Ein Ganglion, im Volksmund auch Überbein genannt, ist ein gutartiger Weichteiltumor, der häufig im Bereich der Hand und des Handgelenks auftritt. Es handelt sich um eine mit zäher, klarer Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung, die von Gelenkkapseln oder Sehnenscheiden ausgeht. Obwohl Ganglien in den meisten Fällen harmlos sind, können sie Schmerzen verursachen, die Beweglichkeit einschränken und somit die Lebensqualität beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, Diagnose und Behandlung von Ganglien und gibt Hinweise zum Sport nach einer Ganglion-Operation.
Entstehung von Ganglien
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Ganglions sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren zusammenspielen. Eine Schwachstelle in der Gelenkkapsel oder Sehnenscheide, die angeboren oder durch ein Trauma verursacht sein kann, spielt eine wichtige Rolle. Diese Schwachstelle kann zu einer Aussackung führen, die sich mit Gelenkflüssigkeit füllt.
Weitere begünstigende Faktoren sind:
- Bindegewebsschwäche: Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da sie tendenziell ein schwächeres Bindegewebe und beweglichere Gelenkkapseln haben. In manchen Fällen ist die Bindegewebsschwäche genetisch bedingt.
- Überproduktion von Gelenkflüssigkeit: Chronische Reizungen, beispielsweise durch Überlastung oderEntzündungen, können zu einer vermehrten Produktion von Gelenkflüssigkeit führen. Dadurch erhöht sich der Druck im Gelenkspalt, und die Flüssigkeit drückt gegen Schwachstellen in der Gelenkinnenhaut.
- Vorerkrankungen: Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Arthrose und Gicht können ebenfalls die Entstehung eines Ganglions begünstigen.
Die Entstehungsorte eines Überbeins sind vielfältig. Ausgehend von den Gelenkkapseln oder Sehnenscheiden können sich diese Ganglien meist im Bereich des streck- und beugeseitigen Handgelenks, der Handwurzel oder der Fingergelenke hervorstülpen. Da es sich um sackartige Ausstülpungen in Verbindung zu einem Hohlraum handelt, der mit flüssigkeitsproduzierender Schleimhaut (Synovia) ausgekleidet ist, sind diese meist mit zäher Flüssigkeit gefüllt und stellen sich durchaus in wechselnder Größe dar, können gar auch platzen. In diesem Falle entleert sich die Flüssigkeit unter der Haut, und der Sack verklebt. Es kommt in der Folge häufig zur erneuten Auffüllung dieser Gebilde. Drücken sie auf in der Umgebung verlaufende Nerven, können Ganglien mitunter Schmerzen oder Taubheitsgefühle hervorrufen.
Symptome und Diagnose
Ein Ganglion kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Häufige Beschwerden sind:
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- Sichtbare und tastbare Schwellung: Am häufigsten entsteht ein sogenanntes Überbein am Handrücken. Auch an anderen Gelenken bildet sich manchmal ein Ganglion. Das ist aber nur selten der Fall. Das Ganglion liegt meist direkt unter der Haut und ist prall-elastisch. Die Größe kann variieren, von kirschkerngroß bis hin zu einem Tischtennisball.
- Schmerzen: Ganglien können schmerzfrei sein, aber auch Druckempfindlichkeit oder Schmerzen verursachen, die bis in den Ellenbogen oder die Finger ausstrahlen können.
- Bewegungseinschränkungen: Abhängig von der Größe und Lage des Ganglions kann die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks eingeschränkt sein.
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln: Wenn das Ganglion auf einen Nerv drückt, kann es zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in den Fingern kommen.
Die Diagnose eines Ganglions erfolgt in der Regel anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Der Arzt tastet die verdächtige Schwellung ab und achtet auf typische Merkmale wie die prall-elastische Konsistenz und die eingeschränkte Verschieblichkeit. In manchen Fällen können zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern oder andere Ursachen auszuschließen.
