Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die Erkrankung ist durch autoimmune Prozesse gekennzeichnet, die die Myelinscheide der Nervenbahnen schädigen. Dies führt zu einer Vielzahl von Symptomen, darunter Bewegungsstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, Muskelspasmen und Sehstörungen. Da der Verlauf der MS sehr unterschiedlich ist, müssen Therapie und Hilfsmittel individuell auf den Patienten zugeschnitten sein. Schuhe spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit MS im Alltag.
Multiple Sklerose: Eine komplexe Erkrankung
Multiple Sklerose (MS) ist eine neurologische Erkrankung, die durch chronisch-entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem (ZNS) gekennzeichnet ist. Die Erkrankung manifestiert sich in unterschiedlichen Verlaufsformen, was eine individuelle Anpassung von Therapie und Hilfsmitteln erforderlich macht. Allen Verläufen gemeinsam ist die Schädigung der Myelinscheide, der isolierenden Schicht der Nervenbahnen. Diese Schädigung beeinträchtigt die Signalübertragung und führt zu Funktionsstörungen wie Beweglichkeitseinschränkungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, Muskelspasmen und Sehstörungen. Der Schweregrad der Einschränkungen variiert stark und hängt von der Dauer der Erkrankung ab. Obwohl es keine heilende Therapie für MS gibt, zielt die Versorgung darauf ab, Patienten bei krankheitsbedingten Einschränkungen zu unterstützen. Orthopädische Hilfsmittel, wie z. B. neurostimulierende Schuheinlagen, können die Therapie ergänzen.
In Deutschland sind über 280.000 Menschen von MS betroffen, wobei jährlich mehr als 15.000 Neuerkrankungen diagnostiziert werden. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. MS wird oft als die "Krankheit der tausend Gesichter" bezeichnet, da sie sich bei jedem Betroffenen anders äußert. Typische Symptome sind Fatigue, Muskelschwäche, Koordinationsprobleme und Sehstörungen. Die genaue Ursache ist unbekannt, aber genetische und Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Die Diagnose erfolgt durch neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie MRT.
Die Bedeutung der richtigen Schuhe bei MS
Die Art der Schuhe hat einen großen Einfluss auf das Gangbild und die Stabilität von Menschen mit MS. Schuhe können entweder unterstützend oder hinderlich wirken, daher ist es wichtig, die individuell am besten geeigneten Schuhe zu finden. Viele Betroffene berichten, dass sie barfuß in der Wohnung besser laufen können als mit Schuhen. Dies liegt daran, dass Schuhe das ZNS irritieren und zu Fehlermeldungen führen können, was sich negativ auf Knie, Gangbild, unteren Rücken und ISG auswirken kann.
Einige allgemeine Empfehlungen für Schuhe bei MS sind:
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- Leichter Drop: Ein geringer Höhenunterschied zwischen Ferse und Zehen (ca. 0-6 mm) kann ISG- und LWS-freundlich sein.
- Ausreichend Platz im Zehenbereich: Schuhe mit viel Platz vorne ermöglichen eine natürliche Zehenbewegung.
- Feste Sohle: Eine relativ feste Sohle kann das Laufen erleichtern.
Individuelle Erfahrungen und Empfehlungen
Viele Menschen mit MS haben ihre eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Schuhtypen gemacht. Einige bevorzugen Barfußschuhe oder Nullsohlenschuhe mit viel Platz vorne, während andere Schuhe bevorzugen, die über den Knöchel gehen, um zusätzlichen Halt zu bieten. Orthopädische Einlagen können ebenfalls hilfreich sein, um das Fußbett zu unterstützen und Fehlstellungen zu korrigieren.
Einige Betroffene haben auch positive Erfahrungen mit MBT-Schuhen gemacht, die eine Abrollbewegung fördern und die Knie schonen sollen. Es ist wichtig zu beachten, dass die individuellen Bedürfnisse stark variieren können und es keine allgemeingültige Empfehlung gibt.
