungen

Schluckstörungen sind eine sehr häufige Folge von Hirnblutungen. Sie führen nicht selten durch Verschlucken zu schweren Lungenentzündungen. Deshalb widmen die behandelnden Teams diesem Problem besondere Aufmerksamkeit. Für die Diagnostik stehen radiologische und endoskopische Verfahren zur Bewertung des Schluckens zur Verfügung.

Physiotherapie

Die Physiotherapie konzentriert sich auf die Wiederherstellung der motorischen Funktionen, auf die Verbesserung von Kraft, Koordination und Gleichgewicht sowie auf die Förderung der Mobilität. Mit moderner Technik wie dem Lokomat® (für das Gehen) oder dem Armeo® (für Arm- und Handbewegungen) können Bewegungen effektiv geübt werden. Durch die Behandlung mit Botulinumtoxin lassen sich Muskelverkrampfungen lockern und Beschwerden wie Schmerzen oder erhöhter Speichelfluss reduzieren.

Ergotherapie

Kognitive Beeinträchtigungen und Sprachstörungen sind häufige Folgen einer Hirnblutung. Die Ergotherapie unterstützt Patient:innen dabei, ihre Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten wiederzuerlangen. Dazu gehören das Ankleiden, Essen und die persönliche Hygiene.

Psychosoziale Unterstützung

Emotionale und psychosoziale Unterstützung ist entscheidend für den Erfolg der Rehabilitation. In dem dynamischen Prozess der Frührehabilitation nach einer Hirnblutung bewerten die behandelnden Teams den Zustand ihrer Patient:innen regelmäßig neu und passen die Therapie an.

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Herausforderungen und Perspektiven in der neurologischen Rehabilitation

Trotz der Fortschritte in der neurologischen Rehabilitation gibt es weiterhin Herausforderungen. Die begrenzte Anzahl an Reha-Plätzen, insbesondere in der Frührehabilitation (Phase B), führt dazu, dass Patientinnen häufig nicht in die richtige Rehaphase oder zu spät verlegt werden. Eine bessere Vergütung für die Versorgung von Phase-C- und D-Patientinnen sowie der Abbau bürokratischer Hürden könnten die Situation verbessern.

Intersektorale Versorgung

Die intersektorale Versorgung, also die Zusammenarbeit zwischen Akutkliniken, Rehakliniken und niedergelassenen Ärzten, bietet ebenfalls Potenzial zur Verbesserung. Ein optimierter Informationsfluss und verbesserte Kommunikationskanäle sind hierfür entscheidend.

Sekundärprophylaxe

In der Sekundärprophylaxe zur Verhinderung eines weiteren Schlaganfalls hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Eine konsequente Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten oder Diabetes sowie der Verzicht auf Nikotin können das Risiko eines erneuten Ereignisses deutlich senken.

Neurologische Reha: Schritt für Schritt zurück ins Leben

Die neurologische Reha unterstützt Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall, Parkinson, Multipler Sklerose oder Hirnverletzungen dabei, Fähigkeiten neu zu erlernen und Selbstständigkeit zu fördern. Die Behandlung umfasst eine Vielzahl von neurologischen Erkrankungen wie Lähmungen und Gefühlsstörungen, Störungen des Gleichgewichts, des Gedächtnisses und anderer Funktionen des Gehirns (z. B. Sehverarbeitung, Sprache, Bewusstsein, Schlaf).

Diagnostik

Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine umfassende Untersuchung und Befragung zu Krankheitsverlauf, persönlicher Situation und Beschwerden. Zur Diagnostik werden unter anderem folgende Methoden angewendet:

  • Elektromyographie (EMG)
  • Elektroneurographie (ENG)
  • Messung evozierter Potenziale
  • Magnetfeldstimulation
  • Langzeit-EKG, Langzeit-RR
  • Endoskopische und radiologische Schluckdiagnostik
  • Intra- und extrakranielle Farbduplexuntersuchungen der Hirnblutgefäße
  • Neuropsychologische Tests
  • Fahrtauglichkeit
  • Gesichtsfelddiagnostik
  • Umfangreiche Labordiagnostik
  • Ultraschall der Bauchorgane, Schilddrüse, und Blutgefäße
  • Echokardiographie
  • Lungenfunktionsdiagnostik
  • Röntgenanlage, inkl. Durchleuchtungsmöglichkeit
  • Umfangreiche Assessments zur Beurteilung der vorhandenen Funktionsstörungen und Behinderungen
  • Standardisierte neuropsychologische Testverfahren zur Beurteilung kognitiver Störungen

