Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden angreift, die die Nervenfasern umhüllen. Dies führt zu Entzündungen und Schädigungen, die die Reizweiterleitung stören oder vollständig unterbrechen können. Die Symptome der MS sind vielfältig und können je nach betroffenem Bereich des Nervensystems variieren.
Einige Betroffene leiden unter Schwindel, andere unter Fatigue, wieder andere unter Nachtschweiß. Dieser Artikel beleuchtet mögliche Zusammenhänge zwischen Schweißfuß, Nachtschweiß und Multipler Sklerose, wobei auch das Uhthoff-Phänomen und andere Begleiterscheinungen berücksichtigt werden.
Schweißregulation und Hyperhidrose
Die Bedeutung des Schwitzens
Das Schwitzen ist ein lebenswichtiger Mechanismus zur Regulation der Körpertemperatur. Ein dünner Feuchtigkeitsfilm auf der Haut kühlt diese, indem er die Wärme ableitet. Das Blut, das durch das Kapillarnetz der Haut fließt, gibt Wärme ab und kehrt um 1-2°C kühler in den Körper zurück. Die Aufrechterhaltung einer konstanten Körpertemperatur von etwa 37°C ist entscheidend für viele Vitalfunktionen, insbesondere für Enzyme und Proteine im Blut.
Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen
Von pathologisch übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose) spricht man, wenn mehr als 100 mg Schweiß in 5 Minuten in einer Achselhöhle abgesondert werden. Hyperhidrose kann verschiedene Ursachen haben:
- Akute Infektionen: Grippe, Malaria, Pfeiffersches Drüsenfieber, die mit Fieber einhergehen.
- Hormonelle Störungen: Schilddrüsenüberfunktion.
- Tumorerkrankungen: Leukämien, Lymphome.
Nachtschweiß: Ursachen und Behandlung
Nachtschweiß, auch als nächtliche Hyperhidrose bekannt, bezeichnet das übermäßige Schwitzen während des Schlafs. Betroffene wachen mit feuchter oder durchnässter Kleidung und Bettwäsche auf. Medizinisch wird zwischen primärer (ohne erkennbare Ursache) und sekundärer Hyperhidrose (als Symptom einer Erkrankung) unterschieden.
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Häufige Ursachen für Nachtschweiß
- Äußere Bedingungen: Hohe Raumtemperatur, ungeeignete Bettwaren, schlechte Belüftung.
- Hormonelle Schwankungen: Wechseljahre, Schilddrüsenüberfunktion, niedriger Testosteronspiegel.
- Erkrankungen: Infektionen (Tuberkulose, HIV, Malaria), Autoimmunerkrankungen (Rheumatoide Arthritis), Krebserkrankungen (Hodgkin-Lymphom, Leukämie), Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Morbus Cushing), Schlafapnoe.
- Medikamente: Psychopharmaka (Antidepressiva), Hormonpräparate, Blutdrucksenker, Zytostatika, neurologische Medikamente.
- Psychische Faktoren: Stress, Angststörungen, Depressionen.
Symptome und Diagnose von Nachtschweiß
Typische Symptome sind übermäßiges Schwitzen während des Schlafs, nasses Bettzeug und durchgeschwitzte Kleidung, Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit. Zusätzliche Symptome wie ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Herzklopfen, Atemnot oder Brustschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden.
Die Diagnose umfasst eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls Blutuntersuchungen (Schilddrüsenwerte, Hormonspiegel, Entzündungsmarker, Blutzuckerwerte, Tumormarker) sowie bildgebende Verfahren (Ultraschall, Röntgen, CT, MRT).
Behandlung und Vorbeugung von Nachtschweiß
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei medizinischen Erkrankungen steht die Behandlung dieser im Vordergrund. In anderen Fällen können Lebensstiländerungen und unterstützende Maßnahmen helfen:
- Ernährung: Vermeiden von Alkohol, Koffein, Nikotin und scharfen Speisen.
- Schlafbedingungen: Raumtemperatur zwischen 18-21°C, leichte, atmungsaktive Kleidung und Bettwäsche, gut belüftete Matratze.
- Stressabbau: Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung.
- Alternative Maßnahmen: Salbeitee, Akupunktur, Homöopathie.
