Spastik bei ALS: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Motoneuronerkrankungen sind Erkrankungen des motorischen Nervensystems. Die Leitsymptome sind eine voranschreitende Muskelschwäche („Parese“) sowie Muskelverschmächtigungen („Atrophie“) häufig mit Muskelzuckungen („Faszikulation“) oder eine Muskelsteifigkeit („Spastik“).

Einführung

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine schwere, bisher nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. Bei der ALS verlieren die motorischen Nervenzellen, die für die willkürliche Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind, fortschreitend ihre Funktion. Ein wesentliches Merkmal der ALS ist die Spastik, eine Form der Muskelsteifigkeit, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Spastik im Zusammenhang mit ALS.

Grundlagen der ALS und ihre Auswirkungen auf das motorische Nervensystem

Bei der ALS kommt es zu einer Degeneration der Motoneurone, die für die Steuerung der Willkürmuskulatur verantwortlich sind. Die Schädigung des ersten Motoneurons (im motorischen Kortex) verursacht eine Spastizität (Bewegungsstörung), während die Degeneration des zweiten Motoneurons (im Myelon) mit Muskelschwäche (Parese), Muskelatrophie (Myatrophie) oder Muskelzuckungen (Faszikulationen) verbunden ist.

Die geschädigten motorischen Nervenzellen (Motoneurone) befinden sich im Gehirn und im Rückenmark. Das “Erste Motoneuron” (“obere Motoneuron”) beginnt im Gehirn und reicht mit einem langen Nervenfortsatz (Axon) bis zum Rückenmark (Myelon). Dort haben sie Kontakt mit den Nervenzellen des “Zweiten Motoneurons” (“unteres Motoneuron”). Das zweite Motoneuron ist durch einen weiteren Nervenfortsatz mit der Muskulatur verbunden.

Der Abbau von Nervenzellen (Neurodegeneration) stellt sich für Menschen mit ALS vor allem als Kraftminderung und Muskelschwäche, Muskelschwund oder Steifigkeit dar. Der Nervenzellverlust hat zur Folge, dass die Mobilität der Hände, Arme, Beine sowie des Rumpfes und der Zunge im Laufe der Krankheit eingeschränkt wird oder verloren geht. Nicht betroffen von der ALS sind die Körperwahrnehmung und Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Gleichgewichtssinn, Tastsinn). Auch die Herzmuskulatur und die Kontrolle von Urin und Stuhl bleiben meist unberührt. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kann es zur vollständigen Lähmung der Skelettmuskulatur kommen. Die ALS zählt daher zu einer der schwersten Erkrankungen des Menschen. Sie ist nicht heilbar, durch eine Behandlung können ihre Symptome jedoch gelindert werden.

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Häufigkeit der ALS

In Deutschland leben 6.000 bis 8.000 Menschen mit ALS. Die Erkrankung wird jährlich bei etwa 2.000 Patienten neu diagnostiziert. Die meisten von ihnen sind zwischen 50 und 70 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt zwischen 56 und 58 Jahren. 10 % erkranken vor dem 40. Lebensjahr. Die jüngsten Patienten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.

Was ist Spastik?

Spastik (auch bekannt als Spasmus oder Spastizität) leitet sich von dem griechischen Wort „spasmós“ ab und bedeutet Krampf. Aus medizinischer Sicht handelt es sich um eine krankhafte Erhöhung der Muskelspannung (auch Muskeltonus bezeichnet). Die Ursache für eine Spastik ist eine Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS). Die überaktive Muskulatur führt zu dauerhaften Fehlstellungen von Bewegungsabschnitten, somit Bewegungseinschränkungen - so genannten spastischen Lähmungen. In welchem Ausmaß die Muskulatur und die Gliedmaßen betroffen sind, ist von der Grunderkrankung und der individuellen Ausprägung der Symptome beim Patienten abhängig. Eine spastische Bewegungsstörung ist in aller Regel mit Einschränkungen der Beweglichkeit verbunden.

Grundlagen einer Spastik

Eine Spastik ist keine Krankheit, sondern ein Symptom (Krankheitszeichen) einer Schädigung des zentralen Nervensystems, bestehend aus Gehirn und Rückenmark. Ursachen für eine Spastik können beispielsweise ein Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma sein. Doch nicht nur plötzliche Traumata können die Ursache für eine Spastik sein, auch chronische neurologische Störungen können früher oder später zu spastischen Lähmungen führen. In jedem Fall ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt die genaue Ursache für die Spastik diagnostiziert.

