Kortisonspritzen sind in der Orthopädie weit verbreitet, um Entzündungen zu bekämpfen und Schmerzen zu lindern. Sie bieten oft schnelle Erfolge, können aber auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. In einigen Fällen berichten Patienten sogar von stärkeren Schmerzen nach einer solchen Injektion. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für diese verstärkten Schmerzen, die potenziellen Risiken von Kortisonspritzen und alternative Behandlungsoptionen.
Einleitung
Kortison, ein körpereigenes Hormon mit stark entzündungshemmender und schmerzlindernder Wirkung, wird in der Orthopädie häufig in Form von Spritzen eingesetzt. Diese Spritzen werden oft direkt in den Gelenkspalt oder in die Nähe von entzündeten Sehnenansätzen injiziert, um eine schnelle Linderung der Symptome zu erzielen. Obwohl Kortison eine wirksame Option zur Schmerzlinderung sein kann, ist es wichtig, die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen zu verstehen.
Ursachen für stärkere Schmerzen nach Cortisonspritze
Obwohl Kortisonspritzen in der Regel zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, kann es in einigen Fällen zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Schmerzen kommen. Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen:
Cortison-Flare-Reaktion (Erstverschlimmerung)
Eine der häufigsten Ursachen für verstärkte Schmerzen nach einer Kortisonspritze ist die sogenannte Cortison-Flare-Reaktion. Diese Reaktion tritt meist wenige Stunden bis zu 48 Stunden nach der Injektion auf und wird durch eine lokale Reizung des Gewebes verursacht. Dabei kann sich das behandelte Gewebe entzünden, was zu mehr Beschwerden führt. Die Cortison-Flare-Reaktion ist unangenehm, aber in der Regel harmlos und verschwindet nach einigen Tagen wieder von selbst.
Verdrängungseffekt durch das Spritzenvolumen
Das injizierte Kortison sowie das Begleitmittel können einen Verdrängungseffekt im Gewebe verursachen, der zu einer vorübergehenden Druckerhöhung und dadurch zu Schmerzen führen kann.
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Anfangsreaktion durch Gewebeveränderungen
Cortison entfaltet seine entzündungshemmende Wirkung erst nach einigen Stunden bis Tagen. In der Zwischenzeit können die Gewebeveränderungen, die durch die Injektion selbst verursacht werden, zu einer vorübergehenden Schmerzzunahme führen.
Unzureichende Cortisondosis
Es ist auch möglich, dass die Schmerzen nach einer Cortisonspritze schlimmer werden, wenn die Cortisondosis nicht ausreichend hoch gewählt wurde, um die Entzündung effektiv zu bekämpfen.
Fortbestehende Gelenkentzündung oder unentdeckte Infektion
In seltenen Fällen können stärkere Schmerzen nach einer Cortisonspritze auf eine fortbestehende Gelenkentzündung oder eine unentdeckte Infektion hindeuten. In solchen Fällen ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Schmerzen abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Risiken und Nebenwirkungen von Kortisonspritzen
Neben der Möglichkeit verstärkter Schmerzen gibt es noch weitere Risiken und Nebenwirkungen, die mit Kortisonspritzen verbunden sein können:
Infektionen
Bei jeder Spritze besteht das Risiko, dass Bakterien von der Hautoberfläche in den Körper gelangen und eine Infektion verursachen. Gelenkinfektionen sind auch bei sorgfältigster Hygiene möglich, da selbst mit der besten Desinfektion keine komplette Keimfreiheit erzielt werden kann. Eingespritztes Kortison kann das Infektionsrisiko vermutlich noch erhöhen, da es die Immunabwehr schwächt.
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Im Jahr 2012 wurde in den USA ein tragischer Fall bekannt, bei dem eine mit dem Schimmelpilz Aspergillus verseuchte Kortisonlösung zu einer Meningitis bei mehreren Patienten führte. 290 Patienten zogen sich Infektionen von Gehirn, Rückenmark und Umgebung zu, 61 von ihnen starben. Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung strenger Qualitätskontrollen bei der Herstellung von Kortisonlösungen.
Ein weiterer Fall, der im „Deutschen Ärzteblatt“ beschrieben wurde, betraf eine 74-jährige Frau, die nach mehreren Kortisonspritzen in den Rücken gelähmte Beine entwickelte. Bakterien waren durch die Nadel in den Körper gelangt und hatten im Rückenmarkskanal und in der benachbarten Muskulatur eitrige Abszesse gebildet.
Schädigung von Knorpel und Sehnen
Mehrfache Kortisoninjektionen in ein Gelenk können dazu führen, dass der wichtige Gelenkknorpel abgebaut wird. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass wiederholte Kortisonspritzen bei Kniegelenksarthrose den Abbau der gelenkschützenden Knorpelsubstanz fördern.
Auch Sehnen leiden unter wiederholten Kortisoneinspritzungen. Kortison verringert die Bildung von Kollagen, dem Haupteiweiß in den Fasern von Bändern und Sehnen. Das behindert sowohl die Heilung als auch die Reparatur des geschädigten Sehnengewebes. Vor allem bei wiederholten Injektionen können die Sehnen auf diese Weise spröde und brüchig werden und kleinste Einrisse entstehen.