Ärztliche Behandlung

Die neurologischen Fachärzte führen gemeinsam mit den Fachärzten der Intensivmedizin, Inneren Medizin, Gastroenterologie und Kardiologie alle notwendigen medizinischen Behandlungen fort und greifen auf die umfangreichen diagnostischen Möglichkeiten der Abteilung zurück. Zu den spezifischen ärztlichen Therapien gehören:

  • Botulinumtoxin-Injektionen bei Spastik und Dystonie
  • Behandlung von Patienten mit Tiefer Hirnstimulation
  • Behandlung von Parkinson-Patienten mit Medikamentenpumpen
  • Behandlung von Patienten mit Baclofenpumpen; auch intrathekale Baclofen-Testung
  • Behandlung von Patienten mit Herzunterstützungssystemen
  • Diagnostische und therapeutische Punktionen
  • Anlage und Wechsel von suprapubischen Blasenkathetern

Therapie-Methoden im Überblick

  • Physiotherapie: Verbesserung des Bewegungssystems und -verhaltens, Regulierung von Funktionsstörungen innerer Organe, Verbesserung von Eigen- und Fremdwahrnehmung, Sozialkompetenz, psychische Leistungsfähigkeit, Schmerzlinderung, Förderung der Eigenständigkeit und Aktivierung von Selbstheilungskräften.
  • Physikalische Therapie: Wärmetherapie, Kryo-Therapie, Elektrotherapie, Massagen, Lymphdrainagen, Inhalationen.
  • Ergotherapie: Behandlung motorischer/sensibler Funktionseinschränkungen und kognitiver Störungen, Unterstützung bei der Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag und Beruf.
  • Neuropsychologie: Diagnostik und Therapie kognitiver, visueller, emotionaler und Verhaltensveränderungen nach Hirnverletzungen.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
  • Ernährungsberatung: Spezielle Beratung für Patienten mit Schluckstörungen, Diabetes mellitus, Adipositas oder Hypercholesterinämie.
  • Sozialberatung: Unterstützung bei Fragen der beruflichen Wiedereingliederung, der Lösung von Problemen im häuslichen Umfeld und bei der Vermittlung von Pflegeplätzen und ambulanter Pflegehilfe.
  • Tiergestützte Therapie: Einsatz eines Therapiehundes.
  • Berufliche Rehabilitation (MBOR): Unterstützung bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach neurologischen Erkrankungen.

Schlaganfall-Rehabilitation: Ein individueller Ansatz

Der Schlaganfall ist eine komplexe Erkrankung, die unterschiedliche Ursachen haben kann und individuelle Therapieansätze erfordert. Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle, damit Betroffene ihren Alltag möglichst selbstständig gestalten können. Die Vielfalt der Rehabilitationsmöglichkeiten, wie Akutrehabilitation, stationäre, teilstationäre oder ambulante Rehabilitation, kann für Patienten verwirrend sein. Unabhängig von der Art des Schlaganfalls ist eine frühzeitige Einleitung der geeigneten Rehabilitationsbehandlung entscheidend, da dies die Erfolgsaussichten der Therapie verbessert.

Psychosoziale Hilfen

Psychologische und pädagogische Angebote in der Reha-Klinik können helfen, die verfolgten Behandlungsziele zu sichern und Krankheitsfolgen zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten. Bei Bedarf kommen zum Einsatz:

  • Hilfen zur seelischen Stabilisierung und zur Förderung der sozialen Kompetenz
  • Training lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Hilfen zur Unterstützung bei der Krankheits- und Behinderungsverarbeitung
  • Hilfen zur Aktivierung von Selbsthilfepotenzialen
  • Information und Beratung von Partnern und Angehörigen sowie von Vorgesetzten und Kollegen
  • Vermittlung von Kontakten zu örtlichen Selbsthilfe- und Beratungsmöglichkeiten

