Sumatriptan ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Triptane, der speziell für die Akutbehandlung von Migräne mit und ohne Aura sowie Cluster-Kopfschmerzen entwickelt wurde. Es war das erste zugelassene Triptan auf dem deutschen Arzneimittelmarkt und hat seitdem die Behandlung von Migräneattacken revolutioniert. Dieser Artikel beleuchtet die Dosierung, Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Nebenwirkungen und wichtigen Hinweise zur Einnahme von Sumatriptan.
Wirkungsweise von Sumatriptan
Sumatriptan wirkt, indem es an spezifische Serotonin-Rezeptoren (5-HT1B/1D) in den Blutgefäßen des Gehirns bindet. Diese Bindung führt zu einer Verengung der Blutgefäße, was dazu beiträgt, die während eines Migräneanfalls erweiterte Blutgefäße zu normalisieren. Zusätzlich hemmt Sumatriptan die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen und die Aktivität des Trigeminusnervs, wodurch die Schmerzübertragung reduziert wird.
Die Hauptwirkungen von Sumatriptan sind:
- Vasokonstriktion: Verengung der Blutgefäße im Gehirn
- Entzündungshemmung: Reduktion der Entzündung um die Blutgefäße und Hirnhaut
- Schmerzlinderung: Verminderung der Schmerzweiterleitung
Der Effekt von Sumatriptan ist umso stärker, je früher es nach Beginn der Kopfschmerzphase der Migräne eingenommen wird.
Anwendungsgebiete von Sumatriptan
Sumatriptan ist zugelassen für die Akutbehandlung von:
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- Migräne mit und ohne Aura
- Cluster-Kopfschmerzen (nur subkutan)
Es wird empfohlen, Sumatriptan bei den ersten Anzeichen von Migränekopfschmerz oder Cluster-Kopfschmerz einzunehmen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Sumatriptan sollte nicht prophylaktisch zur Vorbeugung von Migräneanfällen eingesetzt werden.
Dosierung und Anwendung von Sumatriptan
Sumatriptan ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:
- Filmtabletten (50 mg, 100 mg)
- Nasenspray (10 mg, 20 mg)
- Injektionslösung zur subkutanen Anwendung (6 mg)
- Zäpfchen (25 mg)
Die Wahl der Darreichungsform hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Patienten ab. Nasensprays und Injektionslösungen können besonders nützlich sein für Patienten, die unter Übelkeit und Erbrechen während der Migräneattacke leiden und Schwierigkeiten haben, Tabletten einzunehmen.
Sumatriptan Filmtabletten
Die übliche Dosis für Erwachsene beträgt 50 mg Sumatriptan. Einige Patienten benötigen möglicherweise 100 mg, um eine ausreichende Linderung zu erzielen. Höhere Dosen als 100 mg führen nicht zu einer stärkeren Wirkung.
- Anwendung: Die Filmtablette wird unzerkaut mit Wasser eingenommen, sobald der Migränekopfschmerz beginnt.
- Wiederholte Einnahme: Falls die Wirkung nachlässt oder die Beschwerden wieder auftreten, kann frühestens nach zwei Stunden eine weitere Dosis eingenommen werden. Die maximale Tagesdosis beträgt 300 mg (entspricht 6 Tabletten à 50 mg).
- Wichtig: Wenn die erste Dosis keine Wirkung zeigt, sollte keine weitere Dosis während derselben Attacke eingenommen werden. Stattdessen können andere Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen verwendet werden.
Sumatriptan Nasenspray
Die empfohlene Dosis für Erwachsene beträgt 20 mg Sumatriptan, die in ein Nasenloch appliziert wird. Bei Bedarf kann die Dosis nach frühestens zwei Stunden wiederholt werden.
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- Anwendung: Der Nasenspray wird in ein Nasenloch gesprüht, sobald der Migränekopfschmerz beginnt.
- Wiederholte Einnahme: Beim Wiederauftreten der Schmerzen kann die Dosis erneut eingenommen werden, wobei ein Mindestabstand von 2 Stunden eingehalten werden sollte.
- Kinder und Jugendliche: Für Jugendliche über 12 Jahre kann ein niedrig dosierter Nasenspray (10 mg) verwendet werden. Die Verordnung sollte jedoch nur durch einen spezialisierten Arzt in der Migränebehandlung erfolgen.
Sumatriptan Injektionslösung
Die empfohlene Dosis beträgt 6 mg Sumatriptan, die subkutan injiziert wird. Bei Bedarf kann die Dosis nach frühestens zwei Stunden wiederholt werden.
- Anwendung: Die Injektionslösung wird mit einem Autoinjektor (Pen) unter die Haut gespritzt. Der Vorteil dieser Anwendungsform ist, dass der Patient die Injektion selbstständig durchführen kann.