Cushing-Syndrom
Das Steroid wird nach den Injektionen über Tage und Wochen hinweg aus Gelenk oder Wirbelsäule freigesetzt, sickert in die Blutbahn und verteilt sich im Körper. Dort wirkt es als Stress- und Alarmhormon. Unter seinem Einfluss wird in Knochen und Muskeln Eiweiß abgebaut, um Energie bereitzustellen. Das Steroid treibt den Blutdruck und Zuckerspiegel nach oben, macht das Gehirn wach und reaktionsbereit.
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Unterdrückung der körpereigenen Kortisolproduktion
Selbst wenn kleinere Dosen gegeben werden, kann der scheinbare Hormonüberschuss die körpereigene Glukokortikoid-Produktion zum Erliegen zu bringen. Schon nach einer einzigen intraartikulären Spritze braucht das menschliche Cortisolsystem bis zu vier Wochen, um sich zu erholen. Ähnliches gilt für Injektionen am Rücken. Für plötzliche Stresssituationen ist der Betroffene dann manchmal nicht mehr gerüstet, es kommt zum akuten Cortisolmangel. Der wiederum kann zu einer sogenannten Addison-Krise mit Blutdruckabfall, Schock oder sogar Koma führen.
Weitere Nebenwirkungen
Weitere mögliche Nebenwirkungen von Kortisonspritzen sind:
- Gesichtsrötung (Flush)
- Erhöhung des Blutzuckerspiegels
- Allergische Reaktionen
- Osteoporose
- Gewichtszunahme
- Herzrasen
Wann ist eine Kortisonspritze nötig?
Kortisonspritzen sind eine weit verbreitete Behandlungsmöglichkeit, die vor allem bei orthopädischen Erkrankungen eingesetzt wird, um möglichst schnell eine Besserung der Beschwerden zu erreichen. Sie können bei folgenden Erkrankungen in Betracht gezogen werden:
- Rückenschmerzen aufgrund von Bandscheibenvorfall, Facettensyndrom, ISG-Syndrom, Hexenschuss, Spinalkanalstenose oder Radikulopathie
- Arthrose
- Kalkschulter
- Tennisarm
- Karpaltunnelsyndrom
- Gichtanfall
- Rheumaschub
- Frozen Shoulder
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Kortisonspritzen in der Regel nicht die Ursache der Erkrankung behandeln, sondern lediglich die Symptome lindern. Sie sollten daher nur als Teil eines umfassenden Behandlungsplans eingesetzt werden, der auch andere Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und gegebenenfalls operative Eingriffe umfasst.
Alternative Behandlungsoptionen
Angesichts der potenziellen Risiken und Nebenwirkungen von Kortisonspritzen ist es wichtig, auch alternative Behandlungsoptionen in Betracht zu ziehen. Dazu gehören:
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): NSAR wie Diclofenac oder Ibuprofen sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, die als Therapie erster Wahl gelten und häufig helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Physiotherapie: Die Physiotherapie ist eine wichtige Ergänzung zur orthopädischen Behandlung. Die Ziele und Übungen der Therapie richtigen sich dabei stets nach den Beschwerden des Patienten.
- Hyaluronsäure: Hyaluronsäure verbessert Gelenkschmerzen in frühen Stadien der Arthrose. Sie wirkt wie ein Schmiermittel, das die Gleitfähigkeit im Gelenk unterstützt. Die Wirkung einer Spritze hält oft monatelang an, die Injektion kann mehrfach wiederholt werden.
- Autologes plättchenreiches Plasma (PRP): Dieses Verfahren ist eine spezifische Form der Eigenbluttherapie, bei der dem Patienten entnommenes Blut speziell aufbereitet wird. In ein Arthrosegelenk gespritzt soll das plättchenreiche Plasma (PRP) die Regeneration unterstützen und knorpelschützende Effekte entfalten.
- Akupunktur: Durch feinste Nadeln, welche die Akupunkturpunkte des Körpers aktivieren, können Schmerzen von Sitzung zu Sitzung gemildert werden.
- Atlastherapie: Bei der Atlastherapie wird der erste Halswirbel vorsichtig zurück in sein ursprüngliche Position gebracht.
- Stammzelltherapie: Bei einer Stammzelltherapie gewinnen wir aus patienteneigenem Knochenmark Stammzellen. Dieses Schmerztherapieverfahren setzen wir in München bei chronischen Rückenschmerzen ein.
Was tun bei stärkeren Schmerzen nach Cortisonspritze?
Wenn Sie nach einer Cortisonspritze stärkere Schmerzen verspüren, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Schonen Sie das behandelte Gelenk: Vermeiden Sie für 24 bis 48 Stunden intensive Belastungen.
- Kühlen Sie die Injektionsstelle: Kühlung kann Schwellungen oder Schmerzen lindern.
- Nehmen Sie Schmerzmittel ein: Bei Bedarf können Sie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.
- Suchen Sie einen Arzt auf: Falls starke Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen auftreten, sollten Sie einen Orthopäden konsultieren, um eine Infektion auszuschließen.