Mögliche Zusatzuntersuchungen sind:
- Sonographie (Ultraschall): Kann helfen, die Diagnose zu bestätigen und festzustellen, ob die Schwellung mit Flüssigkeit gefüllt ist.
- Röntgenbild: Ist notwendig, um knöcherne Veränderungen an der Handwurzel feststellen zu können. Gelegentlich findet man hier Zysten im Knochen oder auch einmal eine Folge einer früheren Verletzung, die zur Entstehung des Ganglions beigetragen hat.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Wird in unklaren Fällen eingesetzt, um die genaue Lage und Ausdehnung des Ganglions darzustellen und andere Ursachen auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Ganglien, die je nach Größe, Lage und Beschwerden des Patienten in Frage kommen. Nicht alle Ganglien müssen behandelt werden. Wenn das Ganglion keine Beschwerden verursacht, kann man zunächst abwarten, ob es sich von selbst zurückbildet.
Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
Konservative Behandlung:
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- Beobachtung: Bestehen die Beschwerden erst kurzfristig, kann eine spontane Besserung abgewartet werden. Sind Ganglien nicht störend, müssen sie nicht unbedingt entfernt werden. Ganglien bilden sich häufig von selbst wieder zurück.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Diese Medikamente können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
- Ruhigstellung: Eine Schiene oder Bandage kann das betroffene Gelenk ruhigstellen und so die Beschwerden lindern.
- Punktion: Der Arzt kann ein Ganglion mit einer Hohlnadel anstechen und die Flüssigkeit ablassen. Anschließend spritzt er Kortison oder andere Medikamente in den Zystenhohlraum. Diese Wirkstoffe sollen verhindern, dass das Ganglion erneut auftritt. Der Zysteninhalt kann punktiert werden oder es wird ein Medikament (Kortisonabkömmling) in die Zyste gespritzt.
Operative Behandlung:
- Indikation: Sollten sie jedoch Schmerzen bereiten, Zeichen einer Nervenkompression zeigen oder die Funktion bzw. die Bewegung einschränken, steht eine Behandlung an. Auch bei kosmetischer Beeinträchtigung kann eine operative Entfernung in Erwägung gezogen werden.
- Methoden: Das Ganglion kann arthroskopisch (Im Rahmen eine Spiegelung) oder offen mit einem Schnitt entfernt werden. Bei einer Arthroskopie werden vier kleinere, beim offenen Verfahren wird ein Schnitt in der Größe der Zyste angelegt. Die Ergebnisse sind weitgehend identisch - bei beiden Verfahren wird das Ganglion beseitigt. Bei beiden Verfahren kann es sich in etwa gleich großer Häufigkeit erneut ausbilden. Manchmal gibt es zusätzliche Veränderungen im Handgelenk, die mit einer Arthroskopie festgestellt oder behandelt werden sollen. Letztlich sind beide Verfahren gleichwertig.
- Ablauf: Die Operation wird nach den entsprechenden Vorbereitungen in Lokalanästhesie, Leitungsanästhesie oder Vollnarkose ambulant durchgeführt. Ihr behandelnder Chirurg macht einen kleinen Hautschnitt über dem Ganglion. Durch diesen gelangt er zur Ausstülpung und kann diese bis zu ihrem Ursprung an Sehne oder Gelenk verfolgen und sie derart entfernen, dass ein erneutes Auftreten weniger wahrscheinlich ist. Danach wird die Wunde mit einer feinen Naht wieder verschlossen und ein Verband angelegt. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, nach der Operation für einige Tage eine Gipsschiene zu tragen, insbesondere wenn das Ganglion aus größeren Gelenken entspringt.
Sport nach der Ganglion-Operation
Nach einer Ganglion-Operation ist es wichtig, die Hand zu schonen und den Heilungsprozess nicht zu gefährden. Wann und in welchem Umfang sportliche Aktivitäten wieder aufgenommen werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art der Operation, der individuellen Heilung und der ausgeübten Sportart.