Eine Spastik kann für die Betroffenen mit starken Beeinträchtigungen ihres Alltags und einem hohen Leidensdruck verbunden sein. Nicht selten kommt es durch die Muskelsteifigkeit auch zu schmerzhaften und entstellenden Körperhaltungen.

Die Symptome der Spastik können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Verschiedene Betroffene können daher ähnliche Symptome aufweisen, aber völlig andere Einschränkungen in ihrem Alltag erleben. Eine individuelle Betrachtung der Symptome einer spastischen Lähmung ist somit unerlässlich.

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Spastik ist nicht gleich Spastik

Spastische Lähmungen können in unterschiedlichem Schweregrad und Ausmaß sowie mit unterschiedlichen Begleiterscheinungen auftreten. Dies ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich und muss daher individuell untersucht werden. Da die Spastik mit einer Einschränkung der Beweglichkeit einhergeht, bezeichnet man sie auch als spastische Lähmung oder spastische Parese.

Eine spastische Lähmung kann sich als leichte Muskelsteifigkeit mit nur geringen Bewegungseinschränkungen oder als dauerhafte Muskelverkrampfung mit schweren Einschränkungen bis hin zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit äußern. Der Schweregrad der Spastik hängt davon ab, wie stark die Bereiche des Gehirns bzw. des Rückenmarks geschädigt sind. Doch nicht nur die Stärke der Symptome einer Spastik sind davon abhängig. Auch die Verortung, also wo am Körper es zu den Verkrampfungen kommt, wird dadurch bestimmt.

Klassifikation der Spastik nach Ausmaß

Spastische Lähmungen können einzelne Muskeln oder ganze Körperbereiche betreffen. Dabei unterscheidet man bei dem Ausmaß der Spastik zwischen zwei Kategorien: fokale Spastik und generalisierte Spastik.

Ist die Spastik lokal begrenzt, spricht man von einer fokalen Spastik. Tetraspastik: Beide Beine und Arme sind von der Spastik betroffen. Je nach Ausprägung können auch die Hals- und Rumpfmuskulatur betroffen sein.

Weitere Symptome einer Spastik

Eine Spastik kann von weiteren Symptomen begleitet sein, die ebenfalls durch die Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks verursacht sind. Schmerzen und / oder SensitivitätsstörungenInsbesondere bei einer Spastik nach Schlaganfall kommt es neben der spastischen Lähmung häufig zu einer halbseitigen schlaffen Lähmung, die den Arm und das Bein einer Körperhälfte betrifft.

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Die Symptome einer Spastik hängen damit zusammen, wo und wie stark das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) geschädigt ist. Dementsprechend können die damit verbundenen funktionellen Beeinträchtigungen von nur leichten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit bis zu einer vollständigen körperlichen Behinderung reichen.

Ursachen der Spastik bei ALS

Einer Spastik liegt stets eine Schädigung des zentralen Nervensystems, kurz ZNS, zugrunde. Dieses setzt sich aus dem Gehirn und dem Rückenmark zusammen und wird vom sogenannten peripheren Nervensystem abgegrenzt, das alle anderen Nervenstrukturen des Körpers beinhaltet. Die Strukturen des ZNS sind über Nervenbahnen mit der Skelettmuskulatur verbunden und vermitteln diesen Signale zur Anspannung und Entspannung. Auf diese Weise können komplexe Bewegungsabläufe wie beispielsweise das Greifen nach einem Gegenstand realisiert werden. Erkrankungen des zentralen Nervensystems können dieses komplexe Zusammenspiel beeinträchtigen, sodass es zu einer unkoordinierten, unwillkürlichen Ansteuerung der Muskulatur kommt und die Beweglichkeit eingeschränkt wird.

Folgende Erkrankungen können zu einer ZNS-Schädigung mit einer Spastik als Symptom führen:

  • Hirnschäden durch Sauerstoffunterversorgung, beispielsweise nach einem Schlaganfall
  • angeborene Hirnschädigungen
  • entzündliche Hirnerkrankungen wie beispielsweise Meningitis
  • Hirntumore
  • Querschnittslähmungen mit Schädigung des Rückenmarks
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Wie entsteht eine Spastik?

