Sehnenriss im Finger: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Sehnenriss im Finger, insbesondere ein Riss der Strecksehne, ist eine häufige Verletzung, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Die richtige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die Funktion des Fingers wiederherzustellen und Komplikationen zu vermeiden.

Ursachen eines Sehnenrisses im Finger

Ein Riss der Strecksehne kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  • Trauma: Schnitte durch Glasscherben, Tierbisse oder abrutschende Werkzeuge und Küchenutensilien können die Sehnen verletzen.
  • Sportverletzungen: Ein heftiger Anprall eines Balls auf die Fingerspitzen beim Ballsport oder unkontrollierte Abfangbewegungen bei Stürzen können zu einem Abriss von Strecksehnen führen. Kampfsportarten wie Boxen können ebenfalls zu Überdehnungen und Rissen der Sehnen führen.
  • Entzündliche Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen oder Gicht können zu einer entzündlichen Schwächung oder zum Aufreiben der Sehnen an Knochenvorsprüngen führen.
  • Knochenbrüche: Sehnenschädigung nach Knochenbrüchen durch scharfe Knochenkanten, Drähte oder Schrauben.
  • Repetitive Belastungen: Durchtrennte Finger-Nerven können aufgrund von repetitiven Belastungen auftreten.

Arten von Sehnenrissen im Finger

Es gibt verschiedene Arten von Sehnenrissen im Finger, abhängig davon, welche Sehne betroffen ist:

  • Strecksehnenriss: Hierbei reißt die Sehne, die für die Streckung des Fingers zuständig ist. Es kann sich um einen vollständigen Riss im Bereich des Handrückens oder einen Riss am Fingerendglied handeln. Am häufigsten ist der Zeigefinger betroffen.
  • Beugesehnenriss: Jeder Finger besitzt zwei Beugesehnen, eine oberflächliche und eine tiefer liegende. Diese verbinden die Finger mit den Beugemuskeln im Unterarm. Eine Beugesehnenverletzung ist aufgrund der speziellen anatomischen Verhältnisse stets schwerwiegend.
  • Gedeckter Strecksehnenriss: Am Endglied der Finger können bereits leichte Kräfte zu einem Strecksehnenriss führen, ohne dass eine offene Wunde vorliegt.

Symptome eines Sehnenrisses im Finger

Die Symptome eines Sehnenrisses im Finger können je nach Art und Schwere der Verletzung variieren:

  • Schmerzen: Plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Fingergelenk, die jedoch nur von kurzer Dauer sind. Der Bereich des Strecksehnenrisses kann weiterhin druckschmerzhaft sein.
  • Schwellung: Schnelle und ausgeprägte Schwellung aufgrund der akuten Gewebeschädigung und Entzündungsreaktion.
  • Bluterguss: Entsteht durch das Reißen kleiner Blutgefäße beim Reißen des Sehnengewebes und einer damit einhergehenden Einblutung in das Gewebe.
  • Bewegungseinschränkung: Fehlende Fähigkeit zum Strecken des Fingers oder des Fingerendglieds. Bei einem vollständigen Strecksehnenriss im Bereich des Handrückens kann der gesamte Finger nicht mehr gestreckt werden.
  • Beugehaltung: Deutliche Beugehaltung des Fingers mit eingeschränkter bzw. fehlender Fähigkeit zum aktiven Strecken des Fingers.
  • Hammerfinger: Abgeknickte Fingerspitze bei Riss der Strecksehne am Fingerendglied.
  • Knopflochdeformität: Beugung im Fingermittelgelenk und Streckung im Fingerendgelenk bei Riss der Sehne am Fingermittelglied.
  • Hängender Finger: Keine aktive Streckung des verletzten Fingers möglich bei Riss der Sehne im Fingergrundgelenk.
  • Hörbares Schnappen: Beim akuten Reißen der Sehne kann ein leichtes Schnappen hörbar sein.
  • Rötung und Überwärmung: Durch die akute Entzündung des Gewebes kann es zu Rötung und Überwärmung kommen.