- Wiederholte Einnahme: Sollte nach der Anwendung von Sumatriptan 6 mg s.c. ein Wiederkehrkopfschmerz auftreten, kann dieser wahlweise mit einer erneuten subkutanen Injektion von Sumatriptan behandelt werden. Alternativ ist jedoch auch der Einsatz einer Sumatriptan-Tablette oder auch eines Antiemetikums in Kombination mit einem Schmerzmittel möglich.
- Wichtig: Sumatriptan subkutan ist nur zur subkutanen Injektion vorgesehen und darf nicht intravenös injiziert werden.
Gegenanzeigen und Warnhinweise
Sumatriptan darf nicht eingenommen werden bei:
- Allergie gegen Sumatriptan oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
- Problemen mit dem Herzen, wie z. B. Verengung der Herzkranzgefäße (ischämische Herzkrankheit) oder Brustschmerzen (Angina pectoris), oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte
- Durchblutungsstörungen in den Beinen (periphere Gefäßerkrankung)
- Schlaganfall oder vorübergehende Zustände von Minderdurchblutung im Gehirn (TIA) in der Vorgeschichte
- Hohem Bluthochdruck
- Schwerer Lebererkrankung
- Gleichzeitiger Einnahme von anderen Migränemedikamenten, die Ergotamin enthalten, oder vergleichbarer Medikamente wie Methysergid oder einem anderen Triptan/5-HT1-Rezeptor-Agonisten
- Einnahme von bestimmten Antidepressiva, so genannten MAO-Hemmern (Monoaminoxidase-Hemmer) oder Einnahme bis vor zwei Wochen
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Frauen in oder nach den Wechseljahren (Menopause)
- Risikofaktoren für Herzerkrankungen
- Krampfanfällen (epileptischen Anfällen) in der Vergangenheit oder Risikofaktoren, die die Gefahr von Krampfanfällen erhöhen
- Leber- oder Nierenerkrankungen
- Allergie gegen Sulfonamid-Antibiotika
- Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen, so genannte SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) oder SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer)
- Häufiger Einnahme von Sumatriptan
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Sumatriptan kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.
Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von:
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- Ergotamin oder ähnlichen Arzneimitteln wie Methysergid
- Anderen Triptanen/5-HT1-Rezeptor-Agonisten
- SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) oder SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer)
- MAO-Hemmern (Monoaminoxidase-Hemmer)
- Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Nebenwirkungen von Sumatriptan
Wie alle Arzneimittel kann auch Sumatriptan Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Häufige Nebenwirkungen (können bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auftreten):
- Schwindel
- Schläfrigkeit
- Empfindungsstörungen
- Blutdruckanstieg
- Hitzewallungen
- Atemnot
- Übelkeit
- Erbrechen
- Muskelschmerzen
- Schweregefühl
Gelegentliche Nebenwirkungen (können bei 1 bis 10 von 1.000 Behandelten auftreten):
- Müdigkeit
- Benommenheit
- Kältegefühl
- Missempfindungen in den Extremitäten
- Lokale Reaktionen an der Einstichstelle bei Verwendung des Autoinjektors
- Gesichtsröte ("Flush")
In sehr seltenen Fällen sind bei Patienten nach der Einnahme von Sumatriptan schwerwiegende Herzprobleme aufgetreten, ohne dass es vorher Anzeichen für eine Herzerkrankung gab. Wenn Sie nach der Einnahme von Sumatriptan Schmerzen oder Engegefühl im Brustkorb fühlen, suchen Sie umgehend einen Arzt auf.
Sumatriptan in Schwangerschaft und Stillzeit
Die Anwendung von Sumatriptan während der Schwangerschaft sollte vermieden werden, es sei denn, der Arzt hält sie für unbedingt erforderlich. Sumatriptan geht in die Muttermilch über. Nach der Einnahme von Sumatriptan sollte das Stillen für mindestens 12 Stunden vermieden werden.
Wichtige Hinweise
- Sumatriptan sollte nur eingenommen werden, wenn eine Migräne ärztlich diagnostiziert wurde.
- Eine zu häufige Einnahme von Sumatriptan kann die Kopfschmerzen verschlimmern.
- Sumatriptan darf nicht an mehr als 10 Tagen pro Monat angewendet werden.
- Wenn sich die Migräne-Anfälle häufen, muss die Therapie überprüft werden.
- Sumatriptan kann Müdigkeit verursachen. Wenn Sie hiervon betroffen sind, fahren Sie nicht Auto und bedienen Sie keine Maschinen.
- Dieses Arzneimittel enthält Lactose und Natrium. Bitte nehmen Sie Sumatriptan erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern leiden.
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