Häufige Folgen und Funktionsstörungen

  • Lähmungen (Paresen)
  • Störungen des Muskeltonus (Spastik)
  • Sprach-/Sprechstörungen
  • Schluckstörungen
  • Störungen der Stimmung und des Antriebs
  • Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses
  • Einschränkung der Alltagskompetenz

Behandlung von Lähmungen

Nach Schädigungen des Gehirns oder Rückenmarks treten häufig Lähmungen auf. Bei einer Lähmung der oberen Extremitäten (Arm, Hand) sind häufig die Alltagshandlungen eingeschränkt wie das Greifen oder Manipulieren von Gegenständen. Bei Lähmungen der unteren Extremitäten (Bein) sind vor allem Gang- und Standfunktionen beeinträchtigt, so z.B. das Gehen ohne Sturzgefahr. Aufgabe der neurologischen Rehabilitation (insbesondere der Physio- und Ergotherapie) ist eine möglichst gute Wiederherstellung der gestörten motorischen Funktionen. Dies wird vor allem durch wiederholtes, aufgabenorientiertes Üben erreicht.

Behandlung von Spastik

Auch wenn keine Lähmung vorliegt, kann die gezielte Ansteuerung von Bewegungen beeinträchtigt sein. Besonders häufig ist eine zu hohe Muskelspannung (Spastik), die langfristig zu einer Fehlstellung von Gelenken und Extremitäten führen kann. Durch physiotherapeutische Maßnahmen alleine kann oftmals keine ausreichende Besserung erreicht werden. Daher werden für diese Störungen vor allem Medikamente eingesetzt, die entweder als Tablette, lokal in den überaktiven Muskeln (Injektion von Botulinumtoxin) oder sogar durch Implantation einer Medikamentenpumpe in den Rückenmarkskanal appliziert werden.

Behandlung von Sprach-/Sprechstörungen

Die Sprache ist die wesentliche Grundlage für die Kommunikation zwischen Menschen. Bei vielen Schädigungen des Gehirns ist das Verständnis oder die Produktion von Sprache eingeschränkt. Das Übungsprogramm bei derartigen Defiziten erinnert oft an das Erlernen einer Fremdsprache. In der neurologischen Rehabilitation wird dieses Training vor allem durch Sprachtherapeuten durchgeführt.

Behandlung von Schluckstörungen

Auch wenn es uns im Alltag nicht so bewusst wird, ist das Schlucken von Speisen und Getränken ein hochkomplexer Vorgang, der ein präzises, zeitlich sehr genau koordiniertes Zusammenspiel vieler Muskelgruppen im Rachen erfordert. Bei vielen neurologischen Erkrankungen ist die Präzision dieser Abläufe eingeschränkt, was zum Verschlucken und möglicherweise nachfolgend auch zu Komplikationen (z.B. Lungenentzündung) führen kann. Auf der Vermeidung derartiger Komplikationen liegt ein wesentliches Augenmerk, insbesondere in der neurologischen Frührehabilitation. Die Schluckfunktionen können trainiert werden, allerdings kann eine Besserung u.U. lange dauern. Für eine Zwischenzeit ist es daher möglicherweise erforderlich, Nahrung und Getränke in einer anderen Konsistenz anzubieten. Manchmal ist auch das Anlegen einer Ernährungssonde erforderlich.

Behandlung von Störungen der Stimmung und des Antriebs

Nach Aufnahme in die Reha-Klinik, gerade auch nach einer langen Behandlung in Akutkrankenhäusern, kommen Patienten häufig zum ersten Mal zur Ruhe und realisieren ihre neuen Defizite. Dabei schränkt eine Hirnschädigung selber häufig die Fähigkeit ein, derartige Belastungen zu verarbeiten. Daher erfahren viele Patienten im Laufe ihrer Rehabilitation eine Minderung von Stimmung und/oder Antrieb. Die Behandlung derartiger Defizite erfordert eine einfühlsame, interdisziplinäre Behandlung, vor allem in enger Absprache zwischen Ärzten, Pflegern und Neuropsychologen. Oft reichen Gespräche alleine nicht aus, um eine dauerhafte Besserung zu erreichen, sodass ergänzend auch moderne Medikamente angeboten werden.

