Die Frage, ob man mit Kopfschmerzen ins Solarium gehen sollte, ist vielschichtig und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits suchen viele Menschen im Solarium eine "Dosis" Sonne, besonders in den Wintermonaten, um die Stimmung aufzuhellen. Andererseits gibt es Bedenken hinsichtlich der UV-Strahlung und ihrer potenziellen Auswirkungen auf Kopfschmerzen und Migräne.
Solarium und Kopfschmerzen: Was sagen die Erfahrungen?
Viele Menschen berichten, dass sie mit leichten Kopfschmerzen problemlos ins Solarium gehen können. Vom Prinzip her ist es ja nur "hell und warm". Es wird empfohlen, vorher viel Wasser zu trinken, da Kopfschmerzen oft durch Flüssigkeitsmangel ausgelöst werden.
Allerdings gibt es auch Gegenstimmen. Hitze, gleißendes Sonnenlicht und Duftstoffe in Sonnencremes können Kopfschmerzen auslösen oder verstärken, insbesondere bei Migränepatienten. Auch plötzliche Warm-Kalt-Wechsel, beispielsweise durch Klimaanlagen, können Kopfschmerzen verursachen.
Die potenziellen Risiken der UV-Strahlung
Die UV-Strahlung im Solarium birgt gesundheitliche Risiken, die man nicht außer Acht lassen sollte:
- Schwächung des Immunsystems: UV-Strahlen können Zellen des Immunsystems schädigen, die sich in der Haut befinden. Wer regelmäßig ins Solarium geht, verringert diese Immunantwort.
- Hautkrebsrisiko: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat künstliche UV-Strahlung als eindeutig krebserregend eingestuft. Regelmäßige Solariumbesuche, besonders vor dem 35. Lebensjahr, verdoppeln das Risiko, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Auch das Risiko für weißen Hautkrebs steigt.
- Hautschäden: UV-Strahlen schädigen die Haut und fördern vorzeitige Hautalterung.
Es ist wichtig zu beachten, dass das künstliche Sonnenbad keinesfalls harmloser ist als das unter freiem Himmel. In beiden Fällen trifft ein Mix aus UV-A- und UV-B-Strahlung auf die Haut.
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Solarium als Stimmungsaufheller: Mythos oder Wahrheit?
Viele Menschen suchen im Solarium eine Aufhellung ihrer Stimmung, besonders in den dunklen Wintermonaten. Licht wird über die lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut des Auges aufgenommen und wirkt auf diesem Weg auf das Hormonsystem und das Wohlbefinden ein. Allerdings kann dieser Effekt im Solarium nicht zum Zuge kommen, da man eine Schutzbrille trägt.
Zudem ist das Solarium wegen der gesundheitlichen Risiken kein ratsamer Weg, um dem Körper bei der Vitamin-D-Herstellung unter die Arme zu greifen. Es gibt kostengünstigere und risikoärmere Wege, um einem Vitamin-D-Mangel zu begegnen, etwa in Tablettenform.
Solarium und Migräne: Ein problematisches Verhältnis
Für Migränepatienten kann das Solarium problematisch sein. Viele Migränepatienten sind lichtempfindlich (Photophobie). Diese Lichtempfindlichkeit kann während einer Attacke auftreten, aber auch zwischen den Attacken bestehen. Bei manchen Menschen kann Licht sogar eine Migräneattacke auslösen.
Die genauen Mechanismen, wie Lichtempfindlichkeit zu Migräne führt, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Theorien:
- Aktivierung von Rezeptoren in der Netzhaut: Bestimmte Rezeptoren in der Netzhaut können durch Licht aktiviert werden und Nervenzellen im Zwischenhirn stimulieren.
- Trigemino-vaskuläres System: Die aktivierten Nervenzellen stehen in Verbindung mit Nervenzellen im Zwischenhirn, die Ausläufer bis in die Hirnhäute (Dura mater) besitzen. Das aktivierte trigemino-vaskuläre System produziert einen Botenstoff (ein Neuro-Peptid), der eine Wirkung auf die Schmerzwahrnehmung ausübt und außerdem gefäßerweiternd wirkt. Es ist das sogenannte Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). Eine Erweiterung der Hirngefäße durch diesen Entzündungsmediator wird schon länger als ein wesentlicher Schritt in der Entstehung von Migräne angesehen.
Was ist bei Solariumbesuchen zu beachten?
Wer trotz der Risiken ins Solarium gehen möchte, sollte einige Punkte beachten:
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- Qualität des Sonnenstudios: Achten Sie auf ein Sonnenstudio, dass nach der UV-Schutzverordnung zertifiziert ist. Erkundigen Sie sich, ob das Personal geschult ist und Sie umfassend über Sonnendauer und Geräteintensität beraten kann. Von Selbstbedienungsstudios ohne Personal wird abgeraten.
- Bestrahlungsstärke: Achten Sie auf die Kennzeichnung des Gerätes mit 0,3 Watt pro Quadratmeter (W/m²).
- Schutzmaßnahmen: Verzichten Sie auf Schminke und Parfüm, tragen Sie eine spezielle UV-Schutzbrille und informieren Sie sich über mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten.
- Häufigkeit: Dermatologen empfehlen, nicht mehr als 30 bis 40 Mal pro Jahr und nicht mehr als dreimal im Monat für 10 bis 15 Minuten ein Sonnenbad zu nehmen.
Alternativen zum Solarium
Es gibt verschiedene Alternativen zum Solarium, um die Stimmung aufzuhellen und den Vitamin-D-Spiegel zu erhöhen:
- Tageslichtlampen: Spezielle Lampen können helfen, winterliche Trübsal aufzuhellen.
- Vitamin-D-Präparate: Es gibt kostengünstigere und risikoärmere Wege, um einem Vitamin-D-Mangel zu begegnen, etwa in Tablettenform.
- Bewegung im Freien: Auch an trüben Tagen ist es sinnvoll, sich draußen aufzuhalten und Tageslicht zu tanken.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann ebenfalls zur Stimmungsaufhellung beitragen.
Wetterfühligkeit und Migräne
Viele Migränepatienten berichten von einer Wetterfühligkeit. Umschwünge des Wetters, wie beispielsweise Luftdruckänderungen, Temperaturanstiege oder Föhnwetterlagen, können Migräneattacken auslösen.
Es gibt auch Zweifel am Einfluss des Wetters auf die Migräne. Experten vermuten, dass Betroffene mit der Erwartung „bei Gewitter bekomme ich Migräne“ eher dazu tendieren, das Wetter aufmerksamer zu beobachten; sich unter Umständen also selbst so stark beeinflussen, dass es tatsächlich zu einer Attacke kommt.
Um den Einfluss des Wetters auf die Migräne besser zu verstehen, gibt es Projekte wie den Migräne-Radar (Mira) der Hochschule Hof. Betroffene können sich über eine Web-Anwendung oder über Smartphone-Apps anmelden und jede Attacke im Programm vermerken.
Fibromyalgie und Vitamin D
Es gibt Hinweise darauf, dass eine deutliche Steigerung des Vitamin D-Spiegels im Blut zur Beherrschung oder gar Heilung von Fibromyalgie beitragen könnte. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Fibromyalgie oft besonders niedrige Vitamin D-Werte im Blut haben. Eine Supplementierung mit Vitamin D kann zu einer Linderung der Schmerzen führen.
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