Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 14,8 Prozent aller Frauen und 6,0 Prozent der Männer betroffen sind. Viele Betroffene suchen jedoch nicht das Gespräch mit ihrem Arzt, sondern vertrauen darauf, ihre Beschwerden mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln selbst in den Griff zu bekommen. Umso wichtiger ist es, sich über die Anwendung von Schmerzmitteln bei Migräne zu informieren.
Was sind Schmerzmittel (Analgetika)?
Schmerzmittel, in der Fachsprache Analgetika genannt, wirken schmerzstillend oder -lindernd. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen greifen in die Schmerzweiterleitung des Körpers ein. Bei einem Schmerzsignal werden Botenstoffe, sogenannte Prostaglandine, an die Nerven weitergeleitet. NSAR hemmen die Herstellung der Prostaglandine, indem sie ein Enzym, die Cyclooxygenase-2 (COX-2), blockieren. Dadurch wird die Schmerzweiterleitung unterbrochen und das Schmerzempfinden lässt nach. Schmerzmittel beseitigen also nicht die Ursache des Schmerzes, helfen aber, den Schmerz weniger stark oder gar nicht mehr zu fühlen.
Wann Schmerzmittel bei Migräne einnehmen?
Eine leichte bis mittelschwere Migräne-Attacke kann mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln behandelt werden. Anhaltspunkte für eine leichte Form sind:
- Die Kopfschmerzintensität steigert sich langsam.
- Aura-Symptome wie Flimmern oder Lichtblitze im Blickfeld sind nur gering ausgeprägt oder fehlen gänzlich.
- Die Übelkeit hält sich in Grenzen, Erbrechen bleibt aus.
- Die Stärke der Schmerzen wird insgesamt als leicht bis mittelgradig eingestuft.
Unter Umständen kann mit medikamentösen Maßnahmen auch bereits dann begonnen werden, wenn vor der Haupt-Kopfschmerzphase Ankündigungssymptome auftreten, wie Stimmungsschwankungen, Hyperaktivität, erhöhter Appetit oder ausgeprägtes Gähnen. Ärzte empfehlen die Medikamenteneinnahme vor der Schmerzphase aber nur Patienten, die ihren Körper gut kennen, eine gute Medikamentenverträglichkeit berichten und bei denen nicht die Gefahr eines Schmerzmittelübergebrauchs besteht. Ansonsten sollten Schmerzmittel so früh wie möglich eingenommen werden, also zu Beginn der Kopfschmerzphase. Während einer Migräne-Attacke kann es zu Aufnahmestörungen in Magen und Darm kommen, sodass die Medikamente oftmals ihre volle Wirkung nicht entfalten. Zudem ist es wichtig, eine ausreichende Menge der Substanz zu verwenden.
Vor der Einnahme sollte immer die Packungsbeilage der Schmerzmittel gelesen und die angegebene tägliche Höchstdosierung niemals überschritten werden. Bei einer schweren Migräne können Triptane geeignet sein. Vor einer Selbstmedikation bei Migräne sollte zunächst ein Arzt konsultiert werden. Schmerzmittel sollten maximal an zehn Tagen im Monat eingenommen werden.
Lesen Sie auch: Nervenschmerzen lindern: Der Einsatz von Schmerzpflastern
Darreichungsformen von Schmerzmitteln
Schmerzmittel gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: von klassischen Tabletten zum Schlucken bis hin zu Brausetabletten, Pulver, Kautabletten oder Tropfen. Migräne-Experten empfehlen flüssige Varianten wie Brausetabletten, da der Wirkstoff schon gelöst ist, schneller vom Körper aufgenommen wird und zügig wirken kann. Zudem verteilt sich das Schmerzmittel gut im Magen und ist somit besser verträglich. Bei Erbrechen können Schmerzmittel-Zäpfchen eine Option sein. Bei Einnahme einer Tablette zum Schlucken sollte darauf geachtet werden, hinterher ein bis zwei große Gläser Wasser zu trinken.
Mono- und Kombinationspräparate
Schmerzmittel gegen Migräne lassen sich in Mono- und Kombinationspräparate unterteilen. Monopräparate enthalten einen Wirkstoff, Kombinationspräparate mehrere. Bei einer akuten Migräne-Attacke sollten Betroffene zunächst ein Monopräparat wie ASS oder Ibuprofen verwenden, um den Körper möglichst gering zu belasten. Wenn sich die Symptome nicht bessern, kann ein Kombinationspräparat probiert werden.
Kombipräparate enthalten entweder zusätzlich Substanzen wie Koffein oder Vitamin C, welche die Wirkung des Schmerzmittels unterstützen sollen, oder mehrere Analgetika in Kombination. Schmerzmittel mit Koffein sind laut Studien zwar etwas wirksamer als Monopräparate, erhöhen möglicherweise aber auch das Risiko für einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Zudem können bei einem Medikament mit zwei oder drei Kombinationspartnern Nebenwirkungen aller verwendeten Wirkstoffe auftreten. Die Anteile der schmerzlindernden Wirkstoffe in Kombinationspräparaten sind häufig zu gering, um bei Migräne ausreichend zu wirken, was wiederum dazu verleitet, mehr Tabletten einzunehmen und somit ungewollt auch die Dosis von Begleitstoffen wie Koffein zu steigern. Es ist ratsam, mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, welche Wirkstoffe im individuellen Fall zu bevorzugen sind, unter Abwägung der Medikamentenverträglichkeit.