Diagnose eines Sehnenrisses im Finger

Die Diagnose eines Sehnenrisses am Finger erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:

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  • Klinische Untersuchung: Der Arzt begutachtet den Finger, um die Beweglichkeit, Schwellung, Rötung und Schmerzempfindlichkeit zu beurteilen. Er fragt nach dem Unfallhergang und untersucht, ob der Patient den Finger aktiv strecken kann.
  • Ultraschall-Untersuchung: Kann zum Nachweis der Sehnenverletzung dienen und Informationen über den Zustand der Durchblutung der Muskulatur und das Ausmaß der Schwellung liefern. Der Verlauf der Strecksehne kann genau verfolgt werden, um eine mögliche Vorschädigung abzuklären.
  • Röntgenbild: Wird angefertigt, um eine begleitende knöcherne Verletzung auszuschließen, da der Strecksehnenriss häufig im Rahmen eines Unfalls oder Sturzes verursacht wird und begleitend zu einem Knochenbruch eines Fingers oder einer Knochenabsplitterung am Finger auftreten kann.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Präzisiert die Diagnose in Fällen, in denen Sehnenrupturen ohne offene Wunde schwer zu diagnostizieren sind.

Behandlung eines Sehnenrisses im Finger

Die Behandlung eines Sehnenrisses im Finger hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten:

Konservative Behandlung

In den meisten Fällen kann ein Strecksehnenriss am Finger konservativ behandelt werden:

  • Ruhigstellung: Der Finger wird mittels einer Schiene für einen Zeitraum von ca. 4-12 Wochen ruhiggestellt, damit sich das Sehnengewebe regenerieren und wieder zusammenwachsen kann. In der Regel wird eine sogenannte Stack’sche Schiene verwendet, die den Finger in einer gestreckten Position hält.
  • Schmerzmedikation: Begleitende Schmerzen werden durch Schmerzmedikamente wie Ibuprofen oder gegebenenfalls stärkere Mittel behandelt.
  • Kühlung: In der akuten Phase des Strecksehnenrisses ist eine Kühlung des Fingers zur Reduzierung der Schwellung sinnvoll.
  • Tapen: Insbesondere in der Phase des muskulären Aufbaus nach einem Strecksehnenriss ist das Tapen eine sinnvolle Maßnahme, um den Finger zu unterstützen, zu stabilisieren und vor weiteren Verletzungen zu schützen. Es wirkt zudem fördernd auf die Durchblutung der Fingermuskulatur und dient somit auch zur Kräftigung und Unterstützung der muskulären Stabilisierung des Fingers.
  • Physiotherapie: Spielt eine essentielle Rolle im Prozess der Heilung nach einer Finger-Nerv Verletzung. Durch gezielte Übungen und Techniken werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die sensorische Wahrnehmung im betroffenen Bereich wiederhergestellt.
  • Vermeidung von Belastung: Nach einer durchtrennten Finger-Nerv Verletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Durch das Vermeiden von Belastung und Bewegung wird die Heilung gefördert und das Risiko für weitere Komplikationen minimiert.

Operative Behandlung

Eine Operation ist vor allem dann notwendig, wenn:

  • Die Sehne vollständig im Bereich des Handrückens gerissen ist.
  • Bestimmte Risikogruppen, wie Sportler oder Handwerker, betroffen sind.
  • Eine begleitende knöcherne Verletzung vorliegt, die operativ versorgt werden muss.
  • Konservative Behandlungsmethoden nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen oder bestimmte Symptome oder Umstände vorliegen, die eine chirurgische Korrektur erfordern.

Bei der Operation stehen verschiedene chirurgische Techniken zur Verfügung:

  • Direkte Sehnennaht: Die gerissenen oder auseinandergewichenen Sehnenenden werden unter Lupen- oder Mikroskopvergrößerung freigelegt und die Enden durch eine direkte spannungsfreie Sehnennaht wieder vereinigt.
  • Sehnenverlagerung: Bei stärkerer Schädigung kann es notwendig sein, eine benachbarte Sehne so zu verlagern, dass sie die Funktion der geschädigten Sehne mit übernimmt.
  • Sehnentransplantation: Ein Sehnendefekt kann durch Einsetzen eines Sehnenstückes (Sehnentransplantation) überbrückt werden, das am Unterarm oder Unterschenkel entnommen wird.
  • Nervenrekonstruktion: Bei komplexen Nervenverletzungen kann eine umfassendere Rekonstruktion erforderlich sein, um die Funktion des Nervs wiederherzustellen.
  • Nerventransplantation: Falls ein längerer Nervendefekt vorliegt, kann eine Nerventransplantation erforderlich sein.
  • Wiederbefestigung mit Drahtnähten oder kleinen Schrauben: Größere knöcherne Sehnenausrisse erfordern eine Wiederbefestigung mit Drahtnähten oder kleinen Schrauben.

