Die Funktion des sekundären somatosensorischen Cortex

Der sekundäre somatosensorische Cortex (S2) ist ein Areal der Großhirnrinde, das eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Körperwahrnehmungen spielt. Er ist ein Assoziationscortex, der Informationen aus dem primären somatosensorischen Cortex (S1) sowie aus anderen Hirnarealen erhält. Diese Informationen werden im S2 mit bekannten Sinneseindrücken abgeglichen und so erkannt.

Lokalisation und Organisation

Der sekundäre somatosensorische Cortex befindet sich hinter dem Gyrus postcentralis auf dem hinteren Scheitellappen. Er entspricht den Brodmann-Arealen 40 und 43. Der primäre somatosensorische Kortex des Menschen ist somatotop organisiert, d. h., die Organisation entspricht einer Karte der Körperoberfläche. Rezeptoren, die im Körper beianderliegen, sind auch im Cortex nebeneinander repräsentiert.

Funktionelle Verbindungen und Informationsverarbeitung

Der S2 erhält Eingänge aus dem primären somatosensorischen Kortex (S1) zur Weiterverarbeitung. Neben den Eingängen aus der primären somatosensorischen Rinde gehen hier auch vorverarbeitete, auditive und visuelle Informationen ein. In der sekundären Sehrinde laufen auch Informationen aus anderen Hirnarealen ein, die mit den Mustern abgeglichen werden können. Aus der sekundären Sehrinde werden die Informationen an weitere übergeordnete (tertiäre) Assoziationszentren weitergegeben.

Die Informationen werden im S2 mit bekannten Sinneseindrücken abgeglichen und so erkannt. In der sekundären Hörrinde werden hierfür die vorverarbeiteten Eindrücke aus den primären Arealen mit bekannten Sinneseindrücken abgeglichen.

Aufgaben des sekundären somatosensorischen Cortex

Der sekundäre somatosensorische Cortex übernimmt folgende Aufgaben:

Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung

  • Integration somatosensorischer Informationen: Der S2 integriert Informationen aus verschiedenen somatosensorischen Modalitäten, wie z.B. Tastsinn, Schmerz, Temperatur und Propriozeption.
  • Verarbeitung von Form und Textur: Der S2 ist an der Verarbeitung von Form und Textur von Objekten beteiligt.
  • Räumliche Wahrnehmung: Der S2 spielt eine Rolle bei der räumlichen Wahrnehmung und der Lokalisation von Berührungsreizen.
  • Aufmerksamkeit: Der S2 ist an der Steuerung der Aufmerksamkeit auf somatosensorische Reize beteiligt.

Unterschiede zwischen den Hirnhälften

Interessanterweise weisen die sekundären Hörrinden der beiden Hirnhälften unterschiedliche Funktionalitäten auf. In der dominanten Hirnhälfte - bei den meisten Menschen die linke - wird das Gehörte eher rational verarbeitet, was von hoher Bedeutung für die Sprachverarbeitung ist.

Klinische Bedeutung

Ein Ausfall des Wernicke-Sprachzentrums führt zu einem Unverständnis von Sprache. Sprache verloren. Der Betroffene kann zwar noch einzelne Laute oder Worte nachsprechen, versteht diese aber nicht und kann auch selbst keine sinnvollen Laute, Worte oder Sätze mehr bilden.

Die Rolle des Gehirns bei der Schmerzlinderung

Eine experimentelle Studie unter Beteiligung der Universitäten Wien, Exeter und Birmingham untersuchte, wie sich virtuelle Naturerfahrung auf die nozizeptive und somatosensorische Schmerzverarbeitung auswirkt. Die selbstberichtete Schmerzstärke beim Betrachten der natürlichen Szene war signifikant geringer als in den beiden anderen Settings. Anhand der fMRT-Aufnahmen konnten die Forschenden nachweisen, dass beim Betrachten der Naturvideos vor allem die frühen nozizeptiven Signale abgeschwächt waren. Sie schließen daraus, dass „Natur helfen kann, Schmerzen zu lindern“.

Lesen Sie auch: Was Sie über sekundäre Demenz wissen sollten

Lesen Sie auch: Hirnmetastasen verstehen

tags: #sekundare #somatosensorische #kortex