Was tun, wenn Schmerzmittel nicht wirken?
Es gibt unterschiedliche Ursachen, warum Schmerzmittel manchmal bei Kopfschmerzen nicht wirken. Um den vollen Effekt der Wirkstoffe zu entfalten, sollte das Schmerzmittel möglichst frühzeitig und in ausreichender Dosierung eingenommen werden. Viel trinken und anschließende Ruhe in einem ruhigen und abgedunkelten Zimmer können die Wirkung unterstützen, da der Körper sich entspannen kann. Zudem können nicht-medikamentöse Behandlungen wie Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelentspannung) genutzt werden. Bei Bedarf sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Dos and Don'ts der Schmerzmitteleinnahme
Schmerzen müssen nicht einfach ausgehalten werden, auch Migräne-Patienten brauchen ihre Beschwerden nicht hinzunehmen. Folgende Hinweise sollten bei der Schmerzmitteleinnahme beachtet werden:
Lesen Sie auch: Überblick: Schmerzpflaster bei Parkinson
Don'ts:
- Dosierungsempfehlungen ignorieren
- Über einen längeren Zeitraum Medikamente einnehmen, von denen man merkt, dass sie nicht wirken
- Zu schnell zwischen verschiedenen Wirkstoffen hin- und herwechseln, vor allem nicht ohne vorherige Absprache mit dem Arzt
Do's:
- Sich an die ärztliche Empfehlung halten, anstatt selbst mit der Dosis des Schmerzmittels bei Migräne zu experimentieren
- Den behandelnden Arzt über bestehende Krankheiten informieren, da bestimmte Wirkstoffe bei Vorerkrankungen wie Magen-Darm-Geschwüren oder einer erhöhten Blutungsneigung nicht oder nur unter ärztlicher Überwachung eingenommen werden dürfen
Auch wenn die Migräne, vor allem in ihrer chronischen Form, sehr belastend sein kann, gibt es Hoffnung, eine wirksame Therapie zu finden. Manche Patienten müssen erst verschiedene Mittel und Wirkstoffe testen, bevor sie eine gute Behandlung für sich entdecken.
Weitere Medikamente und Wirkstoffe gegen Migräne
Neben den bereits genannten Schmerzmitteln und Triptanen gibt es weitere Optionen zur Behandlung von Migräne:
- Mutterkornalkaloide: Diese Substanzen waren lange Zeit die einzige spezifische Behandlung bei Migräne, werden aber heute aufgrund stärkerer Nebenwirkungen seltener eingesetzt.
- CGRP-Inhibitoren: Diese Medikamente verhindern die Effekte des Entzündungsmediators Calcitonin gene-related peptide (CGRP), der bei Migräne eine wichtige Rolle spielt.
- Mutterkraut: Dieses pflanzliche Mittel kann bei langfristiger Einnahme die Häufigkeit von Migräneanfällen verringern.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Schmerzmitteln
- Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.
- Das Arzneimittel sollte mit Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) eingenommen werden.
- Ohne ärztlichen Rat sollte das Arzneimittel bei Schmerzen nicht länger als 4 Tage angewendet werden.
- Bei einer Überdosierung kann es unter anderem zu Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall, Benommenheit sowie zu Atemstörungen kommen. In diesem Fall sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.
- Bei dauerhafter Anwendung von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die durch das Schmerzmittel erzeugt werden. Um dies zu verhindern, sollte ein Arzt konsultiert werden.
Gegenanzeigen
Es gibt bestimmte Umstände, bei denen die Einnahme von Schmerzmitteln kontraindiziert ist. Dazu gehören unter anderem:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Geschwüre im Verdauungstrakt
- Aktive Blutungen
- Schwere Herzschwäche
- Stark eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion
Migräne bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen werden Migräneattacken mit Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol behandelt. Bei Übelkeit ist Domperidon das Mittel der Wahl. Ab dem 12. Lebensjahr sind Sumatriptan und Zolmitriptan als Nasenspray zugelassen.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Neben der medikamentösen Behandlung können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung von Migräne beitragen:
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
- Reizabschirmung: Da viele Betroffene lärm- und lichtempfindlich sind, kann eine Reizabschirmung helfen.
- Entspannungsverfahren: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung können die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Migräne helfen kann.
- Lebensstiländerung: Die Vermeidung von Migräne-Auslösern wie Stress, Schlafmangel oder bestimmten Nahrungsmitteln kann ebenfalls zur Vorbeugung beitragen.
tags: #schmerzpflaster #bei #migrane