Sekundäres Glioblastom Grad 4: Informationen zu Diagnose, Behandlung und Prognose

Das Glioblastom ist ein aggressiver, primärer Hirntumor, der von den Gliazellen ausgeht, dem Stützgewebe des Gehirns. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diesen schnell wachsenden Tumor als Grad 4 ein, was seine Bösartigkeit und die Herausforderungen bei der Behandlung unterstreicht. Es ist die häufigste bösartige Form des Gehirntumors beim Menschen und tritt meist zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr auf, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Definition und Klassifikation

Ein Glioblastom ist eine bösartige Wucherung des Hirngewebes. Es gibt zwei Haupttypen:

  • Primäres Glioblastom: Entsteht direkt aus gesunden Gliazellen.
  • Sekundäres Glioblastom: Entwickelt sich aus einem bereits bestehenden, weniger aggressiven Hirntumor (Astrozytom Grad 2 oder 3) und stellt das Endstadium einer länger bestehenden Tumorerkrankung dar. Nach der neuen WHO-Klassifikation werden sekundäre Glioblastome, die sich aus Astrozytomen Grad 2 oder 3 entwickeln, als "Astrozytome, IDH-mutiert, Grad 4" bezeichnet.

Die früher übliche Einteilung in "Glioblastom, IDH-Wildtyp" und "Glioblastom, IDH-mutiert" gilt nach der aktuellen Klassifikation der WHO nicht mehr.

Häufigkeit

In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.800 Menschen an einem Glioblastom. Studien geben die Häufigkeit mit jährlich 5 bis 7 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner an. Männer sind etwa 1,6-mal häufiger als Frauen betroffen. Glioblastome machen ca. 80 Prozent aller bösartigen Gehirntumoren aus. Bezogen auf alle Hirntumoren (gutartige und bösartige) liegt ihr Anteil bei etwa 10 Prozent.

Wachstum und Entwicklung

Glioblastome sind durch schnelles Wachstum gekennzeichnet. Laut WHO ist das Glioblastom ein Tumor Grad IV, was bedeutet, dass die Tumorzellen sich sehr oft und sehr schnell teilen. Sie bilden neue Blutgefäße, um sich zu ernähren, und wachsen innerhalb weniger Wochen oder Monate diffus ins umliegende Gewebe ein, ohne klare Abgrenzung.

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Symptome

Oft wächst ein Glioblastom über lange Zeit unbemerkt, bis es plötzlich Symptome verursacht, die sich innerhalb kurzer Zeit verschlimmern. Die konkreten Beschwerden können vielfältig sein und hängen von der Gehirnregion ab, die der Tumor erfasst hat. Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Häufige und starke Kopfschmerzen, die vor allem nachts und morgens auftreten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühle
  • Benommenheit, Ohnmacht
  • Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, mangelnde Aufmerksamkeit und Denkstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Koordinationsstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Empfindungsstörungen bei Berührung, Kälte oder Hitze
  • Störungen beim Sehen, Hören, Sprechen, Schlucken
  • Veränderungen der Persönlichkeit, Aggressivität, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit, Desorientierung
  • Müdigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit: Fatigue-Syndrom

Diese Beschwerden können Warnzeichen für einen bösartigen Hirntumor sein und sollten schnellstmöglich abgeklärt werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung von Glioblastomen sind weitestgehend unbekannt. Der einzige gesicherte Risikofaktor ist eine frühere Bestrahlung des Kopfes mit ionisierender Strahlung. Neue wissenschaftliche Forschungen befassen sich verstärkt mit genetischen Risikofaktoren. Zwar treten die bösartigen Tumoren häufiger in Verbindung mit einigen seltenen Erbkrankheiten wie dem Li-Fraumeni-Syndrom oder dem Turcot-Syndrom auf, dennoch spielt familiäre Vererbung als Glioblastom-Ursache nach Ansicht der Fachleute praktisch keine Rolle.

Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Ionisierende Strahlen: Therapeutische Bestrahlung eines anderen Tumors kann im Nachgang ein Glioblastom verursachen (ungefähr sieben bis neun Jahre nach der Strahlentherapie).
  • Erbliche Krankheitsbilder: Seltene genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose, Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom und Li-Fraumeni-Syndrom können das Risiko erhöhen.
  • Radiofrequenzfelder: Ein eindeutig belegter Zusammenhang besteht bislang nicht, aber die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO führt Radiofrequenz-Felder seit 2011 als ein mögliches Karzinogen auf.

Diagnose

Bei den Untersuchungsmethoden zur Diagnose von Glioblastomen sind bildgebende Verfahren von größter Bedeutung. Um den Hirntumor nachzuweisen, werden Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) eingesetzt. Die Magnetresonanzspektroskopie (MRS) dient dazu, den Stoffwechsel im erkrankten Hirngewebe zu untersuchen und Glioblastome von anderen Tumorarten zu unterscheiden. Gewebeentnahmen (Biopsien) sichern die Diagnose von Glioblastomen endgültig.

