Sklerose der Knochen beim Pferd: Ursachen, Behandlung und innovative Therapieansätze

Skeletal Sklerose, auch Knochensklerose genannt, ist ein Zustand, der durch eine erhöhte Knochendichte gekennzeichnet ist. Bei Pferden kann dies verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Bereiche des Skeletts betreffen, was zu Lahmheit und anderen Problemen führen kann. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten der Knochensklerose bei Pferden und beleuchtet innovative Therapieansätze und Fallbeispiele aus der Tierklinik Starnberg.

Ursachen der Knochensklerose beim Pferd

Die Ursachen für Knochensklerose bei Pferden sind vielfältig und können sowohl auf genetische Faktoren als auch auf äußere Einflüsse zurückzuführen sein. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Überlastung und Fehlbelastung: Harte Stopps, Sprünge oder Drehungen auf der Vorhand können die Knochenstruktur schädigen und zu einer Sklerosierung führen. Auch eine zu frühe und zu starke Beanspruchung von Jungpferden kann die Hufrolle belasten und langfristig zu Problemen führen.
  • Genetische Veranlagung: Es wird vermutet, dass die Erkrankung vererbt wird. Pferde mit einem schwachen Fundament oder einer bestimmten Huf form (z. B. steile, enge oder flache Hufe) haben ein höheres Risiko, an Knochensklerose zu erkranken.
  • Mangelnde Bewegung im Fohlenalter: Bewegen sich Fohlen in den ersten Lebensmonaten zu wenig, erreichen Knochen und Gelenke nicht die nötige Stabilität.
  • Entzündungen und Traumata: Wiederholte Traumata oder Entzündungen im Bereich des Fesselträgers können ebenfalls zu einer Sklerosierung der Knochen führen.

Symptome der Knochensklerose beim Pferd

Die Symptome der Knochensklerose können je nach betroffenem Bereich und Schweregrad der Erkrankung variieren. In der Anfangsphase sind die Symptome oft kaum wahrnehmbar. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Lahmheit: Das Pferd zeigt einen klammen Gang und kurze Schritte. Die Vorderbeine können wechselnd lahm sein.
  • Veränderungen im Gangbild: Das Tier stolpert und zeigt unregelmäßige Bewegungen. Es kann das kranke Bein anheben oder nach vorne stellen.
  • Schmerzen: Das Pferd scharrt eine Grube in den Boden, in die es die Zehenspitze absenkt. Im fortgeschrittenen Stadium ist das Pferd hochgradig lahm.
  • Hufverformungen: Charakteristisch sind Hufe, die flache oder eingerollte Trachten haben.
  • Muskelabbau: Durch die Schonhaltung des kranken Beins kann die Schultermuskulatur schrumpfen.

Diagnose der Knochensklerose beim Pferd

Die Diagnose der Knochensklerose erfordert eine umfassende Untersuchung des Pferdes durch einen Tierarzt. Dazu gehören:

  • Klinische Untersuchung: Abtasten und Abdrücken der neuralgischen Stellen, um eine fokale Schmerzhaftigkeit festzustellen.
  • Lahmheitsuntersuchung: Beurteilung des Gangbildes in verschiedenen Gangarten und auf unterschiedlichem Untergrund.
  • Beugeprobe: Das Hinterbein wird für etwa eine Minute hochgehalten und maximal gebeugt. Anschließend muss das Pferd einige Meter vortraben.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Beurteilung des Zustands der Knochen und des umliegenden Gewebes.

Behandlung der Knochensklerose beim Pferd

Die Behandlung der Knochensklerose zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

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  • Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (z. B. nichtsteroidale Antiphlogistika) zur Reduzierung der Schwellung und Eindämmung des Schubs. Injektion von Arzneimitteln direkt ins Gelenk.
  • Orthopädischer Beschlag: Spezielle Beschläge zur Entlastung der betroffenen Bereiche, z. B. durch Anbringen einer Zehenrichtung, Zurücksetzen des Hufeisens oder Einsatz von Eiereisen.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische, osteopathische oder chiropraktische Begleitbehandlungen können helfen, die Folgen von Fehlbelastungen durch Bewegungsstörungen und Lahmheiten zu minimieren.
  • Alternative Therapien: Zufütterung von Kräutern und Spurenelementen zur Unterstützung des Knorpelstoffwechsels und zur Versorgung mit antioxidativen Wirkstoffen.
  • Operative Eingriffe: In fortgeschrittenen Stadien kann eine Operation in Betracht gezogen werden, um die Verknöcherung des Gelenks zu beschleunigen und das Pferd wieder schmerzfrei laufen zu lassen.