Innovative Lösungen: Exopulse Mollii Suit
Der Exopulse Mollii Suit ist ein innovatives Hilfsmittel, das bei Menschen mit MS eingesetzt werden kann. Der Anzug besteht aus einer Hose, einem Oberteil und einer Steuereinheit mit 58 Elektroden. Durch niederfrequente Elektrostimulation entspannt er spastische, schmerzende und verspannte Muskulatur und kann Muskelverkürzungen sowie -Steifigkeit vorbeugen. Die gezielte Stimulation unterstützt die Entspannung und Koordination der Bewegungen und kann so typische MS-Beschwerden wie Spastizität reduzieren und die Beweglichkeit verbessern.
Eine Anwenderin, Christine, testete den Exopulse Mollii Suit und berichtete von deutlichen Verbesserungen:
- Besseres Gleichgewicht
- Tieferer und erholsamerer Schlaf
- Verbesserte Rumpfstabilität
- Leichterer Transfer vom Rollstuhl ins Bett/Stuhl
- Schnelleres An- und Ausziehen
- Zähneputzen im Stehen möglich
- Öffnen einer Glasflasche
- Schneiden von Fleisch mit Messer und Gabel
- Erledigung alltäglicher Hausarbeiten
- Einige Schritte am Rollator möglich
- Schleife binden funktioniert wieder
- Verbesserte Beweglichkeit und besseres Körpergefühl
- Dehnen am Boden möglich
- Höheres Anheben der Arme
Christine empfiehlt den Exopulse Mollii Suit und betont, dass er ihr ein Stück Lebensqualität zurückgegeben hat.
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Barfußschuhe als Option
Eine weitere interessante Option für Menschen mit MS sind Barfußschuhe. Diese Schuhe ermöglichen einen direkteren Kontakt zum Boden und fördern die natürliche Bewegung des Fußes. Ein Beispiel hierfür sind die PaleoBarefoots® Ringgewebeschuhe, die von einer Anwenderin mit Ehlers-Danlos-Syndrom (einer Bindegewebsstörung) positiv bewertet wurden.
Die Vorteile von Barfußschuhen sind:
- Erhöhte Propriozeption: Stimulation des Nervensystems und Verbesserung der Wahrnehmung von Körperposition und -bewegung.
- Förderung der richtigen Ausrichtung und Arbeitsweise des Fußes: Das flexible Design ermöglicht volle Beweglichkeit bei gleichzeitigem Schutz.
- Stärkung der Fußmuskulatur: Die Nutzung der Zehenmuskeln wird gefördert, was sich positiv auf die Knöchelfunktion auswirken kann.
- Verbesserung des Gleichgewichts: Durch das erhöhte Bewusstsein für die Füße und die verbesserte Propriozeption kann das Gleichgewicht verbessert werden.
Die Anwenderin berichtete, dass sie mit den PaleoBarefoots® in der Lage ist, ihre Zehenmuskeln richtig zu nutzen, was ihren Knöcheln hilft, besser zu funktionieren. Sie empfindet ein erhöhtes Bewusstsein für ihre Füße und eine verbesserte Kontrolle über ihre Bewegungen.
Hilfsmittelversorgung und Case-Management
Die Hilfsmittelversorgung bei MS ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie und sollte individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein. Von sensomotorischen Einlagen über Orthesen bis hin zu Rollatoren gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die ein selbstständiges Leben mit MS ermöglichen können.
Da Menschen mit MS oft komplexe Gesundheits- und Sozialversorgungsbedarfe haben, kann ein sektorübergreifendes Care- und Case-Management (CCM) hilfreich sein. Das CCM dient dazu, schwer betroffene Patienten zu identifizieren, ihre individuellen Bedarfe zu klären, notwendige Dienstleister zu finden und deren Inanspruchnahme zu koordinieren. Es steuert die Prozesse als übergeordnete Ansprechperson im bestehenden Versorgungsnetzwerk und hilft z. B. beim Umgang mit Behörden, Ärzten und Therapeuten.
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