Die Ursache einer Spastik ist eine Schädigung im zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn, Rückenmark oder deren Verbindungen. Dort gibt es Bereiche, die über Nervenbahnen mit der Skelettmuskulatur verbunden sind und auf diese Weise unsere Bewegungen steuern. Bei einer Spastik sind genau diese Bereiche des ZNS betroffen.

Unseren Bewegungen liegt ein harmonisches Zusammenspiel von Muskeln zugrunde. Die Befehle hierfür stammen aus dem ZNS und werden über Nervenbahnen auf die Skelettmuskeln übertragen. Normalerweise geben die Nerven dem Muskel durch eine Erhöhung seiner Spannung das Signal, aktiv zu werden - der Muskel wird in einen sogenannten Erregungszustand versetzt. Ist die Spannung hoch genug, spannt sich der Muskel kurzzeitig an und verkürzt sich: Es kommt zur Muskelkontraktion, ehe der Muskel wieder in seinen entspannten Ausgangszustand zurückkehrt.

Bei einer Spastik liegt eine Schädigung im ZNS vor, die zu einer gestörten Feinabstimmung zwischen Muskelanspannung und Muskelentspannung führt. Der Muskel wird von den Nerven dauerhaft in einen Erregungszustand versetzt. Dies kann von einer leichten Erhöhung der Eigenspannung des Muskels (erhöhter Muskeltonus) bis zu einem eindeutigen Befehl für eine Muskelkontraktion (Muskelanspannung) reichen.

In jedem Fall kann unter diesen Umständen die Aktivität des Muskels - und damit die von ihm ausgehende Bewegung - nicht mehr kontrolliert werden. Es kommt zur spastischen Parese oder Lähmung.

Beispiel einer Spastik im Handgelenk

Unsere Bewegungen beruhen auf einem harmonischen Zusammenspiel von Muskeln, das über das Zentrale Nervensystem (ZNS) gesteuert wird. Bei einer Spastik kommt es aufgrund einer Schädigung im ZNS (Gehirn und Rückenmark) zu einer Fehlregulation der Skelettmuskulatur. Die Muskeln werden von den Nerven in einen Zustand permanenter Erregung und Anspannung versetzt.

Die Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks kann zahlreiche Ursachen haben, z. Hirntumor

Eine Spastik kann somit sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindes- und Jugendalter auftreten. In Deutschland sind schätzungsweise 800.000 Personen betroffen, darunter ca. 50.000 Kinder.

Die Spastik kann zeitnah oder mit einer Verzögerung von Wochen oder Monaten nach der eigentlichen Schädigung des Zentralnervensystems auftreten.

Eine sehr häufige Ursache für eine Spastik ist ein Schlaganfall bzw. Hirninfarkt. In Deutschland erleiden jährlich 250.000 Menschen einen Schlaganfall (Stiftung dt. Schlaganfall-Hilfe). Bei mehr als einem Viertel entwickelt sich nach einer Zeitspanne von ca. 3-6 Monaten eine Spastik (auch als spastische Lähmung oder Spastizität bezeichnet).

Symptome der Spastik bei ALS

Zu Beginn der ALS nehmen Patienten überwiegend Muskelschwäche (Parese), Muskelschwund (Atrophie) sowie Muskelsteifigkeit (Spastik) wahr. Die individuellen Beschwerden hängen davon ab, welches Motoneuron und welche Muskelgruppe stärker betroffen ist.

Eine Betroffenheit des ersten Motoneurons führt zu einer unkontrolliert gesteigerten Muskelspannung, die sich in Steifigkeit (Spastik) sowie einer verminderten Geschicklichkeit und Feinmotorik äußert. Bei Betroffenheit des zweiten Motoneurons können die Nerven der Muskulatur nur noch eingeschränkt aktivieren, es kommt zu Muskelschwäche und Muskelschwund.

Typische Symptome einer spastischen Bewegungsstörung sind:

  • Beeinträchtigung der Bewegungssteuerung und Koordination
  • Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungserscheinungen
  • Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen
  • Kraftlosigkeit und Erschöpfung
  • gesteigerte Muskeleigenreflexe

Spastische Bewegungsstörungen können je nach Ursache in unterschiedlichem Schweregrad und an verschiedenen Lokalisationen auftreten. Dabei können sowohl einzelne Bewegungssegmente (beispielsweise nur einzelne Zehen) als auch eine oder mehrere Extremitäten betroffen sein. Der Begriff Paraspastik wird dann verwendet, wenn beide Arme oder beide Beine betroffen sind; bei einer Tetraspastik tritt die Spastik an allen Extremitäten auf.