Innovative Therapieansätze und Fallbeispiele aus der Tierklinik Starnberg

Die Tierklinik Starnberg ist bekannt für ihre innovativen Therapieansätze und ihre Expertise in der Behandlung von Knochenerkrankungen bei Pferden. Einige bemerkenswerte Fallbeispiele und Therapieansätze sind:

  • Behandlung von Luftsackmykose: Erfolgreiche Operation von 13 Pferden mit Luftsackmykose mittels Katheterembolisationsmethode. Bei allen Pferden hat sich die Mykose innerhalb der ersten 2 Monate vollständig zurückgebildet und kein Pferd ist an letalen Blutungen verstorben.
  • Versorgung von CMC-Luxationen: Versorgung einer CMC-Luxation mit einer Intraoralen Cerclage und Technovitverschluß sowie einer 9 Loch LCP Platte. Das Pony war initial 3/5 lahm, nach 8 Wochen ist das Pony im Schritt und Trab lahmfrei.
  • Stabilisierung von Tibiaplateaufrakturen: Stabilisierung einer zwei Wochen alten Tibiaplateaufraktur mit zwei Zugschrauben. Das Pferd befindet sich wieder in vollständiger reiterlicher Nutzung.
  • Minimalinvasive Zahnbehandlungen: Entfernung von Molaren mittels Buccotomie bei Pferden mit molarer Poliodontie.
  • Entfernung von Ösophaguszysten: Operative Entfernung einer großen Ösophaguszyste bei einer Stute mit wiederkehrenden Schlundverstopfungen.
  • Anlage einer Tracheostomie: Anlage einer Tracheostomie bei einem Pferd mit akuter Atemnot in Folge einer degenerativen Kehlkopferkrankung. Das Pferd ist bis heute ohne Komplikationen und vollständig leistungstolerant.
  • Versorgung von Unterkieferfrakturen: Versorgung einer offenen, infizierten Unterkieferfraktur mit einer winkelstabilen (LCP) Platte aus der Humanmedizin. Das Pferd ist in vollständiger Nutzung.
  • Stabilisierung der subchondralen Knochenplatte: Einsatz einer Zugschraube zur Stabilisierung der subchondralen Knochenplatte im Fesselgelenk. 4 Monate nach Op wurde das Pferd antrainiert und startete zum ersten Mal nach 7 Monaten wieder in der schweren Klasse.
  • Fixierung von Absprengfrakturen im Bereich des Tarsus: Fixierung einer Absprengfraktur im Bereich des Tarsus mit einer Zugschraube.
  • Plattenarthrodese: Plattenarthrodese eines Warmblutpferdes. Das Pferd befindet sich in Rekonvaleszenz und macht sehr gute Fortschritte. Es ist möglich das dieses Pferd ca. 1 Jahr postoperativ nahezu Lahmfrei im Trab sein könnte.
  • Alkohol-Ankylosierung: Verwendung von Alkohol zur Ankylosierung in einem Arthrogramm. Diese Methode befindet sich noch in der wissenschaftlichen Evaluierungsphase. Das gezeigte Pferd ist nach 3 Injektionen und 1 Jahr Rekonvaleszenz lahmfrei und geht Springen bis zur Klasse M.
  • Entfernung von Schlundverstopfungen: Entfernung einer durch eine Karotte verursachten Schlundverstopfung in einer Operation und Behandlung der kontaminierten Wunde mit einem Vakuumpumpensystem.
  • Entfernung von Polyodonten Zähnen: Entfernung von zwei zusätzlichen Zähnen mittels der minimalinvasiven Buccotomie bei einem 4-jährigen Kaltblutpferd mit veränderten Fressverhalten und einseitigem eitrigen Nasenausfluß.
  • Kolikoperationen: Entfernung eines Lipoma Pendulans sowie eines nekrotischen Darms und Verschluss des Darms mittels einer Anastomose. Lösung von Adhäsionen mittels des modernen Ligasure Verfahrens.

Prävention der Knochensklerose beim Pferd

Die Prävention der Knochensklerose beginnt idealerweise schon im Fohlenalter. Eine ausreichende und ausgewogene Mineralstoffzufuhr, die richtige Fütterung und Bewegung sind essenziell für die Entwicklung der Gelenke. Auch zu frühe und zu starke Belastung sowie Verschleiß durch nicht angepasstes Training sind zu vermeiden.

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