Ursachen von Unterschenkelschmerzen durch Nerven: Ein umfassender Leitfaden

Unterschenkelschmerzen können vielfältige Ursachen haben, wobei Nervenprobleme eine wichtige Rolle spielen. Es ist entscheidend, die genaue Ursache zu ermitteln, um eine effektive Behandlung zu gewährleisten. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über mögliche Ursachen von Unterschenkelschmerzen, die mit Nerven zusammenhängen, sowie über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

Schmerzen im Unterschenkel können sehr vielfältig sein und unterschiedliche Ursachen haben. Nervenbedingte Schmerzen sind besonders ernst zu nehmen, da sie oft auf tieferliegende Probleme hinweisen. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die verschiedenen Ursachen besser zu verstehen und die richtigen Schritte zur Diagnose und Behandlung einzuleiten.

Ursachen von Unterschenkelschmerzen, die mit Nerven zusammenhängen

Nervenkompression

Eine Kompression oder Reizung von Nerven im Unterschenkelbereich kann Schmerzen verursachen. Dies kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein:

  • Einklemmung der Nerven: Nerven können durch umliegendes Gewebe, Knochen oder Muskeln eingeklemmt werden.
  • Ischiasbeschwerden oder Bandscheibenvorfall L5/S1: In seltenen Fällen können Schmerzen in der Rückseite des Unterschenkels durch eine Reizung des Ischiasnervs verursacht werden.
  • Spinalkanalstenose der LWS: Auch eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kann als Ursache in Betracht gezogen werden.

Polyneuropathie

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, d.h. der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Sie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  • Diabetes mellitus: Etwa jeder dritte Diabetiker ist von Polyneuropathie betroffen. Hohe Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann ebenfalls zu Nervenschäden führen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B1, B2, B6, B12 oder E kann eine Polyneuropathie verursachen.
  • Schwermetallvergiftung: Blei, Arsen, Thallium und Quecksilber können Nervenschäden verursachen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, Interferone und Virustherapeutika, können als Nebenwirkung eine Polyneuropathie auslösen.
  • Genetische Faktoren: Es gibt auch genetisch bedingte Polyneuropathien.
  • Entzündliche Erkrankungen: Borreliose, Gefäßentzündungen und HIV/AIDS können ebenfalls zu Polyneuropathie führen.

Symptome der Polyneuropathie:

  • Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle in Füßen und Beinen
  • Schmerzen, oft als Brennen oder Stechen empfunden
  • Überempfindlichkeit
  • Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Muskelzucken
  • Gangschwierigkeiten, Unsicherheiten beim Gehen
  • Störungen der Herzfunktion
  • Verdauungsstörungen
  • Blasenentleerungsstörungen

Nervenschmerzen

Nervenschmerzen sind sehr starke Schmerzen, die von neurologischen Ausfällen begleitet sein können. Betroffene leiden unter Gefühlsstörungen wie Missempfindungen (z. B. Kribbeln) oder Taubheit. Auch Fehlfunktionen der von den Nerven versorgten Muskeln sind mögliche Auswirkungen mit Schwäche bis hin zu Lähmungen.

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Ursachen von Nervenschmerzen:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats: Fehlstellungen der Wirbelkörper, Bandscheibenvorfälle, Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen können Nervenschmerzen verursachen.
  • Neuropathische Schmerzen: Hier sind die Nerven selbst oder die sie versorgenden Blutgefäße erkrankt. Häufige Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose sowie Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Infektionen oder Verletzungen.
  • Gürtelrose: Eine Spätfolge der Windpocken, bei der sich ein Nerv entzündet, was mit Schmerzen und Missempfindungen einhergeht.