Wie erkenne ich die Anzeichen einer Spastik?

Spastische Lähmungen können in einzelnen Muskeln oder ganzen Muskelgruppen auftreten. Weil die Muskeln an den Gelenken ansetzen, äußern sich muskuläre Verkürzungen und Verspannungen vor allem an diesen verbindenden Elementen. Infolge einer Spastik kommt es also zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und teils bizarren Fehlhaltungen der Gelenke.

Eine Armspastik äußert sich an den Schulter- sowie Ellbogen-, Hand- und Fingergelenken. Gebeugte Zehen

Spezifische Symptome bei ALS

Bei ALS-Patienten kann die Spastik verschiedene Körperregionen betreffen und sich unterschiedlich äußern:

  • Extremitäten: Muskelschwund und Steifigkeit führen zu fortschreitender Lähmung. Betroffene können Schwierigkeiten beim Gehen haben und auf eine Gehstütze oder einen Rollstuhl angewiesen sein. In den oberen Extremitäten beeinträchtigt die Spastik das Heben, Tragen, Schreiben, Essen und die Körperpflege.
  • Sprache (Dysarthrie): Betrifft die Spastik Zunge, Schlund und Gaumen, kann dies zu einer Sprechstörung führen. Das Sprechen und die Artikulation fallen schwerer, bis hin zur Unfähigkeit, verbal zu kommunizieren.
  • Schlucken (Dysphagie): Die Schluckstörung beginnt meist mit einer leichten Schwäche oder Steifigkeit der Zungen- und Schlundmuskulatur. Im weiteren Krankheitsverlauf nimmt die Beweglichkeit der Muskulatur ab, was das Kauen und Schlucken von Nahrung erschwert.
  • Atmung: Die Einschränkung der Atemfunktion entsteht durch eine Schwäche der Atemmuskulatur am Brustkorb und des Zwerchfells.

Diagnose der Spastik bei ALS

Die wesentlichen Hinweise für eine ALS ergeben sich bereits durch eine körperliche Untersuchung. Neurologisch ausgebildete Ärzte sind in der Lage, ALS-typische Symptome festzustellen. Typischerweise liegen bei ALS-Patienten keine Gefühlsstörung, Nervenschmerzen oder geistigen Einschränkungen vor.

Ein weiteres Merkmal der ALS-Symptomatik ist die langsame Zunahme der Muskelschwäche oder Steifigkeit. Wenn die schmerzlosen Lähmungen schleichend beginnen und allmählich fortschreiten, ohne dass andere neurologische Beschwerden auftreten, entsteht der Verdacht auf ALS. Die äußerlich erkennbaren Symptome können durch zusätzliche Diagnoseverfahren bestätigt und gemessen werden (Elektromyographie, Elektroneurographie, motorisch-evozierte Potentiale).

Wie wird eine Spastik vom Arzt diagnostiziert?

Zur Diagnose einer Spastik untersucht der Arzt den Patienten zunächst körperlich. Zusätzlich wird er wahrscheinlich einige neurologische Tests durchführen und bildgebende Verfahren (z. B. CT, MRT) anwenden. Der Muskeltonus (Messung des Grades der Anspannung der Muskulatur z.B. Die Schmerzintensität

Die Informationen helfen dem Arzt bei der Diagnosestellung und Planung der anschließenden Therapiemaßnahmen, um die Spastik zu lösen. Ferner kann anhand von Bewertungsskalen das Ansprechen auf die Behandlung beurteilt und nachverfolgt werden.

Die Ashworth-Skala (nach Ashworth 1964) bzw. die modifizierte Ashworth-Skala (nach Bohannon und Smith 1987) ist eine gebräuchliche Methode zur Beurteilung der Spastizität von Muskeln.

