Schultes Therapie Parkinson: Ein umfassender Überblick

Die Parkinson-Krankheit stellt eine erhebliche Belastung dar, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für das Gesundheitssystem. Die Therapie von Parkinson ist ein komplexes Feld, das sich ständig weiterentwickelt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte der Parkinson-Therapie, von der Bedeutung von Bewegung und Sport bis hin zu innovativen Therapieansätzen und gesundheitsökonomischen Aspekten.

Die Bedeutung von Bewegung und Sport in der Parkinson-Therapie

Es ist längst kein Geheimnis mehr, wie wichtig Bewegung und Sport für Parkinson-Patienten sind. Sportwissenschaftler und Physiotherapeuten arbeiten seit Langem auf diesem Gebiet und entwickeln modellhafte Trainingsprogramme.

Erfahrungen von Experten

André Inthorn, ein Sportwissenschaftler, begegnete dem Thema Parkinson erstmals im Studium mit dem Schwerpunkt Rehabilitation und Prävention an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Durch seine Vertiefung im Bereich Neurologie kam er schnell mit Parkinson-Patienten in Kontakt und sammelte erste Erfahrungen. Diese Erfahrungen halfen ihm später, als Frank Elstner ihn 2016 bat, ihn zu unterstützen.

Marc Hohmann, ein Physiotherapeut, absolvierte sein erstes Praktikum in einer neurologischen Klinik, wo er ebenfalls Parkinson-Patienten betreute. In der Folge absolvierte er eine Weiterbildung im Bereich der neurophysiologischen Therapie. Er erinnert sich, wie wenig Wissen über Parkinson anfangs in seiner Ausbildung vorhanden war. Erst im direkten Kontakt mit den Patienten lernten sie immer mehr darüber, was für die Betroffenen möglich ist und wie wichtig regelmäßige und gezielte Bewegung ist.

"Regelmäßig und mit Spaß"

Heute ist Sport aus der Parkinson-Therapie nicht mehr wegzudenken. Inthorn betont, dass es nie zu spät ist, um mit Sport zu beginnen. Jede Übung lässt sich an den persönlichen Leistungsstand anpassen. Natürlich ist es besser, je früher man beginnt. Aber Training und gezielte Bewegungen können in jeder Phase hilfreich sein und die persönliche Situation stabilisieren oder gar ein wenig auszubremsen. Schwerpunkt ist das Koordinationstraining, speziell mit Blick auf das Gleichgewicht als Sturzprophylaxe. Ausdauer- und Krafttraining sollte man ebenfalls nicht vernachlässigen. Ideal sind zum Beispiel Tischtennis oder Tanzen. Neuerdings wird auch das Boxen immer beliebter. Wichtig ist, dass sich die Patienten für eine Sportart entscheiden, die ihnen auch Spaß macht.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Hohmann ergänzt, dass Physiotherapeuten oft dafür verantwortlich sind, dass das Training überhaupt absolviert werden kann. Viele fortgeschrittene Parkinson-Patienten leiden unter Rundrückenstellung, verkürzter Brustmuskulatur oder eingeschränkter Hüftstellung. Da sorgt die Physiotherapie durch gezieltes Stretching oder Mobilisationshilfe durchaus Abhilfe schaffen, damit dann das Sportprogramm besser absolviert werden kann. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit: Einmal pro Woche zur Physio reicht meist nicht aus. Eigentlich müsste täglich eine Bewegungseinheit auf dem Programm stehen.

Inthorn betont, dass es wichtig ist, die Motorik mit dem Kognitiven zu verbinden, also die Bewegung mit dem Kopf zusammenzuführen. Da ist das Boxen ein gutes Beispiel. Da lässt sich bei den Patienten sehr gut beobachten, welche Leistungen auch das Gehirn vollbringen muss.

