Ataxien bilden eine heterogene Gruppe von Erkrankungen mit verschiedenen Ursachen. Die meisten Ataxien sind seltene Erkrankungen, und viele sind genetisch bedingt. Eine große und stetig wachsende Anzahl von zugrunde liegenden Gendefekten ist bekannt. Dies macht die korrekte Diagnose oft zu einer Herausforderung.
Einführung in die Spinocerebellären Ataxien (SCA)
Die autosomal dominanten spinocerebellären Ataxien manifestieren sich in der Regel im Erwachsenenalter. Da sie alle eine ähnliche Symptomatik zeigen, können sie klinisch häufig nicht oder nur bedingt unterschieden werden. Sie äußern sich durch eine cerebellär bedingte Gang- und Standataxie, Dysarthrie, Störungen der Okulomotorik, muskuläre Hypotonie, Dysdiadochokinese, Intentionstremor und extrapyramidale Symptome.
Überblick über verschiedene SCA-Typen
Um den Kontext von SCA35 besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen kurzen Überblick über andere SCA-Typen zu geben:
Spinocerebelläre Ataxie Typ 1 (SCA1)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 6p22.3, Gen: Ataxin 1 (ATXN1), OMIM-Datenbank: 164400
- Manifestationsalter: 3.-4. Dekade
- Symptomatik: Ophthalomplegie, Pyramidenbahnzeichen, Reflexsteigerung, spastische Gangstörung mit Paraplegie, Bulbärparalyse, Hirnnervenbeteiligung (kaudale Nerven IX-XII), extrapyramidale Symptomatik, periphere Neuropathie, Demenz, zerebelläre Ataxie
Spinocerebelläre Ataxie Typ 2 (SCA2)
Lesen Sie auch: Erfahrungen von SCA-Patienten
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 12q24.12, Gen: Ataxin 2 (ATXN2), OMIM-Datenbank: 183090
- Manifestationsalter: 2.-4.
Spinocerebelläre Ataxie Typ 3 (SCA3) / Machado-Joseph-Krankheit (MJD)
- Synonym: Machado-Joseph-Krankheit (benannt nach den Patriarchen der Familien der Erstbeschreibung auf den Azoren)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 14q32.12, Gen: Ataxin-3 (ATXN3), OMIM-Datenbank: 109150
- Manifestationsalter: 2.-7. Dekade
- Formen: Typ I-Typ V: Unterscheidung durch klinische Symptomatik und Manifestationsalter
- Symptomatik: Pyramidenbahnzeichen, spastische Gangstörung, spastische Paraparese, extrapyramidale Bewegungsstörung, parkinsonoide Symptomatik (typischerweise MJD Typ IV), dystone Bewegungsstörung, Muskelkrämpfe, sensible Polyneuropathie, okuläre Symptomatik (Okulomotorikstörung: Doppelbilder, Ophthalmoplegie, verschwommenes Sehen, Ptosis), Dysarthrie, zerebelläre Ataxie
- Besonderheiten: Die SCA3 oder MJD äußert sich durch eine cerebelläre Ataxie und Pyramidenbahnzeichen (Typ II), variabel vergesellschaftet mit einem dyston-rigiden extrapyramidalen Syndrom (Typ I) oder einer peripheren Amyotrophie (Typ III). Als relativ spezifisch für die SCA3 gelten ausgeprägte progressive Augenbewegungsstörungen. Der Erkrankungsbeginn variiert vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter (10. - 70. Lebensjahr), liegt jedoch typischerweise in der 4. Lebensdekade.
- Molekulare Ursache: Die SCA3 oder MJD wird durch die Verlängerung eines CAG-Nukleotidtripletts im Gen ATX3 (Ataxin 3, MJD) auf dem langen Arm von Chromosom (14q32.12) verursacht. Durch den Einbau einer zu langen Abfolge von Glutaminresten kommt es zur Synthese eines strukturell veränderten Proteins. Die Proteinsequenz des MJD-Genprodukts zeigt keine Ähnlichkeiten zu bisher bekannten Proteinen. Es findet sich eine statistische Korrelation zwischen der Anzahl der Nukleotidtripletts und dem Manifestationsalter. Die MJD wird autosomal dominant vererbt. Pathologisch verlängerte Triplett-Wiederholungen zeigen bei der Weitergabe an die nächste Generation eine ausgeprägte Instabilität. SCA3 ist in den meisten ethnischen Bevölkerungsgruppen mit ca.
Spinocerebelläre Ataxie Typ 4 (SCA4)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 16q22.2-q22.3, ZFHX3-Gen, OMIM-Datenbank 600223
- Manifestationsalter: 3.-6. Dekade
- Symptomatik: Gang- und Extremitätenataxie, sensible Polyneuropathie, Affektion der Pyramidenbahn, Hirnnervenaffektion, Dysarthrie, Okulomotorikstörungen, Hörstörungen, Schluckstörungen, Tremor und Geschicklichkeitsstörungen, kognitive Beeinträchtigungen
Spinocerebelläre Ataxie Typ 5 (SCA5)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 11q13.2, Gen: SPTBN2, OMIM-Datenbank 600224
- Manifestationsalter: 2.-6.