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Der Diagnoseprozess umfasst in der Regel:

  1. Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Symptome und Vorerkrankungen.
  2. Neurologische Untersuchung: Prüfung auf neurologische Ausfallerscheinungen.
  3. Neuropsychologische Tests: Beurteilung kognitiver Fähigkeiten, z.B. mit dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder dem Montreal Cognitive Assessment (MoCa).
  4. Bildgebende Verfahren:
    • MRT: Wichtigstes diagnostisches Verfahren.
    • CT: Alternative, wenn MRT nicht möglich ist.
    • PET: Darstellung von Bereichen mit erhöhter Stoffwechselrate.
  5. Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung.

Behandlung

Die Behandlung von Glioblastomen kombiniert die operative Entfernung des Tumors (sofern möglich) mit Strahlen- und Chemotherapie. Die Operation sollte schnellstmöglich nach der Diagnosestellung erfolgen. Je vollständiger die Entfernung, desto besser sind die Aussichten für die verbleibende Lebenserwartung. Heilen lassen sich Glioblastome nicht, aber schnelle Diagnose und sofortige Therapie verbessern die Prognose.

Die Standardtherapie umfasst:

  • Operation: Makroskopische Komplettresektion, falls möglich. Bei eloquent gelegenen Tumoren kann intraoperatives Monitoring eingesetzt werden.
  • Strahlentherapie: Standardmäßig nach der OP, um verbleibende Tumorzellen zu zerstören. Dauert mindestens 6 Wochen, in der Regel 5-mal pro Woche.
  • Chemotherapie: Ergänzend zur Strahlentherapie, meist mit Temozolomid. Andere Zytostatika sind Procarbazin, Lomustin (CCNU) und Vincristin.
  • Glioblastom-Chemotherapie nach Stupp-Schema: Bestrahlungen über 6 Wochen, 5 Tage pro Woche, zusätzlich täglich Temozolomid. Nach 4 Wochen Pause folgt die Erhaltungschemotherapie (bis zu 6 Behandlungseinheiten).
  • Tumortherapiefelder (TTF): Können ergänzend zur Radio-/Chemotherapie eingesetzt werden.

In bestimmten Fällen kann eine intensivierte Alkylantientherapie mit CCNU/TMZ vielversprechend sein.

Die Therapie wird individuell angepasst und im Rahmen von neuro-onkologischen Fallkonferenzen diskutiert.

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Prognose

Ohne Therapie beträgt die mittlere Lebenserwartung bei einem Glioblastom etwa drei Monate. Bei bestmöglicher Therapie lässt sich diese Spanne - berechnet auf den Durchschnitt aller Fälle - auf bis zu zwei Jahre ausdehnen. Bis zu 10 Prozent der Menschen mit Glioblastom überleben sogar fünf Jahre und länger.

Verschiedene Faktoren verbessern die Prognose: Je niedriger das Lebensalter und je besser der Allgemeinzustand, desto höher ist die Lebenserwartung. Zudem wirkt sich positiv aus, wenn der Tumor frühzeitig entdeckt und möglichst vollständig entfernt werden konnte, die Operation ohne Komplikationen verlief und nach der OP keine neurologischen Ausfälle wie Lähmungen auftreten.

Die Lebenserwartung und -qualität unterliegen individuellen Faktoren. Einige Tumorzellen lassen sich besser behandeln als andere. Schrumpft der Tumor unter einer Therapie schnell zusammen, ist die Glioblastom-Prognose besser.

Vorbeugung

Der Entstehung eines Glioblastoms kann nicht vorgebeugt werden. Wird die Erkrankung jedoch früh erkannt, verbessern sich die Heilungsaussichten.

Aktuelle Forschung

Im Verbundprojekt GLIOTAR wird ein innovatives Konzept radiopharmazeutischer theranostischer Arzneistoffe entwickelt, um die Behandlungsoptionen für an Glioblastom-Erkrankte zu verbessern. Das Projekt GLIOTAR verfolgt ein „radiopharmazeutisches, theranostisches Prodrug-Konzept“, um Radioliganden zu erhalten, die gezielt an ein Glioblastom andocken und sich in diesem anreichern, um den Tumor gezielt zu zerstören.

Unterstützung und Information

Nutzen Sie von Beginn an die Hilfsangebote der Deutschen Hirntumorhilfe für Glioblastompatienten und deren Angehörige. Informieren Sie sich telefonisch unter 0341.5 90 93 96 über aktuelle Standards der Behandlung und informieren Sie sich über neue Therapieoptionen.

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