Modellhafte Sport- und Physioprogramme

Auf der Basis ihrer Erfahrungen entwickeln Inthorn und Hohmann modellhafte Sport- und Physioprogramme für Parkinson-Patienten. Sie wünschen sich, dass ihre Ansätze als Vorlage breite Nachahmung finden und somit noch mehr Menschen davon profitieren können. Inthorn wünscht sich außerdem noch mehr Unterstützung für Menschen, die eine Parkinson-Diagnose erhalten haben: von den gut aufbereiteten, ersten medizinischen Informationen bis zum Überblick, wo welches Sportangebot zu finden ist und welches Potenzial beispielsweise auch Intensivtrainingsprogramme bieten. Das würde für viele Betroffene lange Wege ersparen und einen schnelleren Therapiebeginn ermöglichen.

Innovative Therapieansätze

Neben Bewegung und Sport gibt es auch andere innovative Therapieansätze, die bei der Behandlung von Parkinson eingesetzt werden.

Musiktherapie

Musik kann eine positive Wirkung auf Psyche und Körper haben. Mediziner und Therapeuten nutzen die Resonanz, die Musik und Bewegung im Menschen erzeugen, zur Behandlung von Symptomen der Parkinson-Erkrankung oder zur Stressbewältigung. Musik mit klaren Grundrhythmen, die typische Tanzbewegungen unterstützen, animiert uns dazu, uns zu bewegen.

Lesen Sie auch: Parkinson und B1: Ein Erfahrungsbericht

Der Neurobiologe Thomas Fritz studiert am Max-Plank-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig die Wirkung von Musik auf das Gehirn. Das Einschwingen in einen Rhythmus stärkt nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern steigert auch Ausdauer und Leistung. So entwickelte er das „Jymmin“: Sport treiben und dazu Musik mit Fitnessgeräten machen. Aus seiner Sicht eröffnen die Ergebnisse neue Therapiemöglichkeiten bei chronischen Schmerzen, Schlaganfall und Parkinson-Patienten.

Psychoedukation

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München am Klinikum rechts der Isar gilt als Zentrum der Psychoedukation in Forschung, Lehre und Praxis. Psychoedukation umfasst wissenschaftliche Kenntnisse über Ursachen, Behandlung und Selbsthilfestrategien.

Gesundheitsökonomische Aspekte der Parkinson-Behandlung

Die Parkinson-Krankheit stellt eine große finanzielle Belastung dar, insbesondere durch die Medikation und Nutzung stationärer Einrichtungen.

Direkte medizinische Kosten

Eine retrospektive Studie aus dem Jahr 2006 an Parkinson-Patienten, die in neurologischen Spezialpraxen im Großraum Berlin betreut wurden, untersuchte die gesundheitsökonomische Belastung und die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten. Es wurden insgesamt 425 Patienten rekrutiert (57% männlich, mittleres Alter 69,19,3 Jahre). Die direkten medizinischen Quartalskosten beliefen sich insgesamt auf 1667 EUR (1436-1995 EUR [95%-KI]) pro Patient. Die prospektiv erhobenen Behandlungskosten in den Schwerpunktpraxen betrugen nach EBM durchschnittlich 42 EUR (39-45 EUR [95%-KI]) und nach GoÄ 135 EUR (106-177 EUR [95%-KI]) pro Patient und Quartal.

Vergleich von Arzthonoraren

Erstmals ist durch die Dokumentation der Arzthonorare nach EBM bzw. GoÄ ein Vergleich der in Rechnung gestellten Leistungen mit der tatsächlichen Vergütung durch die kassenärztliche Vereinigung möglich.

Lesen Sie auch: Umfassende Informationen zu neurologischer Reha

NeuroPa-Studie

Der Schwerpunkt einer neuen Studie soll, mehr als 6 Jahre nach der Ersterhebung, die erneute Untersuchung der Versorgungsqualität und des Ressourcenverbrauchs bei den Teilnehmern der NeuroPa-Studie sein. Die NeuroPa-Kohorte stellt in Deutschland die mit Abstand größte gut charakterisierte Kohorte von Parkinson-Patienten dar, die in einem standardisierten Langzeit-Follow-up bei in niedergelassenen Praxen versorgten Parkinson-Patienten untersucht wurde.

tags: #schultes #therapie #parkinson