Allgemeine Empfehlungen für die Zeit nach der Operation:
- Schonung: Eine längere Schonung ist jedoch nicht erforderlich. Lagern Sie den betroffenen Arm über Herzhöhe, um die Schwellung zu reduzieren, und führen Sie mehrfach täglich aktive und passive Bewegungsübungen mit voller Fingerstreckung und Beugung durch. Hier reichen 5-10 Minuten am Tag aus.
- Frühzeitige Mobilisierung: In den meisten Fällen kann man das Handgelenk nach der Operation gleich wieder bewegen. Nur nach der Entfernung von sehr großen Ganglien oder nach sehr ausgedehnten Eingriffen wird das betroffene Gelenk vorübergehend mit einer Unterarmgipsschiene ruhiggestellt. Nach kleineren Eingriffen kann das Handgelenk sofort wieder bewegt werden, sollte es allerdings bis zur Verheilung schonen.
- Fadenzug: Der Fadenzug sollte üblicherweise um den 12.-14. Tag nach der Operation erfolgen.
- Leichte sportliche Betätigung: Joggen kann man nach dem Fäden ziehen.
- Belastungssteigerung: Der Arm kann nach etwa 2-4 Wochen wieder beansprucht werden.
- Sportartspezifische Anpassung: Sport ist in der Regel schon nach 3 Wochen wieder möglich. Die Wiederaufnahme des Sports sollte langsam erfolgen und an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Bei Sportarten mit hoher Belastung des Handgelenks, wie z.B. Tennis oder Gewichtheben, ist es ratsam, mit dem Arzt oder Physiotherapeuten zu besprechen, wann und wie die Belastung gesteigert werden kann.
Es ist wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören und bei Schmerzen oder Schwellungen die Belastung zu reduzieren. Eine frühzeitige Überlastung kann den Heilungsprozess verzögern und das Risiko eines Rezidivs erhöhen.
Mögliche Komplikationen und Risiken
Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der Ganglion-Entfernung gewisse Risiken. In den Händen eines erfahrenen Facharztes ist die Entfernung eines Ganglions mit relativ geringen Risiken verbunden. Trotzdem kann es wie bei jeder Operation auch hier zu Komplikationen kommen. Die Entscheidung, die Operation durchzuführen, wird getroffen, weil die Vorteile der Operation die möglichen Nachteile überwiegen. Bestimmte Faktoren können die Risiken erhöhen. Hochdosierter Steroideinsatz (z.B. Kortison) oder die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten. Komplikationen können sich auf die körperliche Gesundheit auswirken oder speziell die Hand betreffen. Die Ergebnisse sind oft gut. Es kann jedoch zum Wiederauftreten der Erkrankung kommen. Bei der operativen Ganglion-Entfernung wird in zirka 90 % der Fälle ein dauerhaftes Ergebnis erreicht.
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Mögliche Komplikationen sind:
- Wundheilungsstörungen: Seltene Probleme nach der Operation eines Ganglions sind Wundheilungsstörungen. Diese sind in nahezu allen Fällen unproblematisch.
- Infektionen: Schwere Infektionen, die eine erneute Operation erforderlich machen, sind äußerst selten.
- Nervenverletzungen: Verletzungen der Funktionsstrukturen wie Sehnen oder Nerven kommen bei ordnungsgemäßer und sorgfältiger Durchführung der Operation so gut wie nie vor.
- Bewegungseinschränkungen: Häufiger ist eine Einschränkung der Beugefähigkeit des Handgelenks in den ersten Wochen nach der Operation. In den meisten Fällen normalisiert sich diese allmählich ohne spezielle Therapie.
- Rezidiv: Es kann jedoch zum Wiederauftreten der Erkrankung kommen. Bei der operativen Ganglion-Entfernung wird in zirka 90 % der Fälle ein dauerhaftes Ergebnis erreicht.