Schwindel bei Multipler Sklerose
Schwindel ist eine häufige und belastende Begleiterscheinung der Multiplen Sklerose. Er entsteht, wenn Nervenverbindungen zwischen dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und dem Gehirn entzündet oder beschädigt sind. Dies führt zu falschen Signalen über die Körperhaltung und Bewegungen. Es handelt sich um sogenannten zentralen Schwindel.
Zusätzlich können Muskelschwäche in den Beinen, Gangstörungen und Fehlhaltungen zu Schwindelgefühlen führen. Auch Medikamente zur MS-Therapie können Schwindel als Nebenwirkung verursachen.
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Behandlung von Schwindel bei MS
Wichtig ist die Dokumentation der Symptome, Art und Dauer der Schwindelanfälle in einem Schwindeltagebuch. Bei einem starken MS-Schub mit Schwindelanfällen kann eine Kortison-Therapie helfen. Anschließend ist intensives Gleichgewichtstraining mit einem Physiotherapeuten wichtig.
Das Uhthoff-Phänomen
Das Uhthoff-Phänomen ist eine vorübergehende Verschlechterung neurologischer MS-Symptome bei Erhöhung der Körpertemperatur, z.B. durch Hitze, Fieber oder körperliche Anstrengung. Betroffen sind mehr als 80 Prozent der MS-Erkrankten.
Symptome des Uhthoff-Phänomens
- Verschwommenes Sehen oder Sehen wie durch einen Nebel
- Veränderte Farbwahrnehmung
- Verstärkte Fatigue
- Kognitive Störungen
- Tremor
- Gefühlsstörungen
- Spastik
Ursachen und Behandlung des Uhthoff-Phänomens
Bei einem Anstieg der Körpertemperatur sind die Nervenimpulse verlangsamt. Die Leitfähigkeit bereits vorgeschädigter Nerven wird durch die erhöhte Temperatur weiter verlangsamt.
Das beste Mittel gegen das Uhthoff-Phänomen ist die Vermeidung von Auslösern:
- Kein heißes Vollbad nehmen
- Eher kühl duschen
- Auf die Sauna verzichten
- Schatten aufsuchen
- Kühlkleidung tragen
- Klimatisierte Räume aufsuchen
Fatigue bei Multipler Sklerose
Fatigue ist eine extreme Erschöpfung, die bei MS-Patienten häufig auftritt. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber entzündliche Prozesse, Schlafstörungen, Begleiterkrankungen und Depressionen können eine Rolle spielen.
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Zusammenhänge zwischen Fatigue, Nachtschweiß und Uhthoff-Phänomen
Fatigue kann durch Nachtschweiß und die damit verbundenen Schlafstörungen verstärkt werden. Auch das Uhthoff-Phänomen kann zu Fatigue führen, da die vorübergehende Verschlechterung der Symptome den Körper zusätzlich belastet.
Behandlung von Fatigue
- Kühlung: Kühlwesten, Klimaanlage, kalte Getränke.
- Anpassung des Arbeitsplatzes: Angenehmere Gestaltung, um Hitze zu vermeiden.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung, aber nicht direkt vor dem Schlafengehen.
Multiple Sklerose: Diagnose und Therapie
Die MS-Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. Neurologische Symptome, die nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärt werden können, werden ausgeschlossen. Die Diagnose umfasst neurologische Untersuchungen, MRT von Gehirn und Rückenmark sowie Liquoruntersuchung.
Therapie der Multiplen Sklerose
Die Behandlung umfasst Kortikosteroide für akute Schübe und krankheitsmodifizierende Medikamente, um die Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.
- Kortikosteroide: Zur Behandlung akuter Schübe.
- Krankheitsmodifizierende Medikamente: Um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.
- Symptomatische Therapie: Behandlung von Symptomen wie Spastik, Schmerzen und Fatigue.
Cannabis bei Multipler Sklerose
Cannabispräparate haben einen nachgewiesenen Effekt auf Spastik und Schmerzen bei MS. Zugelassen ist das Fertigarzneimittel Sativex, das man als Mundspray benutzt. Andere (synthetische) Cannabispräparate wie Dronabinol oder Marinol bzw. Cannabisblüten können auch helfen, sind aber nicht wirksam und erfordern einen umfangreichen Antrag des Arztes an die Krankenkasse.
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