Die infantile Cerebralparese (ICP) ist eine neurologische Bewegungsstörung, die Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag stark beeinträchtigen kann. Spastiken, Rumpfschwäche und Koordinationsprobleme sind häufige Begleiterscheinungen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, spielen spezielle Hilfsmittel und therapeutische Ansätze eine entscheidende Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Hilfsmitteln, insbesondere im Bereich der Maltherapie, und gibt Einblicke in verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Spastik.
Herausforderungen bei Spastik und ICP
Kinder mit ICP haben oft Schwierigkeiten beim Sitzen, da sie zur Seite kippen, abrutschen oder ihren Oberkörper nicht eigenständig stabilisieren können. Dies wirkt sich negativ auf die Körperhaltung aus und erschwert Alltagsaktivitäten wie Spielen, Essen oder Lernen. Typische Herausforderungen sind:
- Instabiler Rumpf
- Asymmetrische Sitzpositionen
- Schmerzen durch Fehlhaltungen
- Bereits bestehende Gelenkkontrakturen
- Erhöhtes Risiko für Fehlentwicklungen an Wirbelsäule und Hüften
- Fehlende Kopfkontrolle und Wahrnehmung
Sitzorthesen als stabilisierende Hilfsmittel
Eine Sitzorthese bietet Kindern mit ICP gezielte Unterstützung und ermöglicht aktive Teilhabe am Alltag. Sie stabilisiert die Sitzposition, unterstützt den Rumpf bei Spastik, Hypotonie oder Muskelungleichgewichten und fördert funktionale Aktivitäten wie Malen, Essen und Kommunikation. Zudem beugt sie Fehlhaltungen und Druckstellen vor und erhöht die Kopfkontrolle sowie die Wahrnehmung.
Funktionen einer Sitzorthese:
- Stabilisierung der Sitzposition
- Rumpfunterstützung bei Spastik, Hypotonie oder Muskelungleichgewichten
- Förderung funktionaler Aktivitäten (z. B. Malen, Essen, Kommunikation)
- Vorbeugung von Fehlhaltungen und Druckstellen
- Erhöhung der Kopfkontrolle und der Wahrnehmung
Sitzorthesen lassen sich auf verschiedene Untergestelle montieren (In- und Outdoor).
Indikationen für eine Sitzorthese:
- Spastische ICP, aber auch hypertone Körperstrukturen
- Ausgeprägte Rumpfschwäche
- Motorische Entwicklungsverzögerungen
- Komplexer Hilfsmittelbedarf
Wann ist eine Sitzorthese notwendig?
Eltern sollten eine Sitzorthese in Betracht ziehen, wenn folgende Anzeichen auftreten:
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- Das Kind rutscht immer wieder aus dem Sitz
- Deutliche körperliche Asymmetrien oder Rundrücken, Skoliose
- Schnelle Erschöpfung beim Sitzen
- Rötungen oder Druckstellen
- Einschränkungen beim Spielen, Essen oder Lernen
- Einschränkungen beim Transport
In solchen Fällen ist eine individuelle Beratung durch Fachleute wie Kinderrehatechniker oder Therapeut:innen dringend zu empfehlen.
Der Weg zur passenden Sitzversorgung
Eine Sitzorthese wird ärztlich verordnet und in enger Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Sanitätshaus wie STREHL Kinderrehatechnik angepasst. Dabei steht stets das individuelle Bedürfnis des Kindes im Mittelpunkt.
Ablauf der Hilfsmittelversorgung:
- Verordnung durch Ärzt:in (z. B. "Sitzorthese bei ICP")
- Beratung durch Fachpersonal
- Maßnehmen durch individuellen Körperabdruck im schonenden Vacuumverfahren
- Erprobung von Sitzsystemen (ggf.
Malen als Therapieform
Die Maltherapie ist eine wertvolle Methode, um Kinder mit Spastik in ihrer Entwicklung zu fördern. Sie bietet eine Möglichkeit, sich nonverbal auszudrücken, Emotionen zu verarbeiten und die Feinmotorik zu verbessern.
Hilfsmittel für die Maltherapie
Um Kindern mit Spastik das Malen zu erleichtern, gibt es verschiedene Hilfsmittel:
- Schreibhilfen: Tri-Grip, Schreibhilfe SCHILD, Schreibhilfe Kleeblatt, Schreibhilfe Universal, ARK Schreibhilfe, Greifverdickung Nordix, Gewichtete Schreibhilfen. Diese Hilfen unterstützen eine korrekte Stifthaltung und erleichtern das Führen des Stifts.
- Greifsocken: Greifsocke Elke. Diese Socken fixieren die Finger und fördern den Pinzettengriff.
- ARK Pegables Feinmotorikspiel: Dieses Set fördert auf spielerische Weise die Feinmotorik.
- Griffverdickungen: Werden auf Stifte gesteckt, um den Griff zu verbessern.
Bedeutung der Feinmotorik
Die Feinmotorik spielt eine wichtige Rolle im Alltag. Mit welchen alltäglichen Tätigkeiten kann ich meine Feinmotorik fördern?
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Weitere Hilfsmittel und therapeutische Ansätze
Neben Sitzorthesen und Hilfsmitteln für die Maltherapie gibt es eine Vielzahl weiterer Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Spastik:
- Rollstühle und Gehhilfen: Fördern die Mobilität und Eigenständigkeit.
- Orthesen: Spezielle Schienen, die regelmäßig an die Größe des Kindes angepasst werden müssen.
- Physiotherapie: Stärkt die intakten Körperbereiche.
- Ergotherapie: Verbessert die Körperwahrnehmung und entwickelt Kompensationsmechanismen für den Alltag.
- Logopädie: Unterstützt die Verbesserung der Sprachentwicklung.
rehaKIND e.V. und Ringelfee: Kompetente Ansprechpartner
rehaKIND e.V. und Ringelfee sind kompetente Ansprechpartner für Familien, Kitas, Therapieeinrichtungen und Schulen. Sie bieten ein sorgsam ausgewähltes Sortiment an Förderspielen und Hilfsmitteln, die die Entwicklung von Kindern mit Spastik fördern.
Multiple Sklerose und Spastik
Spastik kann auch im Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS) auftreten. Die Therapie des spastischen Syndroms bei MS umfasst verschiedene Ansätze, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind.
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