Behandlung von Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses

Die effektive Verarbeitung und Speicherung der vielen gleichzeitig eintreffenden Sinneseindrücke ist wohl die größte Leistung des menschlichen Gehirns. Daher ist gerade diese Funktion nach einer neurologischen Erkrankung häufig sehr früh und manchmal sehr lange beeinträchtigt. Häufig reicht die Behandlungsnotwendigkeit über die stationäre Behandlung hinaus. Vor allem Experten für Neuropsychologie haben eine besondere Expertise darin, diese Defizite genau zu identifizieren und dann gezielt zu trainieren.

Dauer einer Reha nach Hirnblutungen

Die Reha nach Hirnblutungen ist eine Langzeitbehandlung. Dabei wird mittels verschiedener Methoden versucht, Folgeschäden zu begrenzen und weitere Blutungen in der Zukunft zu vermeiden. Bei besonders starken Hirnblutungen kann auch eine mehrjährige Reha notwendig sein.

Vorbereitung der weiteren Versorgung

Jede Rehabilitation ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu dem endgültigen Ziel: der Entlassung in den Alltag. Nicht bei allen Patienten ist eine Rückkehr in das bisherige Umfeld möglich, bei manchen müssen neue Wohnformen gefunden werden. Bei anderen Patienten muss möglicherweise eine berufliche Umorientierung erfolgen. Für alle diese Fragen werden Patienten und ihre Angehörigen intensiv vor allem durch die Sozialdienstmitarbeiter der Kliniken beraten, die sich eng mit den Ärzten, den Pflegern und den Therapeuten abstimmen.

Häufig gestellte Fragen zur neurologischen Reha bei Schlaganfall

  • Welche Rehaklinik kann nach einem Schlaganfall besucht werden? Es gibt spezialisierte neurologische Rehakliniken, die auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten ausgerichtet sind.
  • Wann sollte die Reha nach einem Schlaganfall beginnen? Eine geeignete Rehabehandlung nach einem Schlaganfall muss so schnell wie möglich einsetzen.
  • Wie sieht die Behandlung nach einem Schlaganfall aus? In der Schlaganfall Behandlung wird der Therapieplan individuell auf die Form und die daraus resultierende Beeinträchtigung des Patienten abgestimmt, z.B. Ergotherapie, Logopädie und Physioptherapie.
  • Wie lange dauert eine Schlaganfall-Reha? Der Aufenthalt in einer Reha-Klinik dauert meist 4 bis 6 Wochen.
  • Was kann eine Schlaganfall-Reha erreichen? Das Ziel der Rehabilitation ist, verlorengegangene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen oder - wo das nicht möglich erscheint - mit dem Patienten Kompensationsstrategien einzuüben.
  • Wie beantrage ich eine Schlaganfall-Reha? Informationen zur Beantragung einer Schlaganfall-Reha sind bei Krankenkassen, Rentenversicherungsträgern oder den behandelnden Ärzten erhältlich.

Armrehabilitation nach Schlaganfall

Armlähmungen gehören zu den häufigsten Folgen einer Hirnschädigung, wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall. Die Armlähmung kann sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig beobachtet werden leichtere Lähmungen und auch sehr schwere Lähmungen. Patienten mit einer schweren Armlähmung können ihren Arm oft im Alltag gar nicht oder nur sehr eingeschränkt einsetzen. Diesen Patienten fällt es schwer, einzelne Abschnitte im Arm willentlich zu bewegen. Das gilt zum Beispiel für den Arm im Schulterbereich, im Ellenbogen, im Handgelenk oder in den Fingern. Zu dem Problem der stark beeinträchtigten willentlichen Bewegungsfähigkeit kommt oft noch eine erhöhte Muskelanspannung („Spastik“) hinzu. Betroffene mit leichten Armlähmungen können ihren Arm zwar bewegen und im Alltag einsetzen. Die Bewegungen sind dabei aber oftmals noch verlangsamt und „ungeschickt“.