Verletzungen

Direkte Verletzungen der Nerven können ebenfalls Schmerzen im Unterschenkel verursachen:

  • Wadenbeinbruch: Ein größeres Trauma kann eine Fraktur des Wadenbeins auslösen, was eine Belastung des Beines oft unmöglich macht.
  • Stressfraktur: Eine Überlastungsfraktur des Waden- oder Schienbeinknochens kann durch wiederholte Belastungen entstehen, z.B. bei Langstreckenläufern.
  • Muskelverletzungen: Eine Muskelverletzung am Unterschenkel / Wade kann ebenfalls eine mögliche Ursache für Schmerzen sein und ist in der Regel durch Schonung in wenigen Tagen wieder verheilt.

Lokalisation der Schmerzen und mögliche Ursachen

Die Lokalisation der Schmerzen im Unterschenkel kann Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben.

Schmerzen Unterschenkel vorne

  • Schienbeinkantensyndrom: Schmerz im vorderen Unterschenkel direkt am Schienbein, oft nach sportlicher Aktivität.
  • Reizung der vorderen Unterschenkelmuskeln: Vor allem bei Belastung, z.B. durch Joggen oder lange Spaziergänge.
  • Knochenschmerzen: Direkte Stöße gegen das Schienbein können helle, stechende Schmerzen auslösen.

Schmerzen Unterschenkel hinten

  • Wadenmuskelzerrung oder -riss: Plötzlicher, intensiver Schmerz im hinteren Unterschenkel.
  • Muskuläre Überlastung oder Krämpfe: Durch intensive körperliche Aktivität oder langes Stehen.
  • Achillessehnenentzündung (Achillodynie): Schmerzen im Bereich der Achillessehne.
  • Tiefe Venenthrombose (TVT): Schmerzen und Spannungsgefühl im Unterschenkel, oft begleitet von Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung.
  • Wadenkompartmentsyndrom: Starke Schwellung der Muskulatur führt zu erhöhtem Druck im Wadenbereich.

Schmerzen am Unterschenkel seitlich innen

  • Shin Splints (Tibiakantensyndrom): Überlastungsverletzung der Muskulatur und des Bindegewebes entlang der inneren Schienbeinkante.
  • Tibialis-posterior-Sehnenentzündung: Überlastung der Sehne des Musculus tibialis posterior.
  • Mediale Stressfraktur der Tibia: Überlastungsfraktur am Schienbein.
  • Krampfadern und venöse Insuffizienz: Druck- oder Spannungsgefühle an der Innenseite des Unterschenkels.
  • Muskelverspannung oder Zerrung: Verletzungen der Muskelfasern oder Reizungen durch Fehlbelastungen, insbesondere bei O-Beinen.

Schmerzen am Unterschenkel seitlich außen

  • Shin Splints (Tibiakantensyndrom): Überlastung der Muskulatur und des Gewebes entlang der Schienbeinkante.
  • Muskelzerrung oder Überlastung: Überbeanspruchung der seitlichen Unterschenkelmuskulatur (Musculus peronaeus longus und brevis).
  • Peronealsehnenentzündung: Entzündung der Sehnen des Musculus peroneus.
  • Iliotibialband-Syndrom (ITBS): Betrifft das lange Band, das von der Hüfte über die Außenseite des Oberschenkels bis zum Knie verläuft.
  • Nervenreizungen: Reizung oder Kompression des Nervus peronaeus (Fibularnerv).
  • Stressfraktur: Überlastungsfraktur des Waden- oder Schienbeinknochens.
  • Wadenbruch: Fraktur des Wadenbeins.

Diagnose

Die Diagnose von Unterschenkelschmerzen, die durch Nerven verursacht werden, erfordert eine gründliche Untersuchung und Anamnese.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird zunächst nach der Krankengeschichte fragen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden Sensibilität, Reflexe und Muskelkraft geprüft.