Differenzialdiagnostik

Einige sehr seltene Erkrankungen können ALS-ähnliche Symptome aufweisen. Zu ihnen zählen eine mechanische Schädigung des Rückenmarks (zervikale Myelopathie), Muskelerkrankungen (z.B. Einschlusskörperchenmyopathie), Erkrankungen der peripheren Nerven (motorische Polyneuropathie), bestimmte Formen der Multiplen Sklerose, neurologische Folgeerkrankungen durch Tumore (paraneoplastische Syndrome) und sehr seltene Stoffwechselerkrankungen. Um diese Erkrankungen nachzuweisen oder auszuschließen, stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung: Magnetresonanztomographie (Tumor- oder Entzündungserkrankungen des Gehirns und Rückenmarks), Nervenwasseruntersuchung (Infektionen und Autoimmunerkrankungen) oder spezifische Blutuntersuchungen (Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und bestimmte Tumorerkrankungen).

Behandlungsmöglichkeiten der Spastik bei ALS

Therapeutisch gibt es bislang nur bei sehr wenigen Motoneuronerkrankungen eine kausale Behandlung. Daher ist die sichere Diagnosestellung entscheidend. Es gibt darüber hinaus zahlreiche effektive symptomatische Therapien, um die Beschwerden wie z.B. Schmerzen, Muskelkrämpfe und Bewegungseinschränkungen zu mildern. Wichtig ist daneben das frühzeitige Erkennen und die Behandlung von nächtlichen Atemstörungen und von Schluckstörungen. Dabei kommen neben Medikamenten und Physiotherapie/Logopädie auch Hilfsmittel wie eine nächtliche Heimbeatmung, Ernährungssonden, Orthesen und Roboter zum Einsatz.

Grundsätzlich sollte zur Behandlung einer Spastik möglichst die zugrundeliegende Ursache therapiert werden. So sollte beispielsweise bei einer Infektion (bspw. Meningitis) eine antientzündliche Therapie oder bei einer Multiplen Sklerose eine für dieses Krankheitsbild spezifische Behandlung eingeleitet werden.

Da Nervengewebe jedoch nur eine stark eingeschränkte Fähigkeit zur Regeneration besitzt, kann bei vielen Erkrankungen des ZNS keine ursächliche Behandlung erfolgen, sodass oft eine symptomatische Therapie eingeleitet wird. Diese richtet sich nach der Schwere der Erkrankung sowie individuellen Faktoren.

Die wichtigste Grundlage zur Behandlung einer spastischen Bewegungsstörung ist die Physiotherapie. Dabei werden gezielt einzelne Muskelgruppen gestärkt, um einer Muskelschädigung infolge der Spastik entgegenzuwirken und die Mobilität zu verbessern bzw. zu erhalten.

Weiterhin kann eine Spastik mit Hilfe verschiedener Medikamente behandelt werden, zu denen unter anderem die sogenannten Muskelrelaxanzien gehören. Diese wirken der erhöhten Muskelspannung entgegen und können sowohl in Tablettenform als auch bei schwereren Formen direkt in das Rückenmark appliziert werden. Führt die Spastik zu einer sehr starken, dauerhaften Muskelanspannung, kann dies durch die gezielte Injektion mit dem Botulinumtoxin (umgangssprachlich auch als Botox bezeichnet) behandelt werden. Dieses Nervengift blockiert die Übertragung von Bewegungssignalen vom Nervengewebe auf die Muskulatur, sodass es zu einer Entspannung des krankhaft angespannten Muskels kommt. Durch die gezielte Injektion des Medikamentes, kann die umgebende gesunde Muskulatur geschont werden.

Eine intensivierte Behandlung der Spastik kann zudem im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme erfolgen. Dabei erhalten die Patienten ein individuelles und multimodales Behandlungsprogramm, das neben einer Bewegungstherapie auch weitere Therapieformen wie beispielsweise Ergotherapie, Gips- und Orthesenbehandlungen oder Entspannungsübungen beinhaltet.

Nicht-medikamentöse Therapien

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung von Kraft, Ausdauer und Koordination. Passive Muskelstreckung ist besonders wichtig.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und Anpassung des Wohnumfelds.
  • Hilfsmittel: Orthesen, Schienen, Splints und Verbände können Lähmungen ausgleichen und die Muskelspannung positiv beeinflussen. Für die Beine ist das Aufrichten der Betroffenen die beste Mobilisationsform.
  • Elektrostimulation: Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und funktionelle Elektrostimulation (FES) können Spastik reduzieren und den Bewegungsumfang verbessern.
  • Robotik: Robotergestützte Therapie kann vielversprechende Verbesserungen bei Standsicherheit, Gang, Treppensteigen oder der Arm-Hand-Funktion erzielen.
  • Stoßwellentherapie: Kann über Wochen anhaltend einen spastisch erhöhten Muskeltonus mindern und den Bewegungsumfang erweitern.