Ursachen von Armlähmungen

Im Gehirn gibt es Gebiete, die für die Steuerung jeder Bewegung erforderlich sind. In der linken Hirnhälfte liegen diese für die rechte Körperseite, in der rechten Hirnhälfte für die linke Körperseite. Man nennt diese Gebiete „motorischer Kortex“ (Hirnrinde). Eine Lähmung entsteht, wenn entweder der motorische Kortex selbst geschädigt ist. Oder wenn die Nervenleitbahnen vom motorischen Kortex zum Rückenmark geschädigt sind (die sogenannten „kortikospinalen Bahnen“). Die Lähmung nach einer Hirnschädigung kann als eine Störung der Bewegungskontrolle verstanden werden.

Diagnostik von Armlähmungen

Ob eine Armlähmung nach einem Schlaganfall vorliegt, stellt der behandelnde Arzt in der klinisch-neurologischen Untersuchung vom. Liegt eine Lähmung vor, prüft er, wie stark sie ausgeprägt ist. Anschließend geht es darum, Therapieziele gemeinsam festzulegen, geeignete therapeutische Vorgehensweisen auszusuchen und im Verlauf die Therapieerfolge möglichst objektiv festzuhalten. Dabei können standardisierte klinische Beurteilungsmethoden nützlich sein. Diese Tests werden als „Beurteilungsskalen“ oder auch als „Assessment“-Verfahren bezeichnet.

Therapieansätze in der Arm-Rehabilitation

In der Arm-Rehabilitation können sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze gewählt werden. Einerseits gibt es verschiedene Therapieformen ohne technische Geräte, um in der Ergo- oder Physiotherapie den betroffenen Arm aktiv zu trainieren. Hinsichtlich der Dauer und Intensität der Therapie sollte die Rehabilitation der Armmotorik früh nach einem Schlaganfall beginnen. Insbesondere in der frühen Phase nach dem Schlaganfall wird empfohlen, dass eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation für mindestens 30 Minuten jeden Werktag erfolgt. In der späten Krankheitsphase (zum Beispiel ein Jahr und später nach einem Schlaganfall) können spezifische Maßnahmen der Armrehabilitation empfehlenswert sein, wie zum Beispiel 90-270 Minuten pro Woche ein strukturiertes, sich wiederholendes Training.

Zu den Therapieansätzen gehören:

  • Arm-Basis-Training
  • Arm-Fähigkeits-Training
  • Bewegungsinduktionstherapie (CIMT)
  • Spiegeltherapie
  • Mentales Training
  • Neuromuskuläre Elektrostimulation
  • Arm-Therapie-Roboter
  • Sensible Stimulation
  • Akupunktur

Sehstörungen nach Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann den Sehnerv betreffen, sodass es zu Sehstörungen oder zu einer Gesichtsfeldeinschränkung kommen kann. Neuromuskuläre Schädigungen bedeuten nicht, dass die Augen defekt sind.

Sehstörung durch neuromuskulären Kontrollverlust

Wenn der Schlaganfall die Kontrolle über die Augenmuskeln beeinträchtigt, beeinflusst dies die Sehkraft. Ein typisches Symptom ist die Doppelsichtigkeit.

Gesichtsfeldeinschränkung durch mangelnde Verarbeitungsfähigkeit

Wenn das Gehirn visuelle Signale nicht verarbeiten kann, spricht man von einem Gesichtsfeldverlust. Dieser gehört zu den häufigsten Sehstörungen nach einem Schlaganfall. Es handelt sich nicht um eine Schädigung der Augen, sondern um eine Aufmerksamkeitsstörung. Die Sehnerven können das, was sie sehen, nicht an das Gehirn weiterleiten. Die Umgebung wird nur noch mit einem Auge oder mit einem kleinen Ausschnitt des Gesichtsfeldes wahrgenommen. Dadurch kann es passieren, dass Personen und Gegenstände übersehen werden. Der visuelle Überblick geht verloren und es kommt zu Unsicherheiten und Einschränkungen im Alltag sowie zu Schwierigkeiten beim Lesen.

Hemineglect

Auch ein Hemineglect ist eine Aufmerksamkeitsstörung. Dies bezieht sich aber nicht nur auf das Sehen, sondern auf alle Sinne, d.h. auch auf das Fühlen, Hören, Schmecken und Riechen. Folge eines Schlaganfalls kann eine einseitige Störung, ein sogenannter Hemineglect, sein.

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