Spinocerebelläre Ataxie Typ 6 (SCA6)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 19p13.13, Gen: CACNA1A, OMIM-Datenbank: 186086
- Manifestationsalter: 3.-7. Dekade
- Symptomatik: Zerebelläre Ataxie, Dysarthrie, Nystagmus (horizontal und vertikal), vestibuläre Affektion mit Schwindel, Tremor, Myoklonus
Spinocerebelläre Ataxie Typ 7 (SCA7)
Lesen Sie auch: SCA4 verstehen
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 3p14.1, Gen: ATXN7, OMIM-Datenbank: 164500
- Manifestationsalter: 1.-6. Dekade
- Symptomatik: Zerebelläre Ataxie, Sehstörungen bei Netzhautdegeneration, Dysarthrie, Dysphagie, Okulomotorikstörung, verschwommenes Sehen und Dyschromatopsie
Spinocerebelläre Ataxie Typ 8 (SCA8)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 13q21, Gen: ATXN8, OMIM-Datenbank: 608768
- Manifestationsalter: 1.-4. Dekade
- Symptomatik: Zerebelläre Ataxie, Dysarthrie, Okulomotorikstörung, Affektion der Pyramidenbahn, kognitive Beeinträchtigungen, Gel. Dystonien
Spinocerebelläre Ataxie Typ 9 (SCA9)
- Genetik: Vererbung: Nicht bekannt, Chromosom: Nicht bekannt, Gen: Nicht bekannt, OMIM-Datenbank: 612876
- Symptomatik: Ophthalmoplegie, Dysarthrie, Affektion der Pyramidenbahn, extrapyramidale Manifestation, Hinterstrangzeichen
Spinocerebelläre Ataxie Typ 10 (SCA10)
- Genetik: Autosomal-dominant, Chromosom 22q13.31, Gen: ATXN10, OMIM-Datenbank: 603516
- Manifestationsalter: 2.-5.
Spinocerebelläre Ataxie Typ 35 (SCA35)
Genetik und Vererbung
Die genetische Ursache der Spinocerebellären Ataxie Typ 35 (SCA35) ist bekannt.
Symptomatik
(Informationen zur spezifischen Symptomatik von SCA35 fehlen in den gegebenen Daten. Hier wären weitere Informationen notwendig.)
Lesen Sie auch: SCA-Stadien im Detail
Diagnostik von Ataxien
Die Diagnose von Ataxien, einschließlich SCA35, ist oft komplex und erfordert eine sorgfältige Anamnese, neurologische Untersuchung und genetische Tests.
Laboruntersuchungen
- Weber KP. Laboratory Investigations. In: Manto M, Huisman TAGM. Neurology Series.
Bildgebung
- Ono SE. et al. Neuroradiological Findings in the Spinocerebellar Ataxias.
- Wolf NI. et al. MRI as diagnostic tool in early-onset peroxisomal disorders.
Differentialdiagnostik
Es ist wichtig, andere Ursachen von Ataxie auszuschließen, wie z.B.:
- Erbliche und nicht erbliche Ataxien (Timmann D.)
- Rezessive Ataxien (Nemeth AH. In: Manto M, Huisman TAGM. Series.)
- X-chromosomale Ataxien (Bertini E. In: Manto M, Huisman TAGM. Series.)
- Episodische Ataxien (Choi JH.)
- Hypomagnesemia-Induced Cerebellar Syndrome (Henzen C. et al.)
- Paraneoplastische neurologische Syndrome (Grisold W. et al.)
- Kleinhirn-Leukoenzephalopathie (Garbern JY. et al.)
- Superfizielle Siderose (Kumar N.)
- Niemann-Pick Disease Type C (Patterson M.)
- Refsum Disease (Leroy BP. Adam M, Ardinger H, Pagon R. GeneReviews.)
- GM2 Gangliosidose (Lenglet T. et al.)
- Polymerase gamma related ataxia (van de Warrenburg BP. et al.)
- Leukodystrophien (Krägeloh-Mann I. In: Diener HC, Gerloff C, Dietrich M.)
Therapie
Die Therapie von SCA35 zielt in erster Linie auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität ab.
Aktuelle Therapieansätze
- Therapien (Mochel F. et al.)
- Antisense therapies for movement disorders (Pulst SM.)
- Safety and Efficacy of Omaveloxolone in Friedreich Ataxia (MOXIe Study) (Delatycki MB. et al.)
- Friedreich ataxia (NICOFA) (Isfort S. et al.)
Klinische Studien
- Clinical Trials (Romagnolo A. et al.)
tags: #spinozerebellare #ataxie #typ #35