Medikamentöse Therapien

  • Riluzol: In Deutschland zugelassenes Medikament zur Verlangsamung des Nervenabbaus bei ALS.
  • Muskelrelaxanzien: Medikamente, die die Muskelspannung reduzieren. Beispiele sind Baclofen, Tizanidin und Dantrolen.
    • Baclofen: Kann oral eingenommen oder intrathekal (direkt in den Nervenwasserraum des Rückenmarks) verabreicht werden. Die intrathekale Baclofen-Therapie (ITB) ist besonders wirksam bei schwerer Spastik.
    • Tizanidin: Wirkt ebenfalls muskelentspannend.
    • Dantrolen: Bewirkt Muskelentspannung durch Hemmung der Freisetzung von Kalziumionen im Muskel. Sollte wegen potenziell toxischer Leberschädigung und der Verstärkung bestehender Lähmungen nur eingesetzt werden, wenn es keine bessere Alternative gibt und die Symptome es wirklich erfordern.
    • Sativex®: Ein Spray für die Mundhöhle, das ausschließlich für die bei Multipler Sklerose auftretende spastische Tonuserhöhung zugelassen ist.
  • Botulinumtoxin (BoNT): Wird bei fokaler Spastik eingesetzt, um gezielt überaktive Muskeln zu entspannen. Es blockiert die Übertragung vom Nerv auf den Muskel für einige Wochen bis Monate.

Chirurgische Verfahren

Bei schwerster Spastik, die anders nicht zu behandeln ist, gibt es chirurgische Verfahren wie die dorsale Rhizotomie oder Eingriffe in der Eintrittszone der Hinterwurzel ins Rückenmark. Durch sie können ausgeprägte Fehlhaltungen vermieden werden und damit verbundene Pflegehemmnisse, hygienische Probleme und Komplikationen wie Kontrakturen oder Hautläsionen. Nach Versagen der Standardtherapieverfahren und damit verbundenen Schmerzen können in weiteren chirurgischen Verfahren bestimmte Stellen eines Nerven durchtrennt werden (motorische Endäste, z.B. Nervus tibialis bei spastischem Spitzfuß, „pes equinus“).

Verlauf und Prognose bei spastischen Störungen

Da Spastiken immer als Symptom einer Grunderkrankung auftreten, hängt die Prognose maßgeblich vom Verlauf dieser Erkrankung ab. Schädigungen des zentralen Nervensystems sind in der Regel nicht vollständig heilbar, weshalb auch Spastiken oft nur gelindert, nicht aber komplett geheilt werden können. Es ist daher sehr wichtig, individuelle Therapieziele festzulegen und die Patienten gut über die Prognose der jeweiligen Erkrankung aufzuklären. Das wichtigste Behandlungsziel einer spastischen Störung sollte dabei die Erhöhung der Lebensqualität sein, sodass die Verbesserung der Beweglichkeit und wichtiger Alltagskompetenzen sowie die Linderung von Schmerzen im Fokus der Behandlung stehen.

Wo finde ich Hilfe?

Einer spastischen Bewegungsstörung liegt stets eine Erkrankung des zentralen Nervensystems zugrunde. Da Fachärzte für Neurologie auf die Behandlung dieser Krankheiten spezialisiert sind, sind sie auch die kompetentesten Ansprechpartner für die Behandlung einer Spastik. Unterstützt werden sie dabei von nicht-ärztlichen Fachdisziplinen wie der Physio- oder Ergotherapie.

Spastiken können zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen und sollten stets einer fachärztlichen Behandlung zugeführt werden. Als Patient möchte man sich dabei natürlich auf die Fachkompetenz der behandelnden Ärzte verlassen können. Daher haben wir sämtliche hier gelisteten Fachärzte und Kliniken sorgfältig überprüft und hinsichtlich ihrer Erfahrung in der Therapie einer Erkrankung des zentralen Nervensystems ausgewählt. Sie alle sind Experten auf dem Gebiet der Neurologie und beraten Sie gerne zu sämtlichen Fragen rund um das Thema Spastik. Vereinbaren Sie daher gerne direkt ein erstes Beratungsgespräch und überzeugen Sie sich persönlich von der Expertise unserer Behandler.

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