Bildgebende Verfahren

  • Röntgen: Geeignet zur Darstellung von knöchernen Elementen und zur Überprüfung auf Verletzungen des Bewegungsapparates.
  • Ultraschall (Sonographie): Kann zwischen Arterien und Venen unterscheiden und die Fließgeschwindigkeit des Blutes bestimmen.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Kann Weichteile, Muskeln, Sehnen und Nerven darstellen. Ein MRT ist besonders nützlich, wenn der Arzt eine Schädigung der Weichteile vermutet.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Bei Verdacht auf Polyneuropathie werden die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven gemessen.
  • EMG (Elektromyographie): Elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel.

Weitere Untersuchungen

  • Blutuntersuchungen: Zur Abklärung möglicher Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen.
  • Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung sollte das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden.
  • Genetische Untersuchungen: Zur Abklärung genetisch bedingter Polyneuropathien.
  • Nervenbiopsie: In Ausnahmefällen kann eine Gewebeprobe eines betroffenen Nervs entnommen und untersucht werden.

Behandlung

Die Behandlung von Unterschenkelschmerzen, die durch Nerven verursacht werden, zielt darauf ab, die Ursache zu beheben und die Symptome zu lindern.

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Konservative Behandlung

  • Schonung: Bei gereizter Muskulatur ist Schonung unabdingbar.
  • Kühlung: Kann zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Physiotherapie: Kann bei Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen helfen.
  • Dehnübungen: Besonders wichtig ist es, die Wadenmuskulatur zu dehnen, um sie widerstandsfähiger zu machen.
  • Einlagen: Bei Fußfehlstellungen können Einlagen helfen, die Belastung gleichmäßiger zu verteilen.
  • Schmerzmittel: Antidepressiva und Antikonvulsiva können zur Schmerzbekämpfung eingesetzt werden.
  • Lokalanästhetika: Können den Teufelskreis vorübergehend unterbrechen.
  • TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation): Kann die Schmerzübertragung zum Gehirn blockieren.
  • Akupunktur: Kann die körpereigenen Heilungsprozesse anregen.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Analgetika können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können bei neuropathischen Schmerzen helfen.
  • Antiepileptika: Können die Erregbarkeit der Nerven mindern.
  • Virusstatika: Bei Gürtelrose werden Virusstatika eingesetzt, um die Viren zu bekämpfen.
  • Magnesium: Kann bei Wadenkrämpfen eingesetzt werden, sofern ein Magnesiummangel vorliegt.

Operative Behandlung

  • Thrombektomie: Eine operative Entfernung eines Blutgerinnsels (Thrombektomie) wird in der Regel nur durchgeführt, wenn die Oberschenkel- oder Beckenvenen betroffen sind.
  • Nervenentlastung: Bei Nervenkompression kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten.

Weitere Maßnahmen

  • Psychotherapie: Kann helfen, besser mit Schmerzen oder möglichen Folgen einer Polyneuropathie umzugehen.
  • Ernährungsumstellung: Bei Diabetes ist eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels wichtig. Bei Alkoholmissbrauch ist Abstinenz erforderlich.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Nervenfunktion zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Selbsthilfegruppen: Austausch und gegenseitige Unterstützung finden Betroffene in Selbsthilfegruppen.

Arbeitsunfähigkeit

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei Unterschenkelschmerzen hängt von der Ursache und der Art der Arbeit ab:

  • Büroarbeit: 7-14 Tage
  • Mäßige körperliche Arbeit: 14-28 Tage
  • Körperlich schwere Arbeit: 4 Wochen bis mehrere Monate

Prävention

Einige Maßnahmen können helfen, Unterschenkelschmerzen, die durch Nerven verursacht werden, vorzubeugen:

  • Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Vermeidung von Übergewicht.
  • Vermeidung von Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann Nervenschäden verursachen.
  • Gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes: Hohe Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen.
  • Vermeidung von Verletzungen: Tragen Sie beim Sport geeignete Schutzkleidung und vermeiden Sie Überlastungen.
  • Regelmäßige Pausen bei sitzender Tätigkeit: Stehen Sie regelmäßig auf und bewegen Sie sich, um Verspannungen zu vermeiden.

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