Während einer Operation wird die Hand mit einer Manschette am Oberarm weitestgehend blutleer gehalten, um den Blutverlust gering zu halten und dem Handchirurgen eine bessere Sicht auf Sehnen, Nerven und Blutgefäße zu ermöglichen. Der Eingriff dauert in der Regel zwischen 30 und 120 Minuten und erfolgt unter Anästhesie.

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Nachbehandlung nach operativer Versorgung

Nach der operativen Versorgung ist immer eine Ruhigstellung erforderlich. Wie lange noch eine Ruhigstellung erfolgen muss, kann der Arzt nur im Einzelfall entscheiden. Nach etwa 10 bis 14 Tagen wird der feste Verband entfernt und die Fäden der Hautnaht werden gezogen.

Die Rehabilitationsmaßnahmen nach einer Finger-Nervenbehandlung sind entscheidend für eine erfolgreiche Genesung. Dazu gehören gezielte physiotherapeutische Übungen, die darauf abzielen, die Beweglichkeit des betroffenen Fingers zu verbessern und die Kraft in der Hand wiederherzustellen. Die regelmäßige Nachsorge und Kontrolluntersuchungen beim Handchirurgen sind ebenfalls wichtig, um den Fortschritt der Heilung zu überwachen und potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Komplikationen nach Finger-Nervenbehandlung

Bei der Behandlung von durchtrennten Finger-Nerven können verschiedene Komplikationen auftreten, die den Genesungsprozess verlängern oder beeinträchtigen können. Um diese Komplikationen zu minimieren, ist eine sorgfältige Nachsorge und regelmäßige Kontrolle der Heilung essenziell. Bei starken Schmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollten Betroffene umgehend ihren Arzt konsultieren.

Chirurgische Eingriffe zur Behandlung von durchtrennten Finger-Nerven sind nicht frei von Risiken. Es ist wichtig, dass Patienten sich über potenzielle Risiken im Klaren sind, bevor sie sich für eine Operation entscheiden. Vor einer Operation sollten Patienten mit ihrem Chirurgen ausführlich über mögliche Risiken und Nebenwirkungen sprechen.

Heilungsdauer

Die Heilungsdauer bei einem Strecksehnenriss am Finger ist von der Art des Risses abhängig und beträgt meist mehrere Monate. Bei einem Riss der Strecksehne am Fingerendgelenk ist eine konservative, nicht-operative, Behandlung mit Schienung des Fingers für einen Zeitraum von minimum 4 Wochen bis maxium 12 Wochen zur Heilung des Strecksehnenrisses meist ausreichend. Dies kann in Einzelfällen, beispielsweise bei chronischen Vorschädigungen, länger dauern. Eine operative Behandlung hingegen variiert bei der Heilungsdauer in Abhängigkeit des angewendeten Verfahrens.

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  • Nicht-operative Behandlung: Wenn die Sehne nicht vollständig gerissen ist oder in einer Position, die eine nicht-operative Behandlung erlaubt, wird der Finger in der Regel für etwa 6 bis 8 Wochen geschient, um die Heilung zu unterstützen.
  • Operative Behandlung: Bei vollständigen Rissen oder wenn die Sehne sich zurückgezogen hat, kann eine Operation notwendig sein, um die Sehne zu reparieren. Nach der Operation wird der Finger üblicherweise auch geschient, oft für einen ähnlichen Zeitraum von 6 bis 8 Wochen.

Wann man nach einem Strecksehnenriss am Finger wieder Sport machen darf ist von der Art der Schädigung und den vorliegenden Beschwerden abhängig. Bei einem unkomplizierten Riss der Sehne mit der Möglichkeit zur nicht-operativen Therapie kann mit leichten Kräftigungsübungen in der Regel nach ca. zwei Monaten wieder begonnen werden.

Prognose

Ein Sehnenriss lässt sich in den meisten Fällen so gut behandeln, dass der Großteil der Betroffenen den Alltag problemlos bewältigt. Die genaue Prognose und Heilungsdauer sind jedoch abhängig von der Art des Sehnenrisses und der Behandlungsart. Werden Sehnenverletzungen verschleppt und nicht behandelt, drohen dauerhafte Bewegungseinschränkungen des entsprechenden Muskels. Viele Sehnenverletzungen lassen sich gut operieren. Im Anschluss an eine Operation beginnt der Betroffenen möglichst früh und kontrolliert mit physiotherapeutischen Übungen, um die